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Bild: RODI SAID/REUTERS

Millionen syrische Kinder leiden unter psychischen Störungen

06.03.17, 23:00 07.03.17, 06:38

Sprachstörungen, Bettnässen, Albträume – sechs Jahre nach Beginn des Syrien-Krieges leiden Millionen syrische Kinder unter psychosomatischen Stresssymptomen. Das geht aus einer Studie hervor, welche die Hilfsorgansiation «Save the Children» am Montag vorlegte.

Die Mehrheit der syrischen Kinder lebe in ständiger, teils panischer Angst vor Gewalt. Für die Studie «Unsichtbare Wunden. Was sechs Jahre Krieg in der Psyche der syrischen Kinder anrichten» befragten Save the Children und Partnerorgansationen von Dezember 2016 bis Februar 2017 mehr als 450 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Syrien.

«Kinder in Syrien haben Schreckliches erlebt und mussten zum Teil mit ansehen, wie ihre Eltern getötet wurden, bekommen aber nicht die nötige Hilfe, um ihre Traumata zu verarbeiten.»

Marcia Brophy

Aufwachsen auf der Flucht und weit weg von der Heimat: Syrische Kinder spielen in einem Flüchtlingscamp in der Nähe von Presevo (Serbien).  Bild: DJORDJE SAVIC/EPA/KEYSTONE

84 Prozent der Erwachsenen und praktisch alle Kinder gaben dabei an, dass Beschuss und Bomben die grössten Stressfaktoren im Alltag seien. 71 Prozent der Erwachsenen berichteten, dass Kinder immer häufiger ins Bett oder in die Hosen machten.

Beides sind nach Angaben von «Save the Children» Symptome von toxischem Stress und posttraumatischen Belastungsstörungen. Toxischer Stress entsteht, wenn dauerhaft eine grosse Menge an Stresshormonen ausgeschüttet wird.

Die Hälfte der Kinder erzählte bei der Befragung, dass sie sich in der Schule selten oder nie sicher fühlen. 40 Prozent sagten, dass sie sich beim Spielen nicht einmal direkt vor dem Haus sicher fühlen. Über die Hälfte der Erwachsenen sagten, dass Jugendliche zu Drogen greifen, um den Stress zu bewältigen. Knapp die Hälfte der Erwachsenen beobachtete zudem Sprachstörungen bei Kindern.

Das Leiden der Kinder in Syrien

Risiko für weitere Erkrankungen

Kinder hätten zwar «eine grosse Widerstandskraft», erklärte Alexandra Chen, Expertin für Kinderschutz und mentale Gesundheit an der Harvard-Universität. Die «wiederholten Traumata», denen viele syrische Kinder ausgesetzt seien, lösten bei vielen von ihnen aber toxischen Stress aus.

Dies könne nicht nur die Entwicklung ihres Gehirns und anderer Organe stören, sondern berge auch ein Risiko für Herzerkrankungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch und psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen – bis ins Erwachsenenalter hinein.

Weil viele Ärzte aus Syrien geflohen sind und humanitäre Helfer oftmals nicht in die am schwersten umkämpften Gebiete gelangen, erhalten viele Kinder nicht die notwendige psychologische Betreuung.

«Kinder in Syrien haben Schreckliches erlebt und mussten zum Teil mit ansehen, wie ihre Eltern getötet wurden, bekommen aber nicht die nötige Hilfe, um ihre Traumata zu verarbeiten», erklärte Marcia Brophy, Spezialistin für psychische Gesundheit von Save the Children im Nahen Osten.

Die Mehrheit der syrischen Kinder lebe in ständiger, teils panischer Angst vor Gewalt, heisst es in der Studie von Save the Children.  Bild: BASSAM KHABIEH/REUTERS

«Kämpfe müssen aufhören»

«Es darf so nicht weitergehen», sagte die Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland, Susanna Krüger. Trotz der vereinbarten Waffenruhe werde in Syrien weiter gekämpft.

«Das muss sofort gestoppt werden, und humanitäre Hilfe, auch psychologische und psychosoziale Unterstützung, muss endlich alle betroffenen Kinder erreichen.» Denn mit einem Ende der Gewalt und mit angemessener Unterstützung könnten sich die Kinder von ihren traumatischen Erlebnissen erholen.

Am 15. März jährt sich der Beginn des Syrien-Konflikts zum sechsten Mal. Begonnen hatte er mit friedlichen Protesten gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad. Seither wurden nach UNO-Angaben mehr als 310'000 Menschen getötet und Millionen weitere in die Flucht getrieben. (sda/afp)

