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Israel gegen Iran – der Krieg zwischen den Kriegen

Iran baut seine militärische Präsenz in Syrien aus - und provoziert mit einem Drohnenflug über Israel. Die Eskalation am Wochenende hat gezeigt: Die Gefahr eines Kriegs zwischen beiden Staaten wächst.

Dominik Peters und Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die israelischen Piloten der F-16I-Kampfjets hatten einen Auftrag am Samstagmorgen: Angriff. Ihr Ziel war das Flugfeld T4, tief in Syrien gelegen, unweit der antiken Oasenstadt Palmyra.

Von dort aus war zuvor eine hochmoderne iranische Drohne gestartet und in den israelischen Luftraum eingedrungen. Ein Apache-Helikopter fing das Fluggerät über der israelischen Kleinstadt Bet Schean im Jordantal schliesslich nach eineinhalb Minuten ab.

Die Drohne soll israelischen Medienangaben zufolge ein Duplikat des US-amerikanischen RQ-170-Modells sein. Dieses trägt den Spitznamen «Biest von Kandahar», da es die US Air Force unter anderem über der gleichnamigen afghanischen Stadt einsetzte.

Lebensversicherung: Schleudersitz

Das israelische Flugzeuggeschwader - bestehend aus acht Kampfjets - geriet nach der Bombardierung der mobilen Startvorrichtung der Drohne und der Leitstelle unter Beschuss der syrischen Flugabwehr. Die Truppen von Diktator Baschar al-Assad feuerten eine ganze Salve von mehr als 20 SA-5- und SA-17-Luftabwehrraketen. Ein Geschoss explodierte neben einem israelischen F16I-Jet, der Pilot und sein Navigator retteten sich mit dem Schleudersitz.

Der Kampfjet stürzte im Norden Israels ab, unweit des zwischen Haifa und Nazareth gelegenen Kibbutz' Harduf. Die Luftwege zwischen Israel und Syrien sind kurz. Pilot und Navigator überlebten verletzt - gerieten aber nicht in Gefangenschaft des syrischen Regimes oder seiner Verbündeten.

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Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ein israelischer Kampfjet abgeschossen wurde. Seit den Siebzigerjahren verfügte Jerusalems Luftwaffe über die uneingeschränkte Lufthoheit im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Schliesslich waren die modernen israelischen Flugzeuge den arabischen Flugabwehrsystemen stets haushoch überlegen.

Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben «Tausende» Einsätze über Syrien geflogen. Offenbar war der Abschuss am Samstag eine Art Glückstreffer der syrischen Luftabwehr. Jedenfalls gibt es bislang keine Hinweise, dass die russische Armee, die moderne S-300 und S-400-Systeme in Syrien stationiert hat, an den Ereignissen beteiligt war.

«Maulwurfsgrille» und «Obstgarten»

Die israelische Luftwaffe bombardierte am Samstag als Reaktion auf den Abschuss seines Flugzeugs Dutzende Stellungen der syrischen Streitkräfte und des iranischen Militärs. Die israelische Armeeführung geht davon aus, dass dabei knapp die Hälfte der syrischen Luftabwehrbatterien zerstört wurde.

Tomer Bar, Stabschef der israelischen Luftwaffe, bezeichnete den komplexen Einsatz als «bedeutendsten Angriff seit 1982» - ein Hinweis auf die Operation «Maulwurfsgrille 19» zu Beginn des Ersten Libanonkrieges. Israel zerstörte damals in weniger als 48 Stunden fast 80 syrische Kampfjets und nahezu alle syrischen Boden-Luft-Raketenbatterien, die im Libanon stationiert waren. Die Operation gilt als eine der grössten Luftschlachten seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Der Superlativ, mit dem Israel die Mission bezeichnet, wirft Fragen auf. Immerhin zerstörten israelische Jagdbomber im September 2007 in der «Operation Obstgarten» den syrischen Reaktor al-Kibar. Dort soll das Assad-Regime ein militärisches Atomprogramm unterhalten haben. Israel misst den Ereignissen vom Samstag offenbar eine noch grössere Bedeutung zu, als der «Operation Obstgarten».

Offener militärischer Schlagabtausch

Der Vielfrontenkrieg in Syrien ist damit seit diesem Wochenende um eine weitere Facette reicher. Zum ersten Mal seit Ausbruch des Bürgerkrieges vor sieben Jahren lieferten sich die beiden Erzfeinde Iran und Israel einen offenen militärischen Schlagabtausch in Syrien.

