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Anti-Assad-Koalition boykottiert Friedenskonferenz in Sotschi

Auf Einladung Russlands sollte in Sotschi über die Zukunft Syriens beraten werden. Das lehnt die syrische Opposition ab – und verweist auf Gespräche unter UNO-Führung.

27.01.18, 08:41 27.01.18, 16:18


Die von Russland einberufene Syrien-Friedenskonferenz findet ohne das grösste Oppositonsbündnis des Bürgerkriegslandes statt. Das Syrische Verhandlungskomitee (SNC), das die wichtigsten Oppositionsgruppen vertritt, verkündete in der Nacht zum Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter seinen «Boykott» der Konferenz.

Auch dutzende andere Rebellengruppen hatten bereits angekündigt, kommende Woche nicht zu dem Treffen in Sotschi zu reisen. «Das SNC hat nach Marathon-Verhandlungen mit der UNO und Staaten, die in Syrien involviert sind, entschieden, nicht an Sotschi teilzunehmen», erklärte das Komitee auf Twitter.

Es gab seine Entscheidung nach dem Abschluss einer neunten Verhandlungsrunde unter UNO-Vermittlung bekannt. Am Samstagmorgen will sich das SNC bei einer Pressekonferenz äussern. Dann dürften die Gründe für den Boykott der Konferenz in Sotschi genannt werden. Zuvor hatte das Bündnis seine Teilnahme von Zugeständnissen der syrischen Regierung bei den Wiener Gesprächen abhängig gemacht.

Zwei Tage lang hatten Vertreter der syrischen Opposition und der syrischen Regierung in der österreichischen Hauptstadt getrennt voneinander mit dem UNO-Syrien-Beauftragten Staffan de Mistura gesprochen. Wie bereits bei den acht vorangegangenen Verhandlungsrunden in Genf gelang es nicht, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. Bei den Verhandlungen unter UNO-Vermittlung wird um die politische Zukunft Syriens nach einem Ende der Kampfhandlungen gerungen.

UNO-Beauftragter ist frustriert

De Mistura räumte am frühen Samstagmorgen in Wien ein, dass es weiter keine Fortschritte in den Verhandlungen gibt. «Ich teile die Frustration von Millionen Syrern im Land und ausserhalb des Landes über das Fehlen einer politischen Lösung», sagte er.

Die für Montag und Dienstag geplante Friedenskonferenz in Sotschi nannte de Mistura zwar legitim. Er betonte aber, dass eine politische Übergangsregelung für Syrien «im Rahmen des von der UNO geführten Genfer Prozesses erreicht werden» müsse. Er hoffe, dass die Konferenz in Sotschi dazu beitragen werde, die Genfer Verhandlungen voranzubringen.

Die UNO hat noch nicht angekündigt, ob sie sich an den Gesprächen in der Schwarzmeerstadt beteiligt. De Mistura sagte, er werde UNO-Generalsekretär Antonio Guterres über die Ergebnisse der Wiener Verhandlungen informieren. Dieser werde auf dieser Grundlage über die Teilnahme entscheiden.

Gespräche über Kriegsende

Russland, ein enger Verbündeter von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, will in Sotschi Gespräche über eine Beendigung der Kämpfe anstossen und wird darin vom Iran und von der Türkei unterstützt. Der Westen und die syrische Opposition stehen der russischen Initiative skeptisch gegenüber. Sie befürchten, dass Moskau die UNO-Bemühungen untergraben und eine Vereinbarung zu Assads Gunsten herausholen will.

Die Verhandlungen in Wien wurden vom Ärger der syrischen Regierung überschattet, nachdem durchgesickert war, dass die USA, Saudi-Arabien, Jordanien, Grossbritannien und Frankreich eine Stärkung des syrischen Ministerpräsidenten anstreben – und damit eine Schwächung Assads. Die Dokumente mit den Vorschlägen kursierten auf Arabisch und Englisch im Internet.

