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Doppelt ist besser: «The Crown» gewinnt die Trophäen für die beste Serie und die beste Darstellerin (Claire Foy). Bild: HANDOUT/REUTERS

«The Crown» ist eine verfluchte Netflix-Droge. Pardon, die beste Serie der Welt

10.01.17, 17:24 11.01.17, 09:24

Die Queen hat bei den Golden Globes alle ausgestochen. «Stranger Things», «Westworld» und «Game of Thrones» hatten keine Chance. «The Crown», die bisher teuerste Netflix-Produktion, wurde zur besten TV-Serie gekürt. Echt jetzt? Spinnen die in Hollywood? Sind die alle auf «Downton Abbey»-Entzug? Was ist los? Und war die Queen eigentlich jemals was anderes als die reichste Grossmutter der Welt? War die mal interessant?

Sun, Fun und Philip (Matt Smith): Das Leben der Queen (Claire Foy), bevor sie Queen wurde. Bild: Netflix

Oh ja! Elizabeth II. war in jungen Jahren tatsächlich ein Sexsymbol ihrer Zeit. Sie teilte sich mit Marilyn Monroe den Jahrgang 1926 und ein paar äusserliche Merkmale, sie war mit 1,63 Metern drei Zentimeter kleiner als Monroe, hatte eine schmale Taille, eine wahrnehmbare Oberweite und vom Reiten schöne Beine. Männer nannten sie «hot».

Dies wäre nun alles vollkommen unwichtig, wenn es darum ginge, die Verdienste der Queen zu würdigen, es hätte in dem Zusammenhang sogar ausnehmend nichts zu suchen. Aber es hilft ein wenig, die irrsinnige Begeisterung zu verstehen, die Elizabeth zuflog, als sie mit nur 25 Jahren Königin wurde.

So sah es dann bei der Krönung aus. Bild: Netflix

Denn die Queen – und das zeigt der Netflix-Hit «The Crown» sehr schön – war nicht einfach eine Königin, sie war die erste TV-Königin. Sie war die schöne junge Frau, deren Krönung mit einem Schlag  27 Millionen (und dies nur in Grossbritannien) Menschen schauten. Es war der Tag, der das Fernsehen zum Massenmedium und Elizabeth in der ausgemergelten Nachkriegswelt zur Lichtgestalt machte. Und es war – neben ihren Pferden – der grösste Exzess, den sich die strenge, selbstkritische Elizabeth erlaubte.

Ganz normale Momentaufnahme einer Queen. Bild: Netflix

Ihre Bildung schätzte sie damals selbst als unzulänglich ein, ihre Reden wirkten immer etwas überdiszipliniert und steif. Hinter den Kulissen traf sie im Namen der Krone Entscheidungen – auch gegen ihre Nächsten –, die man nur kaltherzig nennen kann. Aber gemeinsam mit dem Bildmedium Fernsehen schaffte sie es, als Erscheinung zu glänzen und vieles zu überstrahlen. Was für eine Virtuosin der Eigen-PR.

Und was für eine Steilvorlage für eine perfekt berechnete Serie. Ein klassischer Netflix-Algorithmus-Coup. Irgendwo zwischen Rosamunde Pilcher und «House of Cards». Und: nach vielen wahren Geschichten. Tatsächlich sind die fiktionalen Ausschmückungen der Wahrheit sehr spärlich gesetzt. Der Schmuck besteht in den Bildern: Schlösser, Zeremonien, Weltreisen, Bälle, die Krone ... 

John Lithgow (er war mal ein genialer Psychopath in «Dexter») ist Winston Churchill.  Bild: Netflix

Erfunden hat «The Crown» der Brite Peter Morgan. Er kennt seine Königin bestens, er hat über die viel ältere Elizabeth bereits einmal ein Drehbuch geschrieben, Stephen Frears hat es verfilmt, Helen Mirren gewann dafür ihren Oscar, es hiess «The Queen». Morgan bewegt sich geschickt zwischen Anbetung und Sarkasmus, zwischen amerikanischem Pathos und britischer Sprödheit.

«The Crown» ist ein vollendetes Produkt. Wie die Queen selbst. Es haben sich da zwei getroffen. Und was für «Game of Thrones», «Westworld» und «Stranger Things» schon länger gilt, das gilt auch hier: Das Resultat ist eine verfluchte Droge.