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Die israelische Armee bezeichnet solche Gefechte als «Krieg zwischen den Kriegen»: Missionen, die das Ziel haben, den Feind zu schwächen und damit den nächsten Krieg mit einem feindlichen Staat zumindest hinauszuzögern. Dass ein Krieg gegen Iran oder die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz nur eine Frage der Zeit ist - darüber herrscht in Israels Regierung und Armee weitgehend Einigkeit.

Paradoxerweise herrscht eigentlich ebenfalls Konsens darüber, dass derzeit keine Partei Interesse daran hat, den Konflikt zwischen Iran und Israel genau jetzt eskalieren zu lassen. Schliesslich ist Iran noch immer beschäftigt, das Überleben des Assad-Regimes in Syrien militärisch zu sichern. Und Teherans wichtigster Verbündeter, die Hisbollah, hat Tausende Kämpfer im Syrienkrieg verloren - bräuchte also eigentlich erst einmal Zeit, um sich neu aufzustellen.

Israel hat Iran gewarnt

Israel hat zuletzt fast im Wochentakt Ziele der syrischen Armee und der Hisbollah in Syrien angegriffen. Parallel dazu hat Premier Benjamin Netanyahu in unzähligen Gesprächen mit Wladimir Putin, dem mächtigsten Partner der Regierungen in Damaskus und Teheran, darauf gedrängt, seinen Einfluss geltend zu machen. Iran solle in Syrien nicht weiter rüsten - so seine Forderung. Ohne Erfolg.

Der gutinformierte israelische Journalist Barak Ravid berichtet, dass zuletzt Diplomaten aus Frankreich, Deutschland und Grossbritannien dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani Warnungen aus Israel übermittelten. Sie hätten die klare Botschaft überbracht, dass Israel die iranischen Militäraktivitäten in Syrien nicht hinnehmen werde. Doch wahrscheinlich ist Rohani gar nicht der richtige Ansprechpartner. Für die iranischen Operationen sind die Revolutionswächter verantwortlich - und die sind Revolutionsführer Ali Khamenei unterstellt.

Die Führung in Teheran weiss, dass Israel keine iranischen Drohnen an seinem Himmel dulden kann - schliesslich könnten diese auch bewaffnet sein. Trotzdem hat sich Iran zu dieser erneuten Provokation entschlossen, um Israels rote Linien zu testen. Offenbar herrscht beim Regime in Iran die Überzeugung, dass der Nutzen seiner gegen Israel gerichteten Operationen die Kosten übersteigt. So lange das so bleibt, ist die nächste Runde in diesem Krieg zwischen den Kriegen nur eine Frage der Zeit.

Was will die Türkei mit seinem Angriffskrieg in Syrien? In diesem Interview erhältst du Antworten:

Die Kinder von Aleppo

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • blaubar 13.02.2018 12:39
    Highlight Highlight Ich bin schon noch froh, dass die Kriegsparteien ihre Kämpfe nicht in der Schweiz austragen.
    8 2 Melden
  • Baccara - Team Nicole 13.02.2018 12:34
    Highlight Highlight Eine iranische Drohne.

    (hat sie sich vorgestellt? Glaubt man Videobeweisen einfach so? Nun. Ich darf zweifeln..)
    7 22 Melden
  • Sebastian Wendelspiess 13.02.2018 11:13
    Highlight Highlight https://www.heise.de/tp/features/Iran-Die-Zeit-der-israelischen-Luftangriffe-auf-Syrien-ist-vorbei-3965071.html

    Der Artikel auf Heise zeigt ein etwas objektiveres Bild der Situation. Vom Spiegel kommt nur die übliche Kriegspropaganda. 12 Angriffe als Antwort auf die Überwachungsdrohne? Heisst das, der Iran hätte auch israelische Stellungen für die Mordanschläge auf die Atomwissenschaftler verüben dürfen? Oder Angriffe auf die USA für ihre Drohnentätigkeit über dem Iran? Was ich ausserdem wirklich nicht verstehe, warum gerade Israel mit den islamistischen Milizen gegen Assad zusammenarbeitet.
    16 11 Melden
  • Hugo Wottaupott 13.02.2018 01:32
    Highlight Highlight Richtig so! Nicht locker lassen bis eines Tages die Nukes fliegen.
    15 18 Melden
  • the give me diini Blitz! 13.02.2018 01:22
    Highlight Highlight Die Kämpfen da unten schon seit tausenden von Jahren.
    Jetzt stellen wir uns vor die hätten das ganze Geld und Mühe in Wurst und Bier investiert. Hätte allen besser Gefallen gefunden. Und keine Tote.

