International

Katalonien in Aufruhr

Madrid spricht sich für neue Regionalwahl aus +++ Caixabank verlässt Katalonien

Im Katalonien-Konflikt hat es diverse Anzeichen auf eine Entspannung zwischen Madrid und Barcelona gegeben. Gleichzeitig sprach sich die Zentralregierung für Neuwahlen in der nach Unabhängigkeit strebenden Region aus.

06.10.17, 18:20 06.10.17, 21:24

Es müsse der «Bruch» zwischen Madrid und Barcelona gekittet werden, sagte Regierungssprecher Íñigo Méndez de Vigo am Freitag nach einer Kabinettssitzung. Dies könne über Regionalwahlen in Katalonien geschehen.

Caixabank verlässt Katalonien

Die spanische Großbank Caixabank kehrt Katalonien den Rücken. Der Sitz des Instituts soll nach Valencia verlegt werden. Das beschloss die Bank am Abend. Im Gespräch war auch eine Verlegung in Mallorcas Hauptstadt Palma.Mit 32.400 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 357 Milliarden Euro ist die Caixabank das größte Unternehmen, das angesichts der Turbulenzen aus Katalonien abwandert. Zuvor hatte bereits die spanische Banco Sabadell einen Umzug angekündigt. Sie will ihren Hauptsitz in die Küstenstadt Alicante verlegen.

sda

Ein Schritt in Richtung Deeskalation dürfte auch sein, dass sich der Vertreter der spanischen Zentralregierung für Katalonien, Enric Millo, für die Polizeigewalt beim Unabhängigkeitsreferendum entschuldigte. «Es tut mir sehr leid und ich bitte um Entschuldigung», sagte er im katalanischen Fernsehsender TV3.

Zugleich gab Millo der Regierung in Barcelona die Hauptverantwortung für die Vorkommnisse vom Sonntag: Diese habe die Menschen angehalten, zu einer verbotenen Abstimmung zu gehen. Bei Zusammenstössen mit der spanischen Polizei waren während des Unabhängigkeitsreferendums knapp 900 Menschen verletzt worden.

Endergebnis bekannt

Die Regionalregierung gab unterdessen das offizielle Endergebnis des Referendums vom vergangenen Sonntag bekannt. 90.18 Prozent der Wähler hätten sich für die Abspaltung der Region von Spanien ausgesprochen, hiess es auf der Homepage der «Generalitat». Knapp 2.29 Millionen der 5.3 Millionen Wahlberechtigten seien zu den Urnen gegangen – dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 43 Prozent.

Die Regionalregierung von Carles Puigdemont hatte zuvor angekündigt, maximal 48 Stunden nach Bekanntgabe des Endergebnisses die Unabhängigkeit von Spanien ausrufen zu wollen. Ob und wann dies geschehen soll, war aber weiter unklar.

Puigdemont wolle am Dienstag das Parlament über die «aktuelle politische Situation» nach dem Unabhängigkeitsvotum informieren – einen Tag später als zunächst geplant, teilte Parlamentspräsidentin Carme Forcadell über Twitter mit. Die radikale Partei CUP erklärte, sie verhandle bereits mit Puigdemonts Regierungsbündnis über den Text der Unabhängigkeitserklärung.

Firmenumzug erleichtert

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy hat Verhandlungen oder eine Vermittlung von aussen bisher stets ausgeschlossen, solange die katalanische Seite mit einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung droht. Madrid könnte sogar die Regionalregierung entmachten und Katalonien seinen Autonomiestatus entziehen, um eine Abspaltung zu verhindern.

Mariano Rajoy. Bild: EPA/EFE

Rajoys Kabinett erhöhte zunächst den wirtschaftlichen Druck auf Katalonien, indem es ein Dekret verabschiedete, das Firmen und Banken den Weggang aus Katalonien erleichtert. Demnach reicht für einen Ortswechsel künftig eine Entscheidung des Verwaltungsrates – eine Aktionärsversammlung muss nicht mehr einberufen werden.

Bereits am Donnerstag hatte die fünftgrösste Bank des Landes, Banco Sabadell, angekündigt, nach Alicante umzuziehen. Auch der Energiekonzern Gas Natural Fenosa wolle den Hauptsitz nach Madrid verlegen, berichteten Medien am einer Sitzung des Verwaltungsrats. Weitere Kandidaten für einen Umzug sind die Grossbank La Caixa sowie Freixenet, einer der grössten Cava-Produzenten Spaniens.

