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Will in Syrien eingreifen: Donald Trump Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Trump will eine Flugverbotszone in Syrien – und riskiert damit die Konfrontation mit Putin

Donald Trump will eine Flugverbotszone in Syrien einrichten. Der Plan könnte Leben retten, birgt aber unkalkulierbare Risiken. Denn plötzlich geht der US-Präsident auf Konfrontationskurs mit Russland.

26.01.17, 19:19

Christoph Sydow

Ein Artikel von

Angela Merkel will es, Recep Tayyip Erdogan will es, Hillary Clinton wollte es. Und Donald Trump will es nun umsetzen: Die Einrichtung einer Flugverbotszone in Teilen Syriens. «Ich werde Sicherheitszonen in Syrien für die Menschen machen», kündigte der neue US-Präsident etwas ungelenk in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC News an. Trump will also Gebiete auf syrischem Territorium schaffen, in denen Kriegsflüchtlinge vor Luftangriffen des Assad-Regimes und des russischen Militärs sicher sind.

Das ist nicht nur eine unbedachte Interviewaussage des sprunghaften Präsidenten. Trump hat auch ein Dekret an das Pentagon und das Aussenministerium vorbereitet. «Der Aussenminister, zusammen mit dem Verteidigungsminister, ist angewiesen, innerhalb von 90 Tagen einen Plan für die Bereitstellung von Sicherheitszonen in Syrien und der umliegenden Region zu erstellen, in denen syrische Staatsbürger, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, auf eine Rückkehr in ihre Heimat oder die Umsiedlung in Drittstaaten warten», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Papier, das der Präsident in den nächsten Tagen unterzeichnen will.

USA müssten Soldaten nach Syrien schicken

Der Plan ist eine Überraschung. Denn Trump geht damit auf Konfrontationskurs zu Russland. Der Kreml hat die Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien bislang kategorisch ausgeschlossen. Ein solcher Schritt werde als illegitime militärische Intervention angesehen und entsprechend beantwortet, hatte die Führung in Moskau stets deutlich gemacht. Erst im Oktober hatte Russland im Uno-Sicherheitsrat eine von Frankreich eingebrachte Resolution verhindert, in der die Einrichtung einer Flugverbotszone in Nordsyrien gefordert wurde.

Entsprechend reserviert reagierte Wladimir Putins Sprecher Dimitrij Peskow auf Trumps Ankündigung. Das Weisse Haus habe den Kreml nicht vorab über die Pläne informiert. Die US-Regierung solle alle möglichen Konsequenzen bedenken, die eine Flugverbotszone mit sich brächte, mahnte Peskow.

Andere Pläne: Trump und Vorgänger Obama. Bild: Alex Brandon/AP/KEYSTONE

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte die Schaffung einer Sicherheitszone in Syrien stets abgelehnt, weil das eine massive Ausweitung des Militärengagements bedeutet hätte. Der damalige US-Generalstabschef Martin Dempsey schätzte 2013, dass eine solche Operation pro Monat rund eine Milliarde US-Dollar kosten werde. Weitere Kampfjets und Flugzeugträger müssten in die Region verlegt werden, um die Flugverbotszone militärisch durchzusetzen.

Hinzu kämen wohl Bodentruppen, die vor Ort den Schutz der Zivilisten gewährleisten. Soldaten am Boden müssten auch verhindern, dass Milizen oder Terrororganisationen die Sicherheitszonen als Rückzugsgebiet missbrauchen, von dem aus sie Angriffe planen und vorbereiten. Im Wahlkampf hatte Trump noch versprochen, dass die USA unter seiner Führung ihr militärisches Engagement im Ausland zurückfahren.

Im Ernstfall müssten die USA russische Jets abschiessen

Der Plan könnte Millionen Syrern einen sicheren Zufluchtsort schaffen, in dem sie vor Luftangriffen und Verfolgung des Assad-Regimes sicher sind. Und tatsächlich gibt es inzwischen einige Gebiete, die zu Sicherheitszonen ausgebaut werden könnten: etwa die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten kontrollierten Gebiete im Nordosten des Landes. Oder das von der türkischen Armee und ihren arabischen Verbündeten eroberte Territorium im Norden des Landes.

