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Satelliten-Bild eines russischen Luftangriffs in Syrien.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Russische Luftangriffe in Syrien: Allein im Oktober wurden über 120'000 Menschen vertrieben

Russland fliegt Luftangriffe auf Syrien – und Zehntausende Menschen flüchten vor den Bomben. Die UNO hat nun die Zahl der vertriebenen Syrer deutlich nach oben korrigiert: allein für den Oktober auf mehr als 120'000.

27.10.15, 04:39 27.10.15, 10:13

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In Syrien sind nach Angaben der UNO seit Anfang des Monats mindestens 120'000 Menschen vor den Kämpfen in den Bezirken Aleppo, Hama und Idlib geflohen. Die meisten suchten in der Nähe ihrer Heimatorte oder in Lagern nahe der türkischen Grenze Schutz vor den Gefechten, sagte eine UNO-Sprecherin in Genf.

Vor einigen Tagen hatten die Vereinten Nationen noch von 50'000 Flüchtlingen in den betroffenen Regionen gesprochen. Dort toben heftige Kämpfe zwischen der von der russischen Luftwaffe unterstützten syrischen Armee und verschiedenen Rebellengruppen. Dabei werden immer wieder auch Zivilisten getötet.

Die syrische Opposition gibt Russland die Schuld daran: Willkürliche russische Luftangriffe seien inzwischen die Haupt-Todesursache für Zivilisten, sagte der Sprecher der Syrischen Nationalkoalition, Najib Ghadbian. Die russische Intervention in Syrien erleichtere Präsident Baschar al-Assads «Krieg gegen Zivilisten».

Laut den Angaben syrischer Hilfskräfte sind seit Beginn der russischen Luftangriffe mehr als 436 Menschen ums Leben gekommen. «Mehr als die Hälfte der Todesopfer lässt sich direkt mit russischen Angriffen in Verbindung bringen», sagte Ghadbian.

Russische Luftangriffe in Syrien

Russland weist die Vorwürfe von sich. Der Kreml gibt an, das russische Vorgehen in Syrien ziele allein auf die Bekämpfung von terroristischen und extremistischen Gruppen ab. Wie das Verteidigungsministerium bekannt gab, flog die russische Armee in den vergangenen 24 Stunden 59 Einsätze. Sie sollen 94 Ziele der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) und der Nusra-Front getroffen haben.

Russland und USA sprechen über Schritte im Syrien-Konflikt

Nach dem Besuch Assads in Moskau vergangene Woche haben die politischen Bemühungen um eine Lösung des Konflikts neuen Schwung bekommen.

Wie das russische Aussenministerium mitteilte, hat Minister Sergej Lawrow erneut mit seinem US-Kollegen John Kerry telefoniert. Bei dem dritten Gespräch in den vergangenen Tagen sei es darum gegangen, andere regionale Regierungen in den politischen Prozess einzubeziehen. Das russische Präsidialbüro erklärte später, auch Staatschef Wladimir Putin und der saudi-arabische König Salman hätten miteinander telefoniert. Thema seien ebenfalls Vorschläge zur Lösung der Krise gewesen.

Der stellvertretende russische Aussenminister Michail Bogdanow sagte, Vertreter der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) hätten Moskau etliche Male besucht. «Ja, sie waren hier, auch in dieser Woche», zitierte ihn die Agentur Interfax. Lawrow hatte angekündigt, sein Land sei bereit, der FSA mit Luftangriffen im Kampf gegen Extremisten zu helfen.

Oman könnte Vermittlerrolle in Syrien einnehmen

Auch der Oman hat sich inzwischen in die Debatte um den Syrien-Konflikt eingeschaltet. Der Aussenminister des Oman, Youssef al-Alawi Abdullah, besprach in Damaskus mit Assad Möglichkeiten für eine Beilegung des Konflikts. Oman könnte Diplomaten zufolge eine Vermittlerrolle zwischen Syrien und den Gegnern Assads einnehmen, zu denen neben den USA auch andere Golf-Staaten gehören.

Syrien: Der vergessene Krieg

Zusammengefasst: Mehr als 120'000 Menschen sind seit Anfang Oktober laut UNO-Angaben aus besonders umkämpften Gebieten in Syrien vertrieben worden. Die syrische Opposition gibt Russland die Schuld an den vielen zivilen Todesopfern in der Region. Der Kreml weist die Vorwürfe von sich. Die politischen Gespräche um den Syrien-Konflikt haben sich in der vergangenen Woche intensiviert – insbesondere zwischen Russland und den USA.

