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Hat's der Westen verbockt? Russland bot 2012 den Rücktritt Assads an – behauptet ein finnischer Ex-Präsident

This Sunday, April 27, 2014 photo provided by the anti-government activist group Aleppo Media Center (AMC), which has been authenticated based on its contents and other AP reporting, shows Syrians inspecting the rubble of a destroyed buildings following a Syrian government airstrike in Aleppo, Syria. Dozens of people were killed and wounded in fighting between pro-Assad forces and rebels in the northern city of Aleppo on Sunday, reported the Britain-based Syrian Observatory for Human Rights. The fight for Aleppo is particularly important now, with analysts saying they expect Assad's forces will try wrest as much of the city as possible before elections. (AP Photo/Aleppo Media Center AMC)

Aleppo: Die einst stolze syrische Stadt wurde in vier Jahren Bürgerkrieg dem Erdboden gleichgemacht.
Bild: AP/Aleppo Media Center AMC



Mehr als 230'000 Menschen wurden seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs getötet, über neun Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, der islamische Staat nutzte das Machtvakuum im Osten und avancierte zur regionalen Grösse: Die Syrien-Krise hat sich zur grössten humanitären Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt und dabei den gesamten Nahen Osten ins Chaos gestürzt. 

Syrien selber ist nur noch ein Flickenteppich, auf dem sich rivalisierende Gruppierungen mit aller Brutalität bekämpfen: Von der syrischen Armee über die oppositionelle Freie Syrische Armee bis hin zu salafistischen Gruppen und dem IS.

Hätte der Zusammenbruch in Syrien verhindert werden können? Der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari meint: womöglich.

Rückblende, Syrien, Februar 2012: Die Ausläufer des arabischen Frühlings 2011 haben in der Levante zu einem erbitterten Bürgerkrieg geführt. Der Alawite Baschar al-Assad, der das Land seit dem Tod seines Vaters mit eiserner Hand regiert, hat die anfänglich friedlichen Proteste brutal niederschlagen lassen. Oppositionsgruppen reagieren auf das repressive Vorgehen des Regimes mit bewaffneten Aufständen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Konflikt knapp 7500 Menschenleben gefordert. Die Fronten sind verhärtet, aber noch nicht so unübersichtlich wie 2015. Der Islamische Staat sollte in Syrien erst zwei Jahre später auf der Landkarte erscheinen. 

epa04660105 Former president of Finland Martti Ahtisaari talks with South Korean foreign minister Yun Byung-Se (not pictured) during their meeting at the Ministry of Foreign Affairs in Seoul, South Korea, 13 March 2015.  EPA/JEON HEON-KYUN

Der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari ist überzeugt: Der Westen verpasste 2012 die Gelegenheit, den Konflikt in Syrien einzudämmen.
Bild: JEON HEON-KYUN/EPA/KEYSTONE

Assad: Dreh- und Angelpunkt in der Syrien-Krise

«Der Westen hatte es in der Hand, Präsident Assad zum Rücktritt zu bewegen.» Das sagt der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari im Gespräch mit dem Guardian. Ahtisaari hatte sich als Krisendiplomat in Namibia, Kosovo und dem Irak einen Namen gemacht. 2012 nahm der Nobelpreisträger an Gesprächen zwischen den Abgesandten der fünf Mitglieder des UN-Sicherheitsrats statt. Auf der Traktandenliste stand die Syrien-Krise. Den USA, Frankreich und Grossbritannien standen China und Russland gegenüber. Erstere wollten Assad so schnell wie möglich von der Macht entfernen, China pochte auf das Souveränitätsprinzip und verbat sich jegliches Eingreifen in das innersyrische Machtgefüge. Russland zeigte sich zwar offen für diplomatische Vorstösse, stärkte Assad aber zumindest in der Öffentlichkeit den Rücken.

Russian ambassador to the United Nations Vitaly Churkin speaks during a news conference at the U.N. headquarters in New York September 2, 2015. Russia will be taking its turn at the rotating presidency of the UN Security Council during the month of September.  REUTERS/Brendan McDermid

Witali Tschurkin, russischer UN-Botschafter: Angebliche Bereitschaft des Kremls, über einen Rücktritt Assads zu verhandeln.
Bild: BRENDAN MCDERMID/REUTERS

Dann aber tat sich eine Gelegenheit auf. «Ich sprach mit dem russischen UN-Botschafter Witali Tschurkin», erinnert sich Ahtisaari. «Wir stimmten in vielem nicht überein, aber wir konnten offen über alles reden. Er sagte mir drei Dinge: ‹Erstens: Wir sollten der Opposition keine Waffen liefern. Zweitens: Wir sollten einen Dialog zwischen dem Regime und der Opposition initiieren. Drittens: Wir sollten einen eleganten Weg finden, um Assad den Rücktritt zu ermöglichen.›»

Syrien: Prototyp eines «Failed State»

Image

Rot: Von der Regierung kontrollierte Gebiete, Grün: Rebellen, Gelb: Kurden, Blau: al-Nusra-Front, Grau: Islamischer Staat (Stand: 11. September 2015)
bild: wikimediacommons

Ahtisaari zeigt sich überzeugt, dass Tschurkin im Namen des Kremls sprach. Der Westen aber wollte zu diesem Zeitpunkt nichts von einem Deal mit Russland wissen. Denn: Die USA, Frankreich und Grossbritannien waren überzeugt, dass es ohnehin nur eine Frage der Zeit sei, bis Assad gestürzt werde.

