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epa05804070 Protestors, among them German member of parliament Ozcan Mutlu (Greens Party, L) wave flags and hold pieces of paper or cardboard reading 'Free Deniz' during a motorcade on the occasion of the solidarity for the German-Turkish journalist Deniz Yucel in Berlin, Germany, 19 February 2017. The Turkey correspondent of the German Newspaper 'Die Welt' is currently held in custody of Turkish police and charged with membership in a terrorist organization, spreading propaganda and misuse of information.  EPA/CLEMENS BILAN

Deniz Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste deutsche Korrespondent, der seit Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AKP des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2002 in Untersuchungshaft kommt. Bild: CLEMENS BILAN/EPA/KEYSTONE

Türkische Untersuchungshaft gegen «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel

27.02.17, 20:48 28.02.17, 06:49


Nach 13 Tagen Polizeigewahrsam in der Türkei hat ein Haftrichter in Istanbul Untersuchungshaft für den deutsch-türkischen Korrespondenten der Tageszeitung «Welt», Deniz Yücel, erlassen. Der Haftrichter sei dem Haftantrag der Staatsanwaltschaft am Montagabend gefolgt, berichtete «Die Welt».

«Ein entsetzlicher Verstoss gegen die Pressefreiheit».

Deutscher Journalisten Verband

Dem 43-jährigen Korrespondenten würden «Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung» vorgeworfen.

Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden. Unter dem derzeit geltenden Ausnahmezustand in der Türkei können Verdächtige bis zu 14 Tage in Gewahrsam gehalten werden. Deshalb musste Yücel spätestens an diesem Dienstag einem Haftrichter vorgeführt oder freigelassen werden.

Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste deutsche Korrespondent, der seit Regierungsübernahme der islamisch-konservativen AKP des heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2002 in Untersuchungshaft kommt.

«Die Welt» berichtete, der Haftrichter Mustafa Cakar habe in der Vergangenheit schon mehrere Journalisten der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» zu U-Haft verurteilt. Der Staatsanwalt habe Yücel allgemein zu seinen Artikeln befragt und dann Haftantrag gestellt.

Gabriel: Unangemessene Entscheidung

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel erklärte: «Das ist eine viel zu harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung.»

Der SPD-Politiker sprach von «schwierigen Zeiten für die deutsch-türkischen Beziehungen» und fügte hinzu: «Der Fall Deniz Yücel wirft ein grelles Schlaglicht auf die Unterschiede, die unsere beiden Länder offensichtlich bei der Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze und in der Bewertung der Presse- und Meinungsfreiheit haben.» Die Bundesregierung werde dies «in grosser Deutlichkeit zur Sprache zu bringen».

Reporter ohne Grenzen: Absurd

Reporter ohne Grenzen forderte die sofortige Freilassung Yücels. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien einfach absurd, hiess es. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) nannte den Haftantrag des Staatsanwalts für Yücel einen «entsetzlichen Verstoss gegen die Pressefreiheit».

Yücel hatte sich am 14. Februar bei der Polizei in Istanbul gemeldet, weil nach ihm gefahndet wurde, und war festgenommen worden. Der «Welt»-Chefredaktor Ulf Poschardt hatte danach an die Behörden appelliert, keine Untersuchungshaft zu verhängen.

Yücel hatte seine Bedingungen im Polizeigewahrsam - vermittelt über seinen Anwalt - in der «Welt am Sonntag» als schwierig bezeichnet. Er hatte aber auch hinzugefügt: «Mir geht es ganz gut.»

Yücel teilte sich demnach mit meist ein bis zwei Mitgefangenen eine Sieben-Quadratmeter-Zelle. Gewalt habe er nicht erfahren oder mitbekommen. Die Polizisten seien manchmal grob im Ton, aber nicht ausfallend und im Rahmen der Vorschriften meistens auch hilfsbereit.

Schlechte Noten für Pressefreiheit

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei schon vor dem im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten. Dutzende regierungskritische türkische Journalisten sitzen in Haft. Im Dezember war ein US-amerikanischer Korrespondent des «Wall Street Journals» vorübergehend festgenommen worden, er verliess anschliessend das Land.

