International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Paris-Attentäter Abdeslam zu 20 Jahren Haft verurteilt

23.04.18, 10:36 23.04.18, 15:20

Salah Abdeslam. Bild: AP/Belgian Federal Police

Der mutmassliche Paris-Attentäter und IS-Terrorist Salah Abdeslam ist wegen versuchten Polizistenmordes in Belgien zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der 28-jährige Franzose marokkanischer Abstammung sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft und war bei der Urteilsverkündung am Montag in Brüssel nicht anwesend, wie das Gericht mitteilte.

Das Gericht sah es am Montag als erwiesen an, dass Abdeslam, der einzige überlebende Attentäter der Pariser Anschläge, im März 2016 vorsätzlich und im «terroristischen Kontext» auf drei Polizisten in Brüssel feuerte. Sein mitangeklagter 24 Jahre alter tunesischer Komplize Sofien Ayari, auch er bei der Urteilsverkündung nicht anwesend, erhielt ebenfalls 20 Jahre Haft.

Die beiden Angeklagten wurde zudem verurteilt, Schadenersatz in Höhe von insgesamt etwa 500'000 Euro insbesondere an den belgischen Staat sowie an einen schwer verletzten Polizisten zu zahlen. Sie können gegen das Urteil noch Berufung einlegen.

Abdeslam soll zu einer Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehören, die die blutigen Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Dabei kamen in Paris 130 Menschen und in Brüssel 32 ums Leben.

Mit Sprengstoffgürtel in Paris unterwegs

Er soll bei den Attentaten in Paris im November 2015 unter anderem ein Selbstmord-Kommando zu einem der Anschlagsorte gebracht haben. Abdeslam soll zwar einen Sprengstoffgürtel gehabt haben, ihn aber nicht gezündet haben. Nach den dortigen Anschlägen soll er nach Belgien geflohen und dort untergetaucht sein.

Monatelang wurde nach Abdeslam gefahndet, er galt als Europas meistgesuchter Terrorist. Als er bei einer Razzia in der Brüsseler Gemeinde Forest am 15. März 2016 mit zwei Komplizen aufgespürt wurde, sollen sie auf Polizisten geschossen und drei Beamte verletzt haben. Ein Verdächtiger, der Algerier Mohamed Belkaid, wurde bei dem Feuergefecht getötet.

Angebliche Verfahrensfehler nicht anerkannt

Die Vorsitzende Richterin schilderte den Fall und die Indizien vor Verkündung des Strafmasses noch einmal ausführlich. Sie kam danach zum Schluss, dass es sich bei der Schiesserei um ein terroristisches Attentat gehandelt habe. Die Argumente der Verteidigung, die wegen Verfahrensfehlern auf Straffreiheit plädiert hatte, wies sie zurück.

Abdeslam entkam nach der Schiesserei von Forest zunächst, wurde aber wenige Tage später in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek gefasst. Das setzte die Terrorzelle damals möglicherweise so unter Druck, dass sie kurz darauf überhastet in Brüssel zuschlug. Dort sprengten sich am 22. März 2016 Selbstmordattentäter am Flughafen und in der U-Bahn in die Luft.

Abdeslam bleibt auch nach dem Brüsseler Urteil in Frankreich in Untersuchungshaft. Die umfangreichen Ermittlungen zu den Pariser Terroranschlägen werden voraussichtlich noch bis 2019 dauern. Seine belgische Haftstrafe würde er im Falle einer Verurteilung in Frankreich erst nach der dortigen Strafe antreten. (sda/dpa/reu/afp)

«Dieses Mal ist es Krieg»: Das sagen die Zeitungen zum Attentat in Paris

Terror Umfrage

Video: watson

Anschläge in Paris

Video zeigt Festnahme von Salah Abdeslam – weiterer Komplize von Paris-Attentätern identifiziert

Die Namen des Horrors von Paris

«Eagles of Death Metal»-Frontmann nach Auftritt im Bataclan: «Jeder sollte eine Waffe haben»

6 Indizien dafür, dass der IS schwächer ist, als wir dachten

Und die Geheimdienste nach den Paris-Anschlägen so: Wir haben versagt, gebt uns mehr Macht

#SprayForParis: Die nicht ganz legale Solidarität aus der Dose

«Wir nannten sie Cowboy-Frau» – Wer war die Selbstmordattentäterin von Saint-Denis?

