International

Baschar al-Assad werden Kriegsverbrechen vorgeworfen. Bild: EPA/SANA

Russland hegt starke Zweifel: Hat Assad doch keine Chemiewaffen eingesetzt? 

31.08.16, 01:53 31.08.16, 06:53

Russland zweifelt am UNO-Bericht über den Chemiewaffeneinsatz in Syrien. Es gebe «eine Menge offener Fragen», daher sei Moskau derzeit nicht bereit, die Ergebnisse der Untersuchung anzuerkennen, sagte UNO-Botschafter Witali Tschurkin am Dienstag in New York.

Der Bericht werde von russischer Seite weiter geprüft, sagte Tschurkin. Er äusserte sich nach ersten Beratungen der UNO-Vetomächte über Strafmassnahmen gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad.

Grossbritannien und Frankreich hatten wegen des Einsatzes von Chemiewaffen im Syrien-Krieg UNO-Sanktionen gegen die Regierung in Damaskus gefordert. Die Botschafter Matthew Rycroft und François Delattre warfen der syrischen Führung unter Präsident Assad «Kriegsverbrechen» vor.

Die Botschafter bezogen sich auf den in der vergangenen Woche veröffentlichten Bericht einer UNO-Untersuchungskommission, in dem neun Fälle des Einsatzes chemischer Waffen untersucht und drei eindeutig der syrischen Armee zugeordnet wurden.

London und Paris verlangten eine «schnelle und entschiedene» Antwort des UNO-Sicherheitsrats. Auch die UNO-Botschafterin der USA, Samantha Power, forderte eine rasche Reaktion, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Allerdings dürften Sanktionen gegen Syrien wie bereits in der Vergangenheit am Veto des Assad-Verbündeten Russland scheitern.

«Keine materiellen Beweise»

Syriens UNO-Botschafter Baschar Dschaafari erklärte, es gebe keine «materiellen Beweise» für die Vorwürfe gegen die Regierungstruppen. Die Erkenntnisse beruhten ausschliesslich auf Zeugenaussagen.

Die UNO-Experten sehen es laut dem am 24. August veröffentlichten Bericht als erwiesen an, dass Assads Truppen am 21. April 2014 und am 16. März 2015 in zwei Dörfern in der nordwestlichen Provinz Idlib Giftgas einsetzten. In einem Fall deute alles auf Chlorgas hin. Die giftigen Substanzen seien aus Helikoptern der syrischen Luftwaffe auf die Dörfer abgeworfen worden.

Unter massivem internationalen Druck war Syrien 2013 der Chemiewaffenkonvention beigetreten, Assad hatte sich verpflichtet, sämtliche Chemiewaffen zu zerstören. Die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») benutzte nach Erkenntnissen der UNO-Experten am 21. August 2015 im Ort Marea nahe Aleppo das hochgiftige Senfgas. In sechs untersuchten Fällen von Chemiewaffeneinsatz konnten die UNO-Experten die Urheberschaft nicht eindeutig klären. (cma/sda/afp)

Syrien-Analysen

Was gerade in Aleppo passiert, ist «schlimmer als Auschwitz» – warum wir uns schämen werden

Bilder, die traurig – und zugleich hoffnungsvoll stimmen: So schön war es in Aleppo, Homs und Rakka vor dem Krieg

6 Fakten, die zeigen, dass Saudi-Arabien keinen Deut besser ist als der «IS» – aber die Schweiz liefert weiterhin Waffen

Hören wir auf, dem Westen die Schuld an allen Problemen in Nahost zu geben

Annäherung der Erzfeinde: Warum die USA bald um Russland buhlen werden

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 31.08.2016 18:58
    Highlight Klar ist Skepsis angebracht.

    Die Herren Journalisten u. Kommentatoren mögen bitte den Rapport lesen! (http://goo.gl/YSXBIL, ich kämpf mich da auch grad durch).
    Die „Quellen" sind widersprüchlich, daraus klare Schlüsse zu ziehen ist schwierig.

    Steht irgendwo im UNO Bericht, dass es *klar* ist, dass Assad bzw. die SAA verantwortlich ist für einen der erwähnten Vorfälle?
    Ich lasse mich gerne belehren. :^)

    Fast alle Artikel, die nach dem Erscheinen des UNO Rapports rausgekommen sind primär Anti-Assad Propaganda; auch der von watson (http://www.watson.ch/!390751273).
    6 3 Melden
    • Beobachter24 31.08.2016 19:24
      Highlight Wer die gut 100 Seite liest wird u.a. feststellen:
      Primär geht es es darum, wer jeweils wen beschuldigt welche Chemikalie wo eingesetzt zu haben. Eineindeutige Evidenzen hingegen sind super rar.

