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Strand auf Mallorca: Briten sollen Durchfall vorgetäuscht haben. Bild: KEYSTONE

Britische Touristen zocken Hotels auf Mallorca ab – mit einem simplen Trick

Mit einem simplen Trick betrügen britische Touristen spanische Hoteliers: Sie erfinden Lebensmittelvergiftungen und sichern sich so Gratis-Urlaub. Nun schlägt die Branche zurück.

18.09.17, 13:14

Ein Artikel von

Das Konzept der Touristen war ebenso simpel wie genial. Es funktionierte in etwa so: Während des Urlaubs gingen sie auf Mallorca in die Apotheke, kauften sich ein Durchfallmittel und packten den Kassenbon ein - zurück in der Heimat behaupteten sie dann, sie hätten sich beim Essen im Hotel eine Lebensmittelvergiftung eingefangen. Und schon bekamen viele von ihnen die gesamte Reise erstattet.

Vor allem britische Urlauber sollen mit dieser Masche seit 2013 auf der Baleareninsel mindestens 50 Millionen Euro herausgeschlagen haben. Spanienweit waren es vermutlich sogar rund 60 Millionen Euro.

Anfang des Jahres flog der Betrug auf, als die Zahl der falschen Beschwerden auf einmal drastisch stieg. «Im vergangenen Jahr sind die Reklamationen um 700 Prozent gestiegen», teilte der mallorquinische Hoteliersverband FEHM mit. Der Betrug habe vor allem in All-inclusive-Hotels oder Unterkünften mit Halbpension stattgefunden - denn diese sind für eine Lücke im britischen Verbraucherschutzgesetz besonders anfällig.

Demnach dürfen Touristen die Reiseveranstalter bis zu drei Jahre nach dem Urlaub für Erkrankungen haftbar machen, wenn diese durch das Hotel verursacht wurden. Die Reiseveranstalter geben dann die Kosten des Schadensersatzes an die Hoteliers weiter.

Für zwischendurch: Traumstrände, die gemäss diesen TripAdvisor-Bewertungen total mies sind

Festnahmen Anfang des Monats

Auf die Idee zum Betrug sind die Urlauber nicht unbedingt selbst gekommen. Anfang September wurden sechs Verdächtige bei Razzien festgenommen, darunter eine bekannte britische Unternehmerin aus dem mallorquinischen Nachtleben.

Ihnen wird vorgeworfen, Strohmänner vor den Hotels platziert zu haben, die die Touristen zu dem Betrug angestiftet haben sollen. Das zurückerstattete Geld wurde dann zwischen den Drahtziehern und den Touristen aufgeteilt. Mehrere Anwaltskanzleien sollen Reiseveranstalter mit Klagen geradezu überflutet haben.

In Zukunft dürfte es jedoch schwieriger für Touristen werden, mit der Masche durchzukommen: Die britische Regierung hat angekündigt, das Verbraucherschutzgesetz zu überarbeiten. Und auch die Reiseveranstalter wollen bei dem Trick nicht länger mitmachen.

Thomas Cook bringt jährlich Hunderttausende Briten auf die Insel. «Unsere Kunden sollen wissen, dass wir an ihrer Seite stehen, wenn sie im Urlaub wirklich krank werden», zitierten Medien auf der Insel Unternehmenschef Peter Fankhauser. «Wir wollen aber auch klarmachen, dass wir keine Entschädigungen zahlen, wenn Urlauber nicht direkt im Hotel über ihre Krankheit informieren.»

Der Veranstalter mit Sitz in London ist einer der ersten, der einen Prozess gegen einen Urlauber wegen falscher Schadensersatzforderungen gewonnen hat. Das hat Wirkung gezeigt. Nach Presseberichten soll eine Kanzlei in England mittlerweile eine deftige Sammelklage von 3500 Urlaubern zurückgezogen haben.

Patrick Schirmer Sastre, dpa

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lukas Brunner 19.09.2017 06:46
    Highlight British people scam hotels in Mallorca - Learn how with this simple trick ;)
    0 0 Melden
  • Dummbatz Immerklug 18.09.2017 20:13
    Highlight Was soll daran genial sein? Eher debil und doof 😡
    22 0 Melden
  • Gummibär 18.09.2017 19:17
    Highlight Das Gegenstück zum TripAdvisor heisst GuestAdvisor .
    2 0 Melden
  • Alterssturheit 18.09.2017 16:41
    Highlight Eine News ist diese Meldung - zumindest für mich - nicht.
    Wer Engländer kennt bzw. häufig mit ihnen zu tun hat, weiss das schon länger. Leider wird halt überall "beschissen" (das Wort passt hier prima :-)), besonders wenn man es ihnen so leicht macht.
    20 1 Melden
    • Tomlate 18.09.2017 22:28
      Highlight Das gibt mir jetzt zu denken. Meine Freundin kommt von der Insel...
      1 3 Melden
  • Der Rückbauer 18.09.2017 15:16
    Highlight Das ist nicht alles: (Chronisch) Kranke Engländer melden sich auf Grund der EU-Personenfreizügigkeit in Spanien an, erhalten die EU-Gesundheitskarte und gehen dann ins centro de salud und lassen sich gratis behandeln - eine Behandlung, die sie auf der Insel nie erhalten würden. Ueberhaupt, es kommt zuviel "waste of the island" nach Spanien. Früher, ja früher, kamen "the English gentlemen", das waren Leute der Oberschicht mit Manieren und Geld. Heute kommt nur "waste of the island". Bin gespannt, wie da Brexit umgesetzt wird.
    93 14 Melden
    • Rendel 18.09.2017 18:07
      Highlight Das geschieht dann wenigstens aus einer gewissen Not heraus.
      2 0 Melden
  • Schnuderbueb 18.09.2017 14:52
    Highlight Da gibts nur eins liebe Mallorquiner! Führt den Brexit auch in euren Hotels ein!
    154 11 Melden
  • kleiner_Schurke 18.09.2017 14:52
    Highlight Es ist mir schleierhaft weshalb die Versicherungen da gezahlt haben. Ein bisschen Durchfall ist noch lange keine Lebensmittelvergiftung. Diese kann vielfältige Ursachen haben, von Bakterien bis zu Metallen oder Toxinen in den Speisen. Die Symptome sind eindeutig. Erbrechen, Fieber, Bauchkrämpfe, Fieber. Eine Person mit einer richtigen Lebensmittelvergiftung kann durchaus mal auf einer Intensivstation langen.
    141 2 Melden
    • Bits_and_More 18.09.2017 16:57
      Highlight Liegt weniger an den Versicherungen als an den Gesetzgebern, welche dies Vorgeben.
      11 1 Melden
  • Nuka Cola 18.09.2017 14:43
    Highlight und so haben sie sich wohl ein zu Gunsten des Allgemeinwohls ausfallendes Gesetz zunichte gemacht.
    104 1 Melden
  • Kronrod 18.09.2017 14:30
    Highlight Das ist kein "Trick", das ist plumper Betrug.
    226 1 Melden
  • John Smith (2) 18.09.2017 14:29
    Highlight Watson hat wieder einmal eine ganz eigene Vorstellung von «genial».
    215 3 Melden
    • Musterschüler 18.09.2017 16:21
      Highlight Genial hat nichts mit "gut und böse" zu tun.

