International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Westen zögert mit Vergeltungsangriff gegen Syrien

13.04.18, 18:42

Aus Sorge vor einem offenen Konflikt mit Russland ringt der Westen weiter um eine Reaktion auf den mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Syrien. Während zwischen Washington, London und Paris Einigkeit über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Reaktion herrschte, stand jedoch eine Entscheidung am Freitag weiter aus.

«Es wurde keine endgültige Entscheidung getroffen», sagte US-Präsident Donald Trumps Sprecherin Sarah Sanders am Donnerstag (Ortszeit) nach einem Treffen Trumps mit seinen Nationalen Sicherheitsberatern. Die US-Regierung werte weiter Geheimdiensterkenntnisse aus und führe Gespräche mit ihren Partnern und Verbündeten.

Nach wie vor ist nicht klar, was Donald Trump bezüglich Syrien konkret vor hat. Bild: EPA/EPA

Trump hatte am Mittwoch zunächst einen Raketenangriff der US-Streitkräfte in Syrien angekündigt, seine Drohung einen Tag später aber relativiert.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte vor US-Abgeordneten, die Notwendigkeit, «die Ermordung Unschuldiger zu stoppen», müsse abgewogen werden gegen das Risiko, dass die Lage eskaliere und «ausser Kontrolle» gerate.

In einem Telefongespräch Trumps mit der britischen Premierministerin Theresa May bekräftigten beide ihre Überzeugung, dass es eine Reaktion auf den mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Syrien geben müsse.

Die britische Premierministerin Theresa May steht mit Donald Trump in Kontakt. Bild: EPA/EPA POOL

Trump wollte sich zudem mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron beraten. Dieser hatte am Donnerstag erneut eine Reaktion Frankreichs angekündigt, ohne sich auf einen Zeitraum festzulegen. Es gebe Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Regierung, sagte er.

Deutschland hält sich zurück

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag eine Beteiligung Deutschlands an einer militärischen Aktion ausgeschlossen. Aussenminister Heiko Maas forderte am Freitag in Brüssel eine geschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf den mutmasslichen Chemiewaffenangriff in Syrien.

Hat nicht vor, sich militärisch mit anderen Ländern zu engagieren: Angela Merkel.  Bild: EPA/EPA

Macron seinerseits appellierte in einem Telefonat am Freitag an Präsident Wladmir Putin, gemeinsam «den Frieden und die Stabilität in Syrien wiederherzustellen», wie der Elysée-Palast mitteilte. Anders als der Westen unterstützt Moskau den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Bei dem Gespräch bedauerte Macron das neuerliche russische Veto im Uno-Sicherheitsrat. Dieses habe «eine gemeinsame und deutliche Antwort verhindert». Zum Schutz der Bevölkerung müsse es «so bald wie möglich Verhandlungen über einen glaubwürdigen und umfassenden politischen Prozess geben», fügte der französische Präsident hinzu.

Evakuierung geht weiter

Währenddessen wurde die Evakuierung der lange Zeit von islamistischen Kämpfern kontrollierten Stadt Duma in der Region Ost-Ghuta in Syrien am Freitag fortgesetzt.

Laut der in Grossbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verliessen nach Mitternacht 4000 Menschen die Stadt – darunter Kämpfer der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam und Zivilisten. Sie sollten in von Rebellen gehaltene Gebiete in Nord-Syrien gebracht werden.

Die Lage in Duma ist nach wie vor angespannt. Bild: EPA/EPA

Die Evakuierung von Duma soll gemäss der Beobachtungsstelle abgeschlossen sein, bevor Experten der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) am Samstag in der Stadt mit ihren Untersuchungen zum mutmasslichen Chemiewaffenangriff beginnen. Bei dem Angriff am letzten Samstag wurden örtlichen Ärzten und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge mehr als 40 Menschen getötet.

Gegenseitige Beschuldigungen

Am Freitag kam es derweil zu gegenseitigen Beschuldigungen. Igor Konaschenkow, Sprecher der russischen Armee, sagte, Moskau habe «Beweise» für eine «direkte Beteiligung Grossbritanniens an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta». London habe bei der Inszenierung des mutmasslichen Giftgasangriffs «starken Druck» auf die Zivilschutzorganisation der Weisshelme ausgeübt.

Die USA wiederum warfen Moskau vor, den Chemiewaffeneinsatz erst möglich gemacht zu haben. «Wenn Russland seine Verpflichtungen erfüllt hätte, würde es heute keine Chemiewaffen in Syrien geben», sagte die US-amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley in einer Sitzung des Sicherheitsrats am Freitag in New York.

Russland schützt Syrien und seinen Machthaber Assad. Bild: EPA/SPUTNIK POOL POOL

Russland habe sein Veto-Recht im Rat zwölf Mal genutzt, um die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu schützen – unter anderem, um Ermittlungen über Giftgasangriffe im Land zu stoppen.

