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Mindestens 19 Menschen kamen beim Anschlag ums Leben Bild: DIEGO AZUBEL/EPA/KEYSTONE

Bombenanschlag in Bangkok: Thailand sucht Hintermänner des Terrors

Eine gewaltige Explosion hat das Zentrum von Bangkok erschüttert. Die Wucht der Bombe riss viele Menschen in den Tod, es gibt Dutzende Verletzte. Über die Hintergründe des Anschlags rätseln die Ermittler noch.

17.08.15, 21:41

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Eine verkohlte Masse aus Metall und Gummi – das ist alles, was von dem Moped noch übrig ist, an dem die Bombe befestigt gewesen sein soll. Es liegt auf einer Kreuzung mitten im Einkaufsviertel von Bangkok. Bei einer gewaltigen Explosion sind in der thailändischen Hauptstadt mindestens 19 Menschen gestorben. Mehrere thailändische Medien berichteten sogar von 27 Toten. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Rund 80 Menschen wurden verletzt, als der Sprengsatz am Abend an einem bei Einheimischen und Touristen beliebten Schrein detonierte. Unter den Opfern sei «eine bedeutende Zahl an Ausländern», sagte Polizeisprecher Prawut Thavornsiri. Die deutsche Botschaft bemüht sich um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Konkrete Hinweise auf deutsche Opfer liegen derzeit nicht vor. Mittlerweile hat das Auswärtige Amt die Reisehinweise für Thailand verschärft. «Weitere Anschläge auch in anderen beliebten Feriengebieten können nicht ausgeschlossen werden.» Es wird empfohlen, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden.

Die thailändische Polizei geht von einem Anschlag aus. Sie habe in der Umgebung einen weiteren Sprengsatz gefunden und entschärft, sagte der Sprecher. Die umliegenden Einkaufszentren wurden geräumt. Hunderte Polizisten durchsuchten die Umgebung nach weiteren Bomben.

Ein Krater am Tatort

Der Tatort ist mit Glassplittern und Trümmerteilen übersät. Krankenwagen luden teils mehrere Verletzte auf einmal ein. Verkäufer Khonnon Jathrukul eilte zum nächsten Krankenhaus, als er einen Aufruf zum Blutspenden hörte. «Es ist doch meine Pflicht zu helfen», sagte er.

In der Umgebung der belebten Kreuzung liegen zahlreiche Restaurants, Hotels und Geschäfte. An dem Erawan-Schrein legen Thailänder den ganzen Tag über Blumen nieder und zünden Räucherstäbchen an. Touristen verweilen dort, weil es jede Stunde mehrere Tanzdarbietungen zur Huldigung des Hindu-Gottes Brahma gibt.

Jetzt ist in der Nähe ein Krater im Boden. Blutlachen sind zu sehen, Handtaschen, eine zerfetzte Jacke. Eine Überwachungskamera filmte an der Kreuzung einen riesigen Feuerstoss. Dann waren auf dem Video Passanten zu sehen, die in verschiedene Richtungen davon liefen.

Rätseln über die Hintergründe des Anschlags

«Ich habe im Hyatt-Erawan-Hotel zu Abend gegessen, als eine riesige Explosion das Gebäude erschüttert hat», sagte Eric Seldin, der in Bangkok arbeitet. «Als wir 15 Minuten später nach draussen durften, habe ich mehrere mit Tüchern bedeckte Leichen gesehen.»

Nun fragen sich die Thailänder: Wer steckt hinter dem Anschlag? Wieso Sprengsätze an einem Schrein, der ein beliebtes Touristenziel ist? «Die Täter wollten unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören, deshalb ereignete sich der Vorfall im Herzen des Touristenviertels», vermutet Verteidigungsminister Prawit Wongsuwan.

Bislang hat sich niemand zu der Tat bekannt. Über die Hintergründe der Tat kann die Polizei keine Angaben machen. In dem buddhistischen Land gibt es zwar gewalttätige muslimische Separatisten im Süden. Die Unruheprovinzen sind jedoch tausend Kilometer von Bangkok entfernt.

Spezialeinheiten der Polizei entschärften zwei weitere Bomben Bild: RUNGROJ YONGRIT/EPA/KEYSTONE

Politisch ist die thailändische Gesellschaft seit Jahren tief gespalten. Seit einem Militärputsch im Mai 2014 regiert Putschführer Prayuth Chan-ocha. Im Februar waren vor einem Einkaufszentrum in Bangkok zwei Sprengsätze explodiert und hatten zwei Menschen verletzt. Auf der Touristeninsel Koh Samui explodierte im April eine Autobombe. Niemand hat sich je zu den Anschlägen bekannt. Das Militär ging davon aus, dass die Bomben die Regierung destabilisieren sollten.

Die beiden politischen Lager haben jahrelang um die Regierungsmacht gekämpft. Alteingesessene Eliten und wohlhabende Städter stehen Bauern aus der Provinz sowie armen Stadtbewohnern gegenüber. Sie haben Massendemonstrationen und Strassenblockaden in Bangkok organisiert und sich teils blutige Strassenschlachten geliefert. Dutzende Menschen sind dabei seit 2010 ums Leben gekommen.

wit/dpa/Reuters

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