      "Interessant" ist, dass in praktisch allen Medien-Berichten seit 2013 bis heute eigentlich nur die Vorfälle publik wurden, in denen die SAA beschuldigt wurde.

      Und was mich erstaunt hat: Die Vorfälle von 2013 in Ghuta, welche am meisten Opfer forderten, sind in diesem UNO Rapport ausgeklammert.
      (Ghuta war imho die „Mutter" der Chemie-Waffen-Einsatz Falsch-Beschuldigungen.)
      5 2 Melden
  • rodolofo 31.08.2016 10:14
    Highlight Ja, und Russland hat auch nicht seine Sportler und Sportlerinnen systematisch gedopt!
    Alles nur Propaganda von Westen und von westlicher Lügenpresse!
    Aber in Russland ist alles perfeekte Demokratii!
    Kennen Sie fragen irgend ein Persoon wos is laufen auf die Strass! Wird Ihnen kennen geben perfeekte Antwort!
    Sind alles perfeekt ausgebildete Demokraten!
    Und oberste perfeekt ausgebildete Demokrat ist Genosse Direktor, Wladimir Wladimirowitsch Putin!
    5 10 Melden
  • Schläfer 31.08.2016 09:19
    Highlight Klar hegt Moskau (Putin) Zweifel. Geht ja schließlich um seinen Buddy Assad.
    7 8 Melden
  • FancyFish 31.08.2016 07:38
    Highlight Assad sollte doch sein Gas gegen den IS benutzen, dann könnte niemand etwas dagegen haben
    3 3 Melden
  • Enzasa 31.08.2016 05:03
    Highlight Wen wundert es
    13 18 Melden
  • Jonasn 31.08.2016 03:57
    Highlight Chlorgas, Brandbomben, Napalm, Sarin. Und Russland mittendrin. Und kein Land hat die cojones, sich mal hinzustellen und denen eine Ansage zu machen. Niemand geht auf die Straße. Wir sind alle so satt und zufrieden mit uns, dass wir uns bei soviel Propagandalügen gemütlich zurücklehnen und ausblenden, was den Zivilisten dort passiert. Ekelhaft. Wenn sich das mal nicht fürchterlich rächt...
    23 25 Melden
    • Jonasn 31.08.2016 14:58
      Highlight Ergänzend auch an Watson: ganz schlimm finde ich, dass ein Artikel über solche Geschehnisse nach nicht einmal einem halben Tag von der frontseite der App verschwindet und kaum zu finden ist. Informationsauftrag im Berufsethos und so... ist es wirklich wichtiger, dass Bärchen Händchen halten und ein hattrickschütze in Timbuktu vom Platz gestellt wird? Das stimmt traurig...
      4 1 Melden
    • Beobachter24 31.08.2016 20:49
      Highlight @Jonasn

      Bei so viel Empörung:
      Erklär doch mal die Rolle der Russen betreffend der Vorfälle, die im UNO Bericht beschrieben worden sind.

      Kennst Du überhaupt die "Fakten", oder war das einfach ein Generalverdacht, weil es am Ende eh immer der "böse Russe" war?

      Klär mich auf!
      4 1 Melden
  • Spooky 31.08.2016 03:40
    Highlight Wer Assad etwas glaubt, der glaubt alles.
    19 28 Melden

Tabubruch in Jerusalem – 6 Erkenntnisse nach Trumps historischer Rede

Donald Trump hat mit der jahrzehntelangen Nahostpolitik der USA radikal gebrochen und Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt.  Die Palästinenser rufen zum Generalstreik auf. 

Trump alleine gegen die ganze Welt. «Heute erkennen wir das Offensichtliche an – dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist.», erklärte US-Präsident Donald Trump seinen Entschluss. 

Offensichtlich ist aber auch, dass fast ausnahmslos alle Staaten der Welt für die Entscheidung Trumps nur Kopfschütteln übrig haben. 

Der US-Verbündete Saudi-Arabien rief die USA auf, die Entscheidung zurückzunehmen. Die Nato-Partner Frankreich und Grossbritannien als Vetomächte sowie weitere Mitglieder des …

Artikel lesen