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Jetzt schlägt Gülen zurück: «Erdogan hat Putschversuch selbst inszeniert»

23.09.16, 12:52 23.09.16, 14:11

Militärputsch in der Türkei

Fethullah Gülen gilt der türkischen Regierung als ihr derzeit ärgster Feind. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht ihn für den Putschversuch vom Juli verantwortlich. Jetzt schlägt Gülen zurück: Erdogan selbst sei Drahtzieher und Profiteur des Coups.

«Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet.»

Gülen über Erdogan

Der türkische Geistliche Gülen macht Erdogan direkt für den Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei verantwortlich. «In den vergangenen Tagen kamen so viele Beweise ans Licht, dass dies zur Gewissheit wird», sagte Gülen in einem gemeinsamen Interview der deutschen Nachrichtenagentur DPA, der Wochenzeitung «Die Zeit» und der spanischen Tageszeitung «El País» in seinem Exil in den USA.

Fethullah Gülen. Bild: © Charles Mostoller / Reuters/REUTERS

Erdogan habe den Coup Jahre im Voraus geplant. «Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet», sagte Gülen, der seit 1999 im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt.

Die türkische Regierung macht ihrerseits Gülen und seine regierungskritische Hizmet-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich und fordert die Auslieferung des 78-Jährigen. Er gilt in der Türkei inzwischen als Staatsfeind Nr. 1.

«Sie werden nicht leichtfertig aufgeben, was sie bereits erreicht haben.»

Gülen

«Im Nachgang des Putschversuches nutzt er ihn, um seine Macht zu verfestigen», sagte Gülen über Erdogan. «Was immer er auch geplant hat – der Putsch gibt ihm die Möglichkeit, es zu tun.» Viele für die Regierung unliebsame Amtsträger, ob in Ministerien, Militär, Gerichten oder bei der Polizei, seien entlassen, viele von ihnen inhaftiert worden.

Internationale Untersuchung gefordert

Gülen forderte eine internationale Kommission mit Experten aus den USA, Deutschland, den Niederlanden und weiteren Staaten, die den Putschversuch und dessen Umstände untersuchen sollten. Dieser Vorschlag sei von der türkischen Regierung nicht einmal in Erwägung gezogen worden, sagte Gülen. «Wenn dabei herauskommen sollte, dass ich an dem Putschversuch beteiligt war – ich kann mit den Ergebnissen leben», sagte er.

Er gehe nicht davon aus, dass die Türkei in nächster Zeit Anforderungen erfüllen werde, die für Aufnahmeverhandlungen in die EU nötig seien. Dem Staat müsse mit internationalem Recht und Machtworten von NATO und den USA begegnet werden, forderte er.

«Sonst wird das nicht aufhören», betonte Gülen. «Sie werden nicht leichtfertig aufgeben, was sie bereits erreicht haben.» Die Türkei habe eine Tradition der Demokratie. «Aber inzwischen haben wir fast alles verloren», sagte Gülen. (sda/dpa)

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sophia 12.12.2016 00:16
    Highlight Der Erdogan hat es gar nicht nötig, einen Putsch zu inszenieren!. Es geht doch seit Jahren schon so: Der Erdogan wartet, bis sich seine Gegner zerstreiten, dann nimmt er für eine Seite Partei usw. usf. und mehrt so ständig ohne grossen Aufwand seine Macht. Seine Gegner werden auf diese Weise immer weniger und diese Naiven merken gar nicht, wie der Erdogan sie langsam alle zur Seite räumt. Auch der Gülen hat das erfahren müssen. Ob der dilletantische Putsch von ihm oder anderen angezettelt wurde, ist letztendlich gar so wichtig, er hat auf jeden Fall wieder den gleichen Profiteur: Erdogan.
    6 6 Melden
  • Mnemonic 23.09.2016 19:04
    Highlight Sorry aber das ist das Ende der Naivität; in der Türkei usw. hat eifach JEDER Dreck am Stecken. Es gibt einfach keine "Guten"!
    15 8 Melden
  • rundumeli 23.09.2016 17:52
    Highlight was ich mir so vorstellen könnt ... dass der erdogan vorab wind bekommen hat von den putschvorbereitungen ... also nicht interveniert hat ... sondern sie kalkuliert hat auflaufen lassen.
    25 2 Melden
  • Hierundjetzt 23.09.2016 15:38
    Highlight Wo er recht hat, hat er recht...
    61 7 Melden
  • Lamek 23.09.2016 14:34
    Highlight Ist interessant, dass weder Erdogan noch Gülen auf die fast 20 jährige Zusammenarbeit eingehen - ein totaler Machtkampf zwischen zwei Machtversessenen, die mit vorgezeigter religiöser Haltung und sogenannten "Islamschulen" ihre Meinung indoktrinieren und seit Jahren Macht aufbauen.
    Ist Erdogan ein guter Typ? Nein, aber zwischen Erdo und Gülen gibt es keine Unterschiede..
    51 14 Melden
  • René Obi 23.09.2016 14:09
    Highlight Die Frage ist bei solchen Ereignissen immer, wer ist der Gewinner...
    53 3 Melden
  • rodolofo 23.09.2016 14:08
    Highlight Ein türkischer Freund von mir geht ebenfalls davon aus, dass der Putschversuch inszeniert war.
    Er sagte, Teile der Armee hätten bereits am Nachmittag losgeschlagen und seien zum Teil im Verkehr steckengeblieben.
    Ein dermassen dilettantischer Putschversuch wäre tatsächlich hochgradig verdächtig!
    Was dieser Gülen sagt, tönt ebenfalls plausibel.
    100 12 Melden
    • Oberon 23.09.2016 17:42
      Highlight Ich vertrete auch eher die These das der Putsch inszeniert wurde, zumindest waren viele Aktivitäten danach nicht spontan. Aber ohne neutrale Untersuchung wird das im besten Fall erst viel später aufgedeckt werden.

