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U.S. Democratic presidential candidate Hillary Clinton speaks at a campaign voter registration event at Johnson C. Smith University in Charlotte, North Carolina, United States September 8, 2016.  REUTERS/Brian Snyder

Bild: BRIAN SNYDER/REUTERS

Wahl in den USA: Drei Gründe, warum Clinton verlieren könnte

Donald Trump kämpft sich in Umfragen wieder vor, im Lager von Hillary Clinton wächst die Nervosität. Kann die Frau, die bis vor Kurzem so souverän dastand, noch verlieren? Aber ja.

Veit Medick, Washington / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Hillary Clinton will neuerdings etwas zugänglicher sein. Am Donnerstag beantwortete die Präsidentschaftskandidatin auf dem Rollfeld ihres Heimatflughafens in New York einige Fragen von Reportern. Sie empörte sich über Donald Trump und sprach über den Kampf gegen den «Islamischen Staat», aber ihre eigentliche Botschaft war: Ihr könnt mich alles fragen, ich verstecke mich nicht.

Clintons neue Offenheit ist auch ein Eingeständnis, dass sie – zwei Monate vor der Wahl – noch viel zu tun hat für einen Sieg. Trump ist zuletzt in den Umfragen wieder an sie herangerückt, und in Clintons Team wächst die Sorge, dass bis zum 8. November doch alles ein wenig unübersichtlicher werden könnte, als viele das noch im Sommer gedacht hatten. Ihre Beliebtheitswerte sind im Keller, Reporter und Gegner durchforsten weiter ihre E-Mails und selbst in ihrem eigenen Lager entfacht sie wenig Enthusiasmus.

Republican presidential candidate Donald Trump smiles as he meets with students and educators before speaking about school choice, Thursday, Sept. 8, 2016, at Cleveland Arts and Social Sciences Academy in Cleveland. (AP Photo/Evan Vucci)

Donald Trump holt bei den Umfragen auf. Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Dass Clintons Ausgangslage noch immer ein Stück besser scheint als jene Trumps, liegt an den Zahlen aus den besonders umkämpften Staaten. In Swing States wie Virginia, Florida oder Pennsylvania schmilzt zwar ihr Vorsprung, aber sie führt weiterhin. Dass es trotzdem Trump sein könnte, der Barack Obama im Weissen Haus ablöst, ist nicht unmöglich.

Drei Probleme, die einen Sieg von Hillary Clinton verhindern können:

Clinton macht konventionellen Wahlkampf in aufgeregten Zeiten

Die Demokratin ist gut organisiert. Aber sie baut ihren Wahlkampf auf eine Berechnung, die auch aus den Neunzigerjahren stammen könnte: Viel Geld, viele Helfer in den besonders wichtigen Staaten. Ob das Prinzip «Viel hilft viel» aufgeht, ist völlig offen: In Florida etwa unterhält Clinton 50 Büros, Trump nur eins – und trotzdem liegen die Kandidaten gleichauf.

Dass Clinton sich in ihrer Wahlwerbung besonders auch an Latinos und Afroamerikaner wendet, ist sicherlich nicht verkehrt. Aber dass die auch zur Wahl gehen – darauf kann sie sich nicht verlassen. Denn gross ist das Misstrauen gegen beide Kandidaten.

Leistung lohnt sich nicht mehr

Clinton kennt sich aus. Ob Verteidigungspolitik, Steuerwesen oder der Machtkampf in Gabun – sie ist in fast jedem Thema firm und lässt keine Gelegenheit aus, ihre Expertise gegen Trumps Ahnungslosigkeit auszuspielen.

Das Problem aber ist, dass Amerikaner Expertise immer weniger wertzuschätzen zu scheinen. Trump hat Schwierigkeiten, auf elementarste Fragen zu antworten, und dass er in vielen wichtigen Themen wie etwa dem Syrienkrieg nicht einmal den Anlauf unternimmt, sich fortzubilden, liegt auch daran, dass er gerade mit seiner Ignoranz grossen Erfolg hat. Denn diese gilt vielen als authentisch und bodenständig.

Trump hat es geschafft, dass Teile der Wählerschaft Erfahrung und Sachkenntnis als Merkmale einer elitären politischen Klasse wahrnehmen. Clinton ist in einer ungemütlichen Lage: Sie darf inhaltlich keine Fehler machen, kann aber gleichzeitig nicht mehr wirklich darauf hoffen, mit ihrer Kenntnis zu punkten.

Die Zahl der Unentschlossenen ist viel höher als vor vier Jahren

Man möchte meinen, dass sich die meisten Amerikaner angesichts der Bekanntheit beider Kandidaten und ihrer so diametral unterschiedlichen Vorstellungen bereits entschieden haben, für wen sie stimmen werden. Falsch. Die Zahl der unentschlossenen Wählerinnen und Wähler ist so hoch wie selten.

Rund 20 Prozent der Amerikaner wissen laut den Wahlforschern von FiveThirtyEight.com noch nicht, wen und ob überhaupt sie wählen, rund drei Mal mehr als zum vergleichbaren Zeitpunkt vor vier Jahren. Das macht die anstehenden TV-Debatten noch wichtiger als ohnehin schon. Wer sich auf der Fernsehbühne gut schlägt, kann im Lager der Unentschlossenen punkten.

