International

Ermittler nach dem Anschlag von Ansbach.
Bild: EPA/DPA

Würzburg und Ansbach: Attentäter hatten Kontakt nach Saudi-Arabien

Die Attentäter von Ansbach und Würzburg holten sich nach «Spiegel»-Informationen Rat bei mutmasslichen «IS»-Mitgliedern in Saudi-Arabien. Chatprotokolle legen nahe, dass sich der Angreifer beim Musikfest versehentlich tötete.

05.08.16, 13:30 05.08.16, 13:42

Andreas Ulrich

Ein Artikel von

Die Attentäter von Ansbach und Würzburg hatten mehrfach Kontakt zu mutmasslichen Mitgliedern des «Islamischen Staats» («IS»), und zwar über mehrere Telefonnummern, unter anderem in Saudi-Arabien. Das ergibt sich aus Chats, die deutschen Behörden vorliegen.

Der wohl aus Afghanistan stammende Attentäter von Würzburg, Riaz Khan Ahmadzai, der am 18. Juli mehrere Menschen in einem Regionalzug mit einer Axt und einem Messer schwer verletzte, habe sich vor der Tat mit den Worten verabschiedet: «Wir sehen uns im Paradies.»

Attentäter Ahmadzai in seinem Internetvideo.
Bild: Amak

In den Chats zuvor hatte ein «IS»-Kontaktmann dem 17-Jährigen vorgeschlagen, mit einem Auto in eine Menschenmenge zu fahren. Dieser lehnte das mit der Begründung ab, keinen Führerschein zu besitzen. Stattdessen, so kündigte Ahmadzai an, werde er in einen Zug steigen und die erstbesten Fahrgäste angreifen.

Bei dem aus Syrien stammenden Ansbacher Attentäter Mohammad Daleel gehen die Behörden davon aus, dass sein Tod am 24. Juli ein Unfall war. Er habe vermutlich den Rucksack, den er mit selbst hergestelltem Sprengstoff gefüllt hatte, in einer Menschenansammlung des Festivals abstellen und aus der Ferne zünden sollen. Kurz vor dem Anschlag habe sein Chatkontakt ihn aufgefordert, die Detonation und das anschliessende Inferno zu filmen und dem «IS» zu schicken. Doch der Sprengsatz explodierte offenbar vorzeitig, tötete ihn und verletzte 15 Menschen.

In den Chats ist die Rede davon, dass Daleel danach weitere Anschläge verüben sollte. Dafür spricht, dass er sein Bekennervideo vermummt aufnahm, und Ermittler in seiner Wohnung weiteres Material zum Bombenbau fanden.

Explosion in Ansbach:

Axt-Attacke in Würzburg:

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 05.08.2016 14:22
    Highlight Interessante Details im Nachhinein 🤔!

    Erst kommt als Lieblingserklärungsversuch der immer mehr unter Druck geratenden Behörden, dass es sich bei den Tätern um "arme Traumatisierte" eher noch um "psychisch Verwirrte" handelt. Meist nur eine stark beschönigende Lüge für das verunsicherte und mehr und mehr über die Auswüchse der sog. Willkommenskultur verärgerte Volk...

    Und nun das: professionell vom IS gesteuert, mit Handykontakten bis zur letzten Sekunde!

    Daher sind die gestrigen katastrophalen Umfragewerte von Angela Merkel wohl ein echtes Kriterium für kommende Landtags- und Bundeswahlen.
    46 7 Melden
    • EvilBetty 05.08.2016 16:08
      Highlight Schliesst ein Trauma resp. Verwirrtheit ja nicht aus.
      8 14 Melden

Verschwörungstheorie? «Jeder mit einer anderen Analyse wird mit Spinnern, Pädophilen und Antisemiten in eine Ecke gestellt»

Ein neuer Dokumentarfilm (siehe Video unten) beleuchtet am Beispiel des umstrittenen Schweizer Historikers Daniele Ganser, welch erbitterte Auseinandersetzungen bei Wikipedia-Artikeln zu kontroversen Themen oder Personen im Hintergrund ablaufen. Gansers Spezialgebiet ist verdeckte Kriegsführung und er erforscht in diesem Zusammenhang auch Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001. Seine Versuche, den Wikipedia-Artikel zu seiner eigenen Person abzuändern, …

Artikel lesen