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Allerdings ist die Lage dort äusserst fragil, und es ist derzeit auch noch unklar, wie Syrer aus anderen Landesteilen auf sicherem Weg in die geplanten Sicherheitszonen gelangen könnten.

Doch der Plan birgt auch erhebliche Risiken. Eine Flugverbotszone hat nur dann Sinn, wenn sie auch durchgesetzt wird. Im Ernstfall müssten also die USA jeden syrischen oder russischen Bomber in dieser Zone abschiessen. Die Folgen wären unkalkulierbar. Im Wahlkampf hatte Trump noch selbst mit markigen Worten vor einer Konfrontation mit Russland wegen des Syrienkonflikts gewarnt. Als Reaktion auf Clintons Forderung nach einer Flugverbotszone sagte Trump vor drei Monaten: «Der Syrienkonflikt wird in einem dritten Weltkrieg enden, wenn wir auf Hillary Clinton hören

Nach nicht einmal einer Woche im Weissen Haus nun also die Kehrtwende. Doch möglicherweise kommen die Strategen im Pentagon auch zu dem Schluss, dass eine Sicherheitszone in Syrien militärisch kaum umsetzbar wäre. Denn Russland hat in Syrien Flugabwehrraketen der Typen S-300 und S-400 stationiert. Mit denen kontrolliert die Armee fast den gesamten Luftraum über dem Land - und mit denen könnte sie ihrerseits westliche Kampfjets abschiessen.

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 27.01.2017 10:44
    Highlight @Watson: Bringt Ihr in der nächsten Zeit auch mal noch einen Artikel zur "Clinton Global Initiative (CGI)" und deren Schliessung?

    3 0 Melden
    • roterriese Team #NoBillag 27.01.2017 13:09
      Highlight Nein Killarykritik ist unerwünscht.
      5 0 Melden
  • rodolofo 27.01.2017 09:28
    Highlight Was soll DAS jetzt?
    In den Einfluss-Bereich Putin's vorzustossen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt äusserst riskant!
    Auch wenn sich Putin scheinbar freundlich über Trump äussert, vernehme ich dabei gleichzeitig -sehr deutlich hörbar- das drohende Knurren und Zähne fletschen eines Leitwolfs...
    Gut möglich dass es dem Trump-eltier aus den USA am nötigen Sensorium fehlt, solche Warnsignale wahrzunehmen!
    Von einem unterwürfigen Russischen Journalisten auf Trump angesprochen, sagte jedenfalls Putin mit mafiosem Grinsen: "Ich habe nur gesagt, dass ich Trump für eine herausragende Persönlichkeit halte..."
    2 1 Melden
    • Informant 27.01.2017 12:25
      Highlight Er hat nicht "herausragend" gesagt, sondern "яркий" (yarkii)

      Putin was basically using "yarkii" to mean "colorful" or "strong personality," said Harley Balzer, a Russia expert at Georgetown University.
      2 1 Melden
    • rodolofo 27.01.2017 13:01
      Highlight @ Informant
      danke für die genaue Übersetzung aus dem Russischen.
      Aber ich habe an Putin's Körpersprache gesehen, dass bei ihm ein Lob auf einen anderen Mafia-Boss nicht bedeutet, dass man diesen nicht bei Gelegenheit umlegen könnte...
      oder wie würdest Du sein bedrohliches Grinsen in das von panischer Angst weit aufgerissene Gesicht des Journalisten übersetzen?
      2 1 Melden
    • Soli Dar 27.01.2017 18:48
      Highlight Rodolfo - wie auch immer - nun ist natürlich, wie könnte es anders sein, wieder der Russe der Agressor. Wie war das nochmals mit Lybien, Russland und China stimmten UNO Resolution für 'Flugverbotszone' zu. Was folgte war ein massives Bombardment durch NATO, ein Failstaats und ein IS-Hochburg.

      Also, an Stelle von Putin wäre ich wohl auch etwas skeptisch, wenn ein NATO Mitglied von 'Flugverbotszone' spricht.

      Und ja, Trump ist wohl eine unberechenbare Zeitbombe, wärend Autokrat Putin wohl berechenbarer zu sein scheint.