      (Vereinfachtes Deutsch)
      15 10 Melden
  • Linus Luchs 18.09.2017 14:25
    Highlight Wirklich eine Sch...idee.

    Traurig ist ja auch, wie viele Leute sich zum Betrug anstiften lassen. Sammelklage für 3'500 Urlauber! Das Ballermann-Klientel ist da wohl etwas anfälliger.
    125 1 Melden
  • N. Y. P. 18.09.2017 14:03
    Highlight Durchfall generieren diese Menschhaufen.
    Deshalb fahre ich im jeweils im Mai zwei Wochen nach Malle um mit dem Rad zu trainieren. Schöne Landschaften. Keine Ansammlung von Menschen.
    54 1 Melden
    • Konzeptionist 18.09.2017 15:39
      Highlight Trainierst du einfach für dich oder bist du in einem team?
      7 6 Melden
    • N. Y. P. 18.09.2017 16:06
      Highlight Mit zwei Kollegen. Seit 1996 beim gleichen Anbieter. Nur Holländer und Belgier sind dort einquartiert. Sie haben dort Gruppenausfahrten. Wir gehen aber immer alleine, da wir die Insel kennen. Holländer sind übrigens schwer in Ordnung, immer locker drauf..
      14 1 Melden
    • Konzeptionist 19.09.2017 09:22
      Highlight Darf ich fragen wie der Anbieter heisst? Interessiere mich ebenso dafür... Danke!
      1 0 Melden
    • N. Y. P. 19.09.2017 11:04
      Highlight Das ist jetzt heikel. Wir haben dort Ruhe vor Schweizern. Schweizer im Ausland ? Man muss sich schämen. Hundert Schweizer am Frühstückstisch ? Die Hölle. Wer ist wo besser. Blablabla. Mit Holländern ? Ist es entspannt. Jeder hat da so seine Geschichten auf Lager.
      Ich kann Dir auf hier auf watson unmöglich den Namen nennen. Sonst wollen alle dorthin. Wir haben unseren Frieden dort.
      Also die Schweizer gehen normalerweise zu
      *huerzeler.com*.
      Angebot ist identisch.
      Einziger Unterschied : Horden von Schweizern.
      Kannst Du mit dieser Antwort
      leben ?
      1 0 Melden
  • .:|HonigTroll|:. 18.09.2017 14:00
    Highlight Genau so funktioniert schamlos-Kapitalismus. Zulangen auf Kosten anderer. Nur das es für einmal nicht die gierigen Bankern waren sondern der "kleine Mann" von nebenan. Und das geht schliesslich nicht! Firmen und Reiche ja, aber Durchschnittsmenschen haben am schamlosen Futtertrog der Grosskapitalisten nichts verloren.

    betrachte ich das ganze im Gesamt-Zusammenhang so haben diese schamlosen Bürger nur getan was jeder Weltkonzern von Format, jede Bank dieser Welt tut: schamlos zugreifen auf Kosten anderer!
    Ich verurteile diese Menschen nicht (mehr).
    55 76 Melden
    • ThomasHiller 18.09.2017 15:12
      Highlight Das hat nichts mit Kapitalismus zu tun und auch nicht mit Schamlosigkeit sondern ist schlicht Betrug.
      63 12 Melden
    • shine 18.09.2017 15:21
      Highlight Aha in diesem Fall Leben sie ganz nach dem Motto: Wenn es alle anderen machen, darf ich auch...

      Ich hoffe sie können nachts ruhig schlafen
      42 3 Melden
    • c_meier 18.09.2017 15:42
      Highlight Deine Sichtweise stimmt schon ein bisschen, bei Grosskonzernen ist es normal auf den Cayman usw Konti zu haben, wenn eine GmbH dies machen möchte wird vom Steueramt jeder Beleg einzeln durchleuchtet...
      35 4 Melden
    • Firefly 18.09.2017 16:25
      Highlight Ja, die Zauberlehrlinge und die Geister die sie riefen.
      5 1 Melden

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