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Pro-Turkey Syrian fighters and Turkish troops secure the Bursayah hill, which separates the Kurdish-held enclave of Afrin from the Turkey-controlled town of Azaz, Syria, Sunday, Jan. 28, 2018. Turkish troops and allied Syrian fighters captured the strategic hill in northwestern Syria after intense fighting on Sunday as their offensive to root out Kurdish fighters enters its second week, Turkey's military and Syrian war monitor reported. (AP Photo)

Protürkische Kämpfer in Syrien.  Bild: AP/AP

Die türkische Offensive in Syrien geht weiter – dabei gibt es immer mehr zivile Opfer

29.01.18, 15:59


Der türkischen Offensive gegen die syrischen Kurden in Afrin fallen immer mehr Zivilisten zum Opfer. Allein am Sonntag seien 14 Menschen bei türkischen Luftangriffen getötet worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit. Vor den Syrien-Gesprächen in Sotschi rief die prokurdische HDP die Staatengemeinschaft zum Handeln gegen die türkische «Invasion» auf.

Ein Reporter sah vor dem Hauptkrankenhaus von Afrin, wie ein Pickup-Fahrzeug verwundete Zivilisten brachte, darunter zwei blutüberströmte Kinder. In einem Krankenwagen lagen die Leichen eines Mannes und eines Kindes. Aus den Dörfern im hügeligen Umland der Stadt stiegen schwarze Rauchwolken auf, doch in Afrin selbst waren die Läden geöffnet.

Laut der in Grossbritannien ansässigen Beobachtungsstelle wurden seit Beginn der türkischen Offensive 55 Zivilisten getötet. Zudem seien 78 kurdische Kämpfer und 76 protürkische Rebellen gestorben. Für Medien sind die Angaben der oppositionsnahen Organisation kaum zu überprüfen. Die türkische Armee hat nach eigenen Angaben sieben Soldaten verloren.

Am Montag teilte die Armee zudem mit, sie habe bei der am 20. Januar gestarteten Operation «Olivenzweig» 597 «Terroristen neutralisiert». Damit meint sie getötet, gefangen oder schwer verletzt. Auch ihre Angaben sind für Medien nicht überprüfbar. Ankara betont, keine zivilen Ziele ins Visier zu nehmen und bezeichnet Berichte über zivile Opfer als «Terrorpropaganda».

Hatz auf «Propagandisten» in der Türkei

Wie das Innenministerium in Ankara am Montag mitteilte, wurden seit Beginn der Offensive in der Türkei 311 Verdächtige unter dem Vorwurf festgenommen, auf Internetplattformen «Propaganda» für die von Ankara als Terrororganisation eingestuften kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu betreiben.

Die Türkei betrachtet die YPG als syrischen Zweig der in ihrem Land verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die seit 1984 im Südosten Anatoliens gegen den Staat kämpft. Allerdings ist die YPG ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Trotz der Proteste Ankaras will Washington an dem Bündnis festhalten.

A plume of smoke rises from inside Syria, during Turkish forces bombardment, part of an offensive codenamed Operation Olive Branch, in the Kurdish-controlled enclave of Afrin, Syria, as seen from the border with Syria, in Kilis, Turkey, Sunday, Jan. 28, 2018. Turkish troops and allied Syrian fighters captured a strategic hill in northwestern Syria on Sunday as their offensive to root out Kurdish fighters enters its second week, Turkey's military and Syrian war monitor reported.(Can Erok/DHA-Depo Photos via AP)

Rauch steigt auf über der syrischen Afrin-Region.  Bild: AP/DHA

In der Türkei wird die Offensive von den Oppositionsparteien CHP und MHP unterstützt. Die einzige Partei, die die Militäroperation in Afrin offen kritisiert, ist die prokurdische HDP. In einem Schreiben an die Uno und die Europäische Union rief sie am Montag die Staatengemeinschaft zum Handeln gegen die «Invasion» auf, die klar gegen internationales Recht verstosse.

