International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Trauer in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Bild: AP/AP

Islamistischer Terror in Indonesien: Drei Familien, drei Anschläge

Eine islamistische Terrorserie erschüttert die indonesische Metropole Surabaya – verantwortlich sind offenbar drei radikale Familien. Auch mehrere Kinder sollen zu Angriffen gezwungen worden sein.

15.05.18, 03:54

Christoph Sydow

Ein Artikel von

Innerhalb von 24 Stunden ist die indonesische Millionenstadt Surabaya von drei Terroranschlägen erschüttert worden. Dabei wurden nach Angaben des Polizeichefs der Provinz Ostjava 25 Menschen getötet – darunter 13 Angreifer.

Was Indonesien besonders beschäftigt: Die drei Taten gehen auf das Konto von drei Familien. Sie missbrauchten sogar ihre eigenen Kinder als Selbstmordattentäter.

Am Sonntagmorgen verübten Mitglieder der Familie Oepriarto nahezu zeitgleich Anschläge auf drei Kirchen in Surabaya. Zuerst rasten die beiden Söhne der Familie – 15 und 17 Jahre alt – mit zwei Motorrädern auf den Vorhof der katholischen Marienkirche und zündeten Sprengsätze, die sie bei sich trugen. Kurz darauf setzte der Familienvater seine Ehefrau und die beiden Töchter – neun und zwölf Jahre alt – an der Diponegrokirche in Surabaya ab. Die Frau und die beiden Mädchen sprengten sich dort in die Luft. Fünf Minuten später raste der Vater, Dita Oepriarto, mit seinem mit Sprengstoff beladenen Auto in die Pfingstkirche von Surabaya.

Insgesamt kamen bei dieser Anschlagsserie 18 Menschen ums Leben: Die sechs Mitglieder der Familie Oepriarto und zwölf Kirchenbesucher – unter ihnen zwei Kinder.

Wenige Stunden später explodierte mindestens eine Bombe in einer Wohnung, die sich in unmittelbarer Umgebung einer Polizeiwache in Sidoarjo befand. Sidoarjo ist ein Vorort von Surabaya und liegt nur wenige Kilometer vom Zentrum der zweitgrössten indonesischen Stadt entfernt.

Polizisten in Sidoarjo nach dem versuchten Anschlag auf eine Polizeiwache. Bild: AP/AP

Bei der Detonation wurden ein Mann, seine Ehefrau und ihr ältester Sohn getötet, die beiden Töchter überlebten. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Familie Febrianto einen Angriff auf die nahegelegene Polizeistation geplant hatte, der Sprengsatz aber vorzeitig explodierte.

Am Montagmorgen fuhren fünf Mitglieder einer weiteren Familie auf zwei Motorrädern an einen Checkpoint vor einer Polizeiwache in Surabaya. Als Beamte sie stoppten, zündeten die Angreifer Sprengsätze. Vier Angreifer kamen ums Leben, ein etwa acht Jahre altes Mädchen, das auf einem der Motorräder sass, überlebte mit schweren Verletzungen. Zudem wurden nach offiziellen Angaben sechs Zivilisten und vier Polizeibeamte verletzt.

IS bekennt sich zu Anschlägen

Die Ermittler gehen von einem islamistischen Hintergrund der Terrorserie aus. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat die Anschläge auf die drei Kirchen für sich reklamiert, zu den beiden anderen Taten hat sich die Miliz bislang nicht geäussert. Die Polizei hatte zunächst erklärt, die Familie Oepriarto habe sich dem IS in Syrien angeschlossen und sei kürzlich nach Indonesien zurückgekehrt. Diese Angabe hat Tito Karnavian, Chef der nationalen Polizei, inzwischen aber zurückgenommen.

Die Familie Oepriarto. screenshot: twitter

Der 46-jährige Familienvater Dita Oepriarto soll aber laut Polizeiangaben der Chef der islamistischen Terrororganisation Jemaah Ansharut Daulah (JAD) in Ostjava gewesen sein. Die JAD ist seit 2015 in Indonesien aktiv. Ihr Name bedeutet übersetzt soviel wie: «Gruppe der Helfer des Staates» – mit Staat ist in diesem Fall der «Islamische Staat» gemeint. Über die Hintergründe der JAD ist bislang wenig bekannt. Unter Sicherheitsexperten gilt sie bislang als ein eher loser Zusammenschluss von IS-Sympathisanten in Indonesien.

Nachbarn der Familie Oepriarto berichteten dem australischen Fernsehsender ABC, sie hätten keinen Hinweis auf terroristische Verbindungen bemerkt. «Ich kannte ihn sehr lange und als ich ihn das letzte Mal traf, war alles wie immer», sagte ein Nachbar über Dita Oepriarto.