Russlands Uno-Botschafter Wassili Nebensja wiederum bezeichnete einen Militärschlag gegen syrische Truppen als eine «illegale Kampfhandlung gegen einen souveränen Staat». Er beschuldigte die USA zudem, sich fahrlässig zu verhalten und ihrer Rolle als ständiges Mitglied im Uno-Sicherheitsrat nicht gerecht zu werden. Es wirke, als wolle Washington das Bürgerkriegsland «kategorisch» angreifen.

Uno-Generalsekretär António Guterres hatte zu Beginn der Ratssitzung von einem «Chaos im Nahen Osten» und einer Rückkehr des Kalten Krieges gesprochen. (sda/afp/dpa)

13 Gesichter von syrischen Flüchtlings-Kindern: Wo ist meine Zukunft?

Brüssel gedenkt der im Syrienkrieg verstorbenen Kinder

Video: watson

Syrien

Wie die SNB 4 Millionen Dollar mit dem US-Angriff auf Syrien verdiente

Verprellt Trump mit dem Luftschlag in Syrien seine treuesten Anhänger?

Nach den Raketen die Fragezeichen – was will Trump in Syrien?

Nervengift-Angriff: Warum es immer noch Chemiewaffen in Syrien gibt

Autopsie bestätigt Chemiewaffen-Einsatz in Syrien – Erdogan beschimpft Assad als «Mörder»

Trotz US-Angriff: Syrien bombardiert weiter

Was der Fall von Aleppo für den Syrien-Krieg bedeutet

Russland und Iran erobern Aleppo – für Assad 

Kampf um Aleppo: Assads Truppen zerschlagen die Rebellengebiete in zwei Teile

Assad-Luftwaffe tötet offenbar türkische Soldaten – Rebellen für Feuerpause in Ost-Aleppo

Syrien-Krieg: UNO wirft Assad weiteren Einsatz von Giftgas vor

«Humanitäre Tragödie», «gigantischer Friedhof»: UNO über Aleppo

Ost-Aleppo wird ausgelöscht – und die Welt schaut zu

Syrische Weisshelme entschuldigen sich für #MannequinChallenge mit «Bomben-Opfer»

Assad bietet Trump Zusammenarbeit bei Kampf gegen Extremisten an

Russischer Flugzeugträger «Admiral Kusnezow» erreicht syrische Küste

Absurde Forderungen: Was Putin von den Amerikanern verlangt

UNO-Experten über Attacke auf Hilfskonvoi in Syrien: Es waren doch Luftangriffe

«Nicht Sex, sondern Krieg schändet den syrischen Körper»: Ein Flüchtling wird Pornostar

Scharen flüchten aus Aleppo – dieser Mann bleibt und kümmert sich um die verlassenen Katzen

Syrische Stadt Duma von heftigen Luftangriffen getroffen – es droht ein zweites Aleppo

«Ich habe Angst, dass ich heute Abend sterbe» – Siebenjährige twittert aus Aleppo

Ärzte ohne Grenzen fordern Ende des Blutbads in «Todeszone» Ost-Aleppo

Syrien-Gespräche mit Russland «nicht tot, aber auf der Intensivstation» 

Ein herber Rückschlag: USA beenden Gespräche mit Russland über Waffenstillstand für Syrien

#StingerEffect: Die neueste Lösung für den Syrien-Konflikt kommt aus Hollywoods Traumfabrik

Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Kriegsverbrechen in Syrien

Wieder Klinik bombardiert: Luftangriff auf Aleppo trifft eines der letzten Spitäler

Wieder Spitäler in Aleppo bombardiert – UNO-Chef Ban Ki Moon spricht von «Kriegsverbrechen»

Bekannter deutscher Journalist interviewt «Al-Nusra»-Kommandant – alles nur ein Fake?

Eiskaltes Schweigen zwischen Washington und Moskau

Feuerpause für Syrien rückt in Reichweite

Türkische Militäroperation in Syrien: Der «IS» ist der Vorwand, die Kurden sind das Ziel

Krieg? Welcher Krieg? Mit diesem Video will Syrien Touristen an seine Strände locken 

Was hat der Westen mit den Flüchtlingen zu tun? Diese 10 Punkte zeigen es

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Energia 13.04.2018 23:02
    Highlight Und die USA legen jedesmal ihr Veto bei der Israel-Palästina Frage ein...
    8 5 Melden
  • rauchzeichen 13.04.2018 20:14
    Highlight „Es wirke, als wolle Washington das Bürgerkriegsland «kategorisch» angreifen.“

    und die russen wollen assad kategorisch schützen

    aber dass es sowas wie zusammenarbeit geben könnte, kommt keinem in den sinn? ein armutszeugniss für die menschheit. wir sind wohl weniger weit, als ich dachte.
    16 1 Melden
  • blueberry muffin 13.04.2018 20:03
    Highlight Trumps Agenda sieht schon interessant aus. Handelskrieg mit China, Drohungen an NK und jetzt noch ein Krieg im nahen Osten.

