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Abzug aus der Hölle: In Syrien sollen zwei besonders blutige Kesselschlachten ein Ende finden 

In Syrien bringen Regierung und Rebellen eigene Kämpfer und Zivilisten aus den Kriegsgebieten. Darauf hatten sich beide Seiten im Herbst geeinigt.

28.12.15, 13:32 28.12.15, 13:55

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Es ist die letzte Phase eines seltenen Abkommens zwischen Rebellen und syrischer Regierung: Aufständische und die Machthaber in Damaskus sollen unbehelligt Kämpfer und Zivilisten aus drei lange umkämpften Städten in eigens kontrollierte Gebiete verlegen können. Darauf hatten sich beide Seiten im September geeinigt. Nach Berichten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und der staatlichen Nachrichtenagentur Sana sollen in den kommenden Tagen 450 Menschen, darunter auch Verletzte, in andere Regionen gebracht werden.

Das Propaganda-Video der Dschihadisten-Miliz Dschaisch al-Fatah zeigt aus der Vogelperspektive, was für eine Gewalt die Selbstmordattentate haben. Die Aufnahmen stammen aus dem Dorf Fua. 
YouTube/World Wide Web

Aus Sabadani, der letzten Rebellenbastion an der Grenze zum Libanon, sind am Montag demnach die ersten von 120 Kämpfern abgezogen worden. Diese würden über den Libanon und die Türkei in andere noch von den Aufständischen gehaltene Gebiete in Syrien gebracht.

Szenen einer spätsommerlichen Waffenruhe in Sabadani: Assad-treue Soldaten und Aufständische unterhalten sich, wo kurz zuvor noch die Kugeln flogen.
YouTube/Syria HD

Im Gegenzug sollten aus den letzten von Regierungstruppen gehaltenen schiitischen Ortschaften in der nordwestlichen Provinz Idlib, Fua (siehe Video oben) und Kafraja, 335 Zivilisten und Kämpfer in andere Städte unter Kontrolle von Damaskus gebracht werden.

Die Verlegungen von Kämpfern beider Seiten ist der Abschluss eines dreistufigen Abkommens, das die Regierung und Aufständische unter UNO-Vermittlung geschlossen hatten. Die erste Etappe war eine Waffenruhe, die zweite humanitäre Hilfe.

anr/kev/AFP/Reuters

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • pun 28.12.2015 14:37
    Highlight Der Hisbollah-Kämpfer im Video erklärt selbst lang und breit, weshalb weder die Hisbollah noch der Iran eine Lösung in diesem Konflikt sein könnten. Die zutiefst antisemitische Haltung dieser Kämpfer lässt einen ja fast erleichtert zurück, dass diese zur Zeit nur andere antisemitische Vollpfosten bekämpfen.
    Frieden in der Region ist noch nicht mal am entferntesten Horizont erkennbar leider...
    Israelis und Palästinenser müssen zusammen einen Weg finden, um den Hardlinern auf beiden Seiten den Wind aus dem Segel zu nehmen.
    8 5 Melden
    • opwulf 28.12.2015 16:31
      Highlight Wenn diese Hisbollah Kämpfer Antisemiten sind (obwohl er nur von der Isr. Regierung sprach - das Wort Jude habe ich nicht ein einziges mal gelesen) was sind dann ein Bibi oder ein Liebermann? Was hat Liebermann über die Palestinenser gesagt und zwar öffentlich? Du sprichst von Hardlinern auf beiden Seiten und benutzt bei einem einfachen Soldaten im Kriegsgebiet das Totschlagargument Antisemit - und dass es ja ok sei das solche Vollpfosten sich gegenseitig töten (aber sehr wahrscheinlich gegen Todesstrafe sein bei einem Mörder...) - wir alle müssen einen Weg aus diesen Vereinfachungen finden!
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    • pun 28.12.2015 19:39
      Highlight Er redet von Israel an sich als der Feind (soweit ich die Untertitel deute, vielleicht ist es im arabischen genauer formuliert). Ich wage da schon, einen antisemitischen Hintergrund zu vermuten. Aber ich bin schwer dafür, dass die israelische Regierung kritisiert wird. Bibi ist absolut untragbar und hat letzthin den Holocaust den Palästinensern andichten wollen. Eine unverzeihliche Lüge und Verharmlosung zu seinen niederen politischen Zwecken.

      Mit der Vereinfachung hast du recht, aber bei diesen Verstrickungen im mittleren Osten ist es schwierig, irgendwas zu sagen, ohne zu Vereinfachen.
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    • opwulf 29.12.2015 10:10
      Highlight Da gebe ich Dir wiederum recht & darum hab ich dir gestern für diesen Kommentar auch ein Thumbs up gegeben. Ich denke halt einfach man sollte vorsichtig sein mit dem Stempel Antisemit! Hat der Iranische Soldat etwas per se gegen Juden oder nur gegen die Israelische Regierung - da seine Regierung und Israels Regierung seit Jahren einen Verbal-Krieg führen? Es gibt im Iran eine der grössten Jüdischen Gemeinschaften im Nahen Osten - welche als geschützte Minderheit - im Verhältnis zu den meisten Arabischen Ländern relativ sicher leben. Wenn du dies mit SA (Einreiseverbot) vergleichst ...
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