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Die verzweifelte Suche nach den «guten» Rebellen im syrischen Bürgerkrieg: Eine Begriffsgeschichte

23.07.16, 17:48 25.07.16, 05:12


Die öffentliche Enthauptung eines Kindes in Syrien durch Kämpfer einer als «gemässigt» eingestuften Rebellengruppe wirft einmal mehr die Frage nach Sinn und Zweck solcher Kategorien auf. Ihre Absurdität lässt sich anhand der Begriffsgeschichte der syrischen Opposition ablesen:

«Demonstranten»

(März 2011)

Im Frühjahr 2011 erfasste der Arabische Frühling Syrien. In der Stadt Dara gingen die ersten auf die Strasse, um friedlich gegen das despotische Assad-Regime zu demonstrieren. 

«Opposition»

(April 2011)

Die zunächst spontanen Demonstrationen wurden zunehmend organisierter, sodass man bald von einer Opposition sprach. Das Assad-Regime reagierte von Beginn weg mit brutaler Gewalt.

«Freie Syrische Armee»

(Juli 2011)

Deserteure der Assad-Truppen schlossen sich zur Freien Syrischen Armee (FSA) zusammen. Deren erklärtes Ziel war es, friedliche Demonstranten gegen die Soldaten des Assad-Regimes zu verteidigen. 

«Bewaffnete Opposition»

(Frühjahr 2012)

Waren es zunächst Deserteure, also ausgebildete Militärs, so schlossen sich später zunehmend Zivilisten der FSA an. Auf diese Weise mischten sich auch Kämpfer mit einer islamistischen Agenda unter die ursprünglich säkulare FSA.

«Rebellen»

(2012)

Etwa zeitgleich begann sich der Sammelbegriff «Rebellen» zu verbreiten, der nicht mehr zwischen ehemaligen Militärs und Zivilisten unterscheidet. Zumal Erstere zunehmend an Bedeutung verloren.

«Gemässigte Rebellen»

(2013-2014)

Unter dem Eindruck der zunehmenden Stärke der beiden brutalsten islamistischen Gruppierungen Nusra und «ISIS» fand der Begriff «gemässigte Rebellen» Eingang in den Sprachgebrauch. Rebellen also, die nicht der Al-Kaida-nahen Nusra oder dem barbarischen «IS(IS)» angehören. 

«Unabhängige islamistische Rebellen»

(Oktober 2015)

Irgendwann wurde klar, dass in Syrien praktisch nur noch islamistische Rebellen operierten. Doch längst nicht alle, die nicht dem «IS» oder der Nusra angehörten, verdienten auch das Prädikat «gemässigt». Die Ideologie der Gruppierung Ahrar al-Sham etwa ist kaum von der Nusra zu unterscheiden. Die New York Times führte deshalb im vergangenen Jahr den Begriff «unabhängige islamistische Rebellen» ein.

«Nicht-terroristische Opposition»

(Juli 2016)

Einen ähnlichen Versuch unternahm kürzlich US-Aussenminister John Kerry. Nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen sprach er von der «non-terrorist organization opposition». Es ist davon auszugehen, dass Gruppierungen wie Jaysh al-Islam, die Gefangene als menschliche Schutzschilde benutzen, und Nour al-Din al-Zenki, die vor laufender Kamera ein Kind köpfen, nicht in diese Kategorie gehören.

Die ständig neuen Bezeichnungen widerspiegeln die verzweifelte Suche des Westens nach den «guten» Rebellen im syrischen Bürgerkrieg. Und damit ungewollt auch die Gewissheit, dass es keine gibt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Echo der Zeit 23.07.2016 20:11
    Highlight Interessanter Gast in der Samstagsrundschau (Manuel Bessler) - Syrien und die Humanitäre Hilfe - Erwähnt auch wie Schwer es ist in Syrien Hilfe zu leisten, bei den vielen Kriegsparteien. http://www.srf.ch/sendungen/samstagsrundschau/humanitaere-hilfe-was-kann-sie-und-was-nicht
    4 0 Melden
  • Rukfash 23.07.2016 19:59
    Highlight Eine wichtige Info ist sicher auch das in Syrien nicht der Sunniten, Schiiten Krieg ist wie man ihn gerne darstellt, sonnst wären nicht über 60 Prozent in der Regulären Syrisch Arabischen Armee, Sunniten..
    8 2 Melden
    • Tierra Y Libertad 23.07.2016 23:07
      Highlight @Rukfash Da die syrische Bevölkerung zu ~95% aus Sunniten besteht ist 60% nicht gerade viel. Ausserdem wird die syrische Regierung von der iranischen Revolutionsgarde und der Hisbollah unsterstützt; Alle islamistischen "Rebellen" sind sunnitisch und werden von der Türkei, Saudi Arabien & co unterstützt.
      Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten ist, abgesehen von den Kurden und einigen "gemischten" Rebellengruppen, schon sehr zentral!
      11 3 Melden
    • Rukfash 24.07.2016 04:15
      Highlight Die Syrische Bevölkerung bestand aus höchstens 70 Prozent Sunniten, bitte teile keine Fehlinformationen in die Welt
      4 3 Melden
    • Tierra Y Libertad 24.07.2016 10:17
      Highlight Vor dem Bürgerkrieg waren es 75% Sunniten. Ich weiss nicht ob dabei die mehrheitlich sunnitischen Kurden integriert sind, sonst waren es locker 80 Prozent. Durch Genozid und Vertreibung von religiösen Minderheiten durch den IS und islamistische Rebellen haben sich diese Zahlen stark verändert.
      1 0 Melden
    • Tierra Y Libertad 24.07.2016 11:05
      Highlight Ok, die sunnitischen Kurden sind in den 75% integriert.
      Kann es sein, dass sich deine "höchstens 70 Prozent" auf die Anzahl arabischer Sunniten bezieht, und sowohl ethnische Minderheiten als auch die aktuellen Ereignisse seit 2011/2013 nicht berücksichtigt?

      P.S.: Assad ist Alawit und somit im entferntesten Sinn auch Schiit.
      Dass die sunnitisch, bzw. leider islamistisch dominierte Opposition von der sunnitischen Schutzmacht Saudi Arabien unterstützt wird und die Alawitisch dominierte Regierung von der schiitischen "Schutzmacht" Iran ünterstützt wird, deutet schon auf einen Konflikt hin.
      1 0 Melden
    • Rukfash 24.07.2016 12:51
      Highlight Gut hast du dich Korrigiert, Danke. Wo ich dir recht gebe ist das mit den Mächten KSA & Iran das sie die jeweiligen Kampfgruppen unterstützen und leider wenig zum Frieden beitragen. Häb e schöne Sunntig :)
      0 0 Melden
    • Tierra Y Libertad 24.07.2016 13:57
      Highlight @Rukfash Ja, sry. Du au :)
      0 0 Melden

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