(kry/Reuters/AP)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2015 11:14
    Highlight "Ein Artikel von Spiegel online" - wenigstens weiss man woher die Meinungsmache kommt :-)
    8 5 Melden
  • Spiegelfabrik 27.10.2015 10:46
    Highlight Interessant ist, dass die von der UNO vor mehr als einem Jahr aufgeforderte Unterstützung (mit Nahrungsmittel und medizinischen Grundgüter) der grossen Flüchtlinglager nahe Syrien von den westlichen Ländern ignoriert wurde. Als sich diese Situation zuspitzte, vergrösserte sich der Flüchtlingsstrom markant, da in den Flüchtlingslagern ein Leben nicht mehr realistisch war.

    Die USA unterstützt seit einiger Zeit stets nur Rebellentruppen, welche nicht nur den IS (auch von den USA einst unterstützt und finanziert) sondern sich gegenseitig wie natürlich auch Assad bekriegen.
    8 1 Melden
    • Roger Gruber 27.10.2015 13:07
      Highlight Das stimmt zwar alles, aber tut hier nichts zur Sache. Putin ist schuld. Punkt.
      Washington hat das so beschlossen und unsere Qualitätsmedien würden es ja nicht schreiben, wenn es nicht stimmen würde.
      Oder?
      5 9 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2015 08:54
    Highlight Das UNHCR befragt in syrischen Nachbarländern ankommende Flüchtlinge nach ihrem Herkunftsort. Seit Beginn einer durch die russische Luftwaffe unterstützten Offensive der syrischen Armee kommt eine grössere Zahl als üblich aus einer bestimmten Region. Wenn nun jemand die Verbindung zwischen beidem macht ist das Propaganda? Onkel Assad steht je bekannt darum menschenfreundlich zu sein, gibt kein Grund zu fliehen für Leute die seit Jahren in Rebellengebieten leben und daher für Assad als Feinde gelten, oder?
    6 5 Melden
    • Roger Gruber 27.10.2015 13:11
      Highlight Max Klee, wie viele Flüchtlinge kamen aus Syrien zu uns, bevor die USA die Bevölkerung gegen ihren Staatschef aufzuwiegeln begann? Und dafür auch nicht zurückschreckte, Islamisten in Sachen Terrorismus auszubilden, zu bewaffnen und zu finanzieren? Und dies übrigens bis heute tut? Man will ja jetzt schon Flugabwehr-Raketen liefern..
      5 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.10.2015 14:38
      Highlight @Roger Gruber: Hab ich auch nur ein Wort über die USA gesagt? Das die USA durch den Fehler des Irak-Krieges die Region destabilisiert hat und so IS den Boden bereitet hat ist klar. Beweisen Sie mir dann Mal das der Aufstand gegen Assad inszeniert ist! Beweisen Sie, dass die Offensive der syrischen und russischen Streitkräfte keine Flüchtlinge erzeugt! Es ist zu einfach immer Propaganda zu schreien wenn man keine gegenteilige Beweise präsentieren muss...
      3 2 Melden
    • Roger Gruber 27.10.2015 21:50
      Highlight Max Klee, atmen Sie erst mal tief durch.
      1. bestreitet niemand ausser ihnen, dass der Westen, bzw die USA Rebellen in Syrien von Beginn weg unterstützte. Man will jetzt sogar Boden-Luft-Raketen (an al-Nusra-Leute!!) liefern, weil Russland viel zu erfolgreich ist..
      2. drängen die Russen die IS sehr erfolgreich zurück und ermöglichen so die Rückkehr der Vertriebenen in die befreiten Gebiete.
      3. sind die Russen gerade mal ein paar Wochen in Syrien aktiv. Kommen Sie schon, Max. Sie können unmöglich den Russen die Schuld an der Massenimmigration (bei weitem nicht alle aus Syrien btw) geben.
      2 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.10.2015 08:02
      Highlight @Roger Gruber: Wo bestreite ich, dass die USA den Aufstand von Anfang an unterstützt hat? Ich verliere kein Wort darüber. Seit einigen Jahren passiert das immer in Kommentarspalten, jemand kritisiert Russland ohne die USA auch nur im geringsten zu erwähnen, jemand anderes reagiert und wirft ihm vor auf die westliche Propaganda einzufallen und eine USA-Fanboy zu sein. Ich habe keine Interessen in diesem Konflikt, folglich kritisiere ich auch wen ich will. Vielen Dank für Ihren Input.
      2 1 Melden
  • N.F. 27.10.2015 08:50
    Highlight Das war das Ziel des Militäreinsatzes-die Schwächung Europas durch noch mehr Flüchtlinge. Wie auch die 80 russischen "Anti-Nazi"-Bürgerbewegungen die für Russland werben sollen im Baltikum, die Annektion der Krim/der Krieg in der Ukraine, die plötzlich aus dem nichts auftauchenden (russischen!) Umweltschutzgruppen als in Osteuropa Projekte für die Gewinnung von Schiefergas/-Öl gestartet wurden, die finanzielle Stärkung von Anti-Eu-Parteien wie Front National und noch viel mehr. Darum geht es!
    9 9 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 27.10.2015 10:53
      Highlight Quellenangaben bitte!
      5 2 Melden
  • HotShot 27.10.2015 07:23
    Highlight Liebes Watson Team

