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In weniger als zwei Wochen wird gewählt: Noch klammert sich Trump an seinem Traum fest. Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS

Angezählt – ist Donald Trump wirklich schon geschlagen?

Hillary Clinton führt klar vor Donald Trump, die US-Wahl scheint knapp zwei Wochen vor dem Stichtag entschieden. Wirklich?

27.10.16, 03:53 27.10.16, 12:32

Patricia Dreyer, Washington



Ein Artikel von

Wer Texas hört, denkt: Öl, Cowboys, riesige Steaks und – Republikaner. Seit 1976 hat dieser Bundesstaat beim Rennen ums Weisse Haus nicht mehr mehrheitlich für einen demokratischen Spitzenkandidaten gestimmt, im Schnitt lag der republikanische immer 15 Prozentpunkte vorn. Was sich 2016 andeutet, ist darum kaum zu fassen.

Umfragen zeigen, dass der Republikaner Donald Trump gerade mal drei Prozentpunkte vor Hillary Clinton liegt. In Texas.

Texas ist nicht die einzige Überraschung, die Statistiker in diesen Tagen präsentieren. Das Land ist aus den Fugen. Was selbstverständlich schien, gilt nicht mehr. Die Ursache: Donald Trump.

Rodeo in Texas: Selbst hier, im Herzen der USA, kann sich Trump des Sieges nicht sicher sein. Bild: Warren Price Photography / Shutterstock.com

Der einstige Kraftmeier der Republikaner ist mit Umfragen konfrontiert, die ihn im Schnitt landesweit fünf Prozentpunkte hinter seiner Rivalin Clinton verorten. Einen solchen Rückstand hat noch kein Spitzenkandidat so kurz vor der Wahl je aufholen können.

Zur Erinnerung: In den USA wird Präsident, wer die absolute Mehrheit der 538 Wahlmännerstimmen aus den Staaten gewinnen kann (sie liegt bei 270). Nach einer aktuellen Prognose kommt Clinton auf gut 340 dieser Stimmen. Trump erreicht lediglich 198.

In der folgenden Grafik ist gut zu erkennen, wie sich die Stimmen der Wahlmänner verteilen. Sie zeigt für jeden US-Bundesstaat die Anzahl der Wahlmänner und die Chance, dass Trump oder Clinton den Staat gewinnen. So wird beispielsweise Clinton die 55 Wahlmänner von Kalifornien im Westen mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 100 Prozent gewinnen. In Florida im Südosten stehen ihre Chancen bei rund 72 Prozent.

Selbst das einst so enge Rennen in den sogenannten Swing States wirkt nicht mehr so eng. In den meisten dieser Staaten führt Clinton, und, besonders bitter: In Bundesstaaten wie Arizona oder Utah, die zuletzt deutlich an die Republikaner fielen, steht entweder die Demokratin weitaus besser da als erwartet – oder krasse Aussenseiter haben plötzlich Chancen.

Noch sind das alles nur Stimmungsbilder. Noch immer haben viele US-Bürger – rund 15 Prozent – nicht entschieden, wem sie ihre Stimme geben wollen. Doch der klare Trend macht Republikaner im ganzen Land nervös.

Aussenseiter bedroht Trump

Im Mormonenstaat Utah, den der Republikaner Mitt Romney (selbst Mormone) vor vier Jahren souverän gewann, findet Hillary Clinton zwar keine Mehrheit. Aber selbst hier ist die Abneigung gegen Trump so gross, dass nun ein unabhängiger Kandidat, der Konservative Evan McMullin, zu Trump aufgeschlossen hat. Eine Niederlage gegen McMullin wäre eine Demütigung für Trump.

Mit Arizona steht eine weitere republikanische Hochburg auf der Kippe. Seit 1952 hat immer ein Republikaner diesen Staat gewonnen. Mit einer Ausnahme: 1996 siegte hier der Demokrat Bill Clinton. Nun könnte auch seine Frau Hillary das schaffen. Aktuelle Umfragen sehen sie in Arizona gleichauf mit Trump.

Die Menschen in Arizona wenden sich aber keineswegs von der republikanischen Partei ab. Einer von Trumps grössten innerparteilichen Widersachern, John McCain, bewirbt sich hier um seine Wiederwahl in den US-Senat – und liegt klar in Führung. Dass Trump dagegen zittern muss, zeigt, wie schwer sich republikanische Stammwähler mit dem Präsidentschaftskandidaten tun.

