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Bild: KHALIL ASHAWI/REUTERS

Syrien-Krieg: Assad soll erneut Fassbomben eingesetzt haben

Die USA und Europa nähern sich Diktator Assad vorsichtig an – doch der syrische Machthaber wirft weiter Fassbomben auf sein Volk. Allein seit dem Wochenende sollen es 33 gewesen sein.

28.09.15, 11:03

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Das syrische Regime hat offenbar erneut Dutzende Fassbomben auf Zivilisten abgeworfen. Seit dem Wochenende seien 33 dieser Bomben in Daraja eingeschlagen, einem Vorort von Damaskus, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR), deren Angaben sich in den vergangenen Jahren als zuverlässig erwiesen haben.

Daraja galt zu Beginn der Demonstrationen in Syrien 2011 als Unruheherd. Daher hat Damaskus wiederholt kollektiv den ganzen Vorort bestraft. So verübten Assad-treue Soldaten im August 2012 dort ein Massaker an Dutzenden Zivilisten. Wer konnte, ist seitdem geflohen. Derzeit wird Daraja von verschiedenen islamistischen Gruppen kontrolliert.

Syriens Baschar al-Assad geht mit äusserster Brutalität gegen Menschen vor, die in Teilen des Landes leben, die nicht mehr seiner Kontrolle unterstehen. Damit löst er immer neue Flüchtlingswellen aus. Derzeit kontrolliert Assad nur noch ein Drittel der Fläche Syriens. Der Grossteil des Landes wird vom Islamischen Staat beherrscht, allerdings handelt es sich bei diesen Gebieten grösstenteils um dünnbesiedelte Wüste.

«Es wird keinen Waffenstillstand ohne Assad geben. Es wird keine Zukunft mit Assad geben»

Deutschlands Aussenminister Frank-Walter Steinmeier über das Dilemma in der Syrien-Krise

Vor der UNO-Generalversammlung wollen Russlands Präsident Wladimir Putin und Irans Präsident Hassan Rohani an diesem Montag für eine internationale Zusammenarbeit mit Assad werben. Sie wollen den Diktator international wieder salonfähig machen. Beide Länder unterstützen das Assad-Regime bereits seit Jahrzehnten und intervenieren in dem 2011 ausgebrochen Konflikt militärisch auf Seiten Assads. Russland hat seine Hilfe zuletzt sogar ausgeweitet.

Der Westen steht in Syrien vor einem Dilemma

Russland und Iran hoffen, dass der Krieg in Syrien beendet werden kann, wenn sie ihre Unterstützung für Assad verstärken. Viele westlichen Staaten dagegen sind skeptisch: Sie halten Assad für die Ursache des Krieges. Denn seine brutale Repression hat die anfangs friedlichen Demonstrationen immer weiter eskalieren lassen, so dass nun Dschihadisten ihren Einfluss ausweiten konnten.

Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sprach am Sonntagabend im Interview mit der ZDF-Sendung «Berlin Direkt» von einem grundsätzlichen Dilemma für die deutsche Aussenpolitik: «Es wird keinen Waffenstillstand ohne Assad geben. Es wird keine Zukunft mit Assad geben.»

Der Westen hatte anfangs darauf gehofft, dass Syriens moderate Kräfte sich gegen Assad durchsetzen können. Doch die mussten vor dem Bürgerkrieg fliehen. Nun bleiben dem Westen kaum Optionen. Über die Hälfte der syrischen Bevölkerung, die von der UNO derzeit auf nur noch 16 Millionen geschätzt wird, ist auf der Flucht. (ras)

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