Die 63 grossartigsten Bilder der Rekordqueen, die du mindestens einmal in deinem Leben gesehen haben musst

 

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Launedernatur 11.01.2017 07:32
    Highlight Na ja, eine ziemlich gut gemachte Serie. Aber bis auf John Lithgows Leistung eigentlich nur sehr aufwändiger Durchschnitt.
    6 5 Melden
  • palito 11.01.2017 02:01
    Highlight sorry @Simone. ich kann mich leider nicht deinem enthusiasmus anschliessen. zwar glänzt die serie durch tolle bilder und kostüme. aber auch durch schwaches schauspiel. keine spannung, keine charakteren, kein tiefgang. ganz nah bei rosamunde pilcher. lichtjahre von "House of Cards" entfernt. seichte unterhaltung. mehr nicht.
    11 8 Melden
  • Posersalami 10.01.2017 21:44
    Highlight Ich hab mehr zufällig auf Netflix mal rekngesehen und dann nach 4 Tagen die erste Staffel durchgesehen 😅 Sehr gut gemacht!
    13 5 Melden
  • SVARTGARD 10.01.2017 20:45
    Highlight Simone muss das sein.😆
    8 2 Melden
  • Sumsum 10.01.2017 20:12
    Highlight Ich hab mir the Crown auch gegeben. Gut gemacht, viel Aufwand. Natürlich wegen dem hohen Budget auch kein Wunder.
    Ein nette "Geschichtsstunde" für jene die wie ich keinen blassen von der UK Geschichte haben.
    Danach hab ich gleich weitergemacht mit Nachsitzen und mir die Serie Victoria reingezogen. Die war viel spannender und da ging die Post bzw. Queen viel mehr ab als bei Crown. Und das bei deutlich geringerem Budget.

    Beste Serie ? Ist doch wie mit Wein, entweder es schmeckt oder eben nicht.
    30 4 Melden
    • Simone M. 11.01.2017 09:23
      Highlight «Victoria» hab ich auch sehr geliebt. Ist aber insgesamt sehr viel soapiger geschrieben. Was mich selbstverständlich gar nicht stört...
      2 1 Melden
  • Raembe 10.01.2017 19:53
    Highlight Hab mir neulich paar Episoden gegönnt, scheint gut gemacht aber hat mich einfach nicht gepackt. Bisher hat mich auch keine Serie wie GoT gepackt. Ok, OA und Stranger Things sind auch verdammt gut.
    9 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 10.01.2017 19:18
    Highlight Es ist das Märchenmotiv. Märchen sind immer erfolgversprechend.
    8 4 Melden
  • Luca Brasi 10.01.2017 19:05
    Highlight Schon noch interessant. Eine Serie über das royale Oberhaupt Großbritanniens erntet Beifall in den USA, die sich einst genau von diesem Königreich losgesagt haben. Man könnte meinen in Hollywood können es die Leute kaum erwarten wieder Untertanen zu sein. Der arme General Washington rotiert gerade im Grab.

    Ach ja, lang lebe die Republik! ;)
    16 12 Melden
    • Simone M. 11.01.2017 09:26
      Highlight Ich hab auch gestaunt. Ich hätte den Preis ja «Westworld» gegeben. Aber wahrscheinlich hat Amerika gerade viel Sehnsuch nach einem verlässlichen und einigermassen braven Menschen an der Spitze ... Und «Westworld» dekonstruiert den Mythos Western, das hätte dann wieder Gefühle verletzt.
      3 2 Melden
  • P. Swiss 10.01.2017 18:23
    Highlight OK, überredet. Werde ich mir ansehen. So Queen-Kram finde ich immer toll.

    Aber Frau Meier soll aus «Downtown Abbey» noch eine «Downton Abbey» machen. 👆
    37 5 Melden
    • Simone M. 11.01.2017 09:23
      Highlight OH! Shame on me and the Korrektorat!
      0 2 Melden
  • Theor 10.01.2017 18:14
    Highlight Habe den Artikel zwar gelesen, aber nicht wirklich eine Ahnung, was mich nun da erwartet? Dass sie alles abräumt und sogar GoT, HoC oder BBT hinter sich lässt, ist beeruckend! Aber warum sie das dann tut, habe ich irgendwie nicht wirklich verstanden. Kann mich jemand aufklären?
    32 1 Melden
    • Thanatos 10.01.2017 18:38
      Highlight Das hab ich mich auch gefragt. Am besten schauen wir mal ne Episode. Dann wissen wir Bescheid ^^
      15 4 Melden
  • Calvinandboby 10.01.2017 17:55
    Highlight Besser als Braking Bad? Ich denke mit Action orientierten Serien wie Game of Thrones oder Westworld lässt sie sich kaum vergleichen.
    34 8 Melden
    • zeromg 10.01.2017 18:14
      Highlight Die Auszeichnung "Beste Serie" ist Genre unabhängig. Somit ist es also doch möglich die Serien zu vergleichen.
      14 12 Melden
    • Hoppla! 10.01.2017 19:29
      Highlight Schwierig. Fondue oder Steak. Beides lecker, aber auch nicht zu vergleichen.

      The Crown fand ich gut, aber mich hat es nicht so extrem gepackt.
      11 2 Melden
    • Pana 10.01.2017 19:42
      Highlight Ich bezweifle, dass Breaking Bad zur Auswahl stand.

      17 2 Melden
    • Raembe 10.01.2017 19:54
      Highlight Ist die Jury bei den Globes eig immer die Gleiche?
      3 0 Melden
    • Tiny Rick 10.01.2017 19:56
      Highlight Breaking Bad
      5 5 Melden

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