International

Bereit, mit Russland zusammenzuarbeiten: US-Präsident über die Lage in Syrien.
Bild: J. Scott Applewhite/AP/KEYSTONE

US-Präsident Obama warnt vor neuen «IS»-Anschlägen und kritisiert Russland scharf

05.08.16, 00:40 05.08.16, 06:53

US-Präsident Barack Obama hat vor weiteren Anschlägen der Extremistenmiliz «Islamischer Staat» gewarnt. Die Miliz sei zwar in Syrien und im Irak militärisch unter Druck, sie könnte aber weiterhin Attentate verüben, sagte Obama am Donnerstag.

«Sie haben gesehen, wie viel Aufmerksamkeit sie mit kleineren Angriffen erhalten», sagte er bei einer Pressekonferenz. «Die Möglichkeit, dass ein Einzeltäter oder eine kleine Gruppe ein Attentat verübt, bei dem Menschen ums Leben kommen, ist real.»

«Alles andere als «IS»-frei»: Angriffe auf die Stadt Mossul im Irak.
Bild: AZAD LASHKARI/REUTERS

Zugleich äusserte sich Obama zufrieden mit den Fortschritten im Kampf gegen die Miliz in Syrien und im Irak. Die Erfolge der vergangenen beiden Jahre zeige, dass die Gruppe im Kampf besiegt werden könne. «Wir sind aber noch weit davon entfernt, Mossul und Rakka zu befreien», fügte er an. Derzeit bereitet die irakische Armee die Rückeroberung von Mossul vor.

Zweifel an Friedenswille Moskaus

Ungewöhnlich scharf kritisierte Obama aber das militärische Vorgehen Russlands in Syrien. Moskau ist aus seiner Sicht direkt an «bedauerlichen» Aktionen wie Angriffen auf Zivilisten und der Blockade von Hilfslieferungen beteiligt.

Das Verhalten Russlands wecke Zweifel am Willen Moskaus, zu einer Deeskalation beizutragen. Er kündigte an, dass er sich weiterhin bemühen werde, in Zusammenarbeit mit Russland auf eine Deeskalation des Syrien-Konflikts hinzuarbeiten.

Zwar sei er «nicht zuversichtlich», dass dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hinsichtlich des Vorgehens in dem Bürgerkriegsland getraut werden könne. Dennoch wolle er die russische Kooperationsbereitschaft testen, sagte der US-Präsident.

«Mörderisches Regime»

Syriens Präsident Assad bei einer Sitzung mit dem Kabinett.
Bild: EPA/SANA

Die USA und Russland leiten eine internationale Arbeitsgruppe, die eine Lösung für die Beendigung des Bürgerkriegs erarbeiten soll. Während Moskau an der Seite des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad steht, unterstützt Washington gemässigte Rebellengruppen, die den Machthaber stürzen wollen.

Trotz der grossen Differenzen mit Moskau sagte Obama, das Ziel, die «rücksichtslosen Bombardierungen» zu stoppen, die Zivilisten zu schützen, den Hilfsorganisationen den Zugang zu ermöglichen und «eine Art von Pfad» zum Start von politischen Verhandlungen innerhalb Syriens zu eröffnen, sei den Versuch der Kooperation mit Russland wert.

Wenn Moskau sich weiterhin verweigere, dann werde es sich als «Akteur ohne Verantwortungsbewusstsein auf der Weltbühne» präsentieren, der ein «mörderisches Regime» unterstütze, warnte der US-Präsident.

Neue Angriffe auf Aleppo

In der heftig umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind derzeit rund 300'000 Menschen eingekesselt. Hilfsorganisationen haben Alarm geschlagen. Bei ihrer Offensive auf Aleppo werden die Regierungsgruppen durch russische Luftangriffe unterstützt.

Inferno in Aleppo: Das regierungskritische Netzwerk AMC veröffentlicht Bilder aus der umkämpften Stadt.
Bild: AP/Aleppo Media Center

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete unterdessen, dass am Donnerstag bei mutmasslich von russischen Kampfflugzeugen geführten Angriffen auf Flüchtlingslager in Syrien zwei Kinder getötet und 30 weitere verletzt worden seien.

Ein Sprecher der Organisation sagte, insgesamt seien acht Luftangriffe in Atareb westlich von Aleppo geführt worden, wo es zwei Lager gebe. Die Menschen in den Camps hätten sich in umliegende Felder geflüchtet.