Selbst in Iowa, wo das Trump-Team dank einer dichten Infrastruktur der republikanischen Partei so gut aufgestellt ist wie in kaum einem anderen Bundesstaat, führt der umstrittene Kandidat Trump nicht so klar, wie er sollte.

Es geht um mehr als das Weisse Haus

Die Republikaner haben bei der Wahl 2016 mehr zu verlieren als das Weisse Haus. Viele Abgeordnete im US-Kongress kämpfen nämlich um ihre Wiederwahl.

Weil der negative Sog des republikanischen Spitzenkandidaten Trump so gefährlich ist, haben sich viele Republikaner von ihm entkoppelt. Sie wenden sich an ihre Wähler mit dem Appell, ein Durchregieren der nächsten Präsidentin Clinton zu verhindern – das sei nur möglich, wenn der US-Senat republikanisch bleibe.

Warum kann Trump den Trend nicht stoppen?

Seit drei Wochen scheint Trump wie paralysiert von den eigenen Skandalen und Misserfolgen: das verheerende «Grapscher»-Video von 2005, die vielen Vorwürfe sexueller Belästigung, die überraschend deutlichen Niederlagen in den drei TV-Debatten mit Clinton.

Seitdem seine Talfahrt begann, ist Trump offenbar nicht fähig oder willens, sich der drohenden Niederlage mit einer neuen Strategie entgegenzustemmen: Statt klar und konkret zu formulieren, warum man ihn wählen sollte, brabbelt er bei Wahlkampfveranstaltungen Verschwörungstheorien, sät er Zweifel am Wahlsystem, an der amerikanischen Demokratie und jammert darüber, dass die Medien ihn hassen. Das trotzige «Wir gegen die Eliten»-Weltbild seiner treusten Anhänger mag er so bestätigen – doch er erschliesst damit weder neue Wählerschichten noch stärkt er das Vertrauen vieler republikanischer Wähler in den eigenen Kandidaten.

Ist Nevada schon verloren?

Ein Blick auf klassische Wählergruppen zeigt, wo Trump nicht liefern kann: Weisse Frauen mit hohem Bildungsniveau wählen in der Regel mehrheitlich republikanisch, doch in dieser Gruppe führt Clinton deutlich.

blau: demokraten, rot: republikaner, schwarz: andere, unsicher

Eine Wählergruppe, die Trump mehrheitlich gewinnen kann, sind Weisse ohne höhere Bildung. Deshalb sollte er in einem Swing State wie Nevada leichtes Spiel haben, hier haben nur ein Drittel aller Wähler einen Hochschulabschluss.

Doch da auch der Anteil an hispanischen und asiatischstämmigen Wählern in Nevada hoch ist, steht auch in diesem Bundesstaat unterm Strich Clinton bislang besser da: mit seinen rassistischen Parolen ist Trump für weite Teile dieser ethnischen Gruppen nicht wählbar.

Zudem hat Clinton das dickere finanzielle Polster, um in der Schlussphase vor dem 8. November ihre Wähler zu mobilisieren. Die Heerscharen an Unterstützern, die es braucht, um an Haustüren zu klingeln, Fahrgemeinschaften zu Wahllokalen zu organisieren oder Telefonrundrufe zu starten, kann sie finanzieren – Trump kann es im selben Mass nicht.

«Trump kann nichts mehr ausrichten», sagt der konservative Radiomoderator Steve Deace aus Iowa dem Magazin «Politico». Deace ist ein Anhänger des republikanischen Trump-Rivalen Ted Cruz. «Die Demokraten haben die Bürger davon überzeugt, dass Trump irre ist, und Trump hat ihnen dabei geholfen.» Dass Clinton ihrerseits ein Glaubwürdigkeitsproblem habe, falle da nicht mehr ins Gewicht. «Wenn Amerikaner die Wahl haben zwischen korrupt und irre, dann ist ihnen korrupt immer noch lieber.»

