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A bullet hole seen on the window of a cafe located near the area where the assailant of a knife attack was shot dead by police officers, in central Paris, Sunday May 13, 2018. The man behind a deadly knife attack in central Paris was born in Chechnya and had been on police radar for radicalism, and his parents have been detained for questioning, French authorities said Sunday. (AP Photo/Thibault Camus)

Ein Einschussloch am Ort des Angriffs. Bild: AP/AP

Angreifer in Paris war bereits als «Gefährder» aktenkundig



Im Zentrum von Paris hat am Samstag ein mutmasslicher islamistischer Terrorist einen Passanten getötet und vier weitere Personen verletzt. Die Polizei erschoss den aus Tschetschenien stammenden und mit einem Messer bewaffneten Angreifer.

Staatspräsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich habe erneut «den Preis des Blutes» bezahlt. Das Land werde aber vor den «Feinden der Freiheit» keinen Zoll zurückweichen, sagte Macron. Die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») reklamierte den Angriff vom Samstagabend für sich.

Der Täter schlug am Samstag kurz vor 21.00 Uhr in der Rue Monsigny nahe der Oper im Herzen von Paris zu. Zum Zeitpunkt des Attentats waren dort viele Menschen auf der Strasse, die zu Zeugen des blutigen Geschehens wurden. Die Gegend ist wegen ihrer vielen Bars, Restaurants und Theater beliebt.

Der Angreifer habe bei seiner Tat «Allahu Akbar» (arabisch für: «Gott ist gross») gerufen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie berief sich auf die Aussagen mehrerer Zeugen. Die Tat werde als «Tötungsdelikt in Zusammenhang mit einem terroristischen Akt» eingestuft.

Als Gefährder aktenkundig

Bei dem Angreifer handelte es sich nach Angaben aus Justizkreisen um einen 1997 in Tschetschenien geborenen Franzosen, der bereits als extremistischer Gefährder aktenkundig gewesen sei. Seine Eltern wurden am Sonntagmorgen in Gewahrsam genommen und befragt.

Zwei der Opfer - ein 34-Jähriger und eine 54-Jährige - wurden nach Polizeiangaben mit schweren Verletzungen in ein Spital gebracht. Zwei weitere Passanten erlitten demnach leichtere Verletzungen, auch sie wurden im Spital behandelt.

Die Verletzten seien ausser Lebensgefahr, sagte Innenminister Gérard Collomb in der Nacht. Bei dem getöteten Passanten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 29 Jahre alten Mann.

Nach Polizeiangaben ging der Angreifer mit dem Messer auf drei herbeigeeilte Polizisten los. Einer von ihnen habe zunächst eine Elektroschock-Waffe gegen den Angreifer eingesetzt. Ein weiterer Beamter habe dann zwei Schüsse abgegeben, die den Angreifer tödlich getroffen hätten.

Lob für Polizeiarbeit

Frankreichs Premierminister Edouard Philippe begab sich am Samstagabend in das zuständige Polizeikommissariat und lobte «die ausserordentliche Reaktion» der Polizei. Fünf Minuten nach dem Notruf seien die Beamten vor Ort gewesen, neun Minuten nach dem Notruf sei der Täter tot gewesen.

Die Schnelligkeit der Polizei «hat aller Wahrscheinlichkeit eine schlimmere Opferbilanz verhindert», sagte Philippe. Auch Innenminister Collomb lobte die Polizei, die mit kühlem Kopf vorgegangen sei.

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Ausgehviertel. «Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse», berichtete die 47-jährige Gloria. «Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen.»

Die Café-Besucherin Elisa fühlte sich an die Pariser Anschlagserie vom November 2015 erinnert. «Wenn man drei Schüsse hört, denkt man zwangsläufig an den 13. November. Man rennt dann nur noch weg.»

Opposition reagiert

In Paris hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt tödliche Terror-Angriffe gegeben, die vielfach islamistisch motiviert waren. Bei diesen Angriffen starben seit 2015 bereits mehr als 240 Menschen. Die französischen Sicherheitskräfte befinden sich daher in erhöhter Alarmbereitschaft

Der erneute Anschlag entfachte rasch eine politische Debatte über die innere Sicherheit. Der Chef der konservativen Republikanerpartei, Laurent Wauquiez, teilte via Twitter mit, Worte reichten nicht aus, es müssten Taten folgen. Die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen bezeichnete die auf der Radikalisierten-Liste verzeichneten Personen als «Zeitbomben». (leo/sda/afp/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Husar 13.05.2018 23:21
    Highlight Highlight Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis in den Städten Frankreichs resolute Bürgewehren patroullieren. Vielleicht ist es hier und dort schon der Fall. Der Staat wird sich darüber, wenn auch nur heimlich, freuen, weil diese Freiwilligen anstelle des Staates für Ruhe und Ordnung sorgen und gegebenenfalls sich stellvertretend die Hände schmutzig machen werden, gratis und franko.

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