      Gülan hat sicher recht das sich die türkische Regierung mit den Aktionen um einige Jahre zurück entwickelt hat.
      19 1 Melden
  • D(r)ummer 23.09.2016 13:42
    Highlight Man kann mittlerweile weder Gülen noch Erdogan glauben schenken. Irgendwas läuft da sehr verkehrt. Gülen ein Wichtigtuer (ein riesen Anwesen, welches er angeblich nie verlässt) und Erdogan sehr bissig (vor einem halben Jahr war ja die Medienjagd enorm, zu seinen Gunsten wie auch Ungunsten)
    Ich denke nicht, dass Erdogan eine "Diktatur" aufbauen will,
    denn wenn, wäre er schneller Weg vom Fenster als er USA sagen könnte.
    Da ist irgendwas getürkt.
    Hauptsache, das Türkische Volk hat ihren gewählten Präsidenten.

    10 67 Melden
    • p00pypaws 23.09.2016 14:19
      Highlight Naja, die Konsequenzen, die Erdogan walten liess nach dem "Putschversuch" deuten doch schwer auf eine angestrebte totalitäre Macht hin...
      79 3 Melden
    • D(r)ummer 23.09.2016 14:35
      Highlight Da gebe ich dir Recht, es zeigt in diese Richtung. Von Grund auf betrachtet ist es eigentlich noch Verständlich, wenn eine Regierung alle verdächtigten Medien und Personen (die am Putsch beteiligt sein könnten) vorläufig(!) suspendiert/freistellt. Ist ja die Aufgabe der Regierung, das politische System aufrecht zu halten denn vom Militär möchte niemand regiert werden. Wenn dann aber unschuldige bzw. Personen, welche nichts mit dem Putschversuch zu tun hatten, NICHT wieder an ihre frühere Position kommen, ist's dann auch für mich endgültig eindeutig was Erdo will.
      Ich bleibe noch skeptisch. :)
      17 1 Melden
    • Lamek 23.09.2016 14:40
      Highlight Auch wenn ich per se gegen Erdogan bin und die Rechtmässigkeit der Verhaftungen nach dem Putsch keinesfalls als gegeben sehe: Bei einem erfolgreichen Putsch hätte es weit mehr Verhaftungen, Entlassungen und Morde gegeben.

      Ich glaube auch nicht, dass der Putsch inszeniert war - Erdogans Macht ist viel zu groß in der Türkei, als dass er sie mit einer Inszenierung riskieren würde - was wenn jemand (unter den Hunderten, welche ja davon hätten wissen müssen) sich verplappert hätte?

      Trotzdem sind natürlich Fragezeichen zu setzen, denn selten gibt es einen so kurz dauernden Putschversuch.
      13 25 Melden
    • rodolofo 23.09.2016 18:12
      Highlight Als ich vor vielen Jahren in den Philippinen weilte, fand in Manila ein Putschversuch von rebellischen Einheiten der Armee statt, die den zuvor von der EDSA-Revolution entmachteten Marcos-Clan zurück an die Fleischtöpfe der Macht putschen wollten. Das war damals der 12., oder 20. Putschversuch!
      Ich weiss das nicht mehr so genau.
      Ich will damit sagen, dass in "3.Weltländern" immer wieder einzelne Fraktionen der Machtelite mit Teilen der Armee gemeinsame Sache machen. In den Philippinen spielt zudem die Katholische Kirche eine wichtige Rolle im Machtpoker.
      in der Türkei sind es die Moscheen...
      11 0 Melden
  • Phippe 23.09.2016 13:19
    Highlight Könnte er uns an diesen Beweisen teilhaben lassen?
    39 12 Melden
    • Phippe 23.09.2016 16:19
      Highlight Tss...An die Blitzer... Will denn keiner die Beweise hören?
      13 1 Melden
  • Wilhelm Dingo 23.09.2016 13:11
    Highlight Auch dieser Gülen wird weniger ein Interesse daran haben die Türkei zu demokratisieren als vielmehr seine Macht und seine Glaubensvorstellungen durchzusetzen.
    56 8 Melden
    • Saraina 23.09.2016 17:06
      Highlight Gülen ruft nach einem Machtwort der USA. Nachdem die schon in Irak und Lybien ein Machtwort gesprochen haben, und in Syrien den Regimewechsel unterstützen, mit bekannten Folgen, wundert es einen nicht, dass die Türken, auch die, welche Erdogan nicht grün sind, sich seit dem Putschversuch hinter die Regierung stellen. Will heissen, Gülen will das durchsetzten, was die USA in durchsetzen lassen. Die Türken aber wollen ihre Geschicke lieber selber bestimmen. Gülens Statement bestätigt was Erdogan über ihn sagt: dass er ein Lakai Washingtons sei.
      5 11 Melden
    • exeswiss 23.09.2016 22:18
      Highlight @saraina

      erdogan will seine Geschicke lieber selber bestimmen. /fixed
      3 0 Melden

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