    So sieht wohl Siegen aus.
    13 0 Melden
  • _kokolorix 13.04.2018 19:29
    Highlight Was für ein jämmerliches Gelabber. Warum schaffen die mächtigen Friedenshüter Russland und USA nicht gemeinsam eine demilitarisierte Zone in Syrien? In dieser von US und russischen Soldaten gemeinsam bewachten Zone hätten weder die syrische, noch die türkische Armee zugang, und auch bewaffnete Islamisten müssten aussen vor bleiben. Alle Menschen welche der Gewalt abschwören hätten hier Zugang und man könnte eine selbstverwaltete Wirtschaft aufbauen indem nur Rohstoffe und Produktionsmittel, aber keine Fertigprodukte liefert. Damit haben die Menschen zu tun und kommen nicht auf dumme Ideen.
    18 1 Melden
    • Laggi 13.04.2018 20:14
      Highlight Das wäre natürlich die humane Variante. Aber die Friedensförderung ist wohl leider nicht der Kerngedanke der zwei grossen Player... 😣
      15 1 Melden
    • rauchzeichen 13.04.2018 20:18
      Highlight wenns um humanität ginge, würde genau das geschehen (hoffe ich zumindest). die letzten tage beweisen das gegenteil, ob russen oder westliche nationen, solange die menschen nicht zu ihnen flüchten, ists ihnen scheissegal. es gibt für sie anscheinend wichtigeres als menschenleben.
      11 1 Melden
    • Posersalami 13.04.2018 23:39
      Highlight Wenn es um Humanität ginge wäre der Krieg gar nie eskaliert. Jede Seite hat ihren Teil dazu beigetragen, darum sind Schuldzuweisungen erstmal fehl am Platz.
      0 1 Melden
  • Datsyuk 13.04.2018 19:15
    Highlight Interview zu Macht der Bilder und Propaganda. Der Experte nimmt die Beweisführung des Westens auseinander. Die Weisshelme bezeichnet er als das, was sie sind: eine Propagandaorganisation. Zu Duma und Weisshelmen (Interview im Deutschen Fernsehen):
    16 4 Melden
    • _kokolorix 13.04.2018 21:31
      Highlight Und Putin will nur das Beste für die syrische Bevölkerung...
      Auch wenn es klar ist, dass der Westen ausschliesslich an den steigenden Waffenverkäufen interessiert ist, die Saudis ihren kruden Islamismus fördern, der Iran genau das verhindern, und Erdogan am liebsten alle Kurden töten will, was will Russland in Syrien?
      Meine Behauptung ist, dass Putin in erster Linie einen Machtwechsel in Syrien verhindern will.
      Die gegenseitigen Schuldzuweisungen sind einfach lächerlich und können nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Kriegsparteien zivile Opfer bereitwillig in Kauf nehmen
      4 5 Melden
    • Kraken 14.04.2018 00:28
      Highlight Der Westen hat Milliarden in den Krieg gegen Assad finanziert und Russland war schon immer in Syrien.
      1 0 Melden
    • Datsyuk 14.04.2018 03:02
      Highlight Kokolorix: Was sagst du zum Video?
      2 1 Melden
    • Kraken 14.04.2018 08:48
      Highlight Das Video zeigt die Wahrheit über den Konflikt.
      2 0 Melden
    • _kokolorix 14.04.2018 15:48
      Highlight Zum Video sage ich gar nix, ich habe es nicht angeschaut.
      Und weil die Russen schon immer in Syrien waren, dürfen die natürlich genau so handeln wie zu Hause.
      Wer dem Westen bei jeder Aussage eine Lüge unterstellt, sollte etwas vorsichtiger mit Aussagen zur absoluten Wahrheit sein. Wir alle kennen diese nämlich nicht.
      Ich unterstelle dem Westen keine guten Absichten, aber Putin und Assad genau so wenig. Hätten die wirklich nur Gutes im Sinn, sähe es in Syrien radikal anders aus. Im Gegensatz zum Westen hätten sie namlich die Macht den Krieg innert Tagen zu beenden.
      0 1 Melden
    • Datsyuk 14.04.2018 16:16
      Highlight Warum schaust du es nicht an? Was hast du zu befürchten? Die Wahrheit?
      2 0 Melden
    • _kokolorix 14.04.2018 22:23
      Highlight Die Zeit ist mir zu schade um mir einseitiges Westen bashing reinzuziehen. Wer behauptet die Wahrheit zu kennen, hat schon mal gelogen
      0 0 Melden
    • Datsyuk 15.04.2018 06:03
      Highlight Super, ist einfacher.
      0 0 Melden

Giftangriff auf Duma – wer sagt die Wahrheit?

Eine knappe Woche nach dem Angriff auf Duma sind die Fronten klar: Für den Westen steht fest, dass Syriens Armee Chemiewaffen eingesetzt hat – Russland bestreitet das kategorisch. Ein Blick auf die Fakten.

Duma, ein Vorort von Damaskus mit rund 100'000 Einwohnern, gehört zum Gebiet Ost-Ghuta. Im Februar startete das syrische Regime einen Grossangriff auf das rund hundert Quadratkilometer grosse Gebiet, das seit April 2013 von Regierungstruppen belagert wurde. In den vergangenen Wochen rückten die Truppen von Diktator Baschar al-Assad weit auf das Rebellengebiet vor und kesselten Duma ein. Daraufhin verhandelten Vertreter des russischen Militärs mit der Rebellengruppe «Armee des …

Artikel lesen