    Und nein, ich war nie an der Olma, will ich nie hin.

    Aber ja, das liebe Öl und die westlichen Welt :) voilà!
    22 11 Melden
  • Posersalami 12.02.2018 23:49
    Highlight Highlight Ein ganzer Artikel über das Thema ohne ein einziges mal die zahlreichen Brüche des Völkerrechts durch Israel klar zu benennen. Glückwunsch, das muss man erst mal schaffen!

    In wie fern bedrohen eigentlich ein paar Iraner in Syrien Israel? Das Recht auf Selbstverteidigung bedingt ja eine entsprechende Bedrohung als Gegenposition. Wo ist diese Bedrohung und wie wird sie projiziert?
    45 59 Melden
    • gianny1 13.02.2018 07:25
      Highlight Highlight Was haben Iraner in Syrien zu suchen? Was hat eine Iranische Drohne in Israel zu suchen?
      Israel hat das Recht sich selber zu verteidigen.... Ich denke die Arabischen Agressoren müssen aufpassen... sonst verlieren sie einen weiterne Kreige gegen Israel!
      41 29 Melden
    • MiepMiep 13.02.2018 08:16
      Highlight Highlight Wieso die ganzen Blitze? Israel ist nicht das Unschuldslamm, als das es immer präsentiert wird.
      42 40 Melden
    • demokrit 13.02.2018 08:35
      Highlight Highlight Israel bricht das Völkerrecht bestimmt nicht, denn die befinden sich bekanntlich immer noch mit Syrien im Krieg. Der Krieg wurde damals übrigens von Syrien erklärt.
      45 23 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • MrJS 12.02.2018 22:21
    Highlight Highlight Sonst noch jemand, der in Syrien ein bisschen Krieg spielen möchte? Mir tun die ganzen Zivilpersonen leid, die unter den Machtspielen der Herrschenden leiden..
    92 10 Melden
  • demokrit 12.02.2018 21:24
    Highlight Highlight Schwächeanzeichen sind derzeit trotz der Landgewinne sowohl bei Russland als auch dem Iran auszumachen. Putin scheint sich weder gegenüber der Türkei noch dem Iran länger wirklich behaupten zu können. Er gibt nicht mehr den Ton an, sondern macht allenfalls noch Waffengeschäfte mit Erdogan und verkauft ihm hinter der Hand Afrin. Der Iran könnte sich zunehmend mit seinen Kriegsabenteuern verzettelt haben und bald selber zum Pulverfass werden (Dürrekrisen, Arbeitslosigkeit). Die Türkei gleitet derweil vollends in den grölenden Faschismus ab. Israel ist klug, die Gunst der Stunde zu nutzen.
    43 41 Melden
    • Posersalami 12.02.2018 23:54
      Highlight Highlight Hat denn Putin jemals dem Iran oder der Türkei "den Ton angegeben"? Ich finde die These ziemlich steil.
      12 23 Melden
    • demokrit 13.02.2018 08:41
      Highlight Highlight Bis jetzt war das so. Die Türkei ist lange nicht mit eigenen Truppen einmarschiert und die Iraner übten gegenüber Israel und den Amerikanern mehr Zurückhaltung. Mit dem Zerbröckeln des IS treten die Interessen der Grossmächte immer offensichtlicher hervor. Eine gute Zeit lang hat Putin aufgrund der passiven Syrienpolitik von Obama Syrien klar dominiert, damals als Assad mit dem Rücken zur Wand stand und Putin letzterem zu Hilfe eilte.
      12 5 Melden
    • Hoppla! 13.02.2018 11:54
      Highlight Highlight Was wäre denn die richtige Politik von Obama gewesen?

      Interessanterweise könnte man auch sagen, dass die Zurückhaltung abnimmt sein ein Amateur als US-Präsident regiert.
      1 4 Melden
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