Die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in Syrien beruft, können in der Regel von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. (kad/sda/reu/afp)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Radiochopf 05.08.2016 08:36
    Highlight vor der IS warnen sie aber gleichzeitig beschützen und andrerseits angreiden, das macht doch die USA besonders sympathisch.. Vorallem soll uns doch mal Herr Friedensnobelpreisträger Obama erklären, wieso es bei seinen neuen Angriffen in Lybien keine zeitliche Beschränkung gibt und was das Ziel dann sein soll?!
    18 4 Melden
  • rodolofo 05.08.2016 08:32
    Highlight Wir haben heute sozusagen ein "westliches" Imperium, das von den USA angeführt wird, mit Westeuropa als Juniorpartner, und wir haben eine "östliche" Fälschung, bzw. Kopie von diesem Imperium.
    Die "Fälschung" möchte gerne echt sein und propagiert darum "Östliche Werte", die einfach das Gegenteil der "Westlichen Werte" sind.
    Das Gegenteil von etwas mit Nachteilen (z.Bsp. Trägheit wegen Demokratie) ist aber nicht automatisch gut!
    Gewisse Vorteile, wie erhöhte Schlagkraft, hat Russland schon erreicht, dafür aber verfault es innerlich, in der Russischen Seele, die schwächer ist, denn je!
    Sie stirbt
    7 15 Melden
    • Datsyuk * 05.08.2016 12:20
      Highlight Nein.
      6 2 Melden
    • rodolofo 05.08.2016 18:58
      Highlight Zweiter Versuch:
      Das "Ost-Imperium" mit China und Russland lebt vor allem mit der Negation sogenannt "Westlicher Werte", ganz in Kommunistischer Tradition, die ja die Negation des Kleinbürgerlichen, Religiösen, den Atheismus, hervorbebracht hat.
      Etwas nicht vorhandenes im Zentrum von "Werten" wirkt wie ein Vakuum.
      Diese "Nichts" im Zentrum ist die Abwesenheit von Werten!
      Und aus dieser "Unkultiviertheit" heraus wird alles möglich: Künstlerische Freiheit, Kindisches Drauflos probieren, Lug und Betrug, Barbarei.
      Da merke ich gerade, dass diese Beschreibung irgendwie auf mich selber zutrifft...
      3 4 Melden
  • rodolofo 05.08.2016 08:22
    Highlight Präsident Obama zeigt wieder einmal, wie pragmatisch und lösungsorientiert er ist!
    Obwohl die Russen und das Assad-Régime lügen und betrügen, was das Zeug hält, mit dem einzigen Ziel, die Vormachtstellung in der Region zu sichern, bleibt Obama gesprächsbereit, kritisiert aber gleichzeitig sehr deutlich.
    Das ist der neue Stil der USA, dem sich auch Europa anschliessen kann!
    Die Russische Regierung lebt immer noch in der Vergangenheit und hat diese Veränderungen (zum Guten!) offenbar nicht mitbekommen.
    Mit Absicht?
    Syrien ist das neue Tschtschenien...
    6 17 Melden
    • Datsyuk * 05.08.2016 12:21
      Highlight Russland ist als einziges Land mit Mandat dort.
      10 4 Melden
    • opwulf 05.08.2016 12:37
      Highlight Haben wir gerade Märchenstunde? Gerade bei einem Krieg wie in Syrien wo sehr viel Blut an den Händen der verschiedenen äusserlichen Akteure klebt - wäre ich ungemein Vorsichtig solch einseitigen Brei von mir zu lassen! Schauen sie sich Syrien vor ein paar Jahren an. Schauen sie Reportagen und Reiseberichte von verschiedenen Quellen an. Und dann vergleichen sie es mit heute! Wenn sie schon dabei sind - vergleichen sie Assads Politik (hier auch wieder möglichst viele Quellen verwenden - steigert die Wahrscheinlichkeit ein reales Abbild zu erhalten) mit den anderen "Despoten" ringsum!
      8 3 Melden
    • Ollowain 05.08.2016 12:44
      Highlight Du hast wohl noch nie Dinge hinterfragt und dich kritisch mit Geopolitik beschäftigt. Denn so hättest du gemerkt, dass deine Sicht der Dinge durch westliche Propaganda völlig einseitig wurde. Lies Bücher, sprich mit Menschen und du wirst sehen dass Geopolitik kein Gut und Böse kennt.
      9 4 Melden
    • Radiochopf 05.08.2016 15:11
      Highlight @rodolfo Bitte informier dich ein wenig vielfältiger, anders ist deine monotone denkweise nicht zu erklären... Das Russland sicher auch Fehler in Syrien gemacht hat, ist unbestritten, aber Obama ist ein Heuchler! Er will das Russland sich zurück zieht und er nimmt in sich Anspruch, dass sie als einzige IS bekämpfen, was eine Lüge ist... Zudem soll er mal erklären, von wo die FSA und die Al Nusra Front US TOW-Raketen haben um russische Panzer/Flugzeuge abzuschiessen! auch von den Russen?!
      9 4 Melden
  • Radiochopf 05.08.2016 01:57
    Highlight Irgendwie habe ich das Gefühl das alles schon mindestens 2-3mal gehört zu haben und trotzdem hat sich nichts geändert.. Die Russen sollen Assad nicht mehr unterstützen, aber die USA/NATO sollen weiterhin die FSA und Co unterstützen dürfen?! Super Deal für die Russen und da fragt sich Obama wirklich noch wieso Putin nicht darauf einsteigt?!.. Aber hey, Obama hat immer Recht bezüglich Syrien
    28 13 Melden
  • Gelöschter Benutzer 05.08.2016 01:55
    Highlight Und wann kritisiert endlich jemand auf politischer Ebene die USA für ihre mörderischen (Öl)Spielereien in Lybien (unter Obama), Irak, Afghanistan? Wann muss endlich einer dieser hochkriminellen Politiker auf der anderen Seite des Atlantiks die Konsequenzen tragen?

