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Bild: MURAD SEZER/REUTERS

Putschversuch in der Türkei: Was wir bislang wissen

In der Türkei hat das Militär nach eigenen Angaben die Macht übernommen – und das Kriegsrecht ausgerufen. Staatspräsident Erdogan spricht hingegen von einem blossen Putschversuch.

16.07.16, 00:04 16.07.16, 08:25

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Die türkischen Streitkräfte haben bei einem Putsch nach eigenen Angaben vollständig die Macht im Land übernommen. Das teilte das Militär am Freitagabend nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mit. «Die Macht im Land ist in ihrer Gesamtheit übernommen», hiess es auch in einer Erklärung des Militärs, die im türkischen Fernsehsender NTV verlesen wurde.

Die Armee verhängte nach übereinstimmenden Medienberichten eine Ausgangssperre im ganzen Land und rief das Kriegsrecht aus. Mit dem Putsch sollten unter anderem die verfassungsmässige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden, teilte das Militär nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mit.

«Sie werden den höchsten Preis bezahlen»

Ministerpräsident Binali Yildirim hatte kurz zuvor nur von einem Putschversuch gesprochen: «Dieser Versuch wird nicht erlaubt werden.» Yildirim kündigte an, die Hintermänner «werden den höchsten Preis bezahlen». Eine Gruppe innerhalb des türkischen Militärs habe versucht, die Regierung zu stürzen. Sicherheitskräfte seien dazu aufgerufen worden, das «Nötige zu tun». Yildirim sagte NTV: «Leute haben einen illegalen Versuch ausserhalb der Befehlskette unternommen.»

Militärputsch in der Türkei

Erdogan: «Sollen sie mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen.»

Auch Staatschef Recep Tayyip Erdogan sprach in einem live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk vom Putschversuch einer Minderheit innerhalb des Militärs. Auf diesen werde die nötige Antwort gegeben. Zugleich rief er die Bevölkerung auf, auf die Strassen zu gehen, um ein Zeichen zu setzen. «Ich rufe unser Volk auf, sich auf den Plätzen und am Flughafen zu versammeln. Sollen sie (die Putschisten) mit ihren Panzern und ihren Kanonen machen, was sie wollen.»

Der Putsch werde binnen kurzer Zeit niedergeschlagen sein, sagte Erdogan. Die Verantwortlichen würden vor Gericht einen hohen Preis dafür zahlen.

Strassensperrungen, Internet-Blockaden

In Istanbul haben die Streitkräfte zwei Brücken gesperrt. In Ankara sind nach Informationen von Reuters Schüsse zu hören, Hubschrauber kreisen über der Stadt. Quellen von SPIEGEL ONLINE bestätigen die Berichte der Nachrichtenagentur.

Laut der Nachrichtenagentur DHA stoppte das Militär auch den Flugverkehr am Atatürk-Flughafen in Istanbul. Soldaten hätten den Tower am grössten Flughafen des Landes am Freitagabend unter ihre Kontrolle gebracht.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE funktioniert in weiten Teilen der Türkei das Internet nicht mehr. Dort, wo es funktioniert, sind Nachrichtenseiten und soziale Medien wie Facebook und Twitter nur noch über VPN-Verbindung zu erreichen. Mehrere Menschen berichten von gepanzerten Fahrzeugen und Militärfahrzeugen vor dem Atatürk-Flughafen – der war vor wenigen Tagen noch wegen eines Terroranschlags in den Schlagzeilen.

Es wäre der vierte Putsch in der Geschichte der Republik Türkei nach 1960, 1971 und 1980.

asa/dpa/Reuters/AFP/AP

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