International

Komiker John Oliver trifft Snowden und stellt die wichtige Frage: «Kann die NSA unsere Penis-Bilder sehen?»

07.04.15, 15:39 07.04.15, 16:40

Das 33-Minütige Segment in «Last Week Tonight» zum Thema Überwachung. Video: Youtube/Last Week Tonight

Ein Elefant steht im Raum, und alle tun so, als wäre er nicht da. In den USA benutzt man dieses Bild, wenn alle Beteiligten sich davor drücken, ein offensichtliches Problem anzusprechen. In diesem Fall ist der Elefant der US-Geheimdienst NSA, der die eigenen Bürger ausspioniert.

Der britische Satiriker John Oliver hat sich in seiner Show «Last Week Tonight» Gedanken gemacht, wie man ignorante US-Bürger dazu bewegen kann, sich mit dem Thema Massenüberwachung auseinanderzusetzen. Und zwar mit der simplen Frage: Kann die NSA meinen Pimmel sehen?

Erneuerung des «Patriot Acts»

Am 1. Juni soll in den USA der «Patriot Act» erneuert werden, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingeführt wurde. Das Gesetz gewährt den Regierungsbehörden grosse – in den Augen von Kritikern zu grosse –  Macht. Besonderst umstritten ist die «Sektion 215», die es dem FBI erlaubt, «jegliche materiellen Dinge» von Personen oder Firmen zu beschlagnahmen, wenn es um «den Schutz vor internationalem Terrorismus» geht. Kritiker sprechen bei dem Zusatz von einem Freibrief der Bundespolizei. (rey)

«Die gute Nachricht ist, es gibt kein Programm namens ‹Penis-Bild-Programm›, Die schlechte: Die NSA sammelt Daten von allen. Inklusive Penisbilder.»

Edward Snowden

Um dies zu beantworten, ist Oliver nach Moskau gereist und hat den Whistleblower Edward Snowden mit der Frage konfrontiert. Die kurze Antwort ist: ja. Wer seiner Geliebten ein Foto seines besten Stücks schickt, muss damit rechnen, dass es der Geheimdienst abfängt.

«Die gute Nachricht ist, es gibt kein Programm namens ‹Penis-Bild-Programm›», sagt Snowden. «Die schlechte Nachricht ist, dass die NSA Daten von allen sammelt. Inklusive Penisbilder.»

Eine Strassenumfrage in New York zeigt: Wer Edward Snowden ist und was er gemacht hat, weiss niemand so genau. «Das ist doch der Typ, der für Wikileaks verantwortlich ist», lautet die Antwort eines Mannes. Mit der Tatsache konfrontiert, dass die Regierung intime Bilder ansehen könne, zeigten sich die Leute schlagartig betroffen: «Die Regierung sollte unter keinen Umständen Bilder meines Penisses sehen können.»

«Massenüberwachung. Jetzt reden wir über meinen Pimmel», sagt John Oliver, und luchst Edward Snowden ein High five ab. Screenshot: Youtube

Die neue Perspektive zieht im Netz bereits ihre Kreise: Ein Webdesigner hat die Seite www.cantheyseemydick.com ins Leben gerufen, auf der er für die bekannten kritischen NSA-Programme die Penisfrage stellt – inklusive Links mit weiterführenden Informationen.

«Dafür müssen Sie Verantwortung übernehmen»

Trotz des humoristischen Ansatzes nahm Oliver seine Aufgabe als Journalist ernst und stellte auch kritische Fragen: Etwa, ob es schlau war, all die Informationen der Presse zu geben, an Menschen, die das nötige technische Wissen nicht haben. 

Wegen eines ungenügend zensierten Dokuments in der «New York Times» seien geheime Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. «Das ist ein Problem», sagt Snowden. «Da wurde Scheisse gebaut», präzisiert Oliver. «Dafür müssen Sie Verantwortung übernehmen.»

Als Snowden beginnt, die technischen Aspekte der Massenüberwachung zu erläutern, unterbricht ihn Oliver: «Genau das ist das Problem. Ich mag gar nicht zuhören. Es ist, als käme der IT-Mitarbeiter ins Büro und du denkst dir: Oh Scheisse. Bring mir nichts bei. Ich will nichts lernen, du riechst nach Dosensuppe.»

«Wir sollten weiterhin Penis-Bilder machen. Wir sollten unser Verhalten nicht ändern, nur weil sich die Regierung falsch verhält.»

Edward Snowden

«Ich verstehe das Problem. Es ist schwierig, den Leuten so etwas Komplexes so zu erklären, dass sie es verstehen», antwortet Snowden. Da schlägt Oliver seine Strategie vor. Er gibt Snowden ein Couvert mit dem Bild seines Glieds und fragt ihn, welches NSA-Programm dem Geheimdienst ermöglicht, dieses zu sehen. Antwort: Fast alle Programme lassen es zu.

«Wenn die amerikanische Öffentlichkeit das wüsste, wäre sie völlig schockiert», stellt John Oliver fest. Er fragt Snowden, ob es nicht das Beste wäre, wenn Amerikaner in ihrem eigenen Interesse damit aufhören würden, Penis-Fotos zu machen. 

