International

«Schweizer Daten-Transfer»: Komiker John Oliver veräppelt US-Wähler mit erfundenem Clinton-Skandal

26.09.16, 12:30 26.09.16, 12:58

Ganz Amerika macht sich bereit für das grosse TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Grund genug für Entertainer John Oliver, in seiner Show «Last Week Tonight» noch einmal die Skandale der beiden Kandidaten Revue passieren zu lassen. 

Juristin Hillary war zum Beispiel in die Whitewater-Kontroverse verstrickt, in der es um verdächtige Immobiliengeschäfte der Clintons in den 70ern und 80ern ging. Sechs Jahre suchten drei Ermittler nach Beweisen für ein Fehlverhalten.

Doch sie wurden genau so wenig fündig wie die acht verschiedenen Ermittler zum Bengazi-Skandal, die den Angriff auf die US-Botschaft in Libyen im Jahr 2012 beleuchteten. Zum Schluss seiner Aufzählung überrascht Talkmaster John Oliver jedoch mit einem Beispiel, das viele so wohl nicht auf den Zetteln hatten.

«Und dann gab es den problematischen Fall des ‹Schweizer Daten-Transfers› ...»

Häh? Wie bitte? Worum ging's? Lassen wir den Briten doch erstmal ausreden. Clinton sei zur Zeit des Transfers verantwortlich gewesen und «ja, die Dokumente belegen, dass sie wusste, dass der Transfer stattfand. Und ja, die Clintons hatten finanzielle Vorteile dadurch.»

Und wenn du jetzt gerade peinlich berührt bist, weil dir dieses dicke Ei entgangen ist, klärt John Oliver dich nun auf:

«Tatsache ist, dass ich den Schweizer Daten-Transfer gerade erfunden habe. Aber Tatsache ist auch, dass ihr euch für Sekunden daran ‹erinnert› habt, was wiederum Einiges über den Ton der Clinton-Berichterstattung aussagt.»

Schön reingelegt, Sir! Nachdem uns der 39-Jährige kräftig verladen hat, stürzt er sich auf Clintons E-Mail-Affäre und nimmt die Clinton-Stiftung auseinander, weil die eine Spende angenommen hat, die quasi einen unappetitlichen Nachgeschmack hinterlässt, aber formal nicht illegal war.

Ab Minute 2:24 geht es um Clintons Skandale. Video: YouTube/LastWeekTonight

Das sei nicht schön – aber Trumps Fehltritt seien deutlich grösser, schwenkt Oliver um. 53 Prozent seiner Aussagen seien falsch oder gelogen. «Die Zahl ist wahrscheinlich nur deshalb so tief, weil er ansonsten Dinge wie diese sagt ...

«Wenn wir hier nicht über meine Tochter reden würden, würde ich sie daten.»

Donald Trump im US-TV über Tochter Ivanka 

Trump sei der erste Kandidat seit Langem, der seine Steuerdaten nicht veröffentlicht. Er hat nicht zugestimmt, bei einer Präsidentschaft seine Geschäfte einem «Blind Trust» zu überlassen, sondern will, dass seine Kinder diese fortführen. Zudem hat der Republikaner angeblich Geld seiner Stiftung genutzt, um, zum einen, Klagen gegen den Politiker abzuwenden und, zum anderen, um neben anderen nutzlosen Dingen auch noch schlechte Donald-Trump-Kunst zu kaufen.

Olivers Kurs ist klar: Du kannst über Hillary Clinton schimpfen, aber dann müsstest du bei Donald Trump nur noch laut schreien. Oder wie es der Brite sagt:

«Ethische Fehltritt bei Politikern sind wie Rosinen in einem Keks. Sie sollten nicht da sein. Sie ekeln Leute an. Aber die meisten Politiker haben ein paar Rosinen. Und Hillary ist ein Keks wie dieser: Hillary hat mehr Rosinen als der Durchschnitt. Es sind vielleicht zehn der kleinen Scheisser da drin.»

Gestatten: Hillary.

«Aber wenn es um Donald Trump geht, ist das die Anzahl an Rosinen, die er repräsentiert. [...] Wenn du keine Rosinen magst, verstehe ich das. Sie sind widerlich. Aber im November musst du zehn Rosinen schlucken, sonst essen wir diesen Scheiss hier über Jahre.»

Arme Amerikaner. Sie haben die Wahl!

Gegen Trump ist Clinton nur ein Rosinchen auf dem heissen Stein.

(phi)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Denk nach 26.09.2016 14:23
    Highlight Genialer Politik Comedian! Schade haben wir kein ähnlich starkes Format! Themen hätte es auch in der Schweiz genügend.
    62 2 Melden
    • fabianhutter 26.09.2016 15:11
      Highlight Glauben SIe wirklich in der Schweiz haben wir ähnlich grosse Missstände wie die in der Show von John Oliver gezeigten aus der USA?

      Nicht annähernd... und auch der Fundus an (witzigen) Vollpfosten ist aufgrund des rund 40 mal kleineren Pool um einiges geringer um so eine Sendung unterhaltsam zu füllen.

      Ich war kein grosser Fan von Giaccobo/Müller, aber sie haben, so finde ich, sehr viel gemacht aus dem was ihnen in der Schweiz zur Verfügung stand.

      Aber sonst stimme ich mit Ihnen überein. John Oliver ist der Hammer!
      26 16 Melden
    • Denk nach 26.09.2016 15:43
      Highlight Zum Glück haben wir diese politische Themenvielfalt nicht. Wer die Sendung verfolgt, fragt sich teilweise schon was in den USA abgeht.

