International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Trump triumphiert: Der Rüpel ist zurück

Für Donald Trump ist die Sache klar: Nach seinem jüngsten Sieg bei den US-Vorwahlen betrachtet er sich als einzig möglichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei. Und attackiert Hillary Clinton auf plumpe Art.

27.04.16, 08:47 27.04.16, 09:11

Marc Pitzke, New York / spiegel online



Ein Artikel von

Der Schnellzug «Acela» verbindet Amerikas Nordostmetropolen Washington, Baltimore, Philadelphia, New York, Boston. Angeblich kann er eine Höchstgeschwindigkeit von 241 Stundenkilometern schaffen – meist erreicht er gerade mal die Hälfte, wenn überhaupt.

Auch bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten entlang der «Acela»-Route – Delaware, Maryland, Pennsylvania, Connecticut, Rhode Island – klafften Erwartung und Wirklichkeit weit auseinander: Gross waren die Hoffnungen der Herausforderer auf beiden Seiten, den Spitzenreitern Donald Trump und Hillary Clinton den Sieg hier doch noch mal streitig zu machen. Die Realität sah dann anders aus:

Der Immobilienmogul Trump schlug seine republikanischen Widersacher Ted Cruz und John Kasich 5:0. Ex-Aussenministerin Clinton schaffte ein 4:1, ihr Rivale Bernie Sanders landete einen Achtungserfolg in Rhode Island. «Für mich ist das gelaufen», prahlte Trump.

Siegessicher: Donald Trump
Bild: CARLO ALLEGRI/REUTERS

Donald Trump ohne echte Konkurrenz

Er feierte zunächst im Smoking. Aus gesellschaftlichem Anlass: Mit einer Gala zelebrierte das Magazin «Time» am Vorwahl-Abend seine Liste der 100 einflussreichsten Menschen – und Trump ist einer davon. Dann zog er sich schnell um (schwarzer Anzug, blaue Krawatte), erschien im Trump Tower. Er betrachte sich nunmehr als einzig möglicher Präsidentschaftskandidat.

Dann richtete er seine Geschütze auf Hillary Clinton, in einer plötzlich wieder auffallend brutalen Rede.

«Crooked Hillary» nannte er seine Widersacherin, also korrupt, betrügerisch. Sie führe bei den Demokraten lediglich wegen ihres Frauen-Bonus: «Ehrlich gesagt: Ich glaube, wenn Hillary Clinton ein Mann wäre, käme sie nicht mal auf fünf Prozent der Stimmen.» Von wegen «neuer», präsidial-seriöser Trump. Der Weg zur Kandidatur ist ihm nun jedenfalls so gut wie nicht mehr zu verbauen.

Cruz, der übrigens auch auf der «Time»-Liste landete, verflüchtigte sich derweil lieber – in den nächsten Vorwahlstaat Indiana. Doch seine Rede dort, die baldige Siegeszüge beschwor, klang fast wahnhaft. Mit jeder Niederlage schwindet seine Glaubwürdigkeit – und noch viel mehr die des Dauerverlierers Kasich – als Alternativkandidat bei einer Parteitags-Kampfabstimmung gegen Trump.

Sieg wohl in der Tasche: Hillary Clinto.n Bild: AP/The Philadelphia Inquirer

Cruz beschwört die nächsten Vorwahlen in Indiana als Wendepunkt: Er sieht den konservativen, religiösen Staat auf seiner Seite. Auftrieb gibt ihm sein Deal mit Kasich. Danach soll dieser seine Wähler dort an ihn abtreten, um die Anti-Trump-Stimmen zu bündeln. Doch selbst in Indiana tendieren die Umfragen zu Trump.

Und schon jetzt sind zwei Drittel der Republikaner bereit, den Milliardär auch dann zu unterstützen, sollte er die Mehrheit von 1237 Delegierten doch noch verfehlen.

Tagträumer Bernie Sanders

Bernie Sanders, Clintons Mitbewerber, wirkte wie eine Karikatur, als er in West Virginia auftrat. «Wir können die harten Realitäten unseres Lebens nicht unter den Teppich kehren», rief er heiser.

Seine Konkurrentin Hillary Clinton jedenfalls hat den Sieg bereits ziemlich sicher in der Tasche. Es gibt kein Szenario mehr, in dem Sanders sie doch noch schlägt, weder im Rennen um die Delegierten noch im Rennen um die Herzen der Demokraten, so gespalten die Partei auch sein mag.

Jetzt bliebe ihm nur noch, ein würdiges Ende zu finden und einen Weg, seine Wählerbasis mit der Clintons zu verschmelzen, um ihre Chancen gegen Trump nicht zu sabotieren. Doch Sanders denkt nicht ans Aufgeben: «Wir bleiben im Rennen, bis die letzte Stimme gezählt ist», sagte er am Abend.

Findet er den Ausgang? Bernie Sanders
Bild: John Minchillo/AP/KEYSTONE

Die nächsten Wahlen in Guam, Nebraska, West Virginia, Kentucky, Oregon, Washington State, Virgin Islands und Puerto Rico sind praktisch bedeutungslos, werden an der Führung Trumps und Hillarys nichts ändern.

