International

Syrien: Erster UNO-Hilfskonvoi erreicht belagerte Stadt

35 Lastwagen mit lebensnotwendigen Hilfsgütern sind in der Nähe von Damaskus angekommen. Weitere sollen folgen. Die Konvois sind auch ein Test – für die Kooperationsbereitschaft der Konfliktparteien.

17.02.16, 21:32 18.02.16, 07:47

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Ein erster UNO-Hilfskonvoi hat eine von Regierungstruppen belagerte Stadt in Syrien erreicht. Die 35 Lastwagen trafen am Nachmittag in der Ortschaft Moadimajet al-Scham nahe der Hauptstadt Damaskus ein, wie der Syrische Rote Halbmond mitteilte. 70 weitere Lastwagen mit Lebensmitteln und Medikamenten sollten im Laufe des Tages in vier andere von der Armee oder den Rebellen eingekesselte Ortschaften gelangen.

Die 35 Lastwagen hatten nach Angaben des Roten Halbmonds 8800 Tüten Mehl, 4400 Essenspakete sowie weitere Lebensmittel, Medikamente und medizinische Ausrüstung geladen. Es handelt sich um die ersten Hilfslieferungen der Vereinten Nationen für syrische Zivilisten seit der Einigung der internationalen Syrien-Kontaktgruppe in der vergangenen Woche in München.

18 weitere Lkw waren dem Roten Halbmond zufolge auf dem Weg in die von Rebellen belagerten Orte Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib. Ein dritter Konvoi mit 50 Lastwagen sollte Hilfslieferungen in die von Regierungstruppen umstellten Städte Madaja und Sabadani in der Hauptstadtregion bringen.

35 Lastwagen bringen Hilfsgüter in die belagerte Stadt
Bild: YOUSSEF BADAWI/EPA/KEYSTONE

Konvois sind Test für Bereitschaft zur Kooperation

Fast 500'000 Menschen sind derzeit nach UNO-Schätzungen in syrischen Städten und Dörfern ohne ausreichend Nahrung und Strom eingeschlossen. Hilfsmitarbeiter berichteten von Dutzenden Hungertoten allein in Madaja, das zu einem Symbol der Belagerung geworden ist.

Der UNO-Syrienbeauftragte Staffan de Mistura hatte die Konvois am Dienstag nach Gesprächen in Damaskus angekündigt. Er warb für eine Feuerpause und vereinbarte mit Aussenminister Walid Muallim freien Zugang für humanitäre Helfer zu den belagerten Ortschaften. Die Konvois gelten auch als Test für die Bereitschaft der Konfliktparteien zur Kooperation.

Die internationale Syrien-Kontaktgruppe hatte sich neben den Hilfslieferungen auch auf eine Feuerpause in Syrien geeinigt, die binnen einer Woche in Kraft treten soll. Bei Angriffen auf Kliniken und Schulen in Aleppo und Idlib waren allerdings am Montag mehr als 60 Zivilisten getötet worden.

Die USA machen Russland für die Angriffe verantwortlich. Der Kreml weist die Vorwürfe kategorisch zurück und gibt seinerseits der US-geführten internationalen Koalition die Schuld.

Merkel bekräftigt Forderung nach Flugverbotszone

Im Süden des Landes mussten nach Angaben der UNO wegen der heftigen Kämpfe in den vergangenen drei Monaten mehr als 70'000 Menschen aus ihren Häusern fliehen. Der Grossteil von ihnen sei nun obdachlos.

Auch die Lage der Zivilisten im nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei ist nach wie vor verheerend. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftige in ihrer Regierungserklärung ihre Forderung nach einer Flugverbotszone im Gebiet der umkämpften Städte Aleppo und Asas. Dies wäre «ein Zeichen des guten Willens und könnte im Rahmen der laufenden Gespräche diskutiert werden», sagte Merkel in Berlin.

Die Türkei wirbt mit Nachdruck für die Einrichtung einer zehn Kilometer breiten Schutzzone, die auch Asas südlich der türkischen Grenze einschliessen soll. Ankara argumentiert, eine solche Schutzzone könnte eine weitere Massenflucht in die Türkei und nach Europa verhindern. Wie eine solche Zone durchgesetzt und gesichert werden soll, ist allerdings unklar.

Türkei will weiter bomben

Türkische Artillerie hatte in den vergangenen Tagen kurdische Stellungen bei Asas unter Beschuss genommen. Nach den Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan will die Türkei ungeachtet internationaler Appelle diesen Beschuss fortsetzen. Ein Ende der Angriffe komme nicht in Frage, sagte Erdogan. Die Türkei werde «kein neues Kandil» akzeptieren, sagte er mit Blick auf die Hochburg der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in den nordirakischen Kandil-Bergen.

Unterdessen kritisierte US-Präsident Barack Obama die Strategie Russlands im Syrien-Konflikt. Das gemeinsame Vorgehen mit Staatschef Baschar al-Assad habe Russland vielleicht kurzfristige Erfolge gebracht, tatsächlich handele es sich aber um einen strategischen Fehler, sagte Obama in Kalifornien.

kry/dpa

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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