      Er greift aber auch Gesellschaftskritische Themen auf, was m. E. sehr wertvoll ist, da gerade hier die Diskussion angeregt wird. Daher wäre m. E. schon genügend Potential vorhanden. Vorallem nachdem Giaccobo / Müller nicht mehr sind.
      25 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 26.09.2016 13:26
    Highlight Der hat das jetzt aber schön auf den Punkt gebracht mit den Rosinen :-)
    57 6 Melden
  • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 26.09.2016 13:20
    Highlight Oliver trifft den Nagel einfach immer wieder auf den Kopf! Einer der besten Politik-Comedian, seit Jon Stewart, ging ja auch bei ihm in die Schule.
    52 4 Melden
  • Ton 26.09.2016 12:57
    Highlight Zum Glück gibt es noch andere Parteien, denn eine Wahl hat man bei den zweien wirklich nicht. Ich wähle Jill Stein, wie viele andere Amerikaner mit gesundem Verstand auch.

    Ich frage mich einfach, wie es passieren konnte, dass keine der beiden Kandidaten den Rücktritt bekannt geben musste.
    17 9 Melden
    • Walter Sahli 26.09.2016 13:35
      Highlight Wieviele Prozente Wählerstimmen, schätzt Du, wird sie kriegen? 4, 5 oder gar 6?
      32 2 Melden
    • Sir Jonathan Ive 26.09.2016 13:44
      Highlight Die Frage ist wie es passieren konnte, dass nicht beide Kandidaten den Rücktritt bekannt geben mussten.
      14 1 Melden
    • Jan. 26.09.2016 13:47
      Highlight Ich kann nachvollziehen, dass man Clinton nicht mag. Ich kann aber nicht nachvollziehen, wenn man nicht einsieht, dass Trump das grössere Übel darstellt. Und wenn man dies einsieht, sollte man Hillary nicht aus Prinzip die Stimme verwehren bzw. für eine chancenlose Drittkandidatin verschwenden... sonst ist man selber Schuld, wenn man sich am Ende mit einem grosse Haufen Rosinen wiederfindet...
      59 10 Melden
    • kaderschaufel 26.09.2016 14:10
      Highlight Ich bin, wie John Oliver, der Meinung, dass, wenn einem die Zukunft der USA wichtig ist und man der Meinung ist, dass faktenorientierte Politik besser ist als Trumps Gefühlspolitik, man als Amerikaner unbedingt Hillary Clinton, und nicht Jill Stein, wählen muss, auch wenn man der Meinung ist, dass Jill Stein die bessere Präsidentin wäre.

      Natürlich ist es doof, dass die Amerikaner nur zwei Kandidaten zur Auswahl haben, und es ist verständlich, dass man sich diese Auswahl erweitern will, aber man würde somit eine Trump-Präsidentschaft in Kauf nehmen, und dass kanns nicht sein!
      22 7 Melden
    • 〰️ empty 26.09.2016 14:39
      Highlight Die Vernunft wählt Johnson.
      10 5 Melden
    • fabianhutter 26.09.2016 15:33
      Highlight @Ton/Ludwig von Mises: Die "Amerikaner mit Verstand" und die "Vernunft" ärgern sich dann wie im Jahr 2000 darüber, nicht doch den demokratischen Kandidaten gewählt zu haben.

      Bei der Wahl 2000 hätten Naders Stimmen in New Hampshire und in Florida Al Gore locker zum Sieg gereicht. Und ein Sieg in einem der beiden Staaten hätte Al Gore schon zum Sieg verholfen.

      Und dass ein Mehrparteiensystem auch nicht perfekt ist, sieht man in Deutschland mit den immer wechselnden Koalitionen.
      5 4 Melden
    • Sir Jonathan Ive 26.09.2016 16:15
      Highlight Gary Johnson ist in meinene Augen ein sehr lausiger Kandidat. Das ist natürlich ansichtsbedingt, aber ich habe politisch viel mehr mit Clinton gemeinsam als mit ihm. Am liebsten würde ich natürlich Stein als Präsidentin sehen, aber da dies nicht geschehen wird, würde ich müsste ich wählen gehen Clinton unterstützen.
      5 3 Melden
    • 〰️ empty 26.09.2016 16:47
      Highlight In meinen Augen ist Jonny Ive ein lausiger Designer.
      5 6 Melden
    • Ton 26.09.2016 17:25
      Highlight Die Umfragewerte von Jill Stein sind so tief, weil CNN usw. die Umfragewerte 18-34 jähriger unterschlagen.
      Bsp:https://twitter.com/DarbyKathleen/status/754880720657485827

      https://twitter.com/DrJillStein/status/777621445857992705

      Also doch eher 15%.
      4 0 Melden
    • Ton 26.09.2016 17:33
      Highlight Korrektur, natürlich 15% in dieser Altersparte. Zudem lebe ich bloss die Demokratie. Ich bin eigentlich Demokrat, aber die grossen Parteien haben das Land in den Boden gefahren.... ;-)
      3 0 Melden
    • kaderschaufel 26.09.2016 18:16
      Highlight Auch wenn Jill Stein 15% der Wähler hat, sie wird 0% der Wahlmänner haben, wegen dem winner-takes-it-all-System. Man kann die grossen Parteien bei der Präsidentenwahl nicht besiegen, indem man Drittparteien wählt, das System lässt es nicht zu.

      Wenn, dann müsste man das System ändern, ich kenne mich jetzt zu wenig mit der amerikanischen Politik aus, um zu sagen, wie man das zustande bringt. Die Senatswahlen sind vermutlich der grössere Hebel.
      3 1 Melden
    • Sir Jonathan Ive 27.09.2016 09:00
      Highlight Ich glaube Stein ist in keinem einzigen Winner takes it all Staat auf dem Wahlticket.
      Bin mir aber nicht ganz sicher.
      0 0 Melden

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