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Tausende von Aleviten versammelten sich im Februar 2016 in der türkischen Metropole Istanbul, um für ihre Rechte zu demonstrieren.  Bild: ULAS YUNUS TOSUN/EPA/KEYSTONE

Gerichtshof für Menschenrechte: Türkei diskriminiert Aleviten

26.04.16, 16:04 26.04.16, 16:21

Die Türkei verletzt nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte die 20 Millionen Aleviten im Land in ihrer Religionsfreiheit. Sie seien deutlich schlechter gestellt als die Mehrheit der sunnitischen Muslime.

Dies entschieden die Strassburger Richter am Dienstag. Damit hatte eine Beschwerde von mehr als 200 Aleviten Erfolg. Sie wollen unter anderem erreichen, dass ihre Gebetshäuser und Gottesdienste offiziell anerkannt werden.

Als zweitgrösste türkische Religionsgemeinschaft erheben sie zudem Anspruch auf staatliche Fördermittel und treten dafür ein, dass ihre religiösen Führer Beamtenstatus bekommen. Die Regierung in Ankara hatte ein entsprechendes Gesuch 2005 zurückgewiesen. Türkische Gerichte bestätigten diese Entscheidung. Sie wurde damit begründet, dass die Aleviten eine religiöse Bewegung innerhalb des Islams seien.

Nach Auffassung der Strassburger Richter verkennt das den religiösen Charakter des alevitischen Glaubens, der tief in der türkischen Geschichte und Gesellschaft verankert sei. Wie sie ihre Religion verstehen, sei Sache der Gläubigen und nicht des Staates.

Aleviten leben nicht nach den fünf Säulen des Islam. So pilgern sie zum Beispiel nicht nach Mekka und fasten auch nicht im Ramadan. Frauen und Männer sind gleichgestellt und beten im selben Raum. 

Aleviten an einer Zeremonie in Genf.
Bild: SDA

«Eklatantes Ungleichgewicht»

Was die Stellung der Aleviten im Vergleich zu den Sunniten angeht, sprechen die Richter von einem «eklatanten Ungleichgewicht». Die Restriktionen hätten in vielerlei Hinsicht Nachteile für die Organisation und Finanzierung des religiösen Lebens. Die Begründung, die der türkische Staat dafür abgebe, sei «weder relevant noch ausreichend in einer demokratischen Gesellschaft».

In der Türkei unterstützt das dem Ministerpräsidenten direkt unterstellte Amt für Religionsangelegenheiten den orthodox-sunnitischen Islam. Die staatliche Einrichtung mit mehr als 100'000 Mitarbeitern soll einen Jahresetat von umgerechnet über einer Milliarde Franken haben.

Das Urteil wurde von der Grossen Kammer des Gerichtshofs gesprochen und ist damit unanfechtbar. Für die Mitgliedstaaten des Europarats sind die Urteile aus Strassburg bindend, das heisst, sie müssen die beanstandeten Menschenrechtsverstösse in Zukunft vermeiden. Wie die Türkei mit dem Richterspruch umgeht, war zunächst unklar.

Das Urteil könnte Folgen für die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU haben. Die EU-Kommission hatte die Diskriminierung der Aleviten in der Türkei bereits in der Vergangenheit kritisiert und auf die Religionsfreiheit verwiesen, zu der alle EU-Staaten verpflichtet seien. (sda/dpa/afp)

Quiz: Wie gut kennst du das religiöse Mosaik im Nahen Osten?

1.Welcher islamischen Strömung sind die Kämpfer des sogenannten «Islamischen Staates» («IS») zuzurechnen?
AP/Militant Website
Sufismus
Salafismus
12er-Schia
Nusairier
2.Der «IS» strebt die Wiedererrichtung eines islamischen Reichs in Syrien und im Irak an. Wie lautet der Begriff für dieses religiös-politische Gebilde, das im 7. und 8. Jahrhundert riesige Gebiete umfasste?
Kalifat
Emirat
Sultanat
Khanat
3.Diese religiöse Minderheit lebt vornehmlich in Syrien, im Libanon und in Israel. Ihre Geheimlehre enthält zahlreiche Elemente des Islam, daneben aber auch andere Einflüsse wie beispielsweise die Reinkarnation. Sie lehnen die Missionierung Andersgläubiger ab und nehmen auch keine Konvertiten auf. Wer sind sie?
AP/AP
Baha'i
Wahhabiten
Drusen
Juden
4.Die Bezeichnung «Sunniten» leitet sich vom Begriff «Sunna» ab. Was ist das?
AP
Die letzte Sure des Korans.
Die erste Moschee, die Mohammed in Mekka errichten liess.
Die überlieferte Handlungsweise des Propheten.
Eine der fünf Säulen des Islam (das Glaubensbekenntnis).
5.Der syrische Präsident Baschar al-Assad (r.) ist kein Sunnit, sondern gehört einer religiösen Minderheit an. Welcher?
EPA/SANA
Drusen
Baha'i
Alawiten (Nusairier)
Jesiden
6.Neben den Sunniten sind die Schiiten mit schätzungsweise 15 Prozent aller Muslime die zweitwichtigste Strömung im Islam. Worauf bezieht sich die Bezeichnung «Schiiten»?
AP
Auf «Scheitan» (Satan), da die Schiiten von den Sunniten als Teufelsanbeter verunglimpft wurden.
Auf «Schia» (Partei), genauer «Schiat Ali» (Partei Alis), da die Schiiten Ali als Nachfolger Mohammeds anerkannten.
Auf «as-Saffat», die 37. Sure des Koran.
7.Im Irak und in Syrien ist der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten so blutig, dass man von einem islamischen Bürgerkrieg sprechen könnte. In welchem Land leben am meisten Schiiten?
Im Libanon
Im Irak
Im Iran
In Ägypten
8.Zunehmend prekär ist die Lage der Christen im Nahen Osten. Viele haben ihre Heimat verlassen, zuerst im Irak, nun auch in Syrien. Wie hoch ist der Anteil der Christen in Syrien schätzungsweise noch?
AP
25 Prozent
15 Prozent
10 Prozent
5 Prozent
9.Was ist ein Derwisch?
AFP
Ein Sufi
Ein Imam
Ein Ulema
Ein Muezzin
10.Die Jesiden, die vor allem im Norden des Irak leben, sind eine streng monotheistische Glaubensgemeinschaft. Welche Eigenheit trifft auf sie zu?
X80014
Sie vertreten ein dualistisches Weltbild, in dem Gott und Teufel die zentrale Rolle spielen.
Sie berufen sich nicht auf eine Heilige Schrift.
Sie sind eine islamische Sekte.
Sie sind eine Abspaltung der christlichen chaldäischen Kirche.
11.Die Aleviten, eine bedeutende religiöse Minderheit in der Türkei, halten sich nur an eine der sogenannten fünf Säulen des Islam. Welche?
Salat (Pflichtgebet)
Zakat (Almosengabe)
Schahada (Glaubensbekenntnis)
Saum (Fasten im Ramadan)
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Beukelark 26.04.2016 19:53
    Highlight Fremde Richter sind halt nicht nur schlecht...
    4 2 Melden
  • kEINKOmmEnTAR 26.04.2016 18:19
    Highlight Das könnte noch spannend werden, hoffe da bewegt sich noch etwas.
    5 1 Melden

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