Barcelona für «Waffenruhe»

Angesichts der sich verschärfenden Lage rief ein Vertreter der katalanischen Regionalregierung zu einer «Waffenruhe» auf. Santi Vila sagte im Radiosender Rac1, beide Seiten dürften keine voreiligen Schritte unternehmen.

Auch die EU-Kommission drängte Madrid und Barcelona am Freitag erneut, schnell miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Brüsseler Behörde will sich aber weiterhin nicht als Vermittlerin einschalten.

Die Schweiz hingegen steht als mögliche Vermittlerin im Gespräch. Man stehe mit den Konfliktparteien im Kontakt, hiess es seitens des Aussendepartements (EDA); die Bedingungen für eine Mediation seien aber bisher nicht gegeben.

Polizeichef in Madrid befragt

Mehreren Verantwortlichen drohen im Konflikt juristische Konsequenzen: Der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero, eine Polizeivertreterin sowie zwei Anführer der Unabhängigkeitsbewegung mussten vor dem nationalen Strafgericht in Madrid aussagen.

Ihnen wird im Zusammenhang mit einer Demonstration im September «aufrührerisches Verhalten» vorgeworfen. Demonstranten hatten damals Angehörige der spanischen Guardia Civil stundenlang eingekesselt.

Trapero und die Unabhängigkeitsaktivisten Jordi Sánchez und Jordi Cuixart verliessen das Gericht jedoch als freie Männer. Die Staatsanwaltschaft beantragte nach Justizangaben weder Untersuchungshaft noch irgendwelche Auflagen. Die ebenfalls beschuldigte Polizeivertreterin hatte per Videoschaltung ausgesagt. (sda/dpa/afp/reu)

Das könnte dich auch interessieren:

12 geniale Erfindungen, die deinen Koch-Alltag einfacher machen

Die 10 witzigsten Rezensionen bei Amazon – zum Beispiel für diese Huhn-Warnweste

Mit Vollgas in die Vergangenheit – was der Tesla-Chef falsch macht

HÄSSIG! So käme es heraus, wenn du deinen Aggressionen immer freien Lauf lassen würdest

Wir müssen uns dringend über die 00er-Jahre unterhalten! Sitzung! Sofort!

Peter Pan ein Kindermörder? Die absurdesten Fan-Theorien im Filmuniversum

Trump-Kenner Kim Holmes: «US-Verbündete sollten Trumps Tweets nicht allzu ernst nehmen»

Lohnt sich der Umstieg auf den neuen Firefox Quantum? Dieser Speed-Vergleich zeigt es

Liam füdliblutt – wieso Eltern denken müssen, bevor sie ihre Kinder zu Insta-Stars machen

