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3 Gründe, weshalb Trump die Republikaner im Sack hat

Mehrere US-Senatoren attackieren den eigenen Präsidenten. Trotzdem könnte Donald Trump am Ende als grosser Sieger dastehen. Dafür gibt es drei Gründe.

Roland Nelles, Washington



epa06288961 US President Donald J. Trump speaks to the media as he departs the White House for a fundraiser in Dallas, Texas, on the South Lawn of the White House in Washington, DC, USA, 25 October 2017. Trump spoke about his on-going feud with Senators Flake and Corker, as well as about his phone call to Gold Star widow Myeshia Johnson.  EPA/JIM LO SCALZO

An der Macht: Donald Trump. Bild: EPA/EPA

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Ich bin ziemlich intelligent», sagt Donald Trump. Da lacht der aufgeklärte Europäer erst mal auf. Aber Trump hat recht: Er ist intelligent, und er ist skrupellos. Genau diese Mischung ist Teil seines Erfolgsrezepts.

Trump hat die Wahl gewonnen, weil er intelligent genug war, zu erkennen, dass es nicht nur unter Republikanern, sondern auch unter Wählern der Demokraten eine tiefe Enttäuschung über die Politik in Washington gibt. Er war skrupellos genug, dieses Gefühl mit populistischen Tönen gegen die Eliten und mit einer aggressiv-nationalistischen Agenda in Wählerstimmen umzumünzen.

Die Mischung aus Intelligenz und Skrupellosigkeit könnte Trump jetzt wieder zum Erfolg verhelfen. Seine Partei, die Republikaner, sind tief gespalten. Etliche Republikaner im Kongress sind angewidert von Trumps Politikstil, von seiner Verachtung für Anstand und demokratische Prinzipien. Aber der Aufstand, den einige moderate Senatoren wie Jeff Flake oder Bob Corker in dieser Woche angezettelt haben, findet bislang kaum Widerhall.

Warum nicht? Drei Gründe sprechen dafür, dass Trump am Ende dieses Jahres als uneingeschränkter Herrscher bei den Republikanern dastehen könnte:

Trump erfüllt einen republikanischen Traum

FILE - In this May 4, 2017, file photo, President Donald Trump talks with House Speaker Paul Ryan of Wis. in the Rose Garden of the White House in Washington. Republican leaders on Wednesday, Aug. 16, tiptoed around Trump's extraordinary comments on white supremacists. Ryan said on Aug. 15

Bild: AP/AP

Die grosse Steuerreform ist das wichtigste Wahlversprechen der Partei. Nun stehen die Republikaner kurz davor, dieses Ziel zu erreichen. Sie haben bislang noch nicht viele Erfolge vorzuweisen, die Steuerreform soll endlich klappen. Deshalb wollen die meisten Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses keinen grundsätzlichen Streit mit Trump anzetteln. Ein Risiko bleibt die Debatte um die Details der Gegenfinanzierung der Reform. Aber immer deutlicher wird, dass Trump eine echte Chance hat, hier einen grossen Sieg einzufahren. Selbst Trump-Gegner wie Flake oder Corker könnten im Senat für das Projekt stimmen, schliesslich haben auch sie ihren Wählern Steuersenkungen versprochen. Im Repräsentantenhaus konnte Trump am Donnerstag eine wichtige Vor-Abstimmung gewinnen. Die Sache ging mit 216 zu 212 Stimmen denkbar knapp aus, Trump ist einem Erfolg trotzdem wieder einen Schritt nähergekommen. "Steuersenkungen sind der Kitt, der die Partei zusammenhält", urteilt die "New York Times".

Trump trifft den Ton der Basis

epa06243119 US President Donald Trump (C) greets people upon his arrival to Guaynabo in San Juan, Puerto Rico, 03 October 2017. Trump arrives to Puerto Rico to evaluate the response to hurricane Maria on the island during the controversy for their criticism of the management that the local authorities have made of the crisis.  EPA/Thais Llorca / POOL

Bild: EPA/EFE POOL

Die Zustimmungswerte für Trump liegen bei kläglichen 30 Prozent. Aber an der Basis in Texas, Tennessee oder Florida wird er als Held gefeiert, mehr als 80 Prozent der Anhänger der Partei stehen laut Umfragen hinter ihm. Dabei geht es den Mitgliedern der Republikaner gar nicht so sehr darum, was er bislang erreicht oder nicht erreicht hat. Die Unterstützung für Trump entspringt viel mehr einem starken Gefühl: Trump kämpft gegen das Establishment in Washington, er rackert sich ab. Der Präsident selbst bedient dieses Gefühl mit einer geschickten Kommunikationsstrategie: Er ist dauerpräsent in Interviews (vor allem bei "Fox News"), lobt sich via Twitter selbst, bejubelt die hohen Aktienkurse an der Wall Street, die sinkende Arbeitslosenquote, preist sie als Belege für seinen vermeintlichen Erfolg. Dass die Arbeitslosigkeit jetzt auch unter jedem anderen Präsidenten gesunken wäre, verschweigt der Meister des Egomarketings tunlichst - ebenso wie die Tatsache, dass er seit Amtsantritt bereits mehr als 70 Mal auf dem Golfplatz war. Für seine Fans gilt: "Right or wrong, my President." Sie würden Trump wohl sogar verzeihen, wenn die Steuerreform scheitert. Er könnte die Schuld dafür dann einfach auf seine Gegner in Washington schieben.

