International

Deniz Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste deutsche Korrespondent, der seit Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AKP des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2002 in Untersuchungshaft kommt. Bild: CLEMENS BILAN/EPA/KEYSTONE

Türkische Untersuchungshaft gegen «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel

27.02.17, 20:48 28.02.17, 06:49

Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam in der Türkei hat ein Haftrichter in Istanbul Untersuchungshaft für den deutsch-türkischen Korrespondenten der Tageszeitung «Welt», Deniz Yücel, erlassen. Der Haftrichter sei dem Haftantrag der Staatsanwaltschaft am Montagabend gefolgt, berichtete «Die Welt».

«Ein entsetzlicher Verstoss gegen die Pressefreiheit».

Deutscher Journalisten Verband

Dem 43-jährigen Korrespondenten würden «Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung» vorgeworfen.

Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden. Unter dem derzeit geltenden Ausnahmezustand in der Türkei können Verdächtige bis zu 14 Tage in Gewahrsam gehalten werden. Deshalb musste Yücel spätestens an diesem Dienstag einem Haftrichter vorgeführt oder freigelassen werden.

Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste deutsche Korrespondent, der seit Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AKP des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2002 in Untersuchungshaft kommt.

«Die Welt» berichtete, der Haftrichter Mustafa Cakar habe in der Vergangenheit schon mehrere Journalisten der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» zu U-Haft verurteilt. Der Staatsanwalt habe Yücel allgemein zu seinen Artikeln befragt und dann Haftantrag gestellt.

Gabriel: Unangemessene Entscheidung

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel erklärte: «Das ist eine viel zu harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung.»

Der SPD-Politiker sprach von «schwierigen Zeiten für die deutsch-türkischen Beziehungen» und fügte hinzu: «Der Fall Deniz Yücel wirft ein grelles Schlaglicht auf die Unterschiede, die unsere beiden Länder offensichtlich bei der Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze und in der Bewertung der Presse- und Meinungsfreiheit haben.» Die Bundesregierung werde dies «in grosser Deutlichkeit zur Sprache zu bringen».

Reporter ohne Grenzen: Absurd

Reporter ohne Grenzen forderte die sofortige Freilassung Yücels. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien einfach absurd, hiess es. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) nannte den Haftantrag des Staatsanwalts für Yücel einen «entsetzlichen Verstoss gegen die Pressefreiheit».

Yücel hatte sich am 14. Februar bei der Polizei in Istanbul gemeldet, weil nach ihm gefahndet wurde, und war festgenommen worden. Der «Welt»-Chefredaktor Ulf Poschardt hatte danach an die Behörden appelliert, keine Untersuchungshaft zu verhängen.

Yücel hatte seine Bedingungen im Polizeigewahrsam - vermittelt über seinen Anwalt - in der «Welt am Sonntag» als schwierig bezeichnet. Er hatte aber auch hinzugefügt: «Mir geht es ganz gut.»

Yücel teilte sich demnach mit meist ein bis zwei Mitgefangenen eine Sieben-Quadratmeter-Zelle. Gewalt habe er nicht erfahren oder mitbekommen. Die Polizisten seien manchmal grob im Ton, aber nicht ausfallend und im Rahmen der Vorschriften meistens auch hilfsbereit.

Schlechte Noten für Pressefreiheit

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei schon vor dem im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten. Dutzende regierungskritische türkische Journalisten sitzen in Haft. Im Dezember war ein US-amerikanischer Korrespondent des «Wall Street Journals» vorübergehend festgenommen worden, er verliess anschliessend das Land.

