International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Syrische Armee droht Bewohnern von Ost-Aleppo: Sie sollen die «Todeszone» verlassen

06.10.16, 08:48 06.10.16, 13:47


People walk past damaged buildings in the rebel-held Tariq al-Bab neighbourhood of Aleppo, Syria, October 5, 2016. To match Insight MIDEAST-CRISIS/SYRIA-ALEPPO REUTERS/Abdalrhman Ismail     TPX IMAGES OF THE DAY

«Todeszone»: Von den Rebellen kontrolliertes Quartier in Aleppo.  Bild: ABDALRHMAN ISMAIL/REUTERS

Die syrische Armee hat Rebellen und Bewohner von Ost-Aleppo zum Verlassen der Metropole aufgerufen. Alle, die bleiben, würden sich ihrem «unausweichlichen Schicksal» ergeben, hiess es in einer Mitteilung der Armee vom späten Mittwochabend.

Die Versorgungswege der Rebellen im Norden der Stadt seien abgeschnitten worden. Zudem habe das Militär Kenntnis über sämtliche Rebellenstellungen und Waffenlager in der Stadt. Das syrische Militär treibt seit Tagen mit russischer Unterstützung eine Grossoffensive in Aleppo voran.

Am Mittwoch kündigte die Heeresleitung an, aus humanitären Gründen die Angriffe auf den Osten der Stadt zurückzufahren. Die Angriffe aus der Luft und durch die Artillerie würden abgeschwächt, teilte das Militär mit.

Die genauen Hintergründe der überraschenden Ankündigung blieben unklar. Die Armeeführung in Damaskus verwies auf die «Erfolge unserer Streitkräfte in Aleppo». Alle Versorgungsrouten in die Rebellenviertel im Osten der Stadt seien gekappt worden. Unklar blieb zunächst auch, ob Syriens Verbündeter Russland seine Luftangriffe ebenfalls reduziert.

Russische Luftangriffe in Syrien

Bodentruppen rücken vor

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte rückten die Regierungstruppen am Mittwoch vom Stadtzentrum in das nördliche Viertel Bustan al-Bascha vor, das seit 2013 von Rebellen kontrolliert wird. «Es gibt schwere Gefechte, aber keine Luftangriffe, diese konzentrieren sich auf den südlichen Rand von Aleppo», sagte der Leiter der oppositionsnahen Organisation, Rami Abdel Rahmane.

Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. Nach ihren Angaben wurden seit Beginn der Offensive der Regierungstruppen vor zwei Wochen 270 Menschen in den Rebellenvierteln getötet.

Die USA hatten am Montag ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause in Syrien für beendet erklärt. Das US-Aussenministerium warf den russischen Verbänden und syrischen Regierungstruppen vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele angegriffen zu haben, darunter auch das grösste Krankenhaus in Aleppo.

Kerry telefoniert mit Lawrow

Trotz des Abbruchs der Syrien-Gespräche rief US-Aussenminister John Kerry am Mittwoch seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow an. Das Telefonat bedeute jedoch kein schnelles Einlenken der US-Regierung, die bilateralen Gespräche über den Konflikt in Syrien blieben weiterhin ausgesetzt, betonte Kerrys Sprecher Mark Toner in Washington.

Seinen Angaben zufolge führte Kerry auch Gespräche mit seinen Kollegen in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, der Türkei und in Katar sowie mit Vertretern der EU.

Frankreichs neuer Anlauf

Auch Frankreich bemüht sich weiter um eine diplomatische Lösung des Konflikts. Aussenminister Jean-Marc Ayrault reist am (heutigen) Donnerstag nach Moskau und am Freitag nach Washington, um für Unterstützung für den französischen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat zu werben. Die Lage in Aleppo sei «schockierend und beschämend», sagte Ayrault. «Wir müssen dieses Massaker stoppen.»

Kämpfe in Aleppo, Ende September 2016. Video: YouTube/R&U Vid

Der Resolutionsentwurf sieht vor, dass die von den USA und Russland Anfang September ausgehandelte Feuerpause wieder aufgenommen wird, damit die eingeschlossene Bevölkerung mit humanitären Hilfen versorgt werden kann. Ausserdem sollen alle syrischen und russischen Kampfflugzeuge am Boden bleiben. (sda/reu)

Syrien: Der vergessene Krieg

Syrien

Wie die SNB 4 Millionen Dollar mit dem US-Angriff auf Syrien verdiente

Verprellt Trump mit dem Luftschlag in Syrien seine treuesten Anhänger?

Nach den Raketen die Fragezeichen – was will Trump in Syrien?

Nervengift-Angriff: Warum es immer noch Chemiewaffen in Syrien gibt

Autopsie bestätigt Chemiewaffen-Einsatz in Syrien – Erdogan beschimpft Assad als «Mörder»

Trotz US-Angriff: Syrien bombardiert weiter

Was der Fall von Aleppo für den Syrien-Krieg bedeutet

Russland und Iran erobern Aleppo – für Assad 

Kampf um Aleppo: Assads Truppen zerschlagen die Rebellengebiete in zwei Teile

Assad-Luftwaffe tötet offenbar türkische Soldaten – Rebellen für Feuerpause in Ost-Aleppo

Syrien-Krieg: UNO wirft Assad weiteren Einsatz von Giftgas vor

«Humanitäre Tragödie», «gigantischer Friedhof»: UNO über Aleppo

Ost-Aleppo wird ausgelöscht – und die Welt schaut zu

Syrische Weisshelme entschuldigen sich für #MannequinChallenge mit «Bomben-Opfer»

