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Terrorziel Flughafen: Tod im Terminal

Der Terroranschlag auf ein Terminal in Istanbul zeigt: Flughäfen sind besonders verwundbar. Jetzt könnten viele internationale Airports ihre Sicherheitskontrollen massiv verschärfen – doch der Schutz hätte seinen Preis.

29.06.16, 19:38 30.06.16, 10:44

Nicola Abé, Jörg Diehl und Matthias Gebauer

Ein Artikel von

Der Flughafen Atatürk gehört zu den grössten Drehkreuzen der Welt, jährlich durchlaufen ihn mehr als 60 Millionen Passagiere. Seit Dienstagabend steht der internationale Airport von Istanbul auch für die Verwundbarkeit von Flughäfen. Mindestens 41 Menschen starben durch Schüsse und Sprengsätze von Terroristen. Der Anschlag erinnert an das Attentat auf dem Brüsseler Flughafen im März, bei dem 16 Menschen getötet wurden. Wie in Brüssel deuten auch im Fall Istanbul erste Hinweise auf Mitglieder des «Islamischen Staats» («IS»).

Der Anschlag wirft Fragen nach der Sicherheit in Flughafenkomplexen auf: Brauchen wir noch schärfere Standards, sind sie überhaupt machbar – und falls ja, wie sinnvoll wären sie?

Der Anschlag in Istanbul, sagen deutsche Sicherheitsexperten, könnte ein «game changer» für die Sicherheit an internationalen Flughäfen sein, ein grundlegender Umbruch. «Die Muster der Attacken von Brüssel und Istanbul lehren uns, dass die Terroristen nicht mehr wie beim 11. September 2001 in die Flugzeuge wollen», erklärt ein Beamter.

Statt zu versuchen, entführte Flugzeuge wie in den USA als fliegende Bomben zu nutzen, zielten die Terroristen darauf, «am Flughafen möglichst viele Reisende zu töten». Folglich müsse man den Flughafen als Sammelpunkt von vielen Menschen besser schützen. «Das kann erhebliche Auswirkungen haben.»

Wie kann Terror an Flughäfen verhindert werden?
Bild: OSMAN ORSAL/REUTERS

Brüssel hat schon aufgerüstet

Schon nach 9/11 hatten viele Airports ihre Sicherheitsmassnahmen erheblich verschärft. Mit neuen Durchleuchtungstechniken und vielen Vorschriften für das Handgepäck verhinderte man erfolgreich, dass Terroristen erneut zuschlagen konnten.

Die Flughafengebäude hingegen sind bis heute leicht und meist ohne jede Kontrolle zugänglich. In Brüssel haben die Behörden nach den Anschlägen bereits aufgerüstet. Dort findet ausserhalb des Terminals inzwischen eine gründliche Vorkontrolle statt – die allerdings das schnelle Einchecken der Reisenden erheblich verzögert. Es kommt zu langen Schlangen.

Grundsätzlich stehen die Behörden also vor einem Spagat zwischen Sicherheit und Aufrechterhaltung des Flugbetriebs. Jede weitere Massnahme führt zu längeren Wartezeiten für die Reisenden.

Kontrollen wie im Kriegsgebiet?

Theoretisch gibt es aber Möglichkeiten, die Sicherheit zu erhöhen. Um die Terminals besser zu schützen, wäre eine Vorabkontrolle wie an Flughäfen in Bagdad oder Kabul durchaus denkbar. Fernab des eigentlichen Flughafens würde schon an einer Sicherheitslinie das Gepäck untersucht. Logistisch machbar wäre es, die Reisenden von dort mit einem Shuttle zum Terminal zu bringen.

Auch in den Terminals könnte man aufrüsten. Zusammen mit der NATO hat die Industrie einen unauffälligen Scanner entwickelt, der an den Eingängen auch in Koffern oder am Körper versteckten Sprengstoff entdecken kann. Das Gerät ist allerdings noch sehr teuer, und absolute Sicherheit verspricht es auch nicht.

Skeptiker warnen: Schon das Signal, das von derart verschärften Kontrollen ausginge, wäre ein Erfolg für die Terroristen. Zum einen würde der freie Reiseverkehr spürbar eingeschränkt. Zum zweiten würden die Flughäfen in Europa, Amerika oder Asien bald jenen in Kriegsgebieten wie im Irak oder in Afghanistan ähneln.

Eine weitere Sorge sind die Kosten. Schon jetzt geben allein die EU-Flughäfen vier Milliarden Euro für Sicherheitskontrollen aus. Finanziell würden neue Massnahmen über die Flughafengebühren sowohl Passagiere als auch Airlines treffen. «Das allein wäre eine Art Sieg für die Terroristen», sagt Ben Vogel, Chef des Fachmagazins «Jane's Airport Review».