      0 1 Melden
    • rodolofo 27.01.2017 19:27
      Highlight Putin ist daran, Russland in eine schlagkräftige, gleichgeschaltete Kampfmaschine zu verwandeln, mit den gleichen Methoden, wie sie damals Hitler anwendete.
      Bei Trump bin ich mir nicht sicher.
      Er scheint etwas Ähnliches vor zu haben, nimmt dann aber wieder vieles zurück, als würde er uns sagen: "Wenn Ihr mich endlich lieb habt, dann werde ich Euch auch lieb haben!"
      Trump scheint verwirrt.
      Putin aber verfolgt ein klares Ziel:
      Europa und die Demokratie zerstören!
      Errichtung eines Imperiums unter Russischer Vorherrschaft über die ganze Welt, zusammen mit China und den faschistisch umgepolten USA.
      3 1 Melden
  • TheDan 27.01.2017 08:05
    Highlight "Now I'll absolutely do safe zones in Syria for the people. I think that Europe has made a tremendous mistake by allowing these millions of people to go into Germany and various other countries."
    Safe Zone bedeutet für mich nicht Flugverbotszone, sondern primär mal ein Gebiet ohne Kampfhandlungen, wo sich schutzbedürftige Menschen hinbegeben können um nicht in andere Länder zu müssen. Was sich der Speigel da wieder konstruiert...
    @Medien: Hört doch bitte damit auf in jeden einzelnen Satz von Trump soviel hineinzuinterpretieren und ihm Aussagen in den Mund zu legen, die er nicht gemacht hat.
    12 2 Melden
  • Soli Dar 27.01.2017 06:48
    Highlight Na ja dieser Trump scheint wirklich äusserst unberechenbar zu sein...

    Ob eine Flugverbotszone tatsächlich mehr Frieden bringt oder in Tat und Wahrheit, wie Lybien - nicht noch mehr Tot, Elend und Zerstörung - bleibt abzuwarten...
    5 4 Melden
  • Posersalami 27.01.2017 03:27
    Highlight "Der Plan könnte Millionen Syrern einen sicheren Zufluchtsort schaffen, in dem sie vor Luftangriffen und Verfolgung des Assad-Regimes sicher sind."

    Und weil Assad jeden Tag ein Kind frisst, fliehen die meisten Syrer auch in die von ihm kontrollierten Gebiete. Da hat Watson mal wieder ein Sahnestück westlicher Propaganda übernommen..
    13 5 Melden
  • Informant 26.01.2017 23:42
    Highlight Von "Flugverbotszone" ist nicht die Rede, das ist eine Interpretation des SPON.

    21 3 Melden
  • supermario1 26.01.2017 22:58
    Highlight --->“Roterriese“ und “Libertas“ wo sind eure Kommentare??
    10 14 Melden
    • blobb 26.01.2017 23:27
      Highlight Da tust du aber Stipps aber Unrecht ;)
      18 5 Melden
  • pamayer 26.01.2017 22:28
    Highlight Säbelrasseln zieht meistens Tod und Elend nach sich.
    Man kann gespannt sein, was kommt.
    8 3 Melden
  • herschweizer 26.01.2017 21:53
    Highlight Das ist der 3te Weltkrieg....
    7 12 Melden
  • Fabio Kunger 26.01.2017 21:46
    Highlight Ja in Libyen hat man das auch gemacht und nun leben dort alle glücklich in Frieden miteinander. Ist doch so...? *Ironie off
    24 2 Melden
  • http://bit.ly/2mQDTjX 26.01.2017 21:43
    Highlight "Denn Russland hat in Syrien Flugabwehrraketen der Typen S-300 und S-400 stationiert."

    Typischerweise wird eine Flugverbotzone eingerichtet, indem man zuerst die gegnerische Flugabwehr vollständig ausschaltet. Wenn man das nicht tut, ist eine Flugverbotzone nur illusorisch.

    "Eine Flugverbotszone hat nur dann Sinn, wenn sie auch durchgesetzt wird."