Die Erwartungen an Trump sind bei den TV-Debatten tendenziell niedriger als an Clinton. Er macht das zum ersten Mal. Und er ist neu auf der politischen Bühne. Der Vorteil für ihn: Viele Zuschauer sähen ihn wohl schon als Sieger, wenn er nicht patzte.

Kein Wunder, dass Clinton sich inzwischen viel Zeit nimmt, um daheim in Chappaqua für die Fernsehtermine zu proben. Schiefgehen, so viel ist klar, darf nichts.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 10.09.2016 09:46
    Highlight Highlight Ich will die Sache einmal folgendermassen zuspitzen:
    Hillary Clinton hat viel Verstand und wenig Herz.
    Donald Trump hat viel Herz und wenig Verstand.
    Vielleicht sollten die beiden zusammen das Präsidentenamt übernehmen!
    Dann würden sie einander in einer ersten Phase gegenseitig neutralisieren und so wenigstens keinen weiteren Schaden anrichten.
    In einer zweiten Phase würden sie sich möglicherweise ineinander verlieben!
    Und Trumps Frau Melania, hätte endlich einen Grund, sich von diesem Schwätzer zu trennen und bekäme das, was sie immer schon wollte, nämlich viel "Kohle" (und Bill gratis dazu).
  • Gähn on the rocks 10.09.2016 00:02
    Highlight Highlight 4 Weil sie eine Frau ist.

    Leider wahr.
    • ands 10.09.2016 07:55
      Highlight Highlight Wie kommen Sie zu diesem Schluss?
      Mit diesem Leistungsausweis im Aussendepartement und diesem Wahlprogramm hätte auch jeder männliche Politiker gegen Trump seine liebe Mühe. Ausserdem bezweifle ich, dass Wähler, welche eine Frau aus Prinzip nicht wählen, irgendeinen demokratischen Kandidaten wählen würden.
  • ZweiAvocadi 09.09.2016 23:16
    Highlight Highlight Hoffen wir, dass sie verliert.
    Die Demokraten sind die Bösen. Begreifft es doch endlich.

    HOC
    • rodolofo 10.09.2016 10:13
      Highlight Highlight Ironie-Zeichen nicht vergessen (;))!
      Passiert mir auch immer wieder, und dann muss ich jeweils eine beruhigende Erklärung nachschieben.
    • ZweiAvocadi 10.09.2016 12:41
      Highlight Highlight Ironie?
    • rodolofo 10.09.2016 14:38
      Highlight Highlight Wie soll ich das jetzt verstehen?
      Du meinst das doch nicht etwa ernst!
      Oder bist Du ein Super-Ironiker, der dann noch so tut, als habe er es tatsächlich ernst gemeint?
      Das wäre dann allerdings ganz grosse Klasse!
    Weitere Antworten anzeigen
  • DomiNope 09.09.2016 23:06
    Highlight Highlight Pest oder Cholera.
    Immerhin nicht beides...
  • Kronrod 09.09.2016 22:18
    Highlight Highlight Karrierepolitiker wie Clinton sind eben oft nun mal nicht besonders charismatisch. Mir wäre ein vernünftiger Quereinsteiger lieber. Leider steht keiner zur Wahl.
  • Der Tom 09.09.2016 22:15
    Highlight Highlight Ich glaube sie wird einen Rekordsieg feiern können.
    • rodolofo 10.09.2016 10:18
      Highlight Highlight Das ist doch Wunschdenken!
      Es wird wohl eher eine Zitterpartie geben, übrigens ganz ähnlich, wie in unserem Nachbarland, Österreich!
      Zum Glück haben die schrulligen Österreicher Wahlcouverts, die auf dem Weg zur Zählstelle aufreissen können!
      So bleibt uns dieser Zähnefletschende Hofer noch eine Weile lang erspart...
  • DieWaage 09.09.2016 22:13
    Highlight Highlight Ach so, 1 Artikel von Spiegel Online😂
  • DieWaage 09.09.2016 22:07
    Highlight Highlight Einer der besten Artikel von watson.
    • The Destiny // Team Telegram 09.09.2016 22:44
      Highlight Highlight Artikel ist nicht von Watson...

      "Einer der besten Artikel auf watson." *
  • Jol Bear 09.09.2016 22:07
    Highlight Highlight Eigentlich müsste es für die Demokraten einfach sein, sich gegen den schon in seiner eigenen Partei unbeliebten Trump durchzusetzten. Sie werden es letztlich auch schaffen, aufgrund der "falschen" Kandidatin Clinton aber knapper als gedacht. Jedenfalls erstaunlich, dass ein derart grosses Land aus beiden Lagern keine soveränere, glaubwürdigere Kandidaten hervorbringen kann, der alte machtgierige Clinton-Clan da und ein peinlicher Selbstdarsteller dort.
    • rodolofo 10.09.2016 10:23
      Highlight Highlight Erstaunlich ist das eben nicht!
      Sieh Dir doch an, wie das ganze US-Amerikanische Wahlkampf-Kasperletheater funktioniert!
      Und dann kommen noch diese seltsamen "Wahlmänner" dazu, die dann trotzdem dem Rat des "Establishments" folgen können, usw. ...
      Die Amerikaner haben eine Art "Demokratische Monarchie", ob uns das jetzt passt, oder nicht.

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