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DSC 07.10.2017 09:34
    Highlight Es braucht auf beiden Seiten neue Wahlen und Verhandlungspartner.
    3 0 Melden
  • rodolofo 07.10.2017 08:09
    Highlight Die Spanier inszenieren wieder mal ein Drama...
    Aber am Schluss wird die Suppe "Unabhängigkeit" (wo gibt es das denn wirklich?) doch nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde.
    Alle wissen jetzt, dass viele Katalanen ziemlich unzufrieden sind in ihrer Beziehung mit "Rest-Spanien".
    Ganz ähnlich steht es ja mit dem Verhältnis zwischen Norditalien und Süditalien, in dem es auch immer wieder mal Knatsch gibt.
    Gleichzeitig sind diese "Südländer" aber auch familiär und humorig tolerant eingestellt!
    Etwas Drama und Aufregung belebt die Beziehung!
    Der Versöhnungs-Sex ist dann umso besser...
    5 0 Melden
  • Loeffel 06.10.2017 23:50
    Highlight Ich find Leute doof die 2017 neue Grenzen schaffen wollen. Rückt zusammen und elimiert Grenzen! Ihr seid keine Revoluzzer, ihr führt euch auf wie vor 30 Jahren.... und jetzt hol ich mir ein Bier aus em Kühlschrank.
    2 2 Melden
  • Boixos 06.10.2017 21:22
    Highlight Tolles Angebot für die Katalanen...🤦 Neuwahlen in Spanien wären wohl nötiger ☝🏻
    27 8 Melden
    • dä dingsbums 06.10.2017 22:27
      Highlight Auf gar keinen Fall. Mit der Stimmung die jetzt herrscht, würde die PP ziemlich viele Stimmen dazugewinnen und noch sturer am eingeschlagenen Kurs festhalten.
      14 3 Melden
    • FrancoL 06.10.2017 22:36
      Highlight Wieso? denken Sie dass das übrige Spanien die jetzige Regierung abstrafen würde? ich glaube eher das Umgekehrte wäre der Fall.
      Wir hören in den letzten Tagen nur die Katalanen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass das restliche Spanien sich vielleicht auch veräppelt vor kommt, wenn eine Region sich abspalten will, auch wenn ich die Gründe teilweise verstanden werden.
      2 1 Melden
    • FrancoL 06.10.2017 22:44
      Highlight Richtig Dingsbums, in den letzten Tagen könnte man das Gefühl bekommen, dass ganz Spanien Katalonien ist. Doch das ist weit gefehlt. Der PP würde auch in Katalonien nicht unter gehen, denn er wäre für die die sich nicht abspalten wollen und das sind nicht wenige der Hoffnungsträger, selbst für linke Katalanen die in der Abspaltung nicht das Heil sehen.
      2 2 Melden
    • Boixos 06.10.2017 23:50
      Highlight Und umgekehrt würden in Katalonien JuntsPelSi und CUP noch massiv mehr an Stimmen zulegen.
      1 1 Melden
    • Upsi 07.10.2017 09:52
      Highlight Wahlen in katalonien Machen durchaus Sinn. Schliesslich wählten bei den letzten Wahlen 52% der katalanischen Bevölkerung nicht-nationalistische Parteien (dass eine Volksmehrheit nicht immer zu einer Mehrheit in der Regierung führt kennen wir ja auch aus anderen Fällen: u.a. Trump-Wahl). Vermutlich wäre dies aber auch der bessere Weg gewesen den Volkswillen einzuholen als ein illegales und intransparentes Referendum. Im Wahlkampf zu diesen Wahlen sollten die Parteien dann auch klar Stellung beziehen in zum Thema Unabhängigkeit.
      0 0 Melden
    • FrancoL 07.10.2017 10:51
      Highlight @boixos: Der Diskurs betrifft die Neuwahlen in SPANIEN, Neuwahlen die Sie ins Spiel gebracht haben und da spielt das restliche Spanien die weit grössere Rolle als Katalonien auch wenn anzunehmen wäre dass die ProSpaltungsFraktion in Katalonien zunehmen würde.
      Wahlen in Katalonien sind nichts anderes als Zeitgewinn und die damit verbundene mlgliche Beruhigung.
      Auch eine klarere Mehrheit für die Unabhängigkeit ändert nichts an der Verfassung die keinen Austritt aus dem königlichen Spanien vorsieht.
      Nützen würde ein nationales Referendum zur Aenderung der Verfassung. Resultat wäre wohl klar
      1 1 Melden
  • dmark 06.10.2017 19:45
    Highlight "...die Regionalregierung entmachten und Katalonien seinen Autonomiestatus entziehen."
    Das wäre die wohl dümmste Handlung überhaupt, welche die Lage, bei der dort im Moment herrschenden Stimmung, vollends zum Eskalieren bringen würde.
    44 2 Melden
    • meglo 06.10.2017 22:03
      Highlight Da stimme ich dir zu. Allerdings sind solche Dummheiten Rajoy durchaus zuzutrauen.
      24 1 Melden

USA-Kenner Holmes: «Das Versagen der Republikaner im Kongress frustriert viele Amerikaner»

Kim Holmes beriet mit seinem konservativen Think Tank «Heritage Foundation» Donald Trump bei der Amtsübernahme. Im zweiten Teil des grossen watson-Interviews verrät er, wovon Steve Bannon träumt und weshalb sich die Republikaner vor den nächsten Wahlen fürchten. Und er erklärt, warum tiefgläubige Christen einen Politiker trotz Missbrauchsvorwürfen verteidigen.

Herr Holmes, die Republikaner kontrollieren das Weisse Haus und beide Kammern des Kongresses. Trotzdem scheitern sie regelmässig, etwa bei der Gesundheitsreform. Weshalb ist ihnen noch kein grosser Wurf gelungen?Das ist eine Folge der Spaltung der Partei in unterschiedliche Flügel. Diese Uneinigkeit führt dazu, dass die Republikaner bei wichtigen Vorlagen wie der Gesundheitsreform nicht genügend Stimmen zusammenbringen. Im Senat reicht es, wenn einige wenige Senatoren wie etwa John McCain …

Artikel lesen