Der Plan des Westens ging nicht auf. Je länger der Konflikt dauerte, desto klarer wurde, dass die untereinander heillos zerstrittenen Oppositionsgruppen nicht in der Lage sind, den syrischen Machthaber zu stürzen. Mittlerweile sitzt der syrische Diktator wieder einigermassen fest im Sattel – auch dank russischer Unterstützung. Rüstungsgüter, Militärberater, Propaganda-Aktionen: Der Kreml macht keinen Hehl aus der militärischen Unterstützung Assads. Unklar ist bloss, ob Moskau auch eigene Truppen im Syrien-Konflikt einsetzt: Die Hinweise verdichten sich, Bestätigungen gibt es bislang jedoch nicht. Signale aus Moskau, den syrischen Verbündeten auf dem Altar geopolitischer Strategien zu opfern, sind längst nicht mehr auszumachen.

epa04930489 Migrants who had arrived from Roszke by train, walk toward Austria in Hegyeshalom, 168 kilometers west from Budapest, Hungary, 14 September 2015. Thousands of migrants were rushing to reach the EU-member state Hungary before a new law there effectively closes its borders on 15 September.  EPA/CSABA KRIZSAN HUNGARY OUT

Völkerwanderung nach Europa: 2015 kamen Hunderttausende Flüchtlinge über die Balkanroute in den Westen, die meisten davon aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. 
Bild: EPA/MTI

Nicht alle teilen jedoch Ahtisaaris Einschätzung. Sir John Jenkins, ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des britischen Aussenministeriums, sagte gegenüber dem «Guardian», dass Russland nie bereit gewesen sei, das Schicksal Assads auf den Verhandlungstisch zu bringen. Der syrische Präsident sei für den Kreml immer unantastbar gewesen. Jenkins bezweifelt auch, dass Tschurkin – falls er denn gegenüber Ahtisaari tatsächlich Assad ins Spiel gebracht hatte –  mit dem Segen Putins gesprochen habe.

Spätestens mit den Flüchtlingsströmen nach Europa hat sich die Syrien-Krise zu einem globalen Konflikt entwickelt. Die westlichen Staaten zahlten nun den Tribut für ihr Versagen in der Konfliktlösung, so Ahtisaari. «Es gibt keine andere Möglichkeit, als diesen Menschen jetzt zu helfen». Das Vermächtnis des Westens in der Syrien-Krise sind die Hunderttausenden Flüchtlinge, die nun nach Europa strömen. (wst)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Margi Noser 18.09.2015 18:01
    Highlight Highlight Unglaublich, diese USA - wer hätte das gedacht ...

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    0 0 Melden
  • Margi Noser 15.09.2015 19:18
    Highlight Highlight Noch eine Fassung, welche Erschreckendes aufzeigt :-)

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    6 1 Melden
  • Margi Noser 15.09.2015 17:40
    Highlight Highlight Ich hatte wieder mal recht, Gerhard Schröder ist bei Gazprom *kotz*  :-( "Demnach wird die EU 500 Millionen Euro an den russischen Gazprom-Konzern überweisen."

    Das wahre Gesicht der Deutschen Polit-Elite :-(

    http://mediathek.daserste.de/Monitor/Grenzen-dicht-Europas-Pakt-mit-Despoten/Das-Erste/Video?documentId=29715688&topRessort&bcastId=438224
    7 3 Melden
  • Margi Noser 15.09.2015 17:36
    Highlight Highlight Unglaublich, auf was ich gestossen bin:-(

    Die WAHRHEIT
    über die USA und Russland. Dieser ekelhafte George Friedman verplappert sich.

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    8 4 Melden
    • User01 15.09.2015 19:17
      Highlight Highlight Danke für das Video. Gleich im Anschluss kann ich noch dieses Video empfehlen:
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      5 1 Melden
    • E7#9 15.09.2015 20:41
      Highlight Highlight WOW! Das ist das erste Mal, dass ich Putin wirklich mal zugehört habe. Wie wichtig ist es doch immer beide Seiten gut anzuhören.

      Friedmann zeigt das traurige uralte und immer noch aktuelle System Machiavelli's des Schüren von Konflikten zur Wahrung der eigenen Interessen.
      4 0 Melden
  • atomschlaf 15.09.2015 17:25
    Highlight Highlight Wer ist "der Westen"? Ich dachte, es sei mittlerweile den meisten Leuten klar geworden, dass die USA grösstenteils ganz andere Interessen haben als Europa; auch wenn die NATO-Vasallen sich immer wieder für unsinnige Militäraktionen der USA einspannen lassen...
    15 1 Melden
  • dracului 15.09.2015 15:53
    Highlight Highlight Solche Menschen machen mich aggressiv, die immer zurückschauen und alles besser wissen in der Vergangenheit.
    Wo sind die "Experten" und Politiker, die JETZT und für die Zukunft Lösungen haben und diese Misere beenden.
    Dank den Flüchlingsströmen in Europa verstehen eventuell einige Politiker, dass mehr getan werden muss, als nur ein paar Sanktionen.
    5 17 Melden

2011 löste ein Graffiti in Daraa den Syrien-Krieg aus – jetzt greift Assad die Stadt an

Ost-Ghuta ist gefallen, nun dürfte Syriens Machthaber Baschar al-Assad die letzten Rebellenhochburgen angreifen: Idlib - und Daraa, wo der Aufstand 2011 begann. Jordanien und Israel sind alarmiert.

Die Schuljungen, die im Februar 2011 in Daraa das Graffiti «Das Volk will den Sturz des Regimes» auf eine Häuserwand sprühten, konnten nicht ahnen, was dieser Satz auslösen würde.

Erst verhaftete das Regime von Baschar al-Assad die Kinder und folterte sie, dann gingen die Menschen in der südsyrischen Stadt auf die Strasse, um gegen den Diktator von Damaskus zu protestieren – und der erklärte schliesslich: «Wer die Schlacht haben will, kann sie haben».

Syrien, wie es einmal war, existiert nicht …

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