Yücel ist seit Mai 2015 Türkei-Korrespondent der «Welt». Die Regierung hatte ihm eine Akkreditierung verweigert. Da er auch türkischer Staatsbürger ist, konnte er dennoch legal im Land arbeiten. Zahlreiche türkische Journalisten sind nicht von der Regierung akkreditiert. Bei ausländischen Korrespondenten ist die Akkreditierung Voraussetzung für die Aufenthaltsgenehmigung. (sda/dpa/afp/reu)

Das sind die besten Pressefotos des Jahres

Das könnte dich auch interessieren:

12 geniale Erfindungen, die deinen Koch-Alltag einfacher machen

Die 10 witzigsten Rezensionen bei Amazon – zum Beispiel für diese Huhn-Warnweste

Mit Vollgas in die Vergangenheit – was der Tesla-Chef falsch macht

HÄSSIG! So käme es heraus, wenn du deinen Aggressionen immer freien Lauf lassen würdest

Wir müssen uns dringend über die 00er-Jahre unterhalten! Sitzung! Sofort!

Peter Pan ein Kindermörder? Die absurdesten Fan-Theorien im Filmuniversum

Trump-Kenner Kim Holmes: «US-Verbündete sollten Trumps Tweets nicht allzu ernst nehmen»

Lohnt sich der Umstieg auf den neuen Firefox Quantum? Dieser Speed-Vergleich zeigt es

Liam füdliblutt – wieso Eltern denken müssen, bevor sie ihre Kinder zu Insta-Stars machen

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
28
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pachnota 28.02.2017 06:52
    Highlight Noch ist nicht erwiesen, ob Erdogan etwas mit dem Islam zu tun hat.
    Bitte nicht immer gleich vorverurteilen.
    0 2 Melden
    • rodolofo 28.02.2017 09:33
      Highlight Erdogan hat schon etwas mit dem Islam zu tun.
      Aber wie alle Machtmenschen benutzt er die vorherrschende Religion nur dazu, um eine Mehrheit gegen eine Minderheit aufzuwiegeln, nach der bekannten Methode "Teile und herrsche!" die schon seit Menschengedenken funktioniert und die Gesellschaft in drei Klassen unterteilt: Sklavenhalter, Sklaventreiber und Sklaven.
      In ähnlicher Weise hat Putin etwas mit der Russisch-Orthodoxen Kirche zu tun, Trump etwas mit den Evangelikalen und Oskar Freysinger etwas mit der Katholischen Kirche Wallis...
      5 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.02.2017 06:03
    Highlight Bisher haben die zuständigen Beamten noch nichtmals einen Versuch unternommen, einen Vorwurf gegen diesen Reporter zu formulieren.

    Traurig: Denn bis vor kurzer Zeit hatte die Türkei eine gut funktionierende und unabhängige Justiz.

