International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A rosary is seen as people pray during a vigil showing support for Nigerian schoolgirls abducted by militant group Boko Haram, outside the Nigerian Embassy in Madrid May 22, 2014. Boko Haram gunmen stormed a school outside the remote northeastern town of Chibok on April 14, carting some 270 girls away in trucks. More than 50 have since escaped but at least 200 remain in captivity, as do scores of other girls kidnapped previously. REUTERS/Susana Vera (SPAIN - Tags: CIVIL UNREST RELIGION SOCIETY)

Abtreibung und Euthanasie werden nicht thematisiert, andere Religionen als das Christentum kommen nicht vor – der Religionsunterricht in Spanien weist einen Trend zum Fundamentalismus auf. Bild: SUSANA VERA/REUTERS

«Der Mensch kann ohne Gott nicht glücklich werden» – Spanien verschärft Religionslehre

In Spaniens neuem Lehrplan für katholische Religionslehre werden Abtreibung und Sterbehilfe ausgeklammert, andere Weltreligionen sind kein Thema mehr. Kritiker werfen dem Staat vor, sich der Kirche zu unterwerfen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Der Kosmos hat einen göttlichen Ursprung» heisst es im neuen spanischen Lehrplan für den Religionsunterricht oder «Der Mensch ist auf sich allein gestellt und kann ohne Gott nicht glücklich werden.» Die Zeitung El País berichtet, andere Religionen als das Christentum würden zudem nicht mehr behandelt, Themen wie Abtreibung und Euthanasie seien auch nicht mehr vorgesehen.

Die Verordnung der konservativen Regierung zum Fach Religion, die das Amtsblatt Boletín Oficial del Estado Ende Februar veröffentlicht hatte, hat in Spanien zu Protesten geführt.

«Der Staat unterwirft sich der katholischen Kirche», heisst es von den Sozialisten, die in der konservativen Regierung von Mariano Rajoy die Opposition bilden. Der Theologe und Kirchenkritiker Juan José Tamayo sagte: «Die Inhalte des Religionsunterrichts weisen einen Trend zum Fundamentalismus auf.» Die Zeitung El Periódico bezeichnete das Konzept als «völlig veraltet». Und sogar die Gewerkschaft der Religionslehrer kritisierte, die Kinder würden in unzulässiger Weise indoktriniert.

Das Fach Religion wurde aufgewertet

Bildungsminister José Ignacio Wert wies jede Verantwortung von sich. Er habe die Verordnung lediglich ins Amtsblatt gestellt. Die katholische Kirche bestimmt, was im Fach Religion an den spanischen Schulen unterrichtet wird. So sieht es das Konkordat zwischen Spanien und dem Vatikan aus dem Jahr 1979 vor. Allerdings hatte die Regierung das Fach vor mehr als einem Jahr in einer Bildungsreform stark aufgewertet: Religion ist seitdem ein Hauptfach und die Noten zählen so viel wie die für Mathematik, Spanisch oder Englisch.

Die Regierung will durch die Aufwertung des Unterrichts mehr Schüler dazu bewegen, Religion zu belegen. In den vergangenen Jahren hatten immer weniger Schüler das Fach gewählt. Nach einem Bericht des Radiosenders Cadena Ser sank der Anteil der Grundschüler, die sich für das Fach Religion entschieden, von 79 auf 65 Prozent. An weiterführenden Schulen ging der Anteil von 56 Prozent auf 38 Prozent zurück.

Experten meinten allerdings, dass damit auch das Gegenteil bewirkt werden könnte. Nach Umfragen sei die grosse Mehrheit der jungen Leute in Spanien der Meinung, dass die Religion in den Bereich der Privatsphäre gehöre, sagte der Soziologe Juan González-Anleo. Einige Familien und Schüler könnten die Reform als eine Bevorzugung der Kirche sehen und in einer Gegenreaktion das Fach Religion abwählen.



Die Regierung schaffte das Fach Staatsbürgerkunde ersatzlos ab

Schulen müssen Religionsunterricht anbieten, es ist aber kein Pflichtfach für Schüler. Als Alternative können sie das Fach «soziale und bürgerliche Werte» wählen. Die von den Sozialisten eingeführte Staatsbürgerkunde, die etwa das Thema gleichgeschlechtliche Ehen behandelte, schaffte die Regierung ersatzlos ab.

