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So gross wie eine Hand – diese Schnecke frisst Kuba kahl

19.12.17, 11:41 19.12.17, 12:07

Sie ist so gross wie eine Hand, vermehrt sich rasend schnell, frisst alles und überträgt gefährliche Krankheiten. In Kuba breitet sich eine aus Ostafrika stammende Riesenschnecke aus – das sorgt für Alarmstimmung.

Niemand weiss, wie sie auf die Karibikinsel kamen. Und niemand darf offenbar wissen, wie viele Exemplare der Ostafrikanischen Riesenschnecke es bereits im sozialistischen Kuba gibt: Die gefrässigen Weichtiere könnten sich schliesslich irgendwann auch über die Ernten auf den Feldern der ohnehin von Mängeln geplagten Trauminsel hermachen, befürchten Kenner der Lage.

Damit nicht genug des Schreckens: Die zu den grössten Landschnecken der Welt zählenden Tiere übertragen auch noch für Menschen gefährliche Krankheiten, etwa einen Erreger der Meningitis.

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt die Ostafrikanische Riesenschnecke (Achatina fulica) in ihrer Liste der 100 schädlichsten invasiven Arten. Die Spezies, die ursprünglich aus tropischen Ländern Ostafrikas wie Kenia und Tansania kommt, war bis 2014 unbekannt auf Kuba.

Die zunächst wenigen eingeschleppten Exemplare der auch Grosse Achatschnecke genannten Art haben sich rasend schnell vermehrt. Die Tiere sind Zwitter, können sich also mit jeder anderen geschlechtsreifen Schnecke ihrer Art fortpflanzen. Zudem haben sie eine stolze Lebenserwartung von fünf und mehr Jahren.

Allesfresser

In alarmierenden Worten schilderte Bauer José Antonio Cruz kürzlich in einer Zeitung der kommunistischen Partei – «Juventud Rebelde» – seine Erfahrungen mit dem Allesfresser auf seiner Finca. Falls nicht bald die notwendigen Massnahmen ergriffen würden, so warnte Cruz in seinem Leserbrief, werde das eingewanderte Tier in Kürze die Landwirtschaft des Landes beeinträchtigen.

«So gut, wie die fressen, werden sie alles niedermähen», sagt auch Mario Mirabal der Nachrichtenagentur dpa. Auf seinem Bauernhof habe er bereits 4000 Sonnenblumen durch die Riesenschnecken verloren. Yucca, Kartoffeln, Süsskartoffeln und Bananen – die Schnecken sind wenig wählerisch. Die bis zu 20 Zentimeter langen Tiere fallen Berichten zufolge sogar über den Kalk an Häuserwänden her.

Auf der Karibikinsel haben die Menschen ihre eigenen Theorien, wie die Ostafrikanische Riesenschnecke nach Kuba kam. Sie reichen vom Verdacht, dass jemand sie als Haustiere hielt, die irgendwann entfleuchten, bis hin zu einem Einsatz für Riten der afrokubanischen Santería- und Yoruba-Religion. Tatsächlich tauchten die ersten Riesenschnecken in der Nähe von Häusern von Yoruba-Priestern oder religiösen Stätten auf. Einige Kubaner glauben zudem, dass die Riesenschnecken Glücksbringer sind.

Während das Phänomen auf Kuba noch recht neu ist, hat der US-Staat Florida schon unangenehme Bekanntschaft mit den Riesenschnecken gemacht. Eine erste Invasion in den 1960er Jahren wurde mit vielen Millionen Dollar zehn Jahre lang hartnäckig bekämpft – ein Bub soll die Tiere damals von Ferien auf Hawaii mitgebracht, die Oma sie später im Garten ausgesetzt haben. Eine zweite Ausbreitungswelle nahm 2011 ihren Lauf.

In Europa als Haustier beliebt

Als Haustier erfreuen sich Afrikanische Riesenschnecken (Achatinidae) in Europa schon seit längerem grosser Beliebtheit – ohne dass den Liebhabern die gefährliche Seite der Tiere unbedingt bekannt ist. In Internetforen werden sie verschenkt oder für wenige Franken angeboten.

Die Grosse Achatschnecke findet sich Wissenschaftlern zufolge mittlerweile auch in mehreren Ländern Südamerikas. «Ausser in der Antarktis ist sie schon auf allen Kontinenten», sagt Luis Álvarez Lajonchere von der Universität in Kubas Hauptstadt Havanna.

Auf Kuba kommt die genaue Anzahl der Exemplare einem Staatsgeheimnis gleich. «Die Population ist gross, aber wir wollen keine Alarmstimmung verbreiten», sagt Michel Matamoros vom Instituto de Investigaciones de Sanidad Vegetal in Havanna, das die kubanische Landwirtschaft mit wissenschaftlich-technischen Erkenntnissen unterstützt. «Es ist wichtig, dass sie es nicht schaffen, auf breiter Front in die Ökosysteme einzufallen.»

Für Menschen gefährlicher Schleim

Gefährlich für den Menschen ist unter anderem der Schleim der Schnecken – etwa auf Salatblättern –, in dem sich Parasiten wie der Ratten-Lungenwurm befinden können. Einmal im menschlichen Körper, kann dieser bis zum Gehirn wandern und dort eine Hirnhautentzündung auslösen, die zum Tod führen kann.

Im tropisch-feuchtheissen Klima Kubas fühlen sich die Riesenschnecken wohl und haben auch keine natürlichen Feinde. Bauer Mirabal verbrennt die Schnecken, die er zu fassen bekommt, mit Benzin in einem Becken aus Metall. 2000 Exemplare passen hinein, wie er sagt.

Doch so viele auch getötet werden – am folgenden Tag beginnt die Arbeit von vorn. Ostafrikanische Riesenschnecken können mehrmals jährlich hunderte Eier legen. Seit sein Hof betroffen ist, treibt Leserbrief-Schreiber Cruz eine grosse Frage um: «Wie kann es sein, dass der Mensch die Atombombe erfand, die die ganze Menschheit auslöschen kann, aber nicht in der Lage ist, mit diesen Schnecken fertig zu werden?» (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • critico 20.12.2017 17:49
    Highlight etwas vom besten dagegen und giftfrei sind landschildkröten
    0 0 Melden
  • PaLve! 19.12.2017 21:25
    Highlight Schon blöder Zufall, ausgerechnet in Kuba...
    3 2 Melden
  • DocM 19.12.2017 18:46
    Highlight Kann man die Riesenschnecken nicht wie Weinbergschnecken zubereiten, einfach in gross?? Würde zum Insektenhype passen....
    5 9 Melden
  • Sheldon 19.12.2017 18:14
    Highlight Ich nehme an, dass man die Essen kann. Kochen und gute Sauce dran. Oder den Franzosen verkaufen.
    10 1 Melden

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