Anonymous will IS-Terroristen mit Trojaner​ in die Falle locken

«Daesh»: Ein Wort im Krieg – ein Wissenschaftler erklärt, wie Sprache Macht ausübt

Offener Brief an Obama: Ex-Piloten geben Drohnenkrieg Mitschuld am Terror

Warum es den IS zur Weissglut bringt, wenn Hollande und Obama ihn «Daesh» nennen

Drei (!) Trottel schreiben was auf Facebook und «20 Minuten» macht daraus: «Schweizer Extremisten feiern Attentäter» – vielen Dank!

Mit diesen Liedern verarbeiten watson-User die Anschläge von Paris

Trump darf keine Twitternutzer blockieren

«Für die Muslime ist klar, dass die Anschläge nichts mit der Religion zu tun haben» – Höchster Muslim der Schweiz warnt vor Stigmatisierung

IS-Zelle in Winterthur? «Daran besteht kein Zweifel mehr»

Das Ziel des Islamischen Staats ist eine blutige Apokalypse

Das sagt der Bruder von Salah und Ibrahim Abdeslam zum Attentat

Eine Rückkehr zu mehr Nationalismus kann den Terror nicht bekämpfen – unser Fortschritt schon

900 Euro und zwei Stunden Zeit: So leicht kommen Terroristen an eine Kalaschnikow

Anschlag beim Stade de France: Wie die Behörden eine Massenpanik im Stadion verhinderten

Die Attentäter von Paris: Terroristen der Generation Syrien

«Man hat wirklich gedacht: Ich sterbe jetzt. Hoffentlich tut's nicht weh und es geht schnell»

Über 2,5 Millionen Likes: Dieser emotionale Facebook-Post einer Bataclan-Massaker-Überlebenden geht um die Welt

Was ist wann und wo passiert? – Die Chronik der Pariser Terrornacht

Paris ist nicht sicher, wir sind nicht sicher – und damit werden wir leben müssen

Handy-Video zeigt, wie Menschen aus dem Club Bataclan fliehen (Achtung: Schockierende Szenen!)

Terrorserie in Paris: An sieben Orten gleichzeitig schlugen die Attentäter zu

«Zum Teufel mit dir, Tod!» – Das sagt Karikaturist Joann Sfar zu den Anschlägen

Video: Hier stürmt die Polizei das Bataclan

Augenzeuge des Bataclan-Massakers: «Es war ein Blutbad»

IS-Anhänger bejubeln die Anschläge von Paris

«Hier in Paris fragen sich jetzt alle: Warum immer wir?»

Von Bologna bis «Charlie Hebdo»: Die schlimmsten Terroranschläge in Europa

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
19
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nicbel 23.04.2018 11:06
    Highlight 20 Jahre sind viel zu wenig
    154 29 Melden
    • aglio e olio 23.04.2018 11:32
      Highlight "Abdeslam stand wegen der Vorfälle bei seiner Ergreifung und nicht wegen der Anschläge in Paris vor Gericht. Damals hatten sich der französische Staatsbürger marokkanischer Abstammung und ein Komplize im Brüsseler Stadtteil Forest der Verhaftung widersetzt und dabei Polizisten verletzt.

      Das Verfahren wegen der Anschläge in Paris steht noch aus. "