    Fun-Fact: Die Türkei hat früher weite Teile der schweizerischen Gesetzestexte (überwiegend im Zivilbereich) übernommen.
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.02.2017 23:42
    Highlight Es ist eine Schande, wie mit Deniz Yucel umgegangen wird. Die noch grössere Schande aber bringt die deutsche Bundeskanzlerin, die von unserer Doris Leuthard verehrt wird, über Deutschland: Sie lässt aller Einschränungen der Pressefreiheit in der Türkei zum Trotz Erdogan freie Hand für einen Auftritt in Deutschland, um für seine Präsidentschaft zu werben.
    Das Verhalten der EU-Staatschefs in Sachen Erdogan ist mehr als verwerflich. Und Gabriels devote Sprüche nerven.
    19 2 Melden
    • Sophia 28.02.2017 14:46
      Highlight Siehste, Maria, das ist eben der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur. In der Demokratie hat jeder das Recht, seine Meinung zu sagen, sogar der Erdogan! In einer Diktatur geht das eben nicht. Und wenn ich mir in diesem Forum so deine Plots ansehe, dann komm ich zum Schluss, dass du eher zur Diktatur neigst, scheinst es aber gar nicht zu merken.
      Würde die Merkel den Erdogan nicht für seine geschlossene Grenze bezahlen, hätten wir hier wieder eine Flut von Flüchtlingen und du würdest dann wiederum auf Merkels Humanität herumhacken. Dir macht es niemand Recht, mal ehrlich!
      2 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.02.2017 16:32
      Highlight Ach, Sophia, was bin ich dir doch dankbar für deine fruchtlose Analyse, die wieder einmal am Thema vorbei geht.
      Dass sie Erdogan ein Forum für seine Pläne, die Türkei in eine Diktatur umzuwandeln, bietet, hat mit ihrer Flüchtlingspolitik nur am Rande zu tun.
      Aber eben: Sophia, wie du meinst. Du freust dich ja sicher über die Mauer, die Erdogan gegen die Flüchtlinge aus Syrien baut - mit EU-Geldern notabene.
      1 4 Melden
    • Sophia 01.03.2017 01:00
      Highlight Ach Maria, du siehst die Zusammenhänge nicht, selbst wenn Sie dir direkt vor die Augen gehalten werden. Natürlich hängt alles mit allem zusammen, aber wenn man Politik mit Absolutforderungen und ohne Kompromisse machen will, dann führt zu gar nichts. Du würdest am lautesten gegen die Merkel aufschreien, wenn sie die Flüchtlinge von der Türkei alle aufnehmen würde! Hast sie ja deswegen bereits getadelt. Das nenne ich eben eine verlogene Argumentation!
      3 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.03.2017 09:06
      Highlight Du hast überhaupt keine Ahnung, wovon zu schreibst/redest. Ende der Debatte. Bitte lass deine Bemerkungen zu meinen Kommentaren in Zukunft weg. Mir dir ist eine Diskussion nicht möglich. Du behauptest - und willst Recht haben. Amen
      1 0 Melden
    • Sophia 01.03.2017 09:37
      Highlight Darüberhinaus, Maria, bist du ein erklärter Trump_Fan. Der Trump jedoch ist ein ebenso erklärter Feind der Presse wie der Erdogan, die beiden verbindet auch sonst so einiges. Wenn ich es auf diese Weise betrachte, dann sind deine Tränen um den Deniz Yüzel wohl eher Krokodilstränen.
      0 1 Melden
  • ThomasHiller 27.02.2017 23:36
    Highlight "Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden. "


    Ja, ich sach' mal, das erspart einiges an Urteilen, schlanke Justiz (die sitzen ja selber gerade alle...), so bekommt die Leute auch weggesperrt .... :/
    10 1 Melden
  • Donald J Trump 27.02.2017 23:09
    Highlight This is what the press deserves. Fake news getting destroyed. Erdogan knows how to handle fake news.