Erst am 7. Juni wird es dann noch mal spannend, und zwar in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Staat. Aber auch dort nur, weil es der endgültige Sargnagel sein dürfte für alle Herausforderer Trumps und Clintons, die bis dahin noch durchhalten.

Suche nach der Nummer zwei

Jetzt machen sich Wahlkampfteams und Medien verstärkt auf die Suche nach Vizekandidaten. Auf beiden Seiten werden bereits eine Reihe von Aspiranten gehandelt und dem offiziellen «Vetting» unterzogen, jenem akribischen, mühsamen Background-Check, der potenzielle Stolpersteine in ihrer Vergangenheit aufdecken soll.

Am weitesten ist Clinton, schliesslich war ihr Vorwahlsieg am frühesten absehbar. Unter den lancierten Bewerbern: Sherrod Brown, Senator aus dem «Swing State» Ohio; Bauminister Julián Castro, der Latino-Jungstar; Tim Kaine, Senator aus dem Wechselwählerstaat Virginia; die progressive Senatorin Elizabeth Warren.

Bei den Republikanern: New Jerseys Gouverneur Chris Christie, Senator Marco Rubio, Carly Fiorina, Ex-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice – sowie die Noch-Kandidaten Ted Cruz und John Kasich.

Die Snapchat-Wahl

Erinnern Sie sich noch an den Trump-Protestler, der ein «IS»-Terrorist gewesen sein soll? Das von Trump selbst in die Welt gesetzte Märchen geisterte im März durch die News – ungefähr einen Tag lang.

Dass es danach sofort wieder starb, lag aber nicht nur an seiner Absurdität, sondern am immer rasanteren Nachrichtengeschäft. Siege, Pleiten, Umfragehochs, Umfragetiefs, Patzer, Fauxpas, Skandale: Nichts hält vor.

Diese atemberaubende Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne bei den Medien und ihren Konsumenten hat auch schon einen Namen: die «Snapchat-Wahlen». Denn kaum eine technologische Erneuerung symbolisiert die Flüchtigkeit unserer Zeit – und ihrer Politik – besser als der nicht mal fünf Jahre alte Instant-Message-Dienst, dessen Fotos binnen Sekunden wieder verschwinden.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • okey 27.04.2016 12:58
    Highlight Wenn hört dieser Mediale terror über diese wahlkampf endlich auf. Wieso muss die Schweiz über das informiert werden es intressiert doch nimanden es reichen irgendwie zwri Meldungen aus. Eine wer in den finalen Wahlkampf kommt und eine zweite wer von diese persönlichkeite n nun endlich Präsident ist.
    Berichtet doch besser über andere Länder (Afrika, Asien)
    2 2 Melden
  • Retarded Wizard 27.04.2016 10:36
    Highlight Solche Monatelang andauernden - teils Jahrelang geplanten Wahlkämpfe sind doch ein Witz angesichts der weltweiten Problematik.

    Diese Profilierungssucht der einzelnen Kandidaten ist zum kotzen. Mir ist schon klar, dass ohne diese Art und Weise wohl kaum einer gewählt werden kann.

    Aber wo ist der Sinn, wenn fast die Hälfte der Amtszeit der Politiker, z.T auch hierzulande damit verbracht wird sich um die Wiederwahl zu kümmern.

    Schade um die verschwendete Zeit, die verschwendeten Gelder und vor Allem um die dadurch nicht gelösten Probleme.
    6 0 Melden
  • John Smith 27.04.2016 10:11
    Highlight Kasich gewann 1 von 46 Staaten und steigt trotzdem nicht aus dem Rennen. Der Typ macht nur mit, damit er sich gratis in Restaurants den Bauch vollhauen kann.
    4 3 Melden
    • Thinkerer 27.04.2016 11:52
      Highlight Ach, für einen Gratisburger hier und dort tut er es sicher nicht.
      0 1 Melden
  • Linus Luchs 27.04.2016 09:42
    Highlight In den USA sorgt wieder Donald Trump mit primitiven Ausfällen für Aufmerksamkeit, in der Schweiz schaffen es Christoph Blocher und Roger Köppel mit dreisten Geschmacklosigkeiten in die Schlagzeilen. Über die Entgleisungen Silvio Berlusconis konnten wir als Nicht-Italiener vielleicht noch grinsen, aber nun gibt es nichts mehr zu lachen. Die Polit-Hooligans sind in westlichen Demokratien keine Exoten mehr. Das faschistoide Gedankengut, das sie und ihre wachsende Gefolgschaft vertreten, wird zur ungeheuren Bedrohung für die zivilisierte, auf Menschenwürde und Verantwortung beruhende Gesellschaft.
    12 9 Melden

Verfolgungsjagd in den USA – wenn der Polizist durch die Windschutzscheibe schiesst

Die Polizei von Las Vegas hat ein Bodycam-Video von einer spektakulären Verfolgungsjagd veröffentlicht. Der Polizeibeamte feuert mehrmals durch seine Windschutzscheibe, um zwei flüchtige Mordverdächtige zu stoppen.

(nfr)

Artikel lesen