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Die Zelle von Barcelona: Ein Polizist allein erschoss 4 Terroristen

Nach den Anschlägen in Spanien werden die Strukturen der Terrorzelle deutlicher. Mittlerweile sind Details zu zwölf mutmasslichen Mitgliedern bekannt – und zu einem Polizisten, der vier von ihnen tötete.

20.08.17, 14:50 20.08.17, 15:36

Terroranschläge in Barcelona und Cambrils

Ein Artikel von

Auch drei Tage nach dem Terroranschlag von Barcelona sind noch viele Fragen offen – besonders die nach dem Haupttäter. Mittlerweile konzentriert sich die Fahndung auf den 22-jährigen Younes Abouyaaqoub. Er könnte auf dem Boulevard Las Ramblas einen Lieferwagen in die Menschenmenge gelenkt und damit 13 Menschen getötet haben. Mehr als 120 wurden verletzt.

Die Behörden gehen davon aus, dass hinter der Tat eine grössere Gruppe stand, von der aber keine Gefahr mehr ausgeht. «Wir können sagen, dass die Zelle von Barcelona total zerschlagen ist», sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido am Samstag.

Die Polizei spricht von einer zwölfköpfigen Gruppe. Fünf der mutmasslichen Attentäter seien bei dem Anti-Terror-Einsatz in der Stadt Cambrils getötet worden. Vier wurden demnach verhaftet, drei weitere identifiziert (siehe Übersicht am Ende des Textes). Neben der Flaniermeile Las Ramblas und dem Küstenort Cambrils konzentrieren sich die Ermittlungen auch auf die Ortschaft Alcanar.

Die Explosion in Alcanar

Bild: EPA/EPA

Einige Mittäter starben möglicherweise bereits am Mittwoch bei einer Explosion in Alcanar etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona. Den Behörden zufolge handelte es sich dabei wahrscheinlich um den missglückten Versuch, eine Bombe zu bauen. Die Terrorzelle habe in dem Haus mindestens 120 Gasflaschen für «einen oder mehrere Anschläge» in der katalanischen Hauptstadt gehortet, teilte die Polizei am Sonntag mit.

In den Überresten des Hauses haben die Behörden mindestens zwei Getötete identifiziert. Zu ihrer Identität machten sie zunächst keine weiteren Angaben. Laut früheren Informationen könnten bis zu drei Personen ums Leben gekommen sein.

Die toten Terroristen von Cambrils

Langsam wird klarer, unter welchen Umständen fünf der Verdächtigen am Donnerstag im Küstenort Cambrils von der Polizei getötet wurden. Allein vier von ihnen erschoss laut einem Bericht der Zeitung «El Mundo» ein einzelner Beamter der sogenannten Mossos d'Esquadra. Die katalanische Polizeitruppe geriet in der Vergangenheit wiederholt wegen Übergriffen in die Schlagzeilen, mehrere Beamte wurde wegen Folter zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Der Beamte in Cambrils wurde dem Bericht zufolge in der früheren spanischen Fremdenlegion (Legión Espanola) ausgebildet, was entscheidend für seine Reaktion gewesen sei. Er entspreche aber «nicht dem Prototyp eines Rambos in einer Eliteeinheit», sondern arbeite in einer Gruppe im benachbarten Tarragona, die dort normalerweise Feierlichkeiten und Läden bewache. Am Tag des Terroreinsatzes habe der Polizist Überstunden gemacht, um sein Gehalt aufzubessern. Die Sicherheitskräfte im Küstengebiet waren aufgrund der erhöhten Terrorwarnung aufgestockt worden.

In Cambrils waren die Terroristen mit einem Audi A3 in eine Polizeikontrolle geraten und geflüchtet, dabei wurde eine Passantin tödlich verletzt. Nachdem sich das Auto überschlagen hatte, versuchten die Insassen zu Fuss zu flüchten, wobei sie Stichwaffen und Sprengstoffattrappen trugen. Vier von ihnen wurden an Ort und Stelle erschossen, ein fünfter etwa 500 Meter weiter an der Küstenpromenade gestellt.

Ein offenbar von Touristen gefilmtes Video zeigt, wie Beamte aus wenigen Metern Entfernung mehrfach auf den Mann schiessen und ihn auffordern, sich auf den Boden zu legen. Als er dennoch versucht, eine Strasse zu überqueren, treffen ihn drei weitere Schüsse und er bleibt reglos liegen.

Die mutmasslichen Mitglieder der Zelle im Überblick

Die Zeitung «El País» veröffentlichte mittlerweile Details zu allen Getöteten und sieben weiteren mutmasslichen Mitgliedern der Terrorzelle:

In Cambrils getötet

Moussa Oukabir stahl seinem älteren Bruder Driss laut dessen Angaben den Pass und soll damit jenen Fiat-Lieferwagen angemietet haben, der für die Attacke auf den Ramblas verwendet wurde. Der 17-Jährige galt zunächst auch als Fahrer, der Polizei zufolge fanden sich dafür aber bislang keine ausreichenden Beweise.

Mohamed Hichamy war offenbar an der Anmietung der Tatfahrzeuge beteiligt. Nach bisherigen Angaben nutzte die Zelle bei Planung und Durchführung des Anschlags mindestens drei Lieferwagen.

