International

Islamistische Videos beim Ansbach-Attentäter entdeckt – «IS» will hinter der Tat stehen

Auf einem Laptop des Attentäters von Ansbach sind Materialien zum Bombenbau und islamistische Videos gefunden worden. Vieles weise auf «einen islamistischen Hintergrund» der Tat hin, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

25.07.16, 15:41 25.07.16, 16:56

Ein Artikel von

«In der Summe deuten alle bislang aufgefundenen Inhalte und die Materialien darauf hin, dass dieser Anschlag einen islamistischen Hintergrund haben könnte.» Das sagte der bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz in Nürnberg.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) möchte bei der Tat von Ansbach einen Bezug zum internationalen «IS»-Terrorismus nicht ausschliessen, das gelte ebenso für eine psychische Störung des Täters. Es könne auch eine Kombination aus beiden sein, sagte de Maizière am Montag in Berlin.

Update: Ansbach-Attentäter war Kämpfer des «IS»

Der Attentäter von Ansbach war dem IS-Sprachrohr Amak zufolge ein «Soldat des Islamischen Staates». Das teilte Amak am Montag im Internet mit. Der Attentäter sei Aufrufen gefolgt, Länder anzugreifen, die an der Allianz zur Bekämpfung des «IS» beteiligt seien. (sda)

Hermann berichtete, die Polizei habe in der Nacht nach dem Anschlag eine Durchsuchung in der Unterkunft des Attentäters durchgeführt. Dabei seien zwei Handys gefunden worden, dazu mehrere Sim-Karten und ein Laptop. Darauf befänden sich Gewaltvideos mit islamistischer Ausrichtung und salafistische Inhalte.

Das meiste sei auf Arabisch, müsse also von Fachleuten begutachtet werden. Eine Fülle von weiteren Materialien sei gefunden worden, die zum Bau weitere Bomben geeignet gewesen wären, darunter Lötkolben und Batterien.

Explosion in Ansbach

Der Täter habe sechs Facebook-Accounts betrieben, sagte Polizeivizepräsident Roman Fertinger. Vier seien schon vom Netz genommen worden. Mindestens ein Account sei mit falschen Personalien betrieben worden. Auf Handys seien die WhatsApp-Verläufe gesichert worden. Diese würden ebenso ausgewertet wie die Funkzellen, in denen sich die Handys befunden hatten.

Ein Musikfestival in Ansbach war am Sonntagabend zum Ziel eines Bombenanschlags geworden: Die Behörden haben als Täter einen 27-jährigen Flüchtling aus Syrien identifiziert. Er wurde durch die Explosion getötet. Vieles an der Tat bleibt zunächst unklar. Die Ermittler gehen nach Polizeiangaben vom frühen Morgen auch der Frage nach, ob es sich um einen islamistisch motivierten Selbstmordanschlag gehandelt hat.

Ansbach am Tag danach: Ein schwer bewaffneter Polizist hält Wache.
Bild: EPA/DPA

Nach Informationen des «Spiegel» heisst der Täter Mohammad D. Er war den Behörden bislang in Deutschland nichts als Extremist aufgefallen, befand sich laut bayerischem Innenministerium jedoch zeitweise in medizinischer Behandlung. Der Grund dafür seien zwei Suizidversuche gewesen.

Dass die Zündung eines mit Metallteilen gespickten Sprengsatzes auf einen Selbstmordanschlag hindeute, sei laut Polizeipräsident Fertinger «nicht von der Hand zu weisen». Es sei aber noch zu früh, eine derartige Bewertung vorzunehmen..

Bei einer Pressekonferenz berichtete die Oberbürgermeisterin Ansbach Carda Seidel, parteilos, zuvor über den aktuellen Ermittlungsstand: Durch die Explosion vor dem Festival seien 15 Menschen verletzt worden, davon vier schwer. Ihr seien jedoch keine lebensbedrohlichen Verletzungen bekannt. Viele der Leichtverletzten hätten die Krankenhäuser bereits verlassen, so Seidel. Der Weisse Ring sei für die Opfer vor Ort ansprechbar.

Ein Leichenwagen holt die sterblichen Überreste des Attentäters in Ansbach ab.
Bild: EPA/DPA

Die Oberbürgermeisterin lobte mehrfach die geordnete Reaktion der Ordnungs- und Einsatzkräfte vor Ort. «Nach den Vorfällen in München hatten wir hier unser Personal aufgestockt und die Einlasskontrollen verstärkt», so Seidel. Nach der Explosion sei der Veranstaltungsort mit 2000 jungen Besuchern geordnet geräumt worden.

150 Rettungskräfte und 260 Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen, so Seidel. Im Nachgang werde die Stadt gemeinsam mit der Polizei die Lage analysieren: «Wir werden unser Sicherheitskonzept analysieren und gegebenenfalls entsprechend anpassen.»

Natürlich sei sie von der Tat vom Sonntagabend erschrocken und schockiert hatte Seidel gesagt. Aus ihrer Sicht unternehme die Stadt aber alles, um «möglichst nah an den Menschen zu kommen», so die Oberbürgermeisterin.

Um Flüchtlinge das Einleben zu erleichtern, habe die Stadt eigens das Projekt «Ankommen ins Ansbach» entwickelt. Dieses Projekt bestehe aus sieben eineinhalbstündigen Informationsbausteinen, mit denen Flüchtlinge unter anderem über Recht und Gesetz und die deutsche Gesellschaft informiert würden, erläuterte Seidel.

