International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A wall of the Bardo Museum is riddled with bullet holes during the reopening to the public of the National Bardo Museum in Tunis, Tunisia, Friday, March 27, 2015. The National Bardo Museum targeted by a terrorist attack reopens for the first time since gunmen opened fire on tourists March 18, killing 21 people. (AP Photo/Hassene Dridi)

Beim Angriff auf das Bardo-Nationalmuseum starben im März 21 Menschen – seither setzen die tunesischen Behörden auf massive Repression. Bild: Hassene Dridi /AP/KEYSTONE

Anti-Terror-Kampf auf Tunesisch: 1000 Verhaftungen und 8000 Hausdurchsuchungen seit dem Anschlag auf das Bardo-Museum

07.07.15, 17:32


Im Anti-Terror-Kampf haben die tunesischen Behörden seit März mehr als 1000 Menschen festgenommen. Seit dem bewaffneten Überfall auf das berühmte Bardo-Museum in der Hauptstadt mit mehr als 20 Toten gab es fast 8000 Hausdurchsuchungen.

Hotel workers observe a minute's silence in memory of those killed in a recent attack by an Islamist gunman, at a beach in Sousse, Tunisia July 3, 2015. Tunisian authorities were on Thursday hunting further suspects in the Sousse hotel attack identified by officials as part of a group trained in a Libyan jihadist camp alongside gunmen who carried out a massacre at a Tunis museum. Thirty-eight foreigners, most British holidaymakers, were killed in last Friday's attack before the gunman was shot by police. REUTERS/Anis Mili

Trauer um die Opfer: Beim jüngsten Terroranschlag starben 38 Menschen, vor allem Touristen. Bild: ANIS MILI/REUTERS

Das sagte der für die Beziehungen mit den Verfassungsorganen und der Zivilgesellschaft zuständige Minister Kamel Jendoubi am Dienstag in Tunis. 120 der Festgenommenen stünden unter Terrorismusverdacht. Seit dem tödlichen Angriff auf ein Touristenhotel im südlichen Badeort Sousse seien acht Verdächtige festgenommen worden.

Ein tunesischer Student hatte vor eineinhalb Wochen in Sousse 38 Menschen erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Die meisten Opfer waren Briten, zwei Deutsche kamen ebenfalls ums Leben.

1400 zusätzliche Sicherheitskräfte

Es war das zweite Mal, dass mutmassliche islamische Extremisten einen tödlichen Angriff auf Touristen verübten. Bei der Attacke am 18. März auf das Bardo-Museum hatten Bewaffnete ebenfalls überwiegend ausländische Touristen erschossen.

Um Touristen künftig besser zu schützen, hat die Regierung nach eigenen Angaben nun 600 zusätzliche Sicherheitskräfte bei der Küstenwache im Einsatz sowie weitere 1400 in Hotelanlagen und touristischen Gebieten.

Wegen des «Versagens» der Sicherheitskräfte bei dem Anschlag in Sousse wurden der Gouverneur sowie hochrangige Polizeifunktionäre sowohl in Sousse als auch in der Stadt Kairouan entlassen. In der Ortschaft, in der islamistische Kräfte stark sind, hatte der Attentäter, der nach ersten Erkenntnissen in Libyen an der Waffe ausgebildet worden ist, gewohnt.

Ausnahmezustand für 30 Tage

Am Samstag hatte Präsident Béji Caïd Essebsi für 30 Tage den Ausnahmezustand über das Land verhängt. In der neuen Verfassung ist diese Möglichkeit bei grosser Gefahr zwar vorgesehen, es gibt jedoch noch kein Gesetz, das die genaue Umsetzung regelt. Die Regierung greift daher auf ein Dekret von 1978 zurück, das unter gewissen Umständen auch Ausgangssperren möglich macht, Streikverbote und Hausdurchsuchungen erleichtert.

Im Kampf gegen Terroristen hofft die Regierung auf weitere Hilfe aus dem Ausland vor allem beim Grenzschutz. Bis Ende 2016 soll Tunesien aus den USA acht Black-Hawk-Hubschrauber bekommen, die erste Charge von insgesamt zwölf, die das Land bestellt hat. Tunis strebt nun an, dass Lieferungen von technischen Hilfsmitteln zur Kontrolle der Grenze zum Krisenland Libyen, wo Milizen und schwer bewaffnete Dschihadisten aktiv sind, beschleunigt werden können.

In Tunesien wurde 2011 der autoritäre Langzeitmachthaber Zine al-Abidine Ben Ali gestürzt. Seitdem schaffte das Land den Übergang in die Demokratie. Doch durch die Unruhen in der Region nehmen islamistische Übergriffe immer weiter zu. Vom Tourismus sind in dem Land mit elf Millionen Einwohnern etwa 400'000 Menschen abhängig. (tat/sda/dpa)

Anschlag in Sousse, Tunesien

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Frölein hilfiker 07.07.2015 18:21
    Highlight wenigstens jene welche wirtschaftlich etwas weiter als bis zur Nasenspitze denken können, machen etwas gegen die zunehmende Verdünnung und Sharisierung der einfachen Leute dort.
    2 0 Melden

Luxor – wie der erste grosse islamistische Anschlag die Schweiz schockierte

Die Mörder kannten keine Gnade und sie hatten alle Zeit der Welt, um ihre wehrlosen Opfer mit Kalaschnikows und Metzgermessern abzuschlachten. Opfer, die der Terror unvermittelt und zufällig traf. 62 Menschen starben am Vormittag des 17. Novembers 1997 im Tempel der Hatschepsut im ägyptischen Luxor, fast alle von ihnen Touristen, darunter 36 Schweizer. 

Nichts hatte an diesem Montagmorgen darauf hingedeutet, dass der beliebte Touristenort zum Schauplatz eines Massakers werden würde. Wie …

Artikel lesen