Hier geht's zum gesamten Bericht von «Save the Children». 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 07.03.2017 10:05
    Highlight Dieses PDF: «Unsichtbare Wunden. Was sechs Jahre Krieg in der Psyche der syrischen Kinder anrichten» sollte man mal an alle grossen Waffenproduzenten (+ an deren Familien) schicken. Sie sollen mal sehen was Sie anrichten. Für was Sie jeden Tag aufstehen, um für sich selbst ein gutes Leben zu haben. Ich verachte Menschen die nicht fähig sind ein Verständniss für ihre Taten zu entwicklen. Das Argument ja die anderen machen es ja auch ist kake. wir sollten uns endlich als Weltbevölkerung verstehen und nicht so kleinkariert mit unseren Sinnen - bis zum Horizont und nicht weiter - leben.
    10 1 Melden
  • rodolofo 07.03.2017 07:35
    Highlight Ist es nicht gesund, wenn Mensch(lein) in einer total gestörten Umgebung Psychische Störungen entwickeln?
    Ihre Psychischen Störungen sind also Anpassungs-Versuche, wie andere Imitationen.
    Wo und mit wem, oder was sollen wirksame Therapien beginnen?
    Mit den Opfern, oder mit den Tätern?
    Täter sind auch Opfer.
    Opfer werden professionell betreut, während die Täter weiter frei herum laufen und sich zu sogenannten Friedensverhandlungen treffen.
    Die Opfer sind leichter einzufangen, da sie bereits halb tot sind.
    Das alles ist doch total KRANK!
    Aber wem sage ich das?
    Alle wissen doch, wie krank das ist
    13 0 Melden
  • Menel 07.03.2017 07:19
    Highlight So wird eine ganze Generation "verstümelt" 😕
    14 1 Melden
    • Wehrli 07.03.2017 10:54
      Highlight Verstört, nicht verstümmelt. Leider gibt es keine psychologischen Prothesen.
      5 0 Melden
  • blaubar 07.03.2017 01:50
    Highlight Was die Kinder angeht: Das ist schrecklich, die Kinder sind damit geprägt für das ganze Leben. Jetzt sind es noch herzige Kinder, für die alle Mitgefühl entwickeln. Später sind es Erwachsene, deren Probleme wahrscheinlich keinen mehr interessiert. Es ist wichtig, dass auf die Kinder aufmerksam gemacht wird.
    Den letzten Abschnitt hätte man allerdings sein lassen können, es ist nicht nötig, Dinge zu suggerieren.
    11 4 Melden
    • Saraina 07.03.2017 06:52
      Highlight Es ist nicht nötig, zu suggerieren dass die Kämpfe aufhören müssen?
      7 0 Melden
    • _kokolorix 07.03.2017 07:24
      Highlight Mit deinen anfänglichen Schlussfolgerungen kann ich mitgehen, dann wird es haarig. Was nützt es auf die Kinder aufmerksam zu machen wenn nicht gleichzeitig ein Ende der Gewalt gefordert wird?
      Was wird denn im letzten Abschnit suggeriert? Genau so hat es doch angefangen, oder etwa nicht?
      9 0 Melden
    • meine senf 07.03.2017 09:37
      Highlight Jemand wird sich später schon für sie interessieren:

      Traumatisierte, frustrierte, sich um das Leben betrogen fühlende und (unfreiwillig) wenig gebildete junge Menschen eignen sich wunderbar als Kanonenfutter, Selbstmordattentäter oder Folterknechte für die nächste Terrororganisation oder das nächste Folterregime ... Ein schrecklicher Kreislauf.
      7 0 Melden
    • Dong 07.03.2017 11:45
      Highlight @_kokolorix: Afghanistan war kein Aufstand des Volkes, Irak nicht, Libyen nicht, und Syrien auch nicht.
      Besonders schlimm fand ich, wie alle die, die einfach den Krieg gewinnen wollten, sich als Friedensengel präsentiert haben.
      Sorry, musste mal wieder was loswerden, ich weiss, die meisten hier sehn das anders :-)
      2 1 Melden
    • _kokolorix 07.03.2017 18:34
      Highlight @Dong
      Afghanistan, Irak und Libyen einverstanden. Aber in Syrien protestierten tausende friedlich gegen Assads korruptes Gewaltregime bis dann der Geheimdienst scharf in die Menge schoss und gezielt Leute tötete. Du glaubst doch nicht im ernst, dass das verkleidete Amis waren?
      3 0 Melden
  • Spooky 06.03.2017 23:35
    Highlight Millionen europäische Kinder leiden ebenfalls unter psychischen Störungen.
    16 56 Melden
    • Philipp Burri 07.03.2017 02:24
      Highlight Und schon haben wir einen Anwärter für den douchebag of the day award. Bravo!
      41 7 Melden
    • Peace.Nik 07.03.2017 07:21
      Highlight Und was bedeutet das für dich, Spooky? Werden denn die ignoriert? Du suggerierst das nämlich. Stimmt aber nicht. Die hiesigen Kinderpsychiatrien beklagen sich beispielsweise nicht über zu wenige Patienten...
      18 0 Melden
    • Favez 07.03.2017 14:13
      Highlight @Spooky: Sagt dir Whataboutism etwas?
      "Man antwortet auf einen Vorwurf einfach mit einem Gegenvorwurf, wobei dieser Gegenvorwurf sachlich richtig ist, nur erfüllt er den einzigen Zweck, dem Gegner durch Themenwechsel den Mund zu stopfen und von eigenen Verfehlungen abzulenken."
      Du bist ein Meister darin, machst du das absichtlich oder hast du wirklich das Gefühl, deine Kommentare führen zu einer ernsthaften Diskussion?
      3 0 Melden
    • Spooky 08.03.2017 19:54
      Highlight Na ja, ich denke, der Artikel ist Werbung für "Save the Children".

      Darum mein zynischer Kommentar.
      2 1 Melden

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