Yücel ist seit Mai 2015 Türkei-Korrespondent der «Welt». Die Regierung hatte ihm eine Akkreditierung verweigert. Da er auch türkischer Staatsbürger ist, konnte er dennoch legal im Land arbeiten. Zahlreiche türkische Journalisten sind nicht von der Regierung akkreditiert. Bei ausländischen Korrespondenten ist die Akkreditierung Voraussetzung für die Aufenthaltsgenehmigung. (sda/dpa/afp/reu)

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15
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pachnota 28.02.2017 06:52
    Highlight Noch ist nicht erwiesen, ob Erdogan etwas mit dem Islam zu tun hat.
    Bitte nicht immer gleich vorverurteilen.
    0 2 Melden
    • rodolofo 28.02.2017 09:33
      Highlight Erdogan hat schon etwas mit dem Islam zu tun.
      Aber wie alle Machtmenschen benutzt er die vorherrschende Religion nur dazu, um eine Mehrheit gegen eine Minderheit aufzuwiegeln, nach der bekannten Methode "Teile und herrsche!" die schon seit Menschengedenken funktioniert und die Gesellschaft in drei Klassen unterteilt: Sklavenhalter, Sklaventreiber und Sklaven.
      In ähnlicher Weise hat Putin etwas mit der Russisch-Orthodoxen Kirche zu tun, Trump etwas mit den Evangelikalen und Oskar Freysinger etwas mit der Katholischen Kirche Wallis...
      5 2 Melden
  • ThomasHiller 27.02.2017 23:36
    Highlight "Verdächtige können in der Türkei bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gesperrt werden. "


    Ja, ich sach' mal, das erspart einiges an Urteilen, schlanke Justiz (die sitzen ja selber gerade alle...), so bekommt die Leute auch weggesperrt .... :/
    10 1 Melden
  • Donald J Trump 27.02.2017 23:09
    Highlight This is what the press deserves. Fake news getting destroyed. Erdogan knows how to handle fake news.

    #cantwaitforthistohappenintheusa
    6 8 Melden
    • Pius C. Bünzli 28.02.2017 06:34
      Highlight hahhahaha :D
      2 1 Melden
    • rodolofo 28.02.2017 08:02
      Highlight Du tönst tatsächlich, wie Donald Trump...
      Aber wer bist Du tatsächlich?
      Bist Du ein Nachahmer oder ein Karikaturist?
      Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass der echte "Ballon Man" ausser seinem eigenen, sehr limitierten Englisch-Wortschatz auch noch genug Deutsch versteht, um hier auf Watson wenigstens die Titel der Artikel zu verstehen.
      2 1 Melden
    • ThomasHiller 28.02.2017 17:14
      Highlight @rodolfo: Frauke Petry übersetzt heimlich alles für Trump, damit er hier kommentieren kann ;)
      2 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 27.02.2017 22:26
    Highlight Die Türkei entwickelt ihr Gefängniswärter-Know-How weiter...
    14 3 Melden
  • Addix Stamm 27.02.2017 22:22
    Highlight Putin und Erdogan schüchtern und buchten Journalisten ein. Trump sperrt sie aus und wird sich bald eigene Journalisten kaufen. ::schauder::
    25 3 Melden
  • Addix Stamm 27.02.2017 22:04
    Highlight Braucht die Menschheit eine Diktatur um zu überleben?
    Warum huldigen viele Rechte Quasi-Diktatoren?
    30 5 Melden
    • Addix Stamm 27.02.2017 22:16
      Highlight Rechte und Verschwörunstheoretiker meinte ich.. zwei Gruppen nähern sich an.
      Wen verehren Linke und wie heisst deren Splittergruppe?
      7 9 Melden
    • demokrit 27.02.2017 22:49
      Highlight Sahra Wagenknecht.
      8 7 Melden
    • rodolofo 28.02.2017 09:40
      Highlight @ Addix Stamm
      DIE Linken gibt es genau so wenig, wie DIE Rechten, oder DIE Schweizer, DIE Amerikaner, DIE Russen, DIE mainstream-Medien, oder was auch immer.
      Als jemand, der sich selber zur Linken Szene mit Fernziel Öko-Sozialismus zählt, habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht, die von Wohlfühlen und Liebe bis zu Verrat und Psycho-Terror reichen.
      Gerade weil der "Linke Teil" der Gesellschaft so unübersichtlich und heterogen ist, ergeben sich die unterschiedlichsten Allianzen zum ebenso heterogenen "Rechten Teil" der Gesellschaft, wie neulich das USR III - Nein gezeigt hat.
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