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Waffenruhe in einem total zerstörten Land: Homs im Februar 2016.
Bild: Hassan Ammar/AP/KEYSTONE

Die Waffenruhe in Syrien wird (fast) eingehalten

Die zwischen den rund 100 Kriegsparteien in Syrien vereinbarte Waffenruhe hält wohl weitgehend. Aktivisten melden aus verschiedenen Landesteilen «vorsichtige Ruhe», auch von vereinzelten Gefechten ist die Rede.

27.02.16, 10:27

Ein Artikel von

Bleibt die Waffenruhe in Syrien bestehen? Offenbar zumindest vorerst, berichtet die in Grossbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR).

Das syrische Staatsfernsehen meldete am Samstagmorgen allerdings, in der Stadt Salamija der Provinz Hama sei eine Autobombe explodiert. Zwei Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Wer hinter dem Anschlag stecken könnte, wird nicht erwähnt.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters meldet eine Rebellengruppe aus dem Nordwesten Syriens in der Provinz Latakia ebenfalls einen Angriff - angeblich durch Kämpfer der Regierungstruppen. Drei Rebellen seien getötet worden. Eine Stellungnahme der Regierung gibt es dazu bisher nicht. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte aber am Samstagmorgen, in der Provinz Latakia seien die Kämpfe zwischen Regimeanhängern und islamistischen Rebellen auch nach Inkrafttreten der Waffenruhe weitergegangen.

Die Uno rechnet damit, dass es weiter zu vereinzelten Gefechten kommen wird. Der Syrien-Sondergesandte der Uno Staffan de Mistura sagte jedoch, auch ein brüchiger Waffenstillstand sei «einfach die beste Gelegenheit, die das syrische Volk in den vergangenen fünf Jahre hatte».

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Die Feuerpause hatte am späten Freitagabend um 23 Uhr Ortszeit (22 Uhr MEZ) begonnen. Kurz nach Mitternacht berichtete der Leiter der SOHR, Rami Abdel Rahman, dass an den meisten Fronten Ruhe herrschte. Rahman erklärte: «Nach Mitternacht haben wir keine Beschiessung oder Kämpfe in Hama, Homs, Latakia und einigen Gebieten um Aleppo sowie in Daraa registriert.» Auch russische Kampfflugzeuge seien nach Mitternacht nicht aktiv gewesen.

Ausgenommen vom Waffenstillstand sind Gebiete, in denen die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) und die Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida, operieren. In der ersten Stunde der Waffenruhe hatte es noch heftige Gefechte und Beschuss in der Region Daraja ausserhalb der Hauptstadt Damaskus gegeben, so Rahman. Die syrischen Streitkräfte hatten erklärt, für Daraja gelte die Waffenruhe nicht, weil dort Al-Nusra-Kämpfer aktiv seien. Oppositionsgruppen widersprachen dieser Darstellung.

Der fünf Jahren dauernde Bürgerkrieg hat bislang mindestens 250'000 Tote gefordert. Die USA und Russland hatten sich Anfang der Woche auf die Feuerpause geeinigt. Die syrische Regierung von Baschar al-Assad, das in der saudischen Hauptstadt Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner und rund 100 Milizen haben der Waffenruhe zugestimmt.

Rebellentruppen wollen nach zwei Wochen weiterkämpfen

Die Waffenruhe soll den Weg ebnen für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche am 7. März. Dieses Datum hatte Uno-Sondervermittler Mistura am Freitag dem Weltsicherheitsrat kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause mitgeteilt. Bedingung sei allerdings, dass die Waffenruhe weitgehend eingehalten werde. Das höchste Uno-Gremium verabschiedete am Abend eine Resolution, die die Waffenruhe in Syrien begrüsst und unterstützt.

Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama erklärte, die USA würden nicht sofort über die Wirksamkeit der Waffenruhe urteilen. Das syrische Regime und sein Verbündeter Russland hatten in den Stunden vor Beginn der Feuerpause ihre Luftangriffe auf die Rebellen massiv verstärkt. Kampfflugzeuge beider Länder flogen am Freitag in mehreren Provinzen des Landes Dutzende Angriffe. Syriens Militär soll dabei erneut international geächtete Fassbomben eingesetzt haben, wie die SOHR meldete. Die meisten Angriffe sollen sich gegen die Städte Aleppo und Homs gerichtet haben.

Zweifel, ob die Feuerpause wirklich hält, bleiben. Nach Erwartungen des russischen Militärs wird die Waffenruhe nur in sechs sehr kleinen Gebieten Syriens gelten. Gleichzeitig rechnet Russland weite Gebiete rund um die Stadt Aleppo der Terrororganisation Al-Nusra-Front zu, die weiter bekämpft werden darf. Regimegegner äusserten die Befürchtung, die Assad-Regierung und ihre Verbündeten könnten die weiter erlaubten Angriffe auf Terrorgruppen nutzen, um gegen moderatere Milizen vorzugehen.

Laut dem oppositionellen HNC haben zwar 97 Rebellengruppen der Waffenruhe zugestimmt, für sie sei der Waffenstillstand aber auf zwei Wochen begrenzt. Die Einigung der USA und Russlands sieht hingegen keine zeitliche Befristung vor.

cht/dpa/Reuters/AP

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    Alle Leser-Kommentare
  • Radiochopf 27.02.2016 12:38
    Highlight Schön wäre es wirklich wenn es mal ein wenig Pause und Frieden gäbe.. Ein erster kleiner Schritt dem nun noch viele weitere Folgen müssen.. Auch wenn die Hoffnung klein bleibt, den glauben daran sollte man nicht verlieren...
    6 0 Melden

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