Kurden und Opposition nicht in Sotschi

Wegen der Offensive sagten die Behörden der kurdischen Autonomiegebiete in Nordsyrien ihre Teilnahme an den Friedensgesprächen im südrussischen Sotschi ab, die am Dienstag von Russland, der Türkei und dem Iran organisiert werden. Auch das Syrische Verhandlungskomitee der Opposition boykottiert das Treffen.

Russland hat mehr als 1600 Teilnehmer zum so genannten Kongress des nationalen Dialogs eingeladen, doch werden nur 350 erwartet. Die ersten Delegationen trafen am Montag in Sotschi ein. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, wegen des Boykotts von Teilen der Opposition sei ein «Durchbruch hinsichtlich einer politischen Lösung in Syrien wenig wahrscheinlich».

epa06465512 Russian Foreign Minister Sergei Lavrov (L) shakes hands with Head of Syrian opposition delegation Nasr Hariri (R) during their meeting in Moscow, Russia, 22 January 2018. A delegation of Syrian opposition arrived in Moscow to exchange opinions regarding their possible participation in a wide congress of Syrian people, which Russia calls to hold in Sochi on 29 and 30 January.  EPA/SERGEI CHIRIKOV

Moskau: Der russische Aussenminister Sergej Lawrow empfängt den syrischen Oppositionsführer Nasri Hariri im Hinblick auf die Gespräche in Sotschi. Bild: EPA/EPA

Die Beobachtungsstelle und die syrische Antikenbehörde warfen der Türkei derweil vor, bei ihren Luftangriffen in Afrin auch einen 3000 Jahre alten neo-hethitischen Tempel schwer beschädigt zu haben. Demnach wurde die Tempelanlage von Ain Dara, die aus der aramäischen Ära zwischen 1300 und 700 vor Christus stammt, bei dem Angriff am Freitag teilweise zerstört.

Syrische Luftwaffe bombardiert Idlib

Während die Türkei weiter gegen die Kurden vorging, setzten die syrischen Regierungstruppen ihre Offensive gegen das Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham in Idlib fort.

Laut der Beobachtungsstelle wurden dort bei Luftangriffen mindestens 33 Zivilisten getötet. Allein auf einem Markt der Stadt Sarakeb habe es elf Tote gegeben, teilte die Organisation mit. (sda/afp)

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Friedenstaube68 30.01.2018 22:34
    Highlight Warum verurteilt niemand die türkische Aggression???
    Die Tapferen sind in der Türkei die HDP-Politiker und die Ärzte die gegen den Krieg demonstrieren.
    6 0 Melden
  • Royeti 29.01.2018 23:57
    Highlight Ginge es um Israel und Palästinenser, hätte es innert 2h rund 100 anti Israelische Kommentare.
    Anscheinend interessiert es niemanden, da entweder die Kurden weniger Wert sind wie die Palästinenser oder wir Schweizer die Türken mehr mögen als die Israelis....
    Think about..!
    6 2 Melden
    • Sebastian Wendelspiess 30.01.2018 13:19
      Highlight Da muss ich dir Recht geben. Die Türkei gehört dafür sanktioniert!
      9 1 Melden
  • Snowy 29.01.2018 17:38
    Highlight Vielleicht doch nicht in der Türkei Ferien machen - auch wenn die tiefen Preise verlockend sind.

    Genauso wie man israelische Avocados im Regal lässt, solange der Siedlungsbau ungehindert und völkerrechtswidrig weitergeht.

    Genauso wie man keine Eier aus Bodenhaltung kauft.

    Keine Tomaten aus Spanien.

    Fleisch aus dem Inland und wenn immer möglich BIO.

    Fisch - wenn überhaupt - mit MSC oder besser BIO-Label.

    Etc..

    Wir Konsumenten haben die Macht - Freiheit für Öcalan! :-)
    58 18 Melden
    • philosophund 29.01.2018 22:59
      Highlight Bro, etwas naiv nicht?
      5 3 Melden
    • Snowy 30.01.2018 08:40
      Highlight Natürlich war obstehendes Posting überzeichnet und halbernst gemeint.


      Trotzdem: Ist es naiv, wenn man beim Einkaufen sein moralisches und politisches Gewissen nicht abschaltet?
      5 1 Melden

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