In der Region Katalonien empfahl der Elternverband Fapac, aus Protest gegen die von der Bischofskonferenz erstellten Lehrpläne den Religionsunterricht zu boykottieren und das Alternativfach «soziale und bürgerliche Werte» zu wählen.

Die katholische Kirche wies die Kritik gegen die Lehrpläne zurück. «Die Angriffe sind ein Versuch, die Kirche im öffentlichen Leben an den Rand zu drängen», sagte José Miguel García, Direktor des Sekretariats der Bischofskonferenz, der Zeitung «ABC». (Hubert Kahl/dpa/kha)

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • thompson 17.03.2015 10:26
    Highlight Highlight Bravo Spanien! (Tradition, Gott, Vaterland) Für eine katholische Nation wie Polen und Kroatien!
    Ökumene ist eh für die Katz. Beste Nachricht der Woche. Faul sind dort nur die Linken sicher keine Katholiken
  • Kastigator 17.03.2015 10:12
    Highlight Highlight 25% Arbeitslosigkeit - kein Wunder, soll mit dem religiösen Guguus einmal mehr abgelenkt werden; während sich die Banken sanieren.
    Marx: Religion ist Opium für das Volk. Und die Stierkämpfe kosten neu wohl auch keinen Eintritt mehr.
  • Zeit_Genosse 17.03.2015 09:14
    Highlight Highlight Ob mit einer verordneten Religionslehre und zementiertem katholischen Glaubensbild die Menschen gestärkt und glücklich werden, lässt zweifeln. Um gegen den "Islamismus" anzutreten braucht es Aufklärung und kein neuer Fundamentalismus. Es ist ein Signal das zeigt, dass auf Druck folglich Gegendruck entsteht. Wenn der Druck von aussen kommt, dann wird der Nationalismus zusätzlich genährt.
  • Der Tom 17.03.2015 09:09
    Highlight Highlight Lernen wie Blumen wachsen, der Mensch aufgebaut ist oder wie WLAN funktioniert wäre sehr viel nützlicher. Dazu noch irgendwie Anstand, Respekt usw lernen. Religion sollte nur noch ein Verein sein.
  • unkretkau 17.03.2015 08:42
    Highlight Highlight Vielleicht kann Gott ohne Mensch glücklich sein.
    • Adonis 17.03.2015 09:08
      Highlight Highlight Ha, haaaaaaa Reto! Richtig! Ich finde Gott in der Natur, in meiner lieben Frau (sind seit Jahren krachlos) und lebe die 10 Gebote. All dies ohne "gschnorr" und Auflagen der Kirche:-)
    • Zeit_Genosse 17.03.2015 09:19
      Highlight Highlight Wenn Gott den Menschen erschaffen hat, dann müsste er mit dieser Schöpfung todunglücklich sein. Und wenn wir nach seinem Ebenbild geschaffen wurden, dann sollten wir den Schöpfer kritisch hinterfragen.
    • saukaibli 17.03.2015 09:30
      Highlight Highlight @ Adonis: Du lebst die 10 Gebote? Das ist aber doch schon ein wenig krass. Das würde ja heissen, dass du z.B. gegen Religionsfreiheit bist oder dass du Leute die am Sonntag arbeiten als Sünder siehst. Nicht umsonst sind lediglich zwei der Gebote (5 und 7) in unserem Gesetz wiederzufinden.
    Weitere Antworten anzeigen

Erschreckende Bilder aus Spanien – das steckt dahinter

Am Dienstag jährt sich zum 43. Mal der Todestag Francisco Francos. Noch immer hat der Diktator in Spanien zahlreiche Anhänger. Dies zeigt sich besonders rund um den 20. November, wenn diese sich versammeln und auf den Strassen den «Caudillo» hochleben lassen.

Gestern Sonntag war die Stimmung in der Innenstadt von Madrid besonders angespannt. Über 100 Franco-Anhänger fanden sich auf dem Plaza del Oriente in der spanischen Hauptstadt ein. Dies nicht nur, um dem General zu gedenken, sondern auch, …

Artikel lesen
Link to Article