Sorge vor weiteren Anschlägen im Ramadan

Die drei Familien, die für die Terrorserie verantwortlich sind, sollen «befreundet» gewesen sein, sagte Polizeichef Karnavian. Die Väter hätten ihre Familien radikalisiert. Wie sie ihre Anschläge planten und koordinierten, ist derzeit noch unklar. Die Ermittler spekulieren, dass die Kinder eingesetzt wurden, um unverdächtig Botschaften auszutauschen. Die Polizei fahndet nun mit Hochdruck nach einer vierten Familie, die mit den Attentätern in Verbindung gestanden haben soll.

Bild: EPA/EPA

Bei der Anschlagsserie handelt es sich um den schlimmsten Terrorakt in Indonesien seit dem Anschlag von Bali im Oktober 2002. Bei dem Attentat der mit al-Qaida verbündeten Terrorgruppe Jemaah Islamiah wurden damals 202 Menschen getötet, die meisten von ihnen waren Touristen aus Australien und anderen westlichen Ländern. Im Januar 2016 hatte erstmals der IS einen Anschlag in Indonesien für sich reklamiert. Bei dem Attentat auf ein Einkaufszentrum in Jakarta wurden vier Angreifer und vier Zivilisten getötet.

In Indonesien leben rund 200 Millionen Muslime - mehr als in jedem anderen Staat der Welt. Mehrere Hundert hatten sich in den vergangenen Jahren dem IS angeschlossen. Gemessen an der Bevölkerungszahl sind das deutlich weniger als etwa aus Deutschland und vielen anderen Staaten.

Staatspräsident Joko «Jokowi» Widodo hat nach den Anschlägen angekündigt, seine Sicherheitsbehörden würden alle militanten Islamistennetzwerke zerschlagen. Sein Sicherheitsminister Wiranto will nun im Eiltempo ein verschärftes Anti-Terrorgesetz durchdrücken.

Indonesiens Präsident Joko Widodo. Bild: AP/AP

Die Behörden haben überall auf der Hauptinsel Java die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Am Dienstag beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Der Monat ist nicht nur eine Zeit der spirituellen Einkehr und Besinnung für Hunderte Millionen Muslime - für den IS ist es ein Monat des Terrors. In den vergangenen Jahren haben IS-Terroristen mehrfach verheerende Anschläge in den Tagen des Ramadan verübt: 2015 in Tunesien und Kuwait, 2016 in Orlando und Istanbul, 2017 in Pakistan und Afghanistan.

Nach der Terrorserie von Surabaya fürchtet Indonesiens Regierung in diesem Jahr ein ähnliches Schreckensszenario.

Das könnte dich auch interessieren:

Trump gräbt Nordkorea eine Atom-Grube und fällt nun selbst hinein

Diese 9 Influencer-Fails beweisen, wie «real» Instagram ist – nämlich gar nicht

Dieser kleine Trick hat mich von meiner Handy-Sucht befreit

Die Rebellion der ungefickten Männer kommt aus dem Internet! Ein Experte erklärt «Incel»

Der grosse Lohn-Check: So viel verdient die Schweizer Bevölkerung

«Die Angriffe sind real» – Experten warnen vor «unrettbar kaputter» E-Mail-Verschlüsselung

Der Bikini-Trend, auf den wirklich niemand gewartet hat: Nude

21 Markenlogos, in denen sich geheime Botschaften verstecken

Wie viele Menschen erträgt die Erde?

Französin wählt wegen Schmerzen den Notruf und wird ausgelacht – wenig später ist sie tot

Dieses Rätsel wurde für Superhirne mit IQ 131 oder mehr entworfen? Schaffst dus trotzdem?

Oben ohne auf der Rückbank – 8 Taxifahrer erzählen ihre absurdesten Erlebnisse

Stell dir vor, es ist Masseneinbürgerung und keiner geht hin (ausser ein paar Italiener)

Ach Tagi, was ist aus dir geworden? (K)eine Liebeserklärung zum Jubiläum

Da kocht das Blut, da blüht die Rose in der Hose ... Unsere Basler Bachelorette mal wieder

«Tote Mädchen lügen nicht» kommt wieder – wie gefährlich ist die Serie wirklich?

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Angreifer in Paris war bereits als «Gefährder» aktenkundig

Im Zentrum von Paris hat am Samstag ein mutmasslicher islamistischer Terrorist einen Passanten getötet und vier weitere Personen verletzt. Die Polizei erschoss den aus Tschetschenien stammenden und mit einem Messer bewaffneten Angreifer.

Staatspräsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich habe erneut «den Preis des Blutes» bezahlt. Das Land werde aber vor den «Feinden der Freiheit» keinen Zoll zurückweichen, sagte Macron. Die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») reklamierte den …

Artikel lesen