Wie sich ein Hochsicherheitsflughafen anfühlt, erlebt man am israelischen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. Er ist einer der am besten gesicherten weltweit. Noch nie wurde ein Flugzeug entführt, das dort gestartet ist. Seit den frühen Siebzigerjahren gab es keinen grösseren Terrorangriff mehr – trotz der komplexen Bedrohungslage.

Das liegt vor allem an der äusserst effizienten Zusammenarbeit der israelischen Geheimdienste, von Polizei und Militär mit dem Sicherheitsdienst des Flughafens. «Die Kooperation ist dort viel stärker als an den meisten anderen Orten der Welt», sagt Kobi Michael vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien, «Informationen werden sehr schnell weitergereicht».

Auch das Netz an Kontrollen ist ungewöhnlich dicht. Das Gelände in Tel Aviv ist in «Ringen» organisiert: Der erste Eingang, den Autos und Busse durchfahren müssen, befindet sich kilometerweit von den Terminals entfernt. Die Zwischenstrecke ist mit Kameras ausgestattet, Sicherheitskräfte patrouillieren. Gepäck wird mithilfe von Röntgengeräten durchleuchtet, ausserdem mit Sprengstoffdetektoren, die auf Geruchsbasis arbeiten. So genannte Bodyscanner gehören zur Standardausstattung.

Terror in Istanbul: Angriff auf das Tor zur Türkei

Neben technischen Instrumenten setzten die Israelis auf das so genannte «racial profiling», das in Europa sehr umstritten ist: Passagiere werden gemäss ihrer Herkunft und ihres Aussehens in Kategorien eingeteilt. Jeder Passagier erhält einen Aufkleber, der die Sicherheitskräfte über diese Einstufung informiert. «Nicht jeder muss alle Kontrollen durchlaufen», erklärt Kobi Michael, «die Verdächtigen werden wesentlich gründlicher untersucht.»

Jahrelange Erfahrung mit allen denkbaren Formen von Terror hätten dazu geführt, dass man strategisch und technisch gut gerüstet sei. «Wir sind grundsätzlich immer auf alles vorbereitet. Wir rechnen mit Angriffen». Diese Alarmstimmung sei auch in der Bevölkerung verbreitet. Die Menschen seien gewillt, für ihre Sicherheit viele Einschränkungen in Kauf zu nehmen.

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Oban 29.06.2016 21:13
    Highlight Ich bin der Ansicht das vorgelagerte Kontrollen nicht allzu viel bringen, die weichen Ziele stauen sich somit nicht mehr am Flughafen, dafür an einem vorgelagerten Ort. Auch die Wirksamkeit vorgelagerte Kontrollen sehe ich nicht wirklich, da ja gerade IST sowas hat und die Terroristen jetzt einfach umgangen haben. Denn was nützt es wenn es an der Eingangstüre zwar piepst, aber die 3-4 Sicherheitsleute schon Tod sind bevor sie das piepsen erkennen konnten.
    http://www.n-tv.de/politik/Wie-sich-Flughaefen-gegen-Terror-wappnen-article17300501.html
    Und das Beispiel Kabul ist nicht praktikabel.
    10 1 Melden
  • kEINKOmmEnTAR 29.06.2016 20:47
    Highlight Ich könnte jetzt das Zitat einbringen dass wer die Freiheit aufgibt für mehr Sicherheit, verliere am Schluss beides aber ich denke dass wie so oft ein Mittelweg das Beste sein wird.
    17 1 Melden
  • MaxHeiri 29.06.2016 20:18
    Highlight Wieso nicht an Rush-Hour an einem Bahnhof... Da ist es noch etwas lebendiger
    4 17 Melden
    • supermario1 29.06.2016 22:06
      Highlight Sorry aber ich finde Deinen Kommentar etwas zynisch in Anbetracht des sehr aktuellen Ereignisses. Ich bin froh dass es bis jetzt noch keinen nuklearen Terroranschlag gegeben hat. Bis jetzt.. Somit dürfte dein Vorschlag in (hoffentlich) ferner Zukunft düstere Realität werden...
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    • Pana 29.06.2016 23:50
      Highlight Finde ich nicht zynisch. War auch mein erster Gedanke. Egal wie und wo man die Kontrollen macht, die Menschenmengen verschieben sich halt einfach. Ob vor dem Flughafen, an Bahnhöfen etc.
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