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Syrische Armee droht Bewohnern von Ost-Aleppo: Sie sollen die «Todeszone» verlassen



People walk past damaged buildings in the rebel-held Tariq al-Bab neighbourhood of Aleppo, Syria, October 5, 2016. To match Insight MIDEAST-CRISIS/SYRIA-ALEPPO REUTERS/Abdalrhman Ismail     TPX IMAGES OF THE DAY

«Todeszone»: Von den Rebellen kontrolliertes Quartier in Aleppo.  Bild: ABDALRHMAN ISMAIL/REUTERS

Die syrische Armee hat Rebellen und Bewohner von Ost-Aleppo zum Verlassen der Metropole aufgerufen. Alle, die bleiben, würden sich ihrem «unausweichlichen Schicksal» ergeben, hiess es in einer Mitteilung der Armee vom späten Mittwochabend.

Die Versorgungswege der Rebellen im Norden der Stadt seien abgeschnitten worden. Zudem habe das Militär Kenntnis über sämtliche Rebellenstellungen und Waffenlager in der Stadt. Das syrische Militär treibt seit Tagen mit russischer Unterstützung eine Grossoffensive in Aleppo voran.

Am Mittwoch kündigte die Heeresleitung an, aus humanitären Gründen die Angriffe auf den Osten der Stadt zurückzufahren. Die Angriffe aus der Luft und durch die Artillerie würden abgeschwächt, teilte das Militär mit.

Die genauen Hintergründe der überraschenden Ankündigung blieben unklar. Die Armeeführung in Damaskus verwies auf die «Erfolge unserer Streitkräfte in Aleppo». Alle Versorgungsrouten in die Rebellenviertel im Osten der Stadt seien gekappt worden. Unklar blieb zunächst auch, ob Syriens Verbündeter Russland seine Luftangriffe ebenfalls reduziert.

Russische Luftangriffe in Syrien

Bodentruppen rücken vor

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte rückten die Regierungstruppen am Mittwoch vom Stadtzentrum in das nördliche Viertel Bustan al-Bascha vor, das seit 2013 von Rebellen kontrolliert wird. «Es gibt schwere Gefechte, aber keine Luftangriffe, diese konzentrieren sich auf den südlichen Rand von Aleppo», sagte der Leiter der oppositionsnahen Organisation, Rami Abdel Rahmane.

Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. Nach ihren Angaben wurden seit Beginn der Offensive der Regierungstruppen vor zwei Wochen 270 Menschen in den Rebellenvierteln getötet.

Die USA hatten am Montag ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause in Syrien für beendet erklärt. Das US-Aussenministerium warf den russischen Verbänden und syrischen Regierungstruppen vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele angegriffen zu haben, darunter auch das grösste Krankenhaus in Aleppo.

Kerry telefoniert mit Lawrow

Trotz des Abbruchs der Syrien-Gespräche rief US-Aussenminister John Kerry am Mittwoch seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow an. Das Telefonat bedeute jedoch kein schnelles Einlenken der US-Regierung, die bilateralen Gespräche über den Konflikt in Syrien blieben weiterhin ausgesetzt, betonte Kerrys Sprecher Mark Toner in Washington.

Seinen Angaben zufolge führte Kerry auch Gespräche mit seinen Kollegen in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, der Türkei und in Katar sowie mit Vertretern der EU.

Frankreichs neuer Anlauf

Auch Frankreich bemüht sich weiter um eine diplomatische Lösung des Konflikts. Aussenminister Jean-Marc Ayrault reist am (heutigen) Donnerstag nach Moskau und am Freitag nach Washington, um für Unterstützung für den französischen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat zu werben. Die Lage in Aleppo sei «schockierend und beschämend», sagte Ayrault. «Wir müssen dieses Massaker stoppen.»

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Kämpfe in Aleppo, Ende September 2016. Video: YouTube/R&U Vid

Der Resolutionsentwurf sieht vor, dass die von den USA und Russland Anfang September ausgehandelte Feuerpause wieder aufgenommen wird, damit die eingeschlossene Bevölkerung mit humanitären Hilfen versorgt werden kann. Ausserdem sollen alle syrischen und russischen Kampfflugzeuge am Boden bleiben. (sda/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 06.10.2016 14:09
    Highlight Highlight Teil I
    Das syrische „Ministry of National Reconciliation“ hat den Kämpfern in Aleppo am 30.9. folgende Optionen angeboten:
    - To essentially disarm and assimilate legally back into society;
    - To remain an active combatant, but gain safe passage to a front of the given fighter’s choice;
    - To remain a combatant in Aleppo, but to allow civilians to flee active combat zones.
    Das ist kein Ultimatum. Aber die Botschaft ist klar: Jetzt raus, sonst geht’s Euch an den Kragen.

    Fies ist, dass viele Fliehende beim Verlassen der Zone von Al-Nusra-Terroristen umgebracht werden.
    (to be continued)
    • Beobachter24 06.10.2016 14:27
      Highlight Highlight (II)
      Aleppo ist schon einige Jahre hart umkämpft. Ein Grossteil der Menschen, die nicht mit den Kopfabschneidern sympathisieren, haben die entsprechenden Stadteile längst verlassen.
      Die verbliebenen "Bewohner“ der umkämpften Gebiete sind eine Mischung aus „Terroristen“ , „moderaten Rebellen“, Rebellen-Sympathisanten und womöglich noch „andere". Genaue Zahlen zu all diesen Gruppen sind nicht bekannt.

      Teil des lange Zeit geheim gehaltenen „Vetrags“ zwischen RU u. USA war, dass die Rebellen Abstand halten zur Castello Road - um diese als Korridor zum Verlassen der umkämpften Gebiete zu nutzen.
    • Beobachter24 06.10.2016 14:36
      Highlight Highlight (III)
      Offensichtlich ist, dass der Kampf um Aleppo (zum wievielten Male?) in die entscheidende Phase kommt.
      Und die SAA hat davor einmal mehr Hand geboten für verschiedene Optionen.

      Es gibt diverse Reports die vermelden, dass die Al-Nusra „Flüchtende“ aus den Gebieten umbringen oder Zivilisten als lebende Schutzschilde missbrauchen.

      Alle „Zivilisten“ werden den „Absprung“ nicht schaffen. Weil sie nicht wollen, oder weil sie daran gehindert werden.
      Viele davon werden sterben. Und die Schuld wird einmal mehr ganz einseitig Assad und Putin aufgebürdet werden; zumindest in den westlichen Medien.
  • Mnemonic 06.10.2016 10:24
    Highlight Highlight Assads und Putins Schlächter sind an Zynismus echt nicht mehr zu überbieten! Wie bitteschön sollen die Menschen die Todeszone denn verlassen??

Diese Waffensysteme kamen in Syrien zum Einsatz

>> Hier findest du die Reaktionen auf den Militärschlag gegen Assad im Überblick.

Geht es um Militärschläge, bleiben viele Details im Dunkeln. Was über die Waffensysteme beim Angriff auf Syrien bekannt ist:

Anders als ballistische Raketen sind sie mit eigenem Antrieb unterwegs. Die Cruise Missiles treffen ein zuvor programmiertes Ziel automatisch. Gängiges Modell des US-Militärs ist der auf Schiffen stationierte «Tomahawk», der auch im Golfkrieg 1991 und 2003 im Irak zum Einsatz kam. …

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