      Der Rest kommt noch ;)
      77 3 Melden
    • OmegaOregano 23.04.2018 11:54
      Highlight Und was ist, wenn ihn Frankreich zu einer lebenslangen Haft verurteilt? Es handelt sich ja, wie gesagt, um die Ereignisse während seiner Ergreifung und nicht wegen der Anschläge. Das Urteil der belgischen Behörde finde ich gerechtfertigt, denn es signalisiert einen konsequenten Umgang und setzt die Latte für Paris hoch an. Man kann nur hoffen, dass Paris mit derselben Härte nachzieht.
      37 2 Melden
    • Fabio Kunger 23.04.2018 11:55
      Highlight Bitte richtig lesen, 20 Jahre wegen Mord an einem Polizisten, das Verfahren wegen dem Anschlag kommt noch und wird sicher die Höchststrafe bringen.
      41 3 Melden
    • JoeyOnewood 23.04.2018 12:22
      Highlight Es geht hier nur um die Vorfälle in Belgien. Hier geht es nur um das Widersetzen bei der Verhaftung und die Verletzung eines Polizisten. Da scheinen mir 20 Jahre doch eine ordentliche Strafe.
      27 1 Melden
    • Nosgar 23.04.2018 12:32
      Highlight Es ging ja nicht um die Anschläge, sondern um versuchten Mord.
      16 1 Melden
    • Gringoooo 23.04.2018 12:32
      Highlight Da kommt (zum Glück) ja noch was auf ihn zu, wegen den Anschlägen selbst.
      So schnell wird der nicht wieder rauskommen - wenn überhaupt.
      13 2 Melden
    • Favez 23.04.2018 12:32
      Highlight Die 20 Jahre hat er bekommen weil er drei belgische Polizisten verletzt hat bei seiner Verhaftung. Die Haftstrafe für die Taten in Frankreich wurde noch nicht ausgesprochen. Der bleibt wohl für den Rest seines Lebens hinter Gittern.
      13 2 Melden
    • nicbel 23.04.2018 16:07
      Highlight Ist mir mittlerweile auch in den Sinn gekommen. Mein Fehler...
      10 0 Melden
    • Favez 24.04.2018 00:25
      Highlight @Fabio Kunger: Bitte selber richtig lesen :) Versuchter Mord an drei Polizisten.
      1 0 Melden
  • Normi 23.04.2018 10:46
    Highlight Wenn jemand verurteilt wurde ist dann dass Wort mutmasslich nicht überflüssig ?
    125 9 Melden
    • aglio e olio 23.04.2018 11:35
      Highlight Gemäss Textsuche kommt das Wort "mutmasslich" nur in deinem Kommentar vor.
      Keine Sorge, der wird den Knast auf legalem Weg wohl nicht mehr verlassen.
      14 6 Melden
    • Fabio74 23.04.2018 12:00
      Highlight Nein. Weil das Urteil erst rechtskräftig ist, wenn die Rekursfrist abgelaufen ist
      18 1 Melden
    • Saraina 23.04.2018 13:13
      Highlight Er wurde in diesem Prozess nicht wegen der Anschläge in Paris verurteilt, sondern weil er sich bei der Festnahme in Belgien mit der Polizei eine Schiesserei lieferte. Der Prozess für die Anschläge wird ihm in Paris gemacht. Dafür isz er noch nicht verurteilt.
      14 1 Melden
    • Normi 23.04.2018 14:34
      Highlight Anscheinend wurde der Titel geändert...

      Ich habe nirgendwo Paris geschrieben oder ??
      5 0 Melden
    • TanookiStormtrooper 23.04.2018 17:32
      Highlight @aglio
      2. Wort nach dem Titel...? Zugegeben mit einem "e" am Schluss, aber das schafft zumindest meine Textsuche problemlos...
      2 0 Melden
    • Besserwisserin 23.04.2018 19:16
      Highlight Nein, denn die Unschuldsvermutung gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung. Das Urteil kann zunächst mit Berufung angefochten werden.
      6 1 Melden
    • aglio e olio 23.04.2018 21:43
      Highlight Tanooki, Artikelupdate 15:20 Uhr.
      Ich vertraue der Textsuche, auch ohne das e ;)
      2 0 Melden
    • Saraina 23.04.2018 22:22
      Highlight Das "mutmasslich" bezieht sich offensichtlich auf die Attentate in Paris, und dafür stand er noch nicht vor Gericht. Nix mit Berufung, sind halt zwei verschiedene Fälle.
      1 4 Melden

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Manchester 2017.

Zusammenfassung: In den 70er- bis 90er-Jahren töteten meist europäische Terrorzellen jährlich 100 bis 400 Menschen in Europa. Seit der Jahrtausendwende nehmen die Attentate in Westeuropa und in der Schweiz stark ab. Von 2001 bis 2015 entfielen nur 0,3 Prozent der Terroropfer auf Westeuropa. Hauptsächlich aufgrund der Attentate in Paris und Nizza stieg die Opferzahl zuletzt wieder auf rund 150 Menschen pro Jahr, sprich auf das Niveau der 80er-Jahre. Weltweit nimmt der Terrorismus seit 2005 zu …

Artikel lesen