International

Recep Tayyip Erdogan sorgt mit seinen Aussagen über Deutschland für Empörung. Bild: HANDOUT/REUTERS

«Das ist eine Frechheit» – scharfe Kritik an Erdogans Nazi-Vergleich 

08.03.17, 00:40 08.03.17, 07:51

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat Deutschland ausdrücklich gegen Nazi-Vergleiche aus der Türkei in Schutz genommen. Er nannte die Äusserungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Frechheit.

«Ich staune über vieles, was ich derzeit aus der Türkei höre. Wenn der türkische Präsident und der türkische Aussenminister sagen, das heutige Deutschland wäre schlimmer als das Nazi-Deutschland, kann ich das nicht akzeptieren. Das ist eine Frechheit», sagte Juncker am Dienstagabend dem Sender RTL Luxemburg. «Unsere Eltern und Grosseltern haben unter Nazibesatzung gelebt.»

«Ich kann das nicht akzeptieren»: Jean-Claude Juncker. Bild: YVES HERMAN/REUTERS

Nach der Absage mehrerer Auftritte türkischer Politiker in Deutschland hatte Erdogan deutschen Behörden Nazi-Methoden vorgeworfen. Der NS-Vergleich wurde von der Bundesregierung scharf zurückgewiesen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte: «Solche deplatzierten Äusserungen kann man ernsthaft eigentlich gar nicht kommentieren» und fügte hinzu, diese «disqualifizieren sich von selbst».

Merkel rief angesichts des Streits aber auch zu Souveränität im Umgang mit der Türkei auf. Deutschland müsse den Konflikt mit Ankara um Wahlkampf-Auftritte türkischer Minister im Land aushalten, sagte die Kanzlerin am Dienstag in einer Unionsfraktionssitzung in Berlin nach Teilnehmerangaben.

«Solche deplatzierten Äusserungen kann man ernsthaft eigentlich gar nicht kommentieren»: Angela Merkel. Bild: Michael Sohn/AP/KEYSTONE

Es sei nicht klug, wenn Deutschland der Türkei die Einschränkung der Meinungsfreiheit vorwerfe und dann mit Einschränkung der Meinungsfreiheit antworte, sagte Merkel. (cma/sda/afp)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
15
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • acove 08.03.2017 14:37
    Highlight Das ist nicht nur frech, dass zeigt die ganze Intelligenz dieses Despoten, welche sich nun wirklich nicht auf einem akzeptablen Niveau wieder findet.
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.03.2017 11:03
    Highlight Erdogan ist doch selber der kommende Führer und Alleinherrscher... Was hat er denn für ein Problem mit den Nazis?

    Er verleugnet selber den Völkermord an den Armeniern (analog den Juden) und möchte ohne Parlament regieren...

    Der türkische Hitler...
    13 0 Melden
  • Xi Jinping 08.03.2017 08:45
    Highlight Wieso wird jetzt von deutscher Seite nicht mal was unternommen?? Ich meine der Herr "Sultan" wettert und donnert auf die Deutsche Regiereung ein, das ist ja nicht mehr normal... Die Frage ist nur was unternehmen... Sanktionen? Einreiseverbot für AKP Heinis?
    Ich finde einfach der Herr "Sultan" gehe langsam aber sicher zu weit.
    13 0 Melden
    • rodolofo 08.03.2017 21:46
      Highlight Merkel und Gabriel versuchen, Erdogan ins Leere laufen zu lassen, indem sie nicht so reagieren, wie er das gerne von ihnen hätte.
      Ich bin gespannt, ob das gelingt!
      Erdogan's Erfolg hängt mit einem permanenten Wahlkampf und einem permanenten Krieg zusammen.
      So erreicht er, dass alle Angsthasen und Opportunisten sich hinter ihm scharen, während sich die Mutigen zu erkennen geben und leicht herausgepickt werden können.
      Erdogan kopiert eigentlich die knallharte Taktik seines Syrischen Nachbarn, Assad...
      3 0 Melden
  • Skip Bo 08.03.2017 08:28
    Highlight Die Gewichtung von Themen ist interessant. Während sich in der Türkei ein diktatorischer Machtapparat installiert, wird die neue Cap von Trump auf der Startseite im Grossformat abgebildet. Hierher verirren sich nur wenige...
    12 3 Melden
  • Joe'Tee 08.03.2017 08:21
    Highlight Ein Land das so vielen Türken eine neue Zukunft und Wohlstand gegeben hat ind dann so bezeichnet wird.
    11 1 Melden
  • N. Y. P. 08.03.2017 08:14
    Highlight Recep Tayyip Erdogan,
    wieder mal Zeit, Dich zu beleidigen.
    Ich habe gehört, dass sich Gollum aufregt, dass man ihn immer mit Dir verwechselt.
    11 0 Melden
  • rodolofo 08.03.2017 07:35
    Highlight Erdogan ist ein hoch emotionaler Typ (nicht der einzige Türke übrigens, der so ist...).
    Vor diesem Hintergrund muss man das Wort "Nazi" als Ausdruck verstehen, dass Erdogan sehr erbost ist darüber, dass Deutsche Behörden seinen Propaganda-Feldzug in der Türkischen Diaspora in Deutschland durchkreuzen und erschweren!
    Gleichzeitig ist es doch sehr aufschlussreich zu sehen, wie mühelos Ihro Majestät, Sultan Erdogan von der Ziege, austeilen und beleidigen kann, während er gleichzeitig beim kleinsten Spass über ihn rot sieht.
    Ein autoritärer Super-Macho, wie er im Buche steht, auch am Tag der Frau.
    32 2 Melden
    • R&B 08.03.2017 08:35
      Highlight @rodolfo: Erdogan ist weniger emotional, als Sie denken.

      "Nazi" verwendet er, um in der Türkei einen äusseren Feind zu schaffen, da es der Türkei wirtschaftlich miserabel geht. Sein Kalkül geht auf, denn die Türken sind ein sehr emotionales Volk mit zu viel Nationalstolz.
      10 1 Melden
    • Xi Jinping 08.03.2017 08:41
      Highlight Für einmal stimme ich Ihnen zu...
      2 0 Melden
  • Stichelei 08.03.2017 07:09
    Highlight Um all des Wirbels um den orangen Clown in Übersee übersehen wir gerne, dass wir einen ebenso gefährlichen und wirren Psychopathen unmittelbar vor unseren Toren haben.
    47 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.03.2017 06:32
    Highlight Deutschland mach endlich den Mund auf! Wehr dich und sei wieder stolz! Man muss nicht immer den militärischen US-Besetzter der Airbase Rammstein gefallen! Diese Türken sollten nicht mehr europäischen Boden berühren. Wer in Deutschland türkische Politik macht und zum Dessert noch Stimmung für Erdogan macht, soll mit Einwegticket in die Türkei zurück.
    44 10 Melden
    • plapperi 08.03.2017 08:15
      Highlight Ich suche jetzt gerade, leider erfolglos, Unterschiede zwischen deinem Kommentar und den Aussagen Erdogans und seinen Leuten. Was ich jedoch sofort (auf beiden Seiten) erkenne ist ziemlich dumme Hetze.
      9 16 Melden
    • R&B 08.03.2017 08:33
      Highlight @ Kristjan Markaj: Unrecht mit Unrecht bekämpfen? Super!

      Der Westen kennt Meinungsfreiheit und Menschenrechte und soll sie vorbildlich leben. Ihre Forderung ist das Gegenteil davon.
      9 6 Melden
    • plapperi 08.03.2017 10:59
      Highlight Übrigens, ein Update des Demokratieverständnis auf Version 2017 ist der einzige wirkungsvolle Schutz vor dem hässlichen 'Hetzer-Virus'. Würde einigen Kommentarschreibern hier gut tun.
      3 1 Melden

Türkei-Kritiker verlieren auf Facebook tausende Follower – und niemand weiss wieso

Innerhalb weniger Wochen verlieren User, die Erdogan-kritische Beiträge auf Facebook posten, bis zu 5000 Follower und Freunde. Es werde automatisch und systematisch entliked. Sie sind überzeugt: Dahinter steckt Politik. 

Kerem Schamberger ist äusserst aktiv auf Facebook. Jeden Tag schreibt er über politische Vorgänge in der Türkei, über kurdische Aktivisten, die verhaftet worden sind, über verschwundene Journalisten, über Anti-Erdogan Demonstrationen. Er übersetzt türkische Zeitungsartikel ins Deutsche und stöbert Nachrichten über Rojava auf, ein de facto autonomes Gebiet in Syrien, in dem die Kurden einen freiheitlichen Staat errichten wollen.

Schamberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für …

Artikel lesen