International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nach dem Anschlag patrouillieren Sicherheitskräfte am Strand von Grand Bassam.
Bild: LUC GNAGO/REUTERS

Anschlag in der Elfenbeinküste: al-Kaida weitet ihr Territorium aus

Algerien, Mali, Burkina Faso – und jetzt die Elfenbeinküste. Mit dem Anschlag auf Touristen in Grand-Bassam weitet die Terrororganisation al-Kaida im islamischen Maghreb ihren Kampf aus.

14.03.16, 14:21

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Der Anschlag auf mehrere Strandhotels schockiert die Elfenbeinküste. Die Medien des Landes vergleichen den Überfall mit dem Terroranschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» vor 14 Monaten in Paris. «Wir sind Grand-Bassam!», titelt die Zeitung «Le Patriote» nach dem Attentat vom Sonntag, bei dem 22 Menschen getötet wurden – 14 Zivilisten, zwei Soldaten und sechs Terroristen. Mehrere Europäer kamen bei dem Anschlag ums Leben, darunter die deutsche Leiterin des Goethe-Instituts in Abidjan.

Die Sicherheitslage in dem westafrikanischen Land ist seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2002 angespannt. Waffenstillstandsabkommen und Friedensverträge, die seither zwischen Regierung und Rebellen geschlossen wurden, haben sich als brüchig erwiesen.

Am Sonntag haben nun erstmals islamistische Terroristen der Organisation al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM) in der Elfenbeinküste zugeschlagen. Die Regierung in Abidjan hatte den Kampf gegen Dschihadisten schon vor Jahren zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben erklärt. Die Armee verstärkte besonders im Norden des Landes ihre Präsenz, um zu verhindern, dass Kämpfer aus Mali oder Burkina Faso einsickern.

Touristen hielten Schüsse offenbar für Feuerwerk

Nun hat AQIM nicht im Norden angegriffen, sondern im äussersten Süden der Elfenbeinküste. Grand-Bassam liegt 40 Kilometer östlich der Hauptstadt Abidjan. Die Stadt gehört wegen ihrer gut erhaltenen Häuser aus der französischen Kolonialzeit seit 2012 zum Unesco-Welterbe. Wegen seiner Strände ist Grand-Bassam ein beliebtes Ziel für einheimische und ausländische Urlauber – besonders am Wochenende.

Polizist am Tatort: Das «Etoile du Sud» in Grand-Bassam.
Bild: Christin Roby/AP/KEYSTONE

Zunächst hielten die Touristen die Schüsse offenbar für Feuerwerk. Ein französischer Besucher sagte dem Radiosender RTL, ein Sicherheitsmann habe die Gäste noch beruhigt und behauptet, ein Kollege habe lediglich Warnschüsse abgegeben, um Jugendliche zu vertreiben, die ohne zu bezahlen auf den kostenpflichtigen Strand gelangen wollten.

«Sie waren überall um uns herum. Wir hörten sie schiessen: Tack-tack-tack-tack-tack.»

Augenzeugin Charline Burton

Überlebende des Massakers schildern grausame Szenen. Die vermummten Angreifer kamen zur Mittagszeit: Sie sollen mehreren Restaurantbesuchern gezielt in den Kopf geschossen haben. Auch ein Kind wurde aus kürzester Entfernung getötet.

Die Belgierin Charline Burton versteckte sich mit ihrer kleinen Tochter zwei Stunden lang auf einer Toilette: «Sie waren überall um uns herum», sagte sie der BBC. «Wir hörten sie schiessen: Tack-tack-tack-tack-tack.»

Es ist das dritte Mal innerhalb weniger Monate, dass AQIM in Westafrika Luxushotels angreift:

Am 20. November 2015 nahmen zwei al-Kaida-Terroristen in Malis Hauptstadt Bamako 170 Gäste des Radisson-Blu-Hotels als Geiseln. Bei dem Überfall und der anschliessenden Befreiungsaktion wurden 20 Hotelgäste und die beiden Angreifer getötet.

Am 15. Januar 2016 stürmten al-Kaida-Terroristen zwei Hotels und ein Restaurant in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Sie nahmen rund 200 Personen als Geiseln. Etwa 30 Menschen wurden getötet, darunter drei Angreifer. Mehreren al-Kaida-Milizionären gelang die Flucht.

Kampf gegen Frankreich

In den Bekennerschreiben begründete AQIM die Attentate immer mit dem Kampf gegen den Einfluss Frankreichs in der Region. Zu den Motiven für den Anschlag von Grand-Bassam lieferten die Terroristen bislang keine Erklärung.

Die Angriffe der vergangenen Monate gehen auf das Konto der Splittergruppe al-Murabitun. Die Truppe unter dem Kommando des einäugigen Dschihadisten Mokhtar Belmokhtar hatte sich Ende vergangenen Jahres offiziell AQIM angeschlossen. Belmokhtar wurde schon mehrfach für tot erklärt. Zuletzt hiess es im Juni 2015 nach einem US-Angriff in Libyen, dass der gebürtige Algerier getötet worden sei. Doch offenbar entsprach diese Meldung der libyschen Regierung nicht der Wahrheit.

Stattdessen ist es den Terroristen unter seiner Führung gelungen, ihr Operationsgebiet deutlich zu vergrössern. Im Januar 2013 überfielen Belmokhtars Kämpfer das Gasfeld Ain Amenas in Algerien. Drei Tage lang hatten sie Hunderte Arbeiter in ihrer Gewalt, 67 Menschen wurden getötet.

2013: Das Gasfeld Ain Amenas.
Bild: STR/AP/KEYSTONE

In Algerien liegen die Wurzeln des islamistischen Terrors in Nordwestafrika. Aus der Bürgerkriegsmiliz Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) hat sich al-Kaida im Islamischen Maghreb entwickelt. Längst hat sie in anderen Staaten der Region Fuss gefasst: In Libyen, Mali, Mauretanien, Burkina Faso – und nun in der Elfenbeinküste.

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Deutscher Generalbundesanwalt warnt vor Anschlägen mit Bio-Waffen

Nach der Festnahme des Biobomben-Bauers in Köln hat der deutsche Generalbundesanwalt Peter Frank vor der Gefahr durch Anschläge mit biologischen Kampfstoffen gewarnt.

«Wir müssen uns davon verabschieden, dass terroristische Straftaten immer nach dem gleichen Muster erfolgen», sagte Frank in einem Fernsehinterview am Mittwochabend.

Sicherheitsbehörden beobachteten schon seit einiger Zeit, dass Anschläge auf unterschiedliche Arten und Weisen begangen werden könnten.

Terroristen seien «insoweit sehr …

Artikel lesen