    #cantwaitforthistohappenintheusa
    6 8 Melden
    • Pius C. Bünzli 28.02.2017 06:34
      Highlight hahhahaha :D
      2 1 Melden
    • rodolofo 28.02.2017 08:02
      Highlight Du tönst tatsächlich, wie Donald Trump...
      Aber wer bist Du tatsächlich?
      Bist Du ein Nachahmer oder ein Karikaturist?
      Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass der echte "Ballon Man" ausser seinem eigenen, sehr limitierten Englisch-Wortschatz auch noch genug Deutsch versteht, um hier auf Watson wenigstens die Titel der Artikel zu verstehen.
      2 1 Melden
    • ThomasHiller 28.02.2017 17:14
      Highlight @rodolfo: Frauke Petry übersetzt heimlich alles für Trump, damit er hier kommentieren kann ;)
      2 1 Melden
    • Donald J Trump 01.03.2017 00:43
      Highlight #love4petry
      1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.02.2017 22:33
    Highlight Ne, ist doch schön ... und hier wird auch bespitzelt und verraten. Aber sonst schon schön die Kulturen ... wie die noch aktive Systemwechsel ausprobieren, denunzieren und einkerkern. Einfach bereichernd!
    9 18 Melden
    • Datsyuk * 28.02.2017 06:38
      Highlight Nein, deine Kommentare sind bereichernd..
      3 1 Melden
  • rodolofo 27.02.2017 22:26
    Highlight Die Türkei entwickelt ihr Gefängniswärter-Know-How weiter...
    14 3 Melden
  • Addix Stamm 27.02.2017 22:22
    Highlight Putin und Erdogan schüchtern und buchten Journalisten ein. Trump sperrt sie aus und wird sich bald eigene Journalisten kaufen. ::schauder::
    25 3 Melden
  • Addix Stamm 27.02.2017 22:04
    Highlight Braucht die Menschheit eine Diktatur um zu überleben?
    Warum huldigen viele Rechte Quasi-Diktatoren?
    30 5 Melden
    • Addix Stamm 27.02.2017 22:16
      Highlight Rechte und Verschwörunstheoretiker meinte ich.. zwei Gruppen nähern sich an.
      Wen verehren Linke und wie heisst deren Splittergruppe?
      7 9 Melden
    • demokrit 27.02.2017 22:49
      Highlight Sahra Wagenknecht.
      8 7 Melden
    • rodolofo 28.02.2017 09:40
      Highlight @ Addix Stamm
      DIE Linken gibt es genau so wenig, wie DIE Rechten, oder DIE Schweizer, DIE Amerikaner, DIE Russen, DIE mainstream-Medien, oder was auch immer.
      Als jemand, der sich selber zur Linken Szene mit Fernziel Öko-Sozialismus zählt, habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht, die von Wohlfühlen und Liebe bis zu Verrat und Psycho-Terror reichen.
      Gerade weil der "Linke Teil" der Gesellschaft so unübersichtlich und heterogen ist, ergeben sich die unterschiedlichsten Allianzen zum ebenso heterogenen "Rechten Teil" der Gesellschaft, wie neulich das USR III - Nein gezeigt hat.
      4 0 Melden
    • Sophia 28.02.2017 15:00
      Highlight Richtig, rodolofo! Jene, die zur Politik nichts anderes zu sagen haben, als die oder jene, also völlig undiffenziert in Säcke packt, der hat von der Welt nichts, rein gar nichts verstanden. Linke, wie z. B. Brandt und Mao in den gleichen Kübel zu werfen, ist einfach nur dumm, oder dann bösartig. Solche Typen tragen nichts zum friedlichen Zusammenleben auf dieser Welt bei, sondern vertiefen die Gräben. Daher sind die für mich die Allerschlimmsten, stall Pontifexe Grabengräber.
      1 0 Melden
  • SeKu 27.02.2017 22:02
    Highlight Zeit für Merkel!
    Sie wird wieder das gleiche machen wie immer, wenn der Irre vom Bospurus einen neuen Wahn hat: Den Bückling und schweigen.
    18 14 Melden
    • Addix Stamm 27.02.2017 22:17
      Highlight Es gibt immer Prioritäten..
      1 4 Melden
    • rodolofo 27.02.2017 22:27
      Highlight Darum heisst sie ja "Frau Wackelpudding" und er heisst "Herr Ziegenbock".
      7 7 Melden
    • Sophia 28.02.2017 15:03
      Highlight Nein, Seku, sie hält sich den Erdogan als gut bezahlten Grenzwächter, damit sie nicht von den Nationalisten im eigenen Land aufgefressen wird.
      Der schlimmste Feind eines jeden Landes dieser Welt, sitzt immer im eigen Land!
      2 0 Melden

USA-Kenner Holmes: «Das Versagen der Republikaner im Kongress frustriert viele Amerikaner»

Kim Holmes beriet mit seinem konservativen Think Tank «Heritage Foundation» Donald Trump bei der Amtsübernahme. Im zweiten Teil des grossen watson-Interviews verrät er, wovon Steve Bannon träumt und weshalb sich die Republikaner vor den nächsten Wahlen fürchten. Und er erklärt, warum tiefgläubige Christen einen Politiker trotz Missbrauchsvorwürfen verteidigen.

Herr Holmes, die Republikaner kontrollieren das Weisse Haus und beide Kammern des Kongresses. Trotzdem scheitern sie regelmässig, etwa bei der Gesundheitsreform. Weshalb ist ihnen noch kein grosser Wurf gelungen?Das ist eine Folge der Spaltung der Partei in unterschiedliche Flügel. Diese Uneinigkeit führt dazu, dass die Republikaner bei wichtigen Vorlagen wie der Gesundheitsreform nicht genügend Stimmen zusammenbringen. Im Senat reicht es, wenn einige wenige Senatoren wie etwa John McCain …

Artikel lesen