    Es wäre wirklich keine grosse Überraschung, wenn Trump Sinnfreies beschliessen würde, bloss um den Medien Futter zu liefern. Solche Inszenierungen mag auch Putin. Es wäre daher nicht unbedingt ein Affront, sondern einfach nur Theater.
    9 2 Melden
  • Enzasa 26.01.2017 21:23
    Highlight Er wandelt auf Clintons Pfaden, wie kann das sein?
    8 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 26.01.2017 21:08
    Highlight Der geborene Diplomat...
    6 2 Melden
  • loplop717 26.01.2017 20:43
    Highlight War das nicht genau eines seiner argumente gegen clinton? Das man sie nicht wählen sollte, weil sie eine flugverbotszone in syrien wolle und das einen koflikt mit russland bringen würde.
    11 1 Melden
  • Kronrod 26.01.2017 20:35
    Highlight Am Ende hilft Trump den syrischen Kriegsbetroffenen mehr als Obama und Merkel zusammen.
    8 14 Melden
    • Hashtag 26.01.2017 23:28
      Highlight Wenn er mehr wie Merkel für die Flüchtlinge machen will kann er so ca. 1'000'000 Flüchtlinge aufnehmen. Die helfen sicher auch bei der Mauer...

      Ausserdem ist Merkel ebenfalls für die Flugverbotszone (steht sonst im Text)
      12 3 Melden
  • blaubar 26.01.2017 20:22
    Highlight Gute Idee! Einfach mal für die Amis! Man soll immer bei sich selber anfangen. America först!
    5 5 Melden
  • Enzasa 26.01.2017 20:16
    Highlight Tja, das Ausland muss beachtet werden. Eine neue Erfahrung für Trump mit Widerspruch umzugehen.
    Liebe Trump Fans, wieso macht Trump jetzt das, Weswegen ihr Clinton abgelehnt habt?
    4 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 26.01.2017 20:03
    Highlight Da sollte sich mit Russland vorübergehend schon etwas abmachen lassen. Ich glaube es handelt sich nur um kleinere Flugverbotszonen zur Abdeckung der Sicherheitszonen, vermutlich weit ausserhalb der Kampfzonen von Assad/Putin.
    2 4 Melden
  • Majoras Maske 26.01.2017 20:00
    Highlight Aber wenn Friedenstaube Trump dasselbe tun will wie die ach so böse Kriegstreiberin wollte, gibt's jetzt sicher - oh surprise - keinen Dritten Weltkrieg.
    10 5 Melden
  • zombie woof 26.01.2017 19:58
    Highlight Bis jetzt waren es dumme Entscheidungen die er getroffen hat, jetzt sind die gefährlichen dran
    14 4 Melden
  • Fischra 26.01.2017 19:53
    Highlight Das Rad ist und bleibt halt einfach Rund. Das muss auch Herr Trump lernen. Es gibt halt noch wirklich Schlaue nicht solche wie er welche alles im Nachgang merken
    7 2 Melden
  • N. Y. P. 26.01.2017 19:44
    Highlight Der Kreml hat die Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien bislang kategorisch ausgeschlossen.

    «Der Aussenminister, zusammen mit dem Verteidigungsminister, ist angewiesen, innerhalb von 90 Tagen einen Plan für die Bereitstellung von Sicherheitszonen in Syrien und der umliegenden Region zu erstellen»

    Trump will bloss einen Schwanzvergleich mit Putin. Das Dumme ist, dass es ausser Kontrolle geraten könnte.

    Siehe Film "Thirteen Days"

    9 4 Melden
  • Triumvir 26.01.2017 19:38
    Highlight Shit happens Putin😂😈💩 Hast du und deine IT-Schergen am Ende wohl den falschen Kandidaten unterstützt😆 Freude herrscht!
    4 19 Melden
  • G. Schmidt 26.01.2017 19:35
    Highlight Ich frage mich, ob Trumpwähler immer noch so euphorisch sind?

    ...Trump manövriert die USA in eine diplomatische Sackgasse. Für europäische Rechtspopulisten vielleicht nicht die beste Unterstützung.
    12 4 Melden
  • Hashtag 26.01.2017 19:30
    Highlight Das ist heftig, der einzige Grund Trump vor Clinton zu wählen hat sich gerade aufgelöst.
    11 5 Melden

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