    Stattdessen werden die grössten Kriegstreiber für den Friedensnobelpreis nominiert und der ein oder andere kriegt ihn sogar.

    Obama ist nun sicher einer der Letzten, der Russland zu kritisieren hat.
    31 18 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 05.08.2016 07:41
      Highlight Ehm, das Eingreifen in Libyen wurde mit der Resolution 1973 im UN-Sicherheitsrat verabschiedet. Russland hatte da kein Veto eingelegt..
      17 17 Melden
    • Ollowain 05.08.2016 08:15
      Highlight Die Kriege im nahen Osten werden von westlichen Nationen gerne als Krieg für den Frieden und gegen den Terrorismus bezeichnet. Für Fachleute ist es jedoch klar, dass es sich um Öl-und Ressourcenkriege handelt, da die Welt "ölsüchtig" zu sein scheint. Diese Kriege werden durch Lügen, unterschwellige Propaganda und Falschinformationen an der Heimatfront legitimiert. Terroristen werden je nach Strategie unterstützt ("Syrische Rebellen") oder bekämpft (IS). Die Terroranschläge in Europa sind die gefährlichen Konsequenzen dieses Spiels.
      17 3 Melden
    • Beobachter24 05.08.2016 12:58
      Highlight @LaPaillade

      Lies nochmal nach, was genau die Resolution 1973 bewilligt, und erinnere dich daran, was  FR und USA getan haben. Übrigens: Federführend für die Planung der Zerstörung Lybiens war eine gewisse Hillary Clinton.
      11 2 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 05.08.2016 15:36
      Highlight Die Resolution bevollmächtigt unter anderem die Einrichtung einer no-fly-zone und:

      "[...] Council authorized Member States, acting nationally or through regional organizations or arrangements, to take all necessary measures to protect civilians under threat of attack in the country, including Benghazi, while excluding a foreign occupation force of any form on any part of Libyan territory[...]"

      Inwiefern siehst du da eine Diskrepanz bezüglich Auftrag und Handeln?

      PS: "Zerstötung Libyens" - ein Hohn. Libyen wurde nicht durch die UN "zerstört"...
      3 6 Melden
    • Beobachter24 05.08.2016 16:46
      Highlight @LaPaillade

      Es gibt schon einen Unterschied zwischen
      einer "no-fly-zone"
      und
      der Zerschlagung der Regierung, Ermordung des "Chefs"
      teilweise Zerstörung der Infrastruktur,
      Stehlen der Gold- u. Silber-Reserven,
      Hinterlassen eines Macht-Vakuums.

      Und natürlich wars nicht die UNO, die zerstörte, sondern die NATO bzw. v.a. FR u. USA

      Genau wegen der Res. 1973 (http://www.un.org/depts/german/sr/sr_10-11/sr1973.pdf) - und was daraus gemacht wurde, boykottieren RU u. China ähnliche "Vorhaben" im Sicherheitsrat seither.
      8 3 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 05.08.2016 17:49
      Highlight Hast du auch konkrete Beweise/Quellen für all diese Anschuldigungen?
      2 8 Melden
    • Beobachter24 05.08.2016 19:08
      Highlight @LaPaillade

      Mache ich sehr gerne.
      Es wird allerdings mehr als ein Posting benötigen, und dass ich meine Behauptungen belegen kann, hängt u.a. von diesen Dingen ab:
      - Dass Du bereit bist Quellen zu lesen, zu denen ich Dir Links posten werde
      - dass ich "durchkomme" (ich werde diese Tage so oft zensuriert wie nie zuvor).

      Und bevor ich beginne: Dass Muammar al-Gaddafi tot ist, das "akzeptierst" Du? ... oder soll ich das auch "beweisen"?

      Und sag mir doch, mit was ich beginnen soll. Was stellst Du am meisten in Frage?
      8 2 Melden

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