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US-Präsident Barack Obama hält eine flammende letzte Rede vor dem Kongress.
Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Die letzte Rede: Obama träumt von Amerika

Amerika schwach? Reine Einbildung! Mit einem Auftritt wie zu seinen besten Zeiten verabschiedet sich Barack Obama vom Kongress. Die Rede ist eine Art Vision für die Zukunft des Landes.

13.01.16, 08:51 13.01.16, 10:29

Veit Medick, Washington

Ein Artikel von

Dienstagabend, der US-Kongress in Washington, Barack Obama steht vor seiner letzten grossen Rede. Wie lange wird sie gehen? 60 Minuten? 90 Minuten? 120 Minuten? «Ich versuche, es kurz zu halten», sagt der US-Präsident.

«Ich weiss ja, viele von Ihnen wollen schnell zurück nach Iowa.»

Us-Präsident Barack Obama

Lacher im Saal, auch unter den Präsidentschaftskandidaten, die im ersten Vorwahlstaat gerade mehr Zeit verbringen als zu Hause.

Nein, Obama ist nicht gekommen, um eine introvertierte Rede zu halten. Das ist nicht erlaubt, nicht einmal jetzt, wo er zum letzten Mal vor dem Kongress auftritt. Ist ja eine Rede zur Lage der Nation, die er hier hält. Und diese Lage muss aus Sicht eines Präsidenten immer ganz gut sein, ansonsten wäre man ja gescheitert als Nummer eins. Also: Stimmung prima, Präsident prima, Land prima. America, the beautiful.

Und alle mal klatschen, bitte.

Aber wer hätte gedacht, dass das noch funktioniert bei Obama? Lethargisch wirkte der Präsident in den vergangenen Monaten. In sich gekehrt. Genervt, dass der Kongress immer alles abwehrt, was er vorschlägt. Der Mittlere Osten brennt, in Nordkorea spielt ein Diktator mit Bomben, und dann läuft auch noch Donald Trump herum und erzählt, wie schwach die USA seien. Entsetzlich.

Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

«Wir sind die stärkste Nation der Erde. Punkt.»

Und jetzt? Von Lethargie keine Spur. Schwach? Von wegen! «Die Vereinigten Staaten sind die stärkste Nation der Erde. Punkt. Es ist nicht einmal knapp!», ruft Obama. Jubel.

«Wenn jemand nach Führung sucht, geht er nicht nach Moskau. Oder Peking. Er ruft uns an!»

Barack Obama

Mehr Jubel.

«Kein Staat greift uns direkt an – weil jeder weiss, dass das der Weg in den Ruin wäre!»

Barack Obama

 Noch mehr Jubel, sogar unter seinen Gegnern.

Plattitüden der Selbstvergewisserung, klar. Aber Obama will an diesem auch für ihn persönlich so wichtigen Tag den Amerikanern eine Botschaft mitgeben: Lasst euch nicht einreden, dass wir an Stärke verloren haben, nur weil wir nicht mehr ganz so kriegerisch unterwegs sind wie früher. Lasst euch nicht so schnell verunsichern, nur weil der «Islamische Staat» immer brutaler zu werden scheint. Lasst sie reden. Unsere Gegner. Die Schwarzmaler. Die Wahlkämpfer.

Obama hat sich viel vorgenommen für diesen Auftritt. Er scherzt, er kämpft, er träumt, er verteidigt sich. Es ist wie in seinen besten Zeiten. Natürlich geht es um sein Vermächtnis. Über seine Fehler in der Syrien-Strategie geht er elegant hinweg, aber von den Erfolgen vergisst er kaum einen. Die Gesundheitsreform, die Operation gegen Osama Bin Laden, die Überwindung der Finanzkrise, die gesunkene Arbeitslosenquote – alles kommt vor. «Wir sind weit vorangekommen», sagt Obama.

«Jeder, der sagt, die amerikanische Wirtschaft sei im Abstieg begriffen, bewegt sich im Bereich der Fiktion.»

Barack Obama

Aber eigentlich tut er das, was er am Anfang seiner Amtszeit hätte machen sollen: Er entwirft das Bild eines Amerikas in zehn, in zwanzig Jahren. Weniger Tagespolitik, mehr Vision. In seinem künftigen Amerika gibt es eine vernünftige Kinderbetreuung und erschwingliche Bildung. Es gibt höhere Mindestlöhne und ein funktionierendes Einwanderungssystem, ein Militär, das bestens ausgestattet ist, aber weise eingesetzt wird, und Menschen, die schöne Dinge erfinden. Wie damals, als die Amerikaner neue Raumschiffe bauten und zum Mond flogen.

Die drei Astronauten Neil Armstrong, Edwin «Buzz» Aldrin und Michael Collins starteten am 16. Juli 1969 mit einer Saturn-V-Rakete von Launch Complex 39A des Kennedy Space Center in Florida und erreichten am 19. Juli eine Mondumlaufbahn.

Obamas neue Mondfahrt

Obama hat da eine Idee. «Für die Angehörigen, die wir alle verloren haben, für die Familien, die wir noch retten können: Lasst uns Amerika zu dem Land machen, das Krebs ein für alle Mal besiegt», ruft er. Es ist seine neue Mondfahrt. «Und ich setze Joe Biden ans Steuerrad», sagt er in Richtung seines Vizepräsidenten, der im vergangenen Jahr seinen Sohn an die Krankheit verlor. Ovationen bei Demokraten und Republikanern.

Obama, der Mann des «change». Hoffnung, Fairness, Innovation. Es klingt fast, als wollte er noch einmal antreten. Dabei können seine Wünsche jetzt allenfalls noch Leitplanken für den nächsten Präsidenten sein, so er oder sie denn aus seiner Partei kommt.

Das will Obama noch sicherstellen. Die Republikaner knöpft er sich vor, ohne auch nur einen der Präsidentschaftskandidaten beim Namen zu nennen. «Unser öffentliches Leben verkümmert, wenn immer nur die extremen Stimmen Aufmerksamkeit bekommen», ruft er. Die internationalen Krisen müsse man klüger angehen als nur mit hartem Gerede. «Wenn Politiker Muslime beleidigen, wenn eine Moschee verwüstet und ein Kind schikaniert wird, macht uns das nicht sicherer. Es verrät das, was uns als Nation ausmacht.»

Es ist eine kleine, aber feine Abrechnung mit Donald Trump.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 13.01.2016 10:43
    Highlight Die USA sind immer noch der mit Abstand innovativste Technologieführer. Es reicht locker für die militärische Vorherrschaft bis zur Mitte des Jahrhunderts. Einen konventionellen Landkrieg gewinnen die US-Streitkräfte eben mal so in Tagen und Wochen. Weiter ist auch davon auszugehen, dass der Vorsprung in der zwischenzeit sogar so gross ist, dass die USA einen Nuklearangriff neutralisieren könnten. Russland und China würden sich bei ähnlicher Machtfülle nicht so zurückhalten. Die Amis machen halt lieber Business.
    6 10 Melden
  • Radiochopf 13.01.2016 10:17
    Highlight Grosse Worte von einem Friedensnobelpreisträger ... " nur weil wir nicht mehr ganz so kriegerisch unterwegs sind wie früher." Wieso ist den jedes Jahr das Militärbudget gestiegen Herr Obama? Klingt jetzt nicht nach Frieden und Abrüstung...
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