Mitarbeit: Yuliana Romanyshyn, Achim Tack
Grafiken: Philipp Seibt

Von George Washington bis Barack Obama: Alle 44 US-Präsidenten

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • SVARTGARD 27.10.2016 10:59
    Highlight 😆
    2 11 Melden
  • Wuschelhäschen 27.10.2016 08:09
    Highlight Das scheint ja nicht wirklich eine optimale Denokratie zu sein. Mehrmals in der Geschichte wurde ein Präsident gewählt, welcher weniger Stimmen vom Volk erhielt, als seine Kontrahenten. https://en.m.wikipedia.org/wiki/United_States%27_presidential_plurality_victories
    15 4 Melden
    • Zarzis 27.10.2016 09:02
      Highlight Gebe Ihnen absolut recht.
      Das ganze Wahl Prozedere in den USA müsste massive verändert werden. Wenn man bedenkt, das Abgeordnete und Senatoren 40 - 50% der Zeit am Geldbeschaffen sind für den nächsten Wahlkampf. Kann dass nicht gut sein!

      Nur es ist wie bei uns. Nur schon das öffendlich ansprechen das beispiel Direkte Demokratie, etwas veränder werden müsste. Wird gleich als Ausverkauf der Heimat, marsch in die Diktatur, defamiert.
      Also bleiben auch nur die kleinsten Verbesserungen aus!
      24 2 Melden
    • sevenmills 27.10.2016 09:27
      Highlight Kommt auch in der Schweiz vor, dass eine Partei Parlamentssitze verliert obwohl sie im Wähleranteil zugelegt hat. Ist halt eine Folge des Proporzsystems und des Föderalismus..
      19 1 Melden
    • Luca Brasi 27.10.2016 09:35
      Highlight Könnte man aber auch über die Schweiz mit dem Ständemehr bei Initiativen sagen. Eine Urner Stimme hat mehr Gewicht als eine Zürcher. ;)
      Das Problem sind meiner Meinung nach die Vorwahlen. Die sind v.a. für Pol-Wähler interessant. Mitte-Wähler schauen da eher zu und machen nicht mit. Ist dann schlussendlich auch ein Problem des Zwei-Parteien-Systems.
      21 0 Melden
    • Gurgelhals 27.10.2016 10:39
      Highlight Das Electoral College ist so ziemlich das kleinste Problem an den Wahlverfahren in den USA. Im Gegenteil: Es ist wie bei uns das Ständemehr oder die vom Parlament durchgeführte Bundesratswahl ein typischer Mechanismus, um dem Föderalismus Rechnung zu tragen und ein Diktat der Mehrheit zu verhindern.

      Problematisch sind eher die Abgeordnetenwahlen ohne Proporz oder absolutes Mehr und den zum Teil haarsträubend "optimierten" Wahlbezirken. Oder die Tatsache, dass das Unterhaus alle 2 Jahre komplett neu gewählt wird (Senat ist da besser gelöst: Amtszeit je 6 Jahre & alle 2 Jahre wird 1/3 gewählt).
      10 1 Melden
  • rodolofo 27.10.2016 07:56
    Highlight Hinter den Schaumschläger-Kulissen des Präsidenten-Wahlkampfs wird anscheinend bereits eine Grosse Koalition zwischen den "Establishments" der Demokratischen- und der Republikanischen Partei vorbereitet.
    In diesem Zusammenhang ist Hillary Clinton die US-Amerikanische Variante von Angela Merkel, oder Theresa May.
    Diese drei Frauen sind fähig, der nach dem Ende des 2. Weltkriegs so erfolgreichen "Sozialen Marktwirtschaft" neues Leben einzuhauchen und sie zu einer "Ökologisch-Sozialen Marktwirtschaft" weiter zu entwickeln. "Unsere Mutti", Simonetta Sommaruga, wird den drei Anderen dabei helfen!
    15 39 Melden
    • Prof. Dr. Dr. D. Trump 27.10.2016 10:39
      Highlight Träum weiter!
      Soziale Marktwirtschaft braucht es nicht mehr. Die Reichen brauchen keine kommunistische oder andere Revolutionen mehr zu fürchten. Der Schrecken für die Kapitalisten, die Sowjetunion gibt es nicht mehr.
      Also werden die lohnabhängigen Machtlosen hemmungslos ausgebeutet, Steuern gesenkt und Staatsvermögen via Privatisierungen geplündert. Besonders Merkel praktiziert diese Strategie, die vor ihr schon Schröder, ein Sozialist, bereits begonnen hatte (Agenda 21, etc.). Die Machtlosen halten still. Wozu also soziale Marktwirtschaft? Das schmälert nur unnötig die Profite.
      10 5 Melden
    • INVKR 27.10.2016 11:05
      Highlight Verstehe diesen Kommentar nicht ganz. Die genannten Frauen haben doch bis auf ihr Geschlecht kaum etwas gemeinsam, die ticken politisch völlig verschieden?
      11 0 Melden
    • rodolofo 27.10.2016 20:25
      Highlight In der Vielfalt liegt die Kraft!
      Das wissen insgeheim auch die Faschisten, die unsere Demokratie und die Menschenrechte in allen nur erdenklichen Erscheinungsformen und Gruppierungen angreifen!
      So verschieden diese drei Frauen in Spitzenpositionen auch sind, gemeinsam ist allen drei der Respekt vor den Institutionen eines modernen Staatswesens und vor den Menschenrechten.
      Ganz allgemein fällt mir in politischen Diskussionen auf, dass Frauen viel umgänglicher, respektvoller und Lösungsorientierter miteinander umgehen, als viele "starke" Männer, die mit ihren immer gleichen Rivalenkämpfen...
      2 2 Melden
    • rodolofo 28.10.2016 09:18
      Highlight Kleine Korrektur:
      Es sind ja schon vier Frauen in politischen Führungs-Positionen, die ich erwähnt habe!
      0 0 Melden
  • Stefanie16 27.10.2016 07:30
    Highlight Wenn jetzt Trump gewählt würde, dann würden sich die USA ernsthaft mit Russland und Syrien gegen den IS verbünden. Könnte sein, oder?!