    Bitte Berichtet Neutral, oder Berichtet erst gar nicht. Mit Propaganda ist wahrlich niemandem geholfen.
    18 16 Melden
    • WinniePuuh 27.10.2015 08:53
      Highlight http://meedia.de/2015/10/20/ivw-blitz-analyse-auflagen-verluste-der-magazine-dramatischer-denn-je-nur-sieben-gewinner-in-der-top-50/
      Auch der Spiegel verliert massiv an Leserschaft und muss sich nicht wundern wenn der Trend anhält. Mittlerweile nur noch ein Revolverblatt auf Stufe der Bild oder The Sun.
      10 5 Melden
  • Jason 27.10.2015 06:48
    Highlight Watson """ Die Wahrheit bitte und kein Amerikanisches denken !!
    25 12 Melden
    • Spiegelfabrik 27.10.2015 12:44
      Highlight Das ist so. Reuters als Nachrichtenquelle sagt alles...
      6 1 Melden
  • Henrix 27.10.2015 06:46
    Highlight Das ist die perfideste Form von Propaganda. In dem die Greueltaten der einen Seite ständig wiederholt und die genau gleichen der anderen Seite einfach verschwiegen werden. Da muss man nicht mal luegen, sondern beeinflusst die schlafende Masse auf einer viel subtileren Ebene. Es geht nur darum das Bild USA gut, Russland böse, bei jeder Gelegenheit zu unterstreichen.
    Der Inhalt dieser Meldung ist sowieso in keinster Weise überprüfbar.
    31 8 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 27.10.2015 06:23
    Highlight Solche Meldungen sind pure Propaganda. Diesmal für die andere Seite. Die Meldung ist unbestätigt und Putin alleine die Schuld zu geben ist auch nicht richtig. Die Öffentlichkeit wird in diesem Konflikt nach Strich und Faden manipuliert.
    20 6 Melden
  • zombie woof 27.10.2015 05:16
    Highlight Putin geht über Leichen um seine Ziele zu erreichen, das sollte mittlerweile allen klar sein. Assad wird ohne Folgen aus dem Morden herauskommen und von Putin beschützt, irgendwo ein ruhiges Leben führen. Alle anderen verhalten sich schön ruhig, man weiss ja nie wann man Putin braucht.
    11 34 Melden
    • Radiochopf 27.10.2015 06:14
      Highlight @Zombie Putin geht über Leichen? Und Herr Friedensnobelpreisträger Obama ist ein Massenmörder wie seine Vorgänger. Befürchten müssen die ja alle nichts, da sie den internationalen Gerichtshof nicht anerkennen.. Es ist schon auffällig das erst jetzt über Anzahl Flüchtlinge so extrem berichtete wird als die Russen eingegriffen haben.. Die ganzen syrischen Flüchtlinge in Europa waren aber schon vorher hier, da hat man über Anzahl und Ursache der Flüchtlinge kaum geschrieben...
      26 5 Melden
    • The Destiny 27.10.2015 06:18
      Highlight Rate mal wieviele Leute vertrieben wurden seit Beginn der Krise ?

      Merkst was...?
      14 3 Melden
    • Radiochopf 27.10.2015 10:27
      Highlight Es ist schön zu sehen, wieviele endlich aufwachen und nicht mehr jede Propaganda-News einfach so hinnehmen, egal für welche Seite! Schade gibt es immernoch die wenigen immergleichen, die dann noch versuchen solche Leute als bezahlte Russland-Trolle oder Verschwörungsfreunde bezeichnen wollen.. einfach nur lächerlich..
      8 3 Melden

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