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Los Angeles: Polizei rettet lebendig begrabenen Säugling

Der Tipp kam per Telefon: In der Nähe des Flusses höre man Babyschreie. Die Polizei von Los Angeles nahm die Sache ernst – und fand ein lebendig begrabenes Baby. Der Fall schockiert selbst die Bewohner der Problemviertel von LA.

30.11.15, 10:12 30.11.15, 10:30


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Der Anruf kam am Freitag gegen 4 Uhr nachmittags: In den reicheren Vierteln der amerikanischen Städte tobte der Einkaufskampf des Black Friday. In Compton, einem der berüchtigtsten Vororte von Los Angeles, gab es andere Probleme: Am Fluss, so der Anrufer, höre man von irgendwoher das Schreien eines Babys.

Das Sheriff-Büro von LA County schickte zwei Beamte auf den Weg. Die Beschreibung war präzise genug gewesen: Ecke 136th Street und Slater Avenue, hatte der Anrufer gesagt. Die Beamten begannen zu suchen – und hörten schnell dumpf klingende Schreie, das Weinen eines Babys.

Facebook-Aufruf des LA County Sheriff's Department: Was bringt eine junge Mutter dazu, so etwas zu tun?
bild: facebook/LosAngelesCountySheriffsDepartment

Der Compton Creek, ein Zulauf des Los Angeles River, ist im Stadtgebiet von Compton eines dieser zubetonierten Flussbetten, wie man sie aus US-Thrillern kennt. Auch die Gegend passt in jeden Cop-Actionkracher: In Compton tobte einst der Bandenkrieg der Crips gegen die Bloods, und für Fans des Gangsta-Rap ist Compton das, was Nashville für Country-Freunde bedeutet. Compton gilt als eines der gefährlichsten Pflaster der USA.

Plötzlich läuft in Compton eine Wertedebatte

Doch was die Sheriffs da am Stadtrand in einem Schlagloch am Rande des betonierten Flussbetts fanden, erregt zurzeit selbst hartgesottene Gemüter: Unter einer Schicht von Betonschutt und Müll lag ein Schätzungen zufolge 36 bis 48 Stunden junges Baby. Kalt sei es gewesen, gaben die Beamten zu Protokoll, und die Schreie schon reichlich schwach. Doch der Säugling lebte. Inzwischen wird der Zustand des Kindes als stabil angegeben.

Jetzt sucht das Special Victims Bureau der Polizeibehörde nach den Eltern – und der öffentliche Aufruf nach Informationen verbreitet sich via Facebook wie eine Lawine. Noch hat er keine konkreten Informationen erbracht. Dafür hat er es geschafft, eine hitzige öffentliche Debatte in Gang zu setzen: Auch die Polizeibehörden nutzen den Fall, um die staatlichen Einrichtungen, die in solchen Fällen Hilfe bieten, bekannter zu machen.

Bei Facebook aber läuft etwas, das man eher selten mit Compton verbindet – eine Wertedebatte: über soziale Missstände in den harten Vororten der Grossstädte. Über verfallende moralische Standards. Über irregeleitete, teils religiös motivierte Orientierungen, die Empfängnisverhütung und Abtreibungen verbieten und Leute, die keine Kinder haben sollten, angeblich erst zu solchen Taten brächten. Über Armut, Moral und gesundes menschliches Empfinden.

pat

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    Alle Leser-Kommentare
  • Crisyscon 30.11.2015 10:31
    Highlight Soviel zum Stand der Gesellschaft und zur "Zivilisation".
    7 2 Melden

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