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Bild: Oded Balilty/AP/KEYSTONE

Syriens Drusen geraten zwischen die Fronten – und hoffen auf Israel

Der religiösen Minderheit der Drusen ist es vier Jahre lang gelungen, sich weitgehend aus dem syrischen Bürgerkrieg herauszuhalten. Doch nun rücken islamistische Rebellen auf ihre Hochburgen vor. Die Drusen hoffen auf Hilfe aus Israel.

17.06.15, 20:44 17.06.15, 21:18

Christoph Sydow / Spiegel online

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Der Protestzug sieht ein bisschen aus wie Karneval. Kinder schwenken grün-rot-gelb-blau-weiss-gestreifte Fahnen, Männer tragen markante weisse Hüte und auffällige Schnurrbärte. Doch die Menschen, die sich dieser Tage auf den von Israel besetzten Golanhöhen versammeln, feiern nicht. Es sind Angehörige der Religionsgemeinschaft der Drusen. Sie haben Angst um Freunde und Verwandte in Syrien.

Mehr als eine Million Drusen leben im Nahen Osten, etwa 130'000 in Israel, ungefähr 700'000 in Syrien. Die Religionsgemeinschaft gibt es etwa seit dem 11. Jahrhundert, sie entwickelte sich aus dem schiitischen Islam heraus. Den sunnitischen Herrschern in der Region galten sie seit jeher als Abtrünnige, deshalb zogen sich die Drusen immer mehr in abgelegene Bergregionen zurück. Ins Choufgebirge im Libanon, auf die Golanhöhen und auf einen Gebirgszug im Südwesten Syriens, der längst als Dschabal al-Duruz bekannt ist, als «Gebirge der Drusen».

Als Minderheit, die von Andersgläubigen misstrauisch beäugt wird, haben die Drusen ein besonders starkes Zusammenhörigkeitsgefühl. Sie sollen nur untereinander heiraten, es ist nicht möglich, zum Drusentum zu konvertieren.

Nusra-Kämpfer verüben Massaker

Damit ähneln die Drusen den Alawiten, der schiitischen Minderheit, der die syrische Diktatorenfamilie der Assads angehört. Beide Religionsgemeinschaften werden von streng gläubigen Sunniten als Ungläubige angesehen. Deshalb scheuten sich die Führer der drusischen Gemeinschaft in Syrien zu Beginn des Aufstands gegen Baschar al-Assad davor, sich offen gegen das Regime zu stellen. Die Regierung liess einige drusische Milizen aufstellen, die an der Seite der regulären syrischen Armee kämpfen. Grösstenteils ist es den Drusen aber in den vergangenen vier Jahren gelungen, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten.

Drusin nahe der syrischen Grenze bei Israel. Bild: Oded Balilty/AP/KEYSTONE

Doch nun rücken islamistische Rebellen auf die Siedlungsgebiete der Drusen im Südwesten Syriens vor. In der vergangenen Woche eroberte ein Zusammenschluss verschiedener Milizen mehrere Militärbasen in der Provinz Daraa, die genau zwischen den Golanhöhen und dem Drusengebirge in der Provinz Suweida liegt.

Unter den Eroberern sind auch Kämpfer der Nusra-Front, des syrischen Ablegers der Terrororganisation al-Qaida. Fast zeitgleich verübten Nusra-Milizionäre im Norden Syriens in einem Dorf ein Massaker an 20 Drusen. Nun fürchten die Drusen bei einem weiteren Vorrücken der Dschihadisten im Süden weitere Gräueltaten.

Von den syrischen Regierungstruppen können sie kaum noch Hilfe erwarten. Das Assad-Regime konzentriert sich in erster Linie darauf, die Hauptstadt Damaskus und den Küstenstreifen entlang des Mittelmeers im Nordwesten zu halten. Nach Angaben aus Suweida hat die Regierung die Drusen praktisch als Geiseln genommen. Sie seien vor die Wahl gestellt worden: Entweder sie kämpfen an der Seite der Armee oder das Regime ziehe seine Truppen gänzlich aus der Provinz zurück.

Israels Militärchef verspricht Hilfe

Die Drusen in Israel blicken mit grosser Sorge auf die Entwicklungen in Syrien. Drusische Würdenträger warnten in Schreiben an mehrere Regierungsmitglieder vor einem «drusischen Holocaust». Auf mehreren Demonstrationen forderten Drusen die israelische Armee auf, in den Bürgerkrieg einzugreifen, um ihre Glaubensbrüder jenseits des Grenzzauns zu schützen. Obwohl sich die meisten Drusen auf dem seit 1967 von Israel besetzten Golan weiterhin als Syrer identifizieren, sind sie gut in die israelische Gesellschaft integriert. Sie dienen im Militär und nehmen dort auch hohe Posten ein.

Deshalb ist der Druck auf Politik und Armee in Israel gross, auf die Ängste der Drusen zu reagieren. «Die Kämpfe in der Nähe der israelischen Grenze beunruhigen uns sehr», sagte auch Generalstabschef Gadi Eisenkot am Dienstag. «Wir werden alles unternehmen, um Massaker an Flüchtlingen zu verhindern.»

Welche Massnahmen Israels Militär bei einer weiteren Eskalation konkret ergreifen würde, erläuterte Eisenkot zunächst nicht. Israelische Medien hatten berichtet, die Armee prüfe die Errichtung einer Pufferzone im syrischen Teil des Grenzgebiets, in der Flüchtlinge Schutz vor der Verfolgung durch die Dschihadisten finden könnten.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu soll zudem US-Generalstabschef Martin Dempsey aufgefordert haben, die Militärhilfe für drusische Kämpfer in Syrien aufzustocken. Nur war bislang überhaupt nicht bekannt, dass die Drusen überhaupt von den USA aufgerüstet werden.

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Brikne, 20.7.2017
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