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Kenianische Soldaten kurz nach dem Attentat in der Hauptstadt Nairobi. Bild: Ben Curtis/AP/KEYSTONE

Vergeltung für Schabab-Massaker: Kenia meldet Zerstörung von Terror-Camps in Somalia

Etwa 150 Menschen sind bei einem Anschlag der Schabab-Miliz auf eine Universität gestorben – die kenianische Armee hat zurückgeschlagen: Bei Luftangriffen in Somalia sollen zwei Lager der Dschihadisten zerstört worden sein.

07.04.15, 13:18

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Schabab-Milizionäre ermordeten am Donnerstag 148 Menschen in der kenianischen Universität in Garissa, jetzt hat das Militär des afrikanischen Landes offenbar bei Luftangriffen in der somalischen Grenzregion Gedo zwei Lager der radikalislamischen Terrorgruppe komplett zerstört, meldet die Armee. Das zeigen demnach Luftaufnahmen des Militärs.

Die Terrororganisation widersprach den Angaben – kein Lager sei angegriffen worden. Eine unabhängige Bestätigung gibt es bislang nicht, die Region Gedo ist nur schwer zu erreichen. Die Universitätsstadt Garissa liegt rund 200 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt. Das Militär verfüge über Informationen, dass die Schabab-Miliz von den Lagern in Gondodowe und Ismail aus Ziele in Kenia angreifen wollte, hiess es aus Militärkreisen.

Mit dem Massaker auf dem Universitätscampus in Garissa wollte die Schabab-Miliz die kenianische Armee zum Rückzug aus Somalia zwingen, wo sie sich am Einsatz der Afrikanischen Union gegen die islamistischen Rebellen beteiligt. Die Miliz hatte am Samstag mit einem weiteren Blutbad gedroht, sollte Kenia seine Angriffe fortsetzen. Die kenianische Armee kündigte nun erneute Bombardierungen an.

Das kenianische Militär ist an einem Einsatz der Afrikanischen Union gegen die Extremisten in Somalia beteiligt und versucht, das Einsickern von Extremisten und Waffen über die 700 Kilometer lange Grenze zu unterbinden.

Kritik an der Polizei

Am Donnerstag waren bei dem Terrorangriff in Garissa 142 Studenten und sechs Sicherheitskräfte getötet worden. Vier Schabab-Attentäter hatten den Campus im Morgengrauen gestürmt, Dutzende Studenten erschossen und weitere als Geiseln genommen. Die Täter liessen Muslime frei und ermordeten systematisch Christen. Berichten zufolge erschossen sie jeden, der Fragen zum Koran nicht beantworten konnte – etwa 80 Prozent der Kenianer sind Christen.

Bislang wurden fünf Verdächtige festgenommen, die Hintermänner des Massakers sein sollen. Drei mutmassliche Koordinatoren des Angriffs wurden nach Angaben des Innenministeriums auf der Flucht nach Somalia gefasst. Festgenommen wurden auch ein Wachmann der Universität und ein Tansanier, der sich mit Granaten ausgerüstet auf dem Campus versteckt hatte. Die Regierung setzte zudem eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 200'000 Euro auf die Ergreifung des Schabab-Kommandeurs Mohammed Mohamud aus, der als Drahtzieher des Anschlags gilt.

Die nackten Leichen der vier unmittelbar beteiligten Attentäter wurden am Samstag in Garissa von der Polizei öffentlich vorgeführt. Laut Innenministerium handelte es sich bei einem der Täter um den Sohn eines Lokalpolitikers aus dem Bezirk Mandera. Der aus Somalia stammende Abdirahim Abdullahi habe an der Universität von Nairobi Jura studiert und kurz vor seinem Examen gestanden. Er sei von einem Bekannten als «brillanter» aufstrebender Anwalt beschrieben worden.

Unterdessen wächst die Kritik an der Arbeit der Sicherheitskräfte. Warnungen der Geheimdienste vor einem bevorstehenden Angriff wurden demnach übersehen. Zudem sollen die Spezialkräfte der Polizei sieben Stunden gebraucht haben, um aus der Hauptstadt Nairobi an den Tatort im Norden des Landes zu gelangen.

Zusammengefasst: Nach dem Terroranschlag mit nahezu 150 Toten in der Universitätsstadt Garissa hat das kenianische Militär Stellungen der Schabab-Miliz im benachbarten Somalia bombardiert. Zwei Lager der Dschihadisten seien dabei komplett zerstört worden – die Terrorgruppe bestreitet dies jedoch.

mxw/Reuters/AFP

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