«Nein», sagt Snowden bestimmt. «Sie sagen, die Amerikaner sollten weiterhin Fotos von ihren Penissen machen?» Der Whistleblower antwortet: «Ja. Wir sollten unser Verhalten nicht ändern, nur weil sich eine Regierungsbehörde falsch verhält.» (rey)

Whistleblower

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • M. Sig 08.04.2015 16:56
    Highlight Möchte John Oliver wärmstens empfehlen! Sehr reizvoll, wie seine Sendung Comedy und Journalismus verbindet. Ohne Furcht vor kontroversen Themen. Von vielen anderen unterscheidet ihn, dass er nicht nur amerikanische Angelegenheiten behandelt. Einer meiner Favoriten ganz klar der Beitrag zur FIFA:
    2 0 Melden
  • SVRN5774 08.04.2015 00:18
    Highlight Bin ich die einzige, die den Snowden attraktiv findet? :o xD
    Er ist eigentlich gar nicht so mein Typ, aber ich finde ihn anziehend. :)

    PS: watson, toller Beitrag. Weiter so!
    3 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.04.2015 19:09
    Highlight Die bereits weitgehende Perversion der Werte hat mittlerweile dazu geführt, dass Satire die Realität und die Realität Realsatire ist. Konsequenterweise müssten die wunderbaren Jon Stewart, Stephen Colbert, John Oliver, "die Anstalt" und die "heute-show" die Sendeplätze mit den prime time news-Formaten tauschen. Derweil haben wir bloss unlustige Satirebünzli vom Schlage eines G&M.
    40 3 Melden
  • Hazzo 07.04.2015 18:06
    Highlight Wer kein Bild seines Penis macht, schützt sich sowohl vor der NSA als auch vor einem zweiten Gerigate ...
    5 27 Melden
    • weisse Giraffe 08.04.2015 10:39
      Highlight Haben Sie den letzten Satz nicht gelesen? Welche Art von Freiheit haben wir, wenn wir unser Verhalten derart einschränken müssen, aus Angst vor dem Staat?

      Meinungsäusserungsfreiheit ist ein fundamentales Menschenrecht, das uns vor Übergriffen des Staates schützt.

      (Nicht aber vor Privaten. Es ist ein anderes Kaliber, wenn ihr "Freund" das Penisbild klaut und veröffentlicht. Das ist eine Rechtsverletzung, für die es das Strafrecht gibt. Das gilt auch, wenn Sie jemanden unaufgefordert mit Ihrem Penisbild belästigen und diese Person Sie anklagt.)

      Also kurz und grob (juristisch ist es viel komplexer):
      Penisbild machen und in Ihrem privaten Bereich gespeichert haben: Ihr gutes Recht. Wer es verletzt, macht sich strafbar. Individuen im Strafrecht. Staaten als Menschenrecht. Hier ist das Problem mit den Geheimdiensten anzusiedeln. Freiheit bedeutet auch, nicht unter Generalverdacht gestellt zu werden. (So interpretiere ich Freiheit jedenfalls.)

      Penisbild machen und andere ohne deren Zustimmung damit belästigen: mögliche Strafrechtsverletzung. Bei einer Anzeige muss das Bild als Beweissicherung von der Polizei gespeichert werden. Keine Menschenrechtsverletung durch den Staat, da ein begründeter Verdacht besteht. (Wenn der Staat das Bild aber grundlos speichert, weil Sie es möglicherweise in Zukunft einmal zur Belästigung benutzen könnten oder weil irgendeine Form von Kristallkugel erwartet, dass Sie es wahrscheinlich tun werden - siehe oben. So sehe ich es jedenfalls.)

      Sie möchten Ihr Penisbild auf Facebook veröffentlichen, dort wird es wegen Verletzung der AGB gelöscht: keine Verletzung der Meinungsäusserungsfreiheit (Facebook ist kein Staat). Sie haben den AGB zugestimmt. Wenn die AGB gegen Landesrecht verstossen, können Sie Facebook einklagen. Stützt das Landesrecht Facebook, können Sie ihr Land wegen Menschenrechtsverletzung einklagen.

      (Letzterer Punkt ist zugegebenermassen eine offene Rechtsbaustelle bei internationalen Firmen, die mit Gerichtsstandortwahl etc. dem Landesrecht ausweichen können, aber das ist eine andere Diskussion.)
      6 0 Melden
  • lukac_ 07.04.2015 16:48
    Highlight John Oliver ist ein Gott.
    23 2 Melden
  • moimoimoi 07.04.2015 15:51
    Highlight John Oliver würde darauf bestehen, dass er kein Journalist ist, sondern Comedy macht.
    Aber trotzdem informiert er besser als manches Newsprogramm, weil er nicht von Sponsoren und Werbeträgern seines Senders abhängig ist. Seine Sendung ist etwas vom Besten, was Comedy und News passieren konnte!
    73 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.04.2015 21:02
      Highlight Unglaublicher Beitrag, die Lawine kann weiterrollen. Danke an John, dass er beginnt die Realität für Vollposten zu erklären. Weil die vom Mainstream so weichgespült sind.
      Danke an WAtson für die zusammenstellung!!!
      18 3 Melden

Trump kippt Einfuhr-Verbot für Grosswildjäger – (Und ja, auf dem Foto sind seine Söhne)

Donald Trump selber jagt keine Tiere. Aber seine Söhne, die würden das lieben, erzählte der US-Präsident im Jahr 2012. «Sie sind Jäger und sie sind darin sehr gut geworden.» 

Gut fünf Jahre ist es nun her, seit Fotos von Trumps Söhnen bei der Grosswildjagd vom Magazin «TMZ» veröffentlicht wurden. Sie sorgten in den sozialen Medien und unter Tierschützern für einen Aufschrei.

Auf einem Bild ist zu sehen, wie Trump Jr. mit einem abgeschnittenen Elefantenschwanz posiert. 

Auf einem weiteren …

Artikel lesen