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Hier sieht man, was das syrische Regime die ganze Zeit vehement bestreitet: den Abwurf von Fassbomben

Ein Video aus dem Inneren eines syrischen Militärhubschraubers ist aufgetaucht. Die Aufnahmen zeigen den Abwurf von Fassbomben aus einem syrischen Helikopter.

21.05.15, 21:49 22.05.15, 09:10

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Lautstark rattern über dem Piloten die Rotoren des alten Helikopters. Neben ihm im Cockpit hält der Ko-Pilot zwischen den Knien ein Tablet. Auf diesem verfolgt er den Flugverlauf - Hightech ist anders. Mit seinem Handy filmt der Ko-Pilot die Szene. Durch das Cockpit-Fenster sind unter ihnen Ortschaften zu erkennen. Der Helikopter nähert sich seinem Ziel.

Die Handy-Kamera schwenkt ins Hintere des Hubschraubers. Dort sitzen zwei Soldaten mit metallenen Fässern. «Los geht's!» ruft ihnen einer der beiden Piloten zu. Die Soldaten machen sich daran, die Fässer durch die Heckklappe des Helikopters hinauszurollen und werfen sie dann ab. Der Kopilot filmt alles.

Das Video zeigt offenbar den Abwurf der in Syrien berüchtigten Fassbomben: Das Militär von Diktator Baschar al-Assad wirft aus Helikoptern mit Sprengstoff und Metallstücken gefüllte Fässer auf Gegenden, die nicht mehr unter der Kontrolle des Regimes stehen.

Syrische Regierungssoldaten werfen Fässer aus einem Hubschrauber: Ein Video soll belegen, dass das Assad-Regime Fassbomben gegen seine Gegner einsetzt. Die Aufnahmen sollen aus einem abgestürzten Hubschrauber stammen. YouTube/SMO Syria

Einige Male sind solche Videos aus dem Inneren syrischer Helikopter zwar bereits aufgetaucht: zum Beispiel im Herbst 2012 oder im Januar 2013. Die Aufnahmen wurden von einem der Soldaten an Bord weitergereicht und fanden ihren Weg ins Netz.

Die Helikoptercrew wurde von Rebellen festgenommen

Dieses Mal soll das Video jedoch nicht geleakt worden sein. Die syrische «Medienkommission», eine Gruppe von Bürgerjournalisten, die das Video veröffentlicht hat, behauptet, der Helikopter sei am 22. März über Jebal al-Zawiya im Nordwesten Syriens von Rebellen abgeschossen worden. So seien ihnen die Aufnahmen in die Hände gefallen.

Nichts spricht gegen die Authentizität der Videoaufnahmen. Ob sich die Ereignisse allerdings tatsächlich genauso zugetragen haben, wie von den Bürgerjournalisten angegeben, lässt sich schwer überprüfen. Allerdings decken sich ihre Angaben mit anderen Berichten.

Assad behauptete stets, keine Fassbomben abzuwerfen. Bild: EPA/SANA

Am 22. März hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Grossbritannien berichtet, dass ein Helikopter über Jebel al-Zawiya getroffen worden sei. Mindestens vier Crew-Mitglieder seien von der radikalislamistischen Nusra-Front festgenommen worden. Sie hatten den Absturz überlebt. Die Informationen der Beobachtungsstelle haben sich als sehr zuverlässig erwiesen.

Auch das syrische Staatsfernsehen bestätigte den Verlust eines Hubschraubers am 22. März über Jebel al-Zawiya. Der Sender berichtete allerdings, der Helikopter sei nicht abgeschlossen worden, sondern habe nach technischen Problemen in dem Rebellengebiet notlanden müssen.

Bomben sind die Hauptursache für zivile Opfer in Syrien

Assad hat immer wieder behauptet, sein Militär würde keine Fassbomben abwerfen. Allerdings haben internationale Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International sowie die unabhängige Uno-Kommission für Menschenrechtsverletzungen in Syrien den Einsatz durch die Luftwaffe des Diktators immer wieder dokumentiert.

Paulo Sérgio Pinheiro, Chef der Uno-Untersuchungskommission, sagte im März, dass die wahllosen und unverhältnismässigen Bombardierungen seit 2012 durch das syrische Regime die Hauptursache seien für zivile Opfer und Vertreibungen in Syrien - nicht der Islamische Staat.

Fassbombenabwurf über Damaskus YouTube/Zoomin.TV Deutschland

Die selbstgebauten Bomben sind besonders perfide: Wenn sie aufschlagen, explodieren sie in einem Feuerball. Die Metallstücke im Inneren werden in alle Richtungen geschleudert und verursachen schwere Verletzungen. Häufig sterben die Verwundeten sofort, manchmal auch erst nach Tagen. Denn in den Behelfskrankenhäusern in den von der Opposition kontrollierten Gebieten fehlt es oft am Nötigsten.

ras

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelika 22.05.2015 07:42
    Highlight Allahu Akbar ist "Gott ist gross", oder? Wusste gar nicht, dass man das auch sagt für "oh Gott, oh Gott". Oder kann jemand übersetzen?
    0 0 Melden
  • AL:BM 22.05.2015 07:37
    Highlight Ja, man sollte den IS Abschaum wirklich davor schützen...
    0 1 Melden
  • M. Sig 21.05.2015 23:54
    Highlight Nicht, dass es besser wäre, Wohngebiete mit konventionellen Bomben zu beschiessen. Aber woran erkennt man, dass die Einschläge auf den Videos von Fassbomben stammen? Nicht im Helikopter, da ists klar.
    1 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 21.05.2015 22:10
    Highlight Geil auch die Werbung von Rivella in diesem Artikel mit der Pfirsich-Bombe. Sinnig!
    20 1 Melden
    • kettcar #mo4weindoch 22.05.2015 07:35
      Highlight Rivella, neu jetzt auch im 10L-Fässchen! Bombig!
      1 0 Melden

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