Omar Hichamy war der Bruder von Mohamed und minderjährig. Die Brüder gehörten zu einer Gruppe von Freunden in der Kleinstadt Ripoll, die sich möglicherweise unter Einfluss des Imams Abdelbaki Es Satty radikalisierten. (Lesen Sie hier mehr über die Situation in Ripoll).

Said Aalla gehörte eine Kreditkarte, die in einem in Cambrils zurückgelassenen Lieferwagen gefunden wurde. Er war der Bruder von Yousseff und Mohammed, Letzterer wurde in Ripoll festgenommen.

Houssaine Abouyaaqoub war der Bruder von Younes Abouyaaqoub, dem mutmasslichen Fahrer des Lieferwagens in Barcelona.

Auf der Flucht oder in Alcanar getötet

Youssef Aalla reiste im Dezember 2016 mit Mohamed Hichamy nach Zürich. Er war möglicherweise am Bombenbau beteiligt.

Abdelbaki Es Satty könnte als ehemaliger Imam von Ripoll für die Radikalisierung der Jugendlichen verantwortlich sein.

Younes Abouyaaqoub gilt derzeit als Hauptverdächtiger für den Anschlag in Barcelona. Drei verwendete Lieferwagen wurden mit seiner Kreditkarte gemietet.

Festgenommen

Driss Oukabir ist der Bruder von Moussa, der ihm seinen Pass gestohlen haben soll.

Mohammed Aalla stellte sich den Behörden. Er ist der Besitzer des Audi A3, mit dem die Gruppe in Cambrils unterwegs war. Mohammed ist der Bruder des in Cambrils getöteten Said und von Youssef, der mutmasslich am Bombenbau beteiligt war.

Mohamed Houli Chemlal wurde bei der Explosion in Alcanar verletzt und festgenommen.

Salh El Karib betreibt einen Callshop in Ripoll. Zu seiner Rolle gibt es noch keine Angaben.

dab

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spötter 21.08.2017 06:22
    Highlight Langsam sieht man, dass man sich nicht für Bömbelchen, sondern sich für grosses interessiert. Es ist zu hoffen, dass die Behörden im letzten Schrittt, dem beschaffen von Radioaktivem Material, nicht hinterherhinken. In der Regel sind Gangster dem Recht einen Schritt voraus.
    1 0 Melden
  • C-Cello 20.08.2017 17:47
    Highlight 288 Jungfrauen für den Polizisten!
    144 16 Melden
  • Beasty 20.08.2017 16:40
    Highlight Warum gibt man den Terroristen den gewünschten Rum und Ehre, indem man sie mit Namen und teilweise Foto publiziert?
    123 14 Melden
    • Me, my shelf and I 20.08.2017 17:36
      Highlight Ich finde auch, Terroristen sollten mehr Rum trinken. Lockert das Gemüt!
      169 10 Melden
  • x4253 20.08.2017 15:15
    Highlight Fun fact: die Spanische Legion nimmt keine Ausländer mehr auf.
    Fun fact 2: das ist deren Uniform
    60 39 Melden
    • pedrinho 20.08.2017 16:05
      Highlight x4253 - fun fact:
      sprichtst du spanisch, bist zwischen 18-28, m oder w, hast du aufenthaltsbewilligung fuer spanien oder bist du aus ehemaliger kolonie, dann kannst du "mitmachen".
      54 1 Melden
    • Roman h 20.08.2017 17:36
      Highlight Verstehe ihren Kommentar nicht.
      1. Woher wissen sie das der Mann kein Spanier ist?
      2. "Nimmt keine mehr auf" bedeutet ja früher schon. Also kann der Mann schon länger dabei sein.
      Ja okay die Uniform ist recht spetziell
      26 6 Melden
    • pamayer 20.08.2017 17:44
      Highlight Es Spetzli auf die spetzielle Uniform.
      52 10 Melden
  • ManuelSeiz 20.08.2017 15:10
    Highlight Der Polizist ist der wahre Held!
    168 15 Melden
    • pedrinho 20.08.2017 16:07
      Highlight toent eher brutal, doch IMO die alte piratenregel scheint fuer solche "anlaesse" angemessen - "wir machen keine gefangenen"
      64 17 Melden
    • Me, my shelf and I 20.08.2017 17:39
      Highlight Genau! Und wenn er eigentlich unschuldig war, ups, kann passieren ;)

      Merkste selber?
      27 106 Melden
    • Roman h 20.08.2017 17:41
      Highlight Brutal?
      Man wusste nur das die Leute sehr gefährlich sind und von weitem erkennt man nicht ob der Sprengstoff echt ist oder nicht.
      Wäre es ihnen lieber die Polizisten würden ihr leben riskieren um die Leute leben gefangen zu nehmen?
      Mir ist es lieber sie schiessen und machen somit nicht unnötig ihre Frauen zu Witwen aber für sie hat das leben eines Polizisten ja kein wert
      117 7 Melden
    • pamayer 20.08.2017 17:45
      Highlight Nützt allerdings nicht wirklich für weitere Ermittlungen.

      Aber ja, glaube kaum, dass ich in dieser Situation anders gehandelt hätte. Vor allem alleine.
      77 4 Melden
    • EvilBetty 20.08.2017 23:40
      Highlight «...aber für sie hat das leben eines Polizisten ja kein wert»

      Immer wieder schön, solche haltlosen Unterstellungen.
      7 0 Melden

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