Der Verhandlungsführer der syrischen Regierung, Baschar al-Dschaafari, sagte zu Journalisten, es komme «schwarzem Humor» gleich, dass diese Staaten versuchten, über Syriens Zukunft zu bestimmen. «All diese Länder haben am Blutvergiessen des syrischen Volkes teilgenommen», sagte er. Den USA warf er vor, die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) «geschaffen» zu haben. Und Saudi-Arabien sei alles andere als ein «Leuchtfeuer der Freiheit im Osten».

In dem seit fast sieben Jahren andauernden Krieg in Syrien wurden bereits mehr als 340'000 Menschen getötet. Russland hatte auf Bitten Assads im September 2015 militärisch in den Konflikt eingegriffen. Infolge der Unterstützung der russischen Luftwaffe gewannen die syrischen Regierungstruppen die Oberhand über die Rebellen sowie bewaffnete islamistischen Kämpfer, die heute nur noch wenige Gebiete des Landes kontrollieren. (viw/sda/afp)

Syrien: Der vergessene Krieg

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Radiochopf 27.01.2018 13:05
    Highlight Auch wenn es uns anders erzählt wird, den einzigen Präsidenten die die Syrer wollen ist Assad... oder habt ihr schon von Aufstände in Aleppo (seit die Rebellen und ISI weg sind) und Damaskus gehört? Eine Lösung gibt es nur mit Assad, alles andere ist utopisch und kann nur durch totale Zerstörung des Landes erreicht werden..
    16 5 Melden
    • rodolofo 28.01.2018 09:52
      Highlight Wer ist "Die Syrer"?
      Zählen die Millionen von Flüchtlingen, die in der Türkei, in Jordanien, im Libanon, in Griechenland, oder auf Lampedusa festsitzen und die in ihrer Verzweiflung alle nach Europa wollen, auch dazu?
      1 5 Melden
  • Sebastian Wendelspiess 27.01.2018 11:49
    Highlight Die Rebellen wollten noch nie Frieden.
    25 10 Melden
    • Radiochopf 27.01.2018 13:02
      Highlight Rebbellen erhalten von Saudis ubd USA Waffen und Geld, ausser Töten und Krieg wollen die nichts anderes.. Frieden würde das Ende für viele dieser Rebellengruppen heissen, darum hört dieser Teufelskreis nie auf, solange die USA und Saudis die Waffen und Geld liefern...
      14 4 Melden
    • rodolofo 28.01.2018 09:49
      Highlight Assad's Terror-Régime auch nicht.
      Und die Verantwortung liegt nun mal beim "Stärkeren", oder beim "Älteren"...
      Den Krieg zivilisieren kann nur die Demokratie, mit ihren unverzichtbaren Institutionen, Parteien-Vielfalt, Offenheit mir durchlässigen Grenzen und säkularem Rechtsstaat und vielfältigen Medien als 4. Gewalt im Staate.
      Auch die Syrer, Russen, Türken und Saudis werden das irgendwann begreifen!
      Spätestens dann, wenn sie genug gelitten und geweint haben...
      0 4 Melden
    • rodolofo 28.01.2018 09:53
      Highlight Die Anderen sind also wieder mal an allem schuld.
      Wie bequem...
      0 4 Melden
    • Sebastian Wendelspiess 28.01.2018 17:51
      Highlight Nicht? Komisch, die von der syrischen Armee befreiten Gebiete, Beispiel Aleppo sind ziemlich ruhig, die Bewohner kehren sogar wieder zurück. Bedtimmt weil Assad sie so unterdrückte...
      2 0 Melden

Reporter ohne Grenzen warnen: 69 Journalisten im Südwesten von Syrien in Lebensgefahr

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat sich besorgt über die Lage dutzender im Südwesten Syriens festsitzender Journalisten gezeigt. «Den Journalisten droht Lebensgefahr, wenn sie in die Hände der Regierungstruppen gelangen», erklärte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr am Dienstag.

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