Trump erzeugt eine Kultur der Angst

epa06288962 US President Donald J. Trump speaks to the media as he departs the White House for a fundraiser in Dallas, Texas, on the South Lawn of the White House in Washington, DC, USA, 25 October 2017. Trump spoke about his on-going feud with Senators Flake and Corker, as well as about his phone call to Gold Star widow Myeshia Johnson.  EPA/JIM LO SCALZO

Bild: EPA/EPA

Trumps brutale verbale Angriffe auf Kritiker zeigen offenbar Wirkung. Selbst republikanische Kongressabgeordnete, die sich früher kritisch über Trump geäussert haben, geben sich inzwischen zahm und halten sich zurück. In Interviews wird jedes Wort vermieden, das wie Kritik am Präsidenten erscheinen könnte - offenbar aus Angst, der Herrscher im Weissen Haus könnte mit einer Twitter-Tirade zurückschlagen. Bei einem Mittagessen mit republikanischen Senatoren erhielt Trump diese Woche sogar "Standing Ovations". Die Abgeordneten wissen nur zu genau, wie beliebt Trump und seine nationalistische Agenda an der Basis sind, wenn sie sich gegen den Präsidenten stellen, droht ihnen massiver Ärger mit der eigenen Mitgliedschaft. Trump befeuert diese Stimmung zusätzlich, indem er bei der parteiinternen Vorauswahl von Kandidaten für die Parlamentswahlen 2018 nur solche Kandidaten unterstützt, die klar auf seiner Seite stehen.

So sieht alles danach aus, als würde die altehrwürdige Partei der Republikaner endgültig zur Partei Trumps. Es ist noch nicht lange her, da dachten die Parteigranden in Washington um Paul Ryan und Mitch McConnell, sie könnten Trump einhegen.

Jetzt ist es genau umgekehrt: Trump hat die Partei übernommen. Und die Funktionäre sind drauf und dran, sich zu ergeben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Butzdi 27.10.2017 19:51
    Highlight Highlight Es fehlt nr. 4: der Hass, auf Demokraten, Obama und alles was FoxNews als schlecht befindet.
    Die Taxreform wird zum Eigentor, denn auch die dümmsten werden herausfinden, dass nur Reiche profitieren. Momentan bereite ich mich auf Republikaner Steuer-Halloween vor: ich geb dem reichsten Kind alle meine Süssigkeiten und nehme dann an, dass es mache tricke down und verteile die Süssigkeiten an alle anderen
  • Sophia 27.10.2017 17:33
    Highlight Highlight Die Geschichte wiederholt sich immer und immer wieder. Die stolzen Patrizier Roms, welche jahrhunderte als Senatoren amteten und alles (zumindest das Wichtigste) in Rom bestimmten, benahmen sich plötzlich wie Lakaien, wie ängstliche Kinder, als sich Caesar als Imperator und Alleinherrscher selbst einsetzte. Wo sind die Brutusse unserer Zeit?
  • ohjaja! 27.10.2017 17:20
    Highlight Highlight 1933?
  • reconquista's creed 27.10.2017 16:55
    Highlight Highlight Apropos Trump ist intelligent...
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  • The oder ich 27.10.2017 15:34
    Highlight Highlight Ich hätte einen klitzekleinen Verbesserungsvorschlag für den Titel: ersetzt das "im" durch "am"^^
  • ....ich weiss nicht aber: 27.10.2017 14:53
    Highlight Highlight @meine Senf
    Ja nun, ich schaue mal in die Schweiz. Ich weiss nicht wie alt du bist, wie lange du Steuern bezahlst, wieviel du verdienst, in welchem Kanton du wohnst... Nur schon, dass von Kanton zu Kanton die Unterschiede so gross sind ist eine Sauerei. Es ist nicht normal, dass meine Frau und ich umgerechnet auf einen Tag, Fr. 75.-- Steuern bezahlen, währenddessen die Ämter und Gerichte Unmengen verschlingen und dies wegen Gesindel, welches als Schweizer wie Ausländer "Seich" macht. Zudem gehen de noch gerne in den Knast oder hängen am Sozialtropf. Danke Blitzer. Punkt.
    • aglio e olio 27.10.2017 16:42
      Highlight Highlight Was könnte man dagegen tun?
  • rodolofo 27.10.2017 14:15
    Highlight Highlight In Österreich liegt die ÖVP noch knapp vor der FPÖ.
    Aber das Verhältnis könnte bald umgekehrt sein.
    Auch hier findet eine Normalisierung von Rechtsnationalem- bis Neofaschistischem Gedankengut statt.
    In der Schweiz treibt die SVP ihre Bürgerlichen Sparring-Partner FDP und CVP vor sich her, so dass diese sich genötigt sehen, sich bei ihren Kollegen von Rechtsaussen immer mehr anzubiedern.
    Wo das alles hinführt?
    Der 3.Weltkrieg wird bereits auf Sparflamme geführt!
    Die Konflikte um knapper werdende Ressourcen und der sich verschärfende Klimawandel dürften ihn weiter anheizen.
  • Amadeus 27.10.2017 14:15
    Highlight Highlight Eine gute Zusammenfassung, die zwei Dinge aufzeigt.

    1) Die meisten Politiker sind Opportunisten. Das ist leider weder neu noch überraschend.

    2) Der 'mündige Bürger' ist leider nicht so objektiv und selbstbestimmt wie er sich selbst gerne sieht. Ein bisschen Nationalismus, Feindbilder und leere Versprechen reichen, um die personifizierte Unfähigkeