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In diesem Eckgebäude wurde Sprengstoff gefunden.
Bild: CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA/KEYSTONE

Ermittler finden 15 Kilo Sprengstoff: Wie konnten die Terroristen so lange unbemerkt agieren? 

Im Versteck der Attentäter von Brüssel fanden die Ermittler Unmengen Sprengstoff. Die Männer waren der Polizei bekannt. Wie konnten sie so lange unbemerkt agieren?

24.03.16, 10:59 24.03.16, 11:13

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Drei Tage nach den Terroranschlägen von Brüssel sind die drei Selbstmordattentäter identifiziert, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Nach und nach kommen mehr Fragen auf: Mindestens ein mutmasslicher Täter soll noch auf der Flucht sein, laut Medienbericht soll es einen weiteren Komplizen geben.

Wer ist der dritte Verdächtige vom Flughafen?

Gesuchter mutmasslicher Terrorist.
Bild: EPA/BELGIUM FEDERAL POLICE FILE

Wenige Stunden nach dem Anschlag am Brüsseler Airport veröffentlichte die belgische Polizei ein Fahndungsfoto. Es zeigt drei Männer, die Kofferwagen vor sich herschieben. Zwei von ihnen sprengten sich am Flughafen in die Luft: Bei ihnen soll es sich um Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui handeln. Die Identität des dritten Verdächtigen ist noch unklar, er ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf der Flucht.

Handelte der Selbstmordattentäter in der Metro allein?

Der jüngere Bruder von Ibrahim El Bakraoui, Khalid, soll sich um 9.11 Uhr in der U-Bahn-Haltestelle Maelbeek in die Luft gesprengt haben. Unklar ist allerdings weiterhin, ob er dabei allein handelte. Der belgische Sender RTBF berichtet, dass Khalid El Bakraoui einen Komplizen gehabt haben soll: Auf Bildern einer Überwachungskamera sei ein zweiter Mann mit einer grossen Tasche zu sehen. Unklar sei, ob der Verdächtige bei der Explosion getötet wurde oder ob er auf der Flucht ist. Die Staatsanwaltschaft äusserte sich zunächst nicht dazu.

Wie konnten die Attentäter so lange unbemerkt agieren?

Die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui.
Bild: EPA/INTERPOL

Die bereits identifizierten Attentäter waren der Polizei bekannt. Najim Laachraoui wurde im Zusammenhang mit der Terrorserie in Paris gesucht, die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui laut Staatsanwaltschaft wegen zahlreicher anderer Vergehen.

In der Wohnung in der Rue Max Roos im Brüsseler Viertel Schaerbeek, wo ein Taxifahrer die Attentäter am Dienstagmorgen abholte, entdeckten die Ermittler 15 Kilogramm Sprengstoff, 150 Liter Aceton, 30 Liter Wasserstoffperoxid, Zünder und einen Koffer voller Schrauben und Nägel. Das Material kann zur Herstellung von Bomben verwendet werden. Laut «New York Times» sind US-Sicherheitsbeamte angesichts der Menge an explosiven Stoffen überrascht: Die Herstellung von TATP sei zeitaufwendig und erfordere eine spezielle Ausrüstung. Auch seien einige der Chemikalien sehr geruchsintensiv. Die gefundene Menge werfe Fragen auf, wie die Terroristen trotz der gross angelegten Fahndung nach Salah Abdeslam in der Lage waren, unbemerkt zu bleiben.

Gibt es einen Zusammenhang zu der Terrorserie in Paris?

Offiziell prüfen die Ermittler, ob die Anschläge von Brüssel mit der Terrorserie in Zusammenhang stehen. Vieles deutet jedoch darauf hin: Najim Laachraoui wurde im Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris gesucht. Seine DNA soll an Sprengstoff gefunden worden sein, der in Paris benutzt wurde. Die Ermittler gehen offenbar mittlerweile davon aus, dass er die Paris-Anschläge gemeinsam mit dem festgenommenen Salah Abdeslam vorbereitete.

Auch einer der beiden Brüder wird mit den Anschlägen von Paris in Verbindung gebracht: Khalid El Bakraoui soll unter falschem Namen zwei Verstecke angemietet haben, darunter eine Wohnung, die zur Vorbereitung der Attentate auf die französische Hauptstadt genutzt wurde.

Gibt es einen Zusammenhang zur Festnahme von Salah Abdeslam?

Ob ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen und der Verhaftung von Salah Abdeslam, einem der Hauptverdächtigen der Anschläge von Paris, besteht, ist unklar. Er war am 18. März festgenommen worden. Danach hatte die Polizei Namen von weiteren Verdächtigen veröffentlicht, darunter Najim Laachraoui. Khalid El Bakraoui soll ausserdem die Wohnung angemietet haben, in der Abdeslam gefasst wurde. Auf einem Laptop fanden Ermittler eine Audiobotschaft von Ibrahim El Bakraoui. Er sei «überall gesucht» worden und «nicht mehr in Sicherheit» gewesen. Er wolle unsterblich werden, nicht «in einer Zelle neben ihm enden». Gemeint ist wohl Abdeslam.

Wie viele Todesopfer gibt es?

Zur Zahl der Opfer in Brüssel gibt es unterschiedliche Angaben. Die belgischen Behörden sprechen von mindestens 31 Toten und über 300 Verletzten – 61 von ihnen liegen auf der Intensivstation. Zwischenzeitlich war von 34 Toten und 230 Verletzten die Rede. Nach Angaben der Polizei finden die Ermittlungen zu den Opfern unter extrem schwierigen Bedingungen statt, die Identifizierung sei sehr aufwendig. «Diese Zahlen können sich in den nächsten Tagen und Wochen noch ändern», hiess es am Mittwoch. (brk/dpa/AFP)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paco69 24.03.2016 13:02
    Highlight Belgien und auch Frankreich kommen einfach nicht zur Ruhe solange der
    islamistische Spuk nicht beendet ist. Und das kann noch sehr lange dauern.
    Und um wieder zur Ruhe zu kommen, müssten die Neubürger auch weniger werden, sie werden aber immer mehr, auch anderswo, wie man seit Silvester aus anderen Ländern erfahren durfte.
    11 24 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.03.2016 13:27
      Highlight Lieber Paco69, die von dir so wertneutral genannten "Neubürger" fliehen genau vor diesem Terror und den Bomben, weil auch Sie endlich wieder zur Ruhe kommen wollen.
      23 13 Melden
  • bangawow 24.03.2016 13:01
    Highlight Liebe epa/interpol
    Warum ist das Foto von Khalid (links) unsauber freigestellt, verpixelt und voll mit Artefakten, aber sein linkes Ohr ist qualitativ gut?

    Reine Neugier.
    14 2 Melden
    • Fumo 24.03.2016 13:16
      Highlight Sehr gute Frage die du NICHT stellen darfst. Jetzt gilst du als paranoider Verschwörungstheoretiker.
      10 5 Melden
    • bangawow 24.03.2016 13:22
      Highlight Nachtrag: Das Ohr wurde dran montiert, ist nicht sein Ohr. Warum auch immer. Man merke sich: Auch Fahndungsbilder werden gephotoshopped. Damit so ein Ohr auch hübsch aussieht. ^^
      11 0 Melden
  • RiiseHolzchopf 24.03.2016 12:55
    Highlight "Wieso konnten die Terroristen solange unbemerkt bleiben?". Für mich ist das völlig verständlich und irgendwie auch gut so. Es ist sau schwer, alles zu überwachen und sofort terroristische Aktivität heraus zu sondern. Wenn man Leute ihrer ethnischer Herkunft genaustens überwacht und durchsucht, ist man rassistisch. Wenn mans mit allen Macht, ist das totalitäre Überwachung. Ich sterbe lieber irgendwann mal bei einem Attentat, als immer überwacht zu sein. Das wollen die ja unter anderem mit diesen Aktionen bewirken, unsere Freiheit stark einschränken...
    22 1 Melden
  • Chrigi-B 24.03.2016 12:18
    Highlight In Belgien wie in der Schweiz. Lieber Kiffer jagen als solche Unmenschen.
    34 5 Melden
    • lily.mcbean 24.03.2016 12:52
      Highlight Wollte eben dasselbe schreiben ;) 👍
      16 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.03.2016 11:48
    Highlight Jetzt erst machen die Belgier Druck und sind bemüht die Terroristen-Nester auszuheben. Warum wurde so lange gewartet, man hatte ja Hinweise von Paris.
    Hoffentlich hat Belgien endlich die Lektion gelernt - und auch die übrigen Staaten in Europa müssen endlich realisieren, was da auf uns zukommt an Terror, Brutalität, Fanatismus. Diese Kultur passt einfach nicht zu Europa.
    18 16 Melden
    • Fumo 24.03.2016 13:12
      Highlight "Warum wurde so lange gewartet, man hatte ja Hinweise von Paris."

      Da der flüchtige Attentäter von Paris VOR die Anschläge verhaftet wurde ist es falsch zu behaupten sie würden erst jetzt aktiv werden. Wäre ja sonst umgekehrt gewesen.
      8 3 Melden
    • Lowend 24.03.2016 14:16
      Highlight Das ist reine Hetze gegen Menschen islamischen Glaubens, denn faktisch war der Terror in Europa vor der momentanen Migrationswelle viel extremer! Damals habe übrigens oft Christen Christen in die Luft gejagt, so wie auch heute die meisten Opfer des Daesh Terrors Muslime sind!
      http://www.watson.ch/!982459207
      8 9 Melden
    • Euklid 24.03.2016 14:42
      Highlight @Lowend Hör auf mit dem Mist. Es gibt keinen Gott. Ob Muslime, Christen, Hindus, Bahai oder sonst was. Ich kann nicht verstehen, dass Menschen in der heutigen Zeit noch an Märchen glauben und einige sogar ihr Leben danach ausrichten. Ich werde niemals Gläubige diskriminieren, aber respektieren werde ich sie trotzdem nie. Für mich als Wissenschaftler zählen nur die Vernuft, Logik, Naturgesetze und Beweise und nicht irgenwelche rückständigen Weltanschauungen.
      6 4 Melden
    • Lowend 24.03.2016 16:32
      Highlight Wenn Sie angeblich so nüchtern denken, dann implizieren sie bitte nicht ihr Weltbild in meine Aussagen, denn im Grunde bin ich mit Ihnen ja einig, lieber Euklid! Religionen sind Opium für das Volk, sagte ein bekannter Linker schon vor 100 Jahren, also ist ihre Erkenntnis etwa genau so rückständig, wie das Weltbild, dass sie mir in ihrer Wut unterstellen. Von einem Wissenschaftler erwarte ich mir schon mehr Vernunft und Logik!
      3 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.03.2016 17:30
      Highlight Lowend@
      Der Terror in Europa früher kann man nicht mit dem heutigen Terror vergleichen. Die ETA führte Schläge gegen Vertreter des spanischen Staates (Establishment), die RAF griff Führungskräfte in Politik und Wirtschaft gezielt an, und die IRA wollte Irland's Unabhängigkeit und terrorisierte gegen die politische Ordnung.
      Die heutigen fiesen Terroristen hingegen sprengen willkürlich unschuldige, unbeteiligte Menschen in die Luft um weltweit Anerkennung für ihr grausiges Tun zu finden. Dies ist ein riesiger Unterschied - deshalb kann man solches Tun nicht gutheissen und verteidigen.
      3 1 Melden
    • Lowend 25.03.2016 10:55
      Highlight Sie waren in dem Fall in den 80ern nie in England? Da hat die IRA unzählige Zivilisten genau so bestialisch umgebracht, wie das jetzt der Daesch tut und mit ihrem Kommentar verhöhnen sie zB. auch alle Opfer von Bologna, wo Rechtsextreme versucht haben, einen bestialischen Bombenanschlag den Linken in die Schuhe zu schieben. Der einzige Unterschied zu heute ist bloss, dass es damals nicht diese bewusst gestreute politische Hetze in den Foren gab, weil die damals noch nicht existierten und darum die Wutbürger nicht mit so viel Hass genährt wurden, wie dass heute gewisse Zeitgenossen gerne tun.
      0 2 Melden
  • Sapere Aude 24.03.2016 11:47
    Highlight Das grösste Sicherheitsrisiko sind wohl unsere eigene Sicherheitskräfte. Da nützten strengere Gesetze und geschlossene Grenzen auch nichts, wenn diejenige die das durchsetzen sollten unfähig sind.
    14 17 Melden
    • Raembe 24.03.2016 12:40
      Highlight Dieser Job ist nicht einfach nehm ich an. Darum würde ich mich als Aussenstehender, davor hüten diese Leute als unfähig zu bezeichenen
      20 4 Melden
    • Fumo 24.03.2016 13:13
      Highlight Die Exekutive ist eh immer die verarschte. Wenn sie was tun ist die Kontrolle zu hoch und wenn was geschieht haben sie nichts dagegen unternommen.
      16 2 Melden
    • Sapere Aude 24.03.2016 13:37
      Highlight Unfähigkeit ist vielleicht das falsche Wort, aber wir können hier schon von einen versagen der Sicherheitskräfte sprechen. Mir scheint gerade in Belgien haben die Behörden massiv versagt. Das ist nicht mal die Schuld des Polizisten vor Ort, sondern ein Problem der Strukturen, Kompetenzen und Kommunikation. Der Fisch stinkt am Kopf. Die Soldaten und Polizisten vor Ort können nicht viel machen, wenn ihre Chefs in Brüssel und all den anderen Büro nicht miteinander kommunizieren, wenn sich die EU nicht einmal auf eine gemeinsame Strategie einigen können.
      10 1 Melden
    • Sapere Aude 24.03.2016 13:38
      Highlight Btw. verfüge selbst über Einsatzerfahrung und weiss wie schwer der Job ist.
      3 3 Melden
    • Raembe 24.03.2016 15:56
      Highlight Das ist allgemein ein Problem und beschränkt sich nicht nur auf Brüssel. Die ganze Situation ist sehr tragisch. Festzuhalten gillt aber, das wo Menschen am Werk sind, gibts Fehler. Der Hauptfehler kam von den USA und der Nato. Das die Niemand kritisiert versteh ich sowieso nicht.
      3 2 Melden

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