    Wie schnell wären dann wohl dieser Krieg und weitere Kriege beendet?

    Aber aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen darf das wohl nicht sein. Und zwar sind es NATO und Co., die das gar nicht wollen. Wahrscheinlich haben sogar die Republikaner Angst davor.

    Siehe dieses lächerliche Verhalten der NATO betreffend Betanken der russischen Kriegsschiffe in Spanien.

    Wäre dieser Trump denn wirklich eine derart schlechte Wahl? Mir kommen da immer mehr Zweifel.
    29 71 Melden
    • mortiferus 27.10.2016 09:06
      Highlight Würde Trump versuchen mit Putin gemeinsame Sache zu machen, resp das Feindbild Russland zerstören wollen, würde er am nächsten Tag durch ein "Attentat" gekillt.
      13 33 Melden
    • Triumvir 27.10.2016 09:37
      Highlight 1. Russland ist derzeit ein Reich des Bösen, dass sich einen Dreck um völkerrechtliche Normen und Gesetze schert. Ausserdem unterstützen sie einen Schlächter namens Assad und bombardieren unschuldige Zivilisten.
      2. Weil die Russen unschuldige Zivilsten bombardieren und töten, ist das Verhalten der Nato absolut nachvollziehbar und sicher nicht "lächerlich".
      3. Ja, Trump wäre eine extrem schlechte Wahl. Denn er ist einfach ein Rassist, Sexist und durchgeknallter Psycho. Punkt.
      47 26 Melden
    • Stefanie16 27.10.2016 09:51
      Highlight @mortiferus: Ja, so wie Kennedy von einem verrückten Einzeltäter ..
      2 4 Melden
    • Stefanie16 27.10.2016 09:52
      Highlight @Triumvir: Finden Sie das nicht e bitzeli zu einseitig...ich nehm mal an, dass es ironisch ist..
      8 7 Melden
    • Stefanie16 27.10.2016 10:05
      Highlight PS @Triumvir: Sie wissen aber schon, dass viele europäische NATO-Staaten ihr Erdöl und Erdgas von Russland beziehen, oder?

      Irgendwie witzig.
      7 6 Melden
    • mortiferus 27.10.2016 20:25
      Highlight Blutöl und Blutgasheizer. Kindersklavenkleiderträger. Urwaldzerstörungsmöbel. 100 000 Jahre Plutoniumverstrahlungsenergie. Killerfeinstaubheizung. Ozonlochsprayer. Kriegsflüchtlingsertrinkenlasser. Kindersoldatenverbündeter. Fischplastifizierungssackträger. Oympiabauarbeitermörder. Tierverdrängunsausrotter. Klimaerwärmungsverbrenner. Macht ratlos so eine Liste. Kann jemand weitermachen? Jedenfalls gibt es nicht soviel Gottessöhne die uns alle Sünden abnehmen könnten, auch wen sie wollten. Da fällt mir 12 monkeys ein, die Endlösung, die Befreiung des Planeten. Gibt es Leid ohne Menschen?
      1 4 Melden

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