Assad bietet Trump Zusammenarbeit bei Kampf gegen Extremisten an

Russischer Flugzeugträger «Admiral Kusnezow» erreicht syrische Küste

Absurde Forderungen: Was Putin von den Amerikanern verlangt

UNO-Experten über Attacke auf Hilfskonvoi in Syrien: Es waren doch Luftangriffe

«Nicht Sex, sondern Krieg schändet den syrischen Körper»: Ein Flüchtling wird Pornostar

Scharen flüchten aus Aleppo – dieser Mann bleibt und kümmert sich um die verlassenen Katzen

Syrische Stadt Duma von heftigen Luftangriffen getroffen – es droht ein zweites Aleppo

«Ich habe Angst, dass ich heute Abend sterbe» – Siebenjährige twittert aus Aleppo

Ärzte ohne Grenzen fordern Ende des Blutbads in «Todeszone» Ost-Aleppo

Syrien-Gespräche mit Russland «nicht tot, aber auf der Intensivstation» 

Ein herber Rückschlag: USA beenden Gespräche mit Russland über Waffenstillstand für Syrien

#StingerEffect: Die neueste Lösung für den Syrien-Konflikt kommt aus Hollywoods Traumfabrik

Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Kriegsverbrechen in Syrien

Wieder Klinik bombardiert: Luftangriff auf Aleppo trifft eines der letzten Spitäler

Wieder Spitäler in Aleppo bombardiert – UNO-Chef Ban Ki Moon spricht von «Kriegsverbrechen»

Bekannter deutscher Journalist interviewt «Al-Nusra»-Kommandant – alles nur ein Fake?

Eiskaltes Schweigen zwischen Washington und Moskau

Feuerpause für Syrien rückt in Reichweite

Türkische Militäroperation in Syrien: Der «IS» ist der Vorwand, die Kurden sind das Ziel

Krieg? Welcher Krieg? Mit diesem Video will Syrien Touristen an seine Strände locken 

Was hat der Westen mit den Flüchtlingen zu tun? Diese 10 Punkte zeigen es

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 06.10.2016 14:09
    Highlight Teil I
    Das syrische „Ministry of National Reconciliation“ hat den Kämpfern in Aleppo am 30.9. folgende Optionen angeboten:
    - To essentially disarm and assimilate legally back into society;
    - To remain an active combatant, but gain safe passage to a front of the given fighter’s choice;
    - To remain a combatant in Aleppo, but to allow civilians to flee active combat zones.
    Das ist kein Ultimatum. Aber die Botschaft ist klar: Jetzt raus, sonst geht’s Euch an den Kragen.

    Fies ist, dass viele Fliehende beim Verlassen der Zone von Al-Nusra-Terroristen umgebracht werden.
    (to be continued)
    6 2 Melden
    • Beobachter24 06.10.2016 14:27
      Highlight (II)
      Aleppo ist schon einige Jahre hart umkämpft. Ein Grossteil der Menschen, die nicht mit den Kopfabschneidern sympathisieren, haben die entsprechenden Stadteile längst verlassen.
      Die verbliebenen "Bewohner“ der umkämpften Gebiete sind eine Mischung aus „Terroristen“ , „moderaten Rebellen“, Rebellen-Sympathisanten und womöglich noch „andere". Genaue Zahlen zu all diesen Gruppen sind nicht bekannt.

      Teil des lange Zeit geheim gehaltenen „Vetrags“ zwischen RU u. USA war, dass die Rebellen Abstand halten zur Castello Road - um diese als Korridor zum Verlassen der umkämpften Gebiete zu nutzen.
      6 2 Melden
    • Beobachter24 06.10.2016 14:36
      Highlight (III)
      Offensichtlich ist, dass der Kampf um Aleppo (zum wievielten Male?) in die entscheidende Phase kommt.
      Und die SAA hat davor einmal mehr Hand geboten für verschiedene Optionen.

      Es gibt diverse Reports die vermelden, dass die Al-Nusra „Flüchtende“ aus den Gebieten umbringen oder Zivilisten als lebende Schutzschilde missbrauchen.

      Alle „Zivilisten“ werden den „Absprung“ nicht schaffen. Weil sie nicht wollen, oder weil sie daran gehindert werden.
      Viele davon werden sterben. Und die Schuld wird einmal mehr ganz einseitig Assad und Putin aufgebürdet werden; zumindest in den westlichen Medien.
      7 2 Melden
  • Mnemonic 06.10.2016 10:24
    Highlight Assads und Putins Schlächter sind an Zynismus echt nicht mehr zu überbieten! Wie bitteschön sollen die Menschen die Todeszone denn verlassen??
    16 22 Melden

Terroristenmiliz «IS» benutzt Schweizer RUAG-Handgranaten

Schweizer Handgranaten des Industrie- und Rüstungskonzerns RUAG sind möglicherweise erneut in Syrien aufgetaucht. Es könnte sich laut RUAG um Handgranaten aus derselben Lieferung handeln, die 2003 und 2004 an die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft worden waren.

Damals seien Handgranaten von den Vereinigten Arabischen Emiraten unter Verletzung der vertraglichen Zusicherungen nach Syrien gelangt, stellt die RUAG in einer aktuellen Stellungnahme zu einem Bericht des «SonntagsBlick» fest.

Die …

Artikel lesen