Das Projekt diene ferner dazu, «zu wissen, wer in der Stadt eigentlich mit einem und neben einem lebt», sagte Seidel. «Ich denke, das werden wir auch noch verstärken.» In Ansbach leben nach ihren Angaben rund 600 Asylbewerber.

Am Morgen hatte die Ansbacher Politikerin bereits ein Versagen der Stadt in der Flüchtlingsbetreuung von sich gewiesen. Der bei der Bombenexplosion getötete mutmassliche Täter, ein 27 Jahre alter syrischer Asylbewerber, war in einem Ansbacher Flüchtlingsheim untergebracht und längere Zeit von der Stadt betreut worden.

cht/vek/dpa

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stachanowist 25.07.2016 21:24
    Highlight Schon bemerkenswert, wie schnell alle Artikel zum ersten islamistischen Selbstmordanschlag in der deutschen Geschichte auf Watson nach unten gerutscht sind - und das just zu dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass sich der Täter zum IS bekannte.

    Nun dominieren Pokémon, Sexdelphine und eine optische Täuschung auf Instagram die Schlagzeilen dieses Portals. Das ist eine momentan einzigartige Schwerpunktsetzung in der deutschsprachigen Medienlandschaft.

    Honi soit qui mal y pense.
    16 2 Melden
    • Philipp Dahm 25.07.2016 21:53
      Highlight Screenshot von 21.49 Uhr
      2 11 Melden
    • Stachanowist 25.07.2016 21:57
      Highlight Jep, das sah bis vor einigen Minuten für eine ganze Weile ziemlich anders aus. Aber whatever. Muss eure Redaktion wissen, was momentan wichtig ist.
      7 0 Melden
  • Angelo C. 25.07.2016 17:29
    Highlight Fast hinter allen deutschen Gräueltaten und Toten der vergangenen Tage und Wochen steht der IS, gerade auch unter aktuellen oder früheren Migranten, was auch dem letzten Gesundbeter vermehrt zu denken geben sollte 😟!

    Wenn ich an die früheren einfältigen Sprüche gar Mancher hier denke, wonach es unter den Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan doch "sicher keine IS-Attentäter gäbe", die Daesh-Leute seien mit dem Flugzeug unterwegs und ähnlichen Käse 🙄.

    Nun nähern wir uns aber schier täglich den unbequemen Wahrheiten an und Europa wird ein Desaster ungeahnten Ausmasses erleben.

    Wetten ?!
    47 17 Melden
    • gnoam 25.07.2016 18:54
      Highlight und was ist genau jetzt dein Vorschlag? Schon möglich dass mal was passieren kann, aber der überwältigenden Mehrheit der Flüchtlinge geht es miserabel und denen nicht zu helfen ist keine Option!!
      14 19 Melden
    • wiisi 25.07.2016 18:58
      Highlight Ich würd eher sagen ein paar Psychopathen verstecken sich hinter dem IS, als das hinter denen der IS steht.
      13 18 Melden
    • Señor Ding Dong 25.07.2016 19:05
      Highlight Ich sehe es eher so, dass sich der IS hinter alle Gräueltaten stellt. Ich glaube nicht, dass die Täter von Nizza und jetzt München Schläfer oder sowas waren. Die waren so schon am Ende und der IS hat ihnen vielleicht den letzten Schubser gegeben. Ich glaube, man kommt der Wahrheit näher, wenn man sich den IS als Idee vorstellt und nicht als eine straffe Organisation, die jeden einzelnen Faden zieht. Deswegen ist ein Șieg gegen sie weder durch Isolation noch durch Gewalt möglich.
      16 8 Melden
    • Hoppla! 25.07.2016 19:09
      Highlight Also welche IS-Blutbäder meinst du? Der Anschlag in München mit zig Toten? Oder die tödliche Attacke bei Stuttgart?

      Merkst du was? ;-)
      2 21 Melden
    • Charlie Brown 25.07.2016 19:53
      Highlight Mit "früheren Migranten" kannst du nur München meinen, oder liege ich da dermassen falsch?

      Dass da die Sachlage anders ist, sollte auch dir klar sein. Auch wenn ich deine Position kaum je teile gestehe ich dir doch genug Intellekt zu, hier zu differenzieren.
      3 11 Melden
  • Salz & Pfeffer 25.07.2016 17:12
    Highlight Hoffentlich werden alle wieder gesund! Gute Besserung!
    38 5 Melden
    • INVKR 25.07.2016 17:46
      Highlight Der bisher beste Kommentar zu dem Thema!
      15 21 Melden

Swiss-Passagierin randaliert und zwingt Airbus zur Landung – weil sie kein Cüpli kriegt

Weil eine Passagierin keinen Champagner mehr bekam und aggressiv wurde, ist der Pilot eines Airbus A320 von Swiss ausserplanmässig in Stuttgart gelandet. Dort erwartete die 44-jährige Schweizerin die Polizei. Sie zahlte 5000 Euro und musste am Boden bleiben.

Das Flugzeug war am Samstagabend von Moskau nach Zürich unterwegs, wie eine Swiss-Sprecherin Polizeiangaben von einer aggressiven Passagierin bestätigte. Durch die ungeplante Zwischenlandung entstanden laut der Nachrichtenagentur dpa …

Artikel lesen