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Ex-Kandidat Romney wettert: «Trump ist ein Aufschneider und ein Betrüger» – dessen Konter folgt sogleich

15 Minuten Vernichtung: Mit einer heftigen Rede schwingt sich Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, ein Republikaner, zum obersten Gegner von Donald Trump auf. Das Problem: Der Wut-Auftritt könnte dem Wahlkämpfer sogar helfen.

03.03.16, 18:17 04.03.16, 11:13

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Der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney setzt sich an die Spitze der konservativen Republikaner, die Donald Trump als Kandidaten für die kommende Präsidentschaftswahl verhindern wollen. In einer Rede an der Universität von Utah sagte Romney, Trump dürfe keinesfalls nominiert werden. Der Immobilien-Milliardär aus New York sei «ein Aufschneider und Betrüger, der die amerikanische Öffentlichkeit zum Narren hält».

>> Der US-Giaccobo erklärt, wieso es gar nicht geht, Trump zu wählen. Grossartig.

«Seine Versprechen sind so wertlos wie ein Abschluss an der Trump University», sagte Romney mit Blick auf die Vorwürfe, Trump habe an seiner «Trump-Universität» bis zu 5000 Studenten betrogen. «Seine Innenpolitik würde in die Rezession führen. Und seine Aussenpolitik würde Amerika und die Welt unsicherer machen», sagte Romney und fügte hinzu: «Er hat weder die Veranlagung noch das Urteilsvermögen, um Präsident sein zu können.»

Romney stellte auch Trumps Ruf als Geschäftsmann in Frage: «Seine Pleiten haben Tausende amerikanische Familien ruiniert.»

Romney legte sich nicht fest, wer stattdessen Kandidat der Republikaner werden sollte, sagte aber über Trumps Konkurrenten Ted Cruz, Marco Rubio und John Kasich: «Wir sollten einen dieser drei Männer nominieren.»

Romney hatte seine Rede kaum beendet, da erhielt er Unterstützung von John McCain: «Ich teile die Bedenken, die mein Freund Mitt Romney in seiner Ansprache geäussert hat», sagte der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008. «Ich möchte, dass die republikanischen Wähler sehr genau darauf achten, was unsere am meisten respektierten und erfahrensten Parteivertreter über Herrn Trump zu sagen haben», so McCain.

Trumps Gegner bei den Republikanern sind von dessen Siegesserie geschockt und suchen hektisch nach einem Plan, den Milliardär noch zu stoppen. Sie hoffen darauf, mit harten Attacken auf Trumps Unternehmer-Vergangenheit seine Glaubwürdigkeit erschüttern zu können. Zudem setzen sie darauf, dass der Spitzenreiter aufgrund des fragmentierten Kandidatenfelds nicht die erforderliche Zahl an Delegiertenstimmen erreicht und der Parteitag im Juli nach einem dritten Weg sucht.

Romney und Trump befehden sich seit Tagen. Der Streit der beiden nahm seinen Anfang, als Romney dem Geschäftsmann kürzlich vorwarf, aus politischen Gründen seine Steuererklärung geheim zu halten. Trump schoss umgehend zurück und bezeichnete Romney als «einen der dümmsten und schlechtesten Kandidaten in der Geschichte der republikanischen Politik».

Max Boot, aussenpolitischer Berater des 2012 gescheiterten Romney, sagte, er würde eher für Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un arbeiten als für Trump. «Ich glaube, Donald Trump ist objektiv gefährlicher als Kim Jong Un und weniger stabil.»

Wie sich Romneys Attacken auf Trump auswirken ist fraglich. Einerseits sorgen sie in Republikaner-Kreisen natürlich für grosse Aufmerksamkeit, immerhin ist Romney noch immer eines der prominentesten Parteimitglieder. Doch der Ex-Gouverneur von Utah ist auch äusserst umstritten. Aus der Sicht weiter Teile der Partei ist Romney mit seinem verunglückten Wahlkampf alleinverantwortlich für die Niederlage gegen Barack Obama 2012 und versinnbildlicht wie kein anderer die vermeintlich korrupte und feige Republikaner-Elite.

Aus Sicht der wütenden Basis, die Trump so sehr stützt, ist Romney eine regelrechte Hassfigur. Und so bergen seine Angriffe die Gefahr, dass Trumps Rückhalt bei seinen Anhängern sogar noch weiter wächst. Der Immobilienmogul hat seine gesamte Kampagne darauf begründet, als Alternative zum Establishment zu erscheinen. Wenn das Establishment – in Person von Romney – zu ihm auf Abstand geht, könnte das durchaus in seinem Sinne sein.

vme/syd

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ottson 03.03.2016 20:51
    Highlight Ach ja stimmt, Romney, denn gabs ja auch noch...
    11 0 Melden
  • Ignorans 03.03.2016 20:24
    Highlight Guter Konter, schlechte Verlierer...
    5 2 Melden
  • Sheez Gagoo 03.03.2016 19:42
    Highlight Den Trump haben sich die Republikaner selbst gezüchtet, die in den letzten zehn Jahren jegliches vernünftige Wesen in der Partei kaltgestellt hat und mit den Teapartyhoschis sympathisiert. Genau wie die vernünftigen Elemente die SVP Richtung BDP verlassen haben oder die AFD in Deutschland, die ihrem Gründer entglitt. Die Geister die all diese Beispiele gerufen haben, zwicken sie nun in den Arsch.
    54 5 Melden
    • FrancoL 03.03.2016 20:00
      Highlight Sehr gut dargestellt, Danke!
      21 5 Melden
  • NWO Schwanzus Longus 03.03.2016 18:42
    Highlight der US-Präsident muss eigentlich nur zwischen den Mächtigen Fraktionen vermitteln, also zwischen Neocons, Neoliberalen, Die Private Federal Reserve, US-Militär oder Wall Street, er muss einfach verhindern das es keinen Fraktionskrieg gibt, oder man gehört halt selbst zu einer Fraktion wie George W.Bush (Neocons). Der Präsident wird so gesehen eigentlich nur von diesen Fraktionen gesteuert wenn möglich und kann gar nichts machen was entgegen der Interessen der Fraktionen wäre. Damit ist es egal wer Präsident wird. Wenn die Fraktionen etwas wollen dann muss er/sie so handeln.
    7 32 Melden
    • Luca Brasi 03.03.2016 18:55
      Highlight Ctrl+C, Ctrl+V. ;)
      41 0 Melden
    • Zeit_Genosse 03.03.2016 19:14
      Highlight Eine ferngelenkte Waffe bleibt eine Waffe. Ein Präsident, der etwas an der Waffel hat ist gefährlich. Das hatten wir bereits mit Bush.

      Dafür sind copypaste-Kommentierer harmlos.
      32 3 Melden

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