International

Istanbul-Attentäter kamen aus Usbekistan, Kirgistan und Dagestan

30.06.16, 15:57 30.06.16, 16:16

Die Attentäter vom Atatürk-Flughafen in Istanbul stammen den türkischen Behörden zufolge aus dem Kaukasus und Zentralasien. Die Selbstmordattentäter seien ein Usbeke, ein Kirgise und ein russischer Staatsbürger gewesen, hiess es aus türkischen Regierungskreisen.

Die türkische Regierung verdächtigt die Terrormiliz «IS», hinter dem Angriff vom Dienstagabend mit insgesamt mindestens 46 Toten zu stecken. Die Regierung in Moskau bestätigte einen russischen Attentäter zunächst nicht.

Usbekistan, Kirgistan und Dagestan sind überwiegend muslimisch und gehörten einst zur Sowjetunion. Viele Extremisten aus dem Kaukasus und Zentralasien haben sich dem «IS» in Syrien und im Irak angeschlossen. Der türkische Innenminister Efkan Ala erklärte im Parlament, es sei offenkundig, dass der «IS» hinter den Attentaten stecke. Details nannte er nicht.

Terror in Istanbul: Angriff auf das Tor zur Türkei

Die kurdische Arbeiterpartei PKK oder kurdische Splittergruppen hatten zwar in der Vergangenheit ebenfalls Anschläge in der Türkei verübt. Diese richteten sich aber gegen Regierungsvertreter. Zudem macht die ausländische Herkunft der Täter eine Verbindung zu kurdischen Extremisten unwahrscheinlich.

Unterdessen ging die Polizei in Istanbul gegen das radikalislamische Milieu vor. Am Donnerstagmorgen durchsuchte sie zeitgleich 16 Wohnungen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Die türkische Polizei geht regelmässig mit Razzien gegen Dschihadisten und Kurden vor, konnte in den vergangenen Monaten aber nicht verhindern, dass es wiederholt zu Anschlägen kam.

Neue Regierungsversion

Ministerpräsident Binali Yildirim räumte ein, dass zwei der insgesamt drei Selbstmordattentäter doch in das Flughafengebäude eindringen konnten.

Yildirim sagte am Mittwochabend nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die Angreifer hätten zunächst das Feuer auf das Sicherheitspersonal am Eingang eröffnet. Einer habe sich ausserhalb des Gebäudes in die Luft gesprengt. Die anderen beiden hätten die Panik ausgenutzt, um ins Terminal einzudringen.

Ministerpräsident Binali Yildirim. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Aus Regierungskreisen hatte es zunächst geheissen, keiner der drei Angreifer sei ins Terminal eingedrungen, obwohl Augenzeugenberichte und Videos darauf hindeuteten. Yildirim hatte nur Stunden nach dem Angriff gesagt: «Weder im Abflug- noch im Ankunftsbereich am Flughafen kann von einer Sicherheitslücke die Rede sein.»

Opfer der Anschläge werden am 30. Juni in Istanbul beerdigt.
Bild: OSMAN ORSAL/REUTERS

Mehr Opfer

Die Zahl der von den Angreifern getöteten Ausländer ist höher als bislang bekannt. Innenminister Efkan Ala sagte am Donnerstag, 19 Ausländer seien unter den Opfern. Die Zahl der Todesopfer sei auf 43 gestiegen. Nicht darin eingerechnet sind die drei Selbstmordattentäter, die ebenfalls starben.

Yildirim kündigte an, die Regierung werde «die Präsenz von unserem Sicherheitspersonal an den Eingängen in unseren Flughäfen steigern». Besonders gelte das für speziell ausgebildete Sicherheitskräfte.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach den Selbstmordattentätern jegliche religiöse Rechtfertigung für die Bluttat ab. «Das sollen Muslime sein?», fragte Erdogan nach Angaben von Anadolu am Mittwochabend. «Sie haben ihren Platz in der Hölle vorbereitet.» Der Präsident verwies auf Sure 5 im Koran, wonach das Töten eines unschuldigen Menschen dem Töten der gesamten Menschheit gleichkommt.

(sda/dpa/afp/reu)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

Die westliche Berichterstattung über den Syrien-Konflikt sei einseitig, unreflektiert und spiegle die Interessen der Industriemächte, schreibt der langjährige SRF-Korrespondent Helmut Scheben. Dabei gehe oft vergessen, dass am Anfang des syrischen «Bürgerkriegs» ein Kampf um die Vormacht im globalen Energiemarkt stand.

Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

2009 schlug Katar vor, eine Pipeline zu bauen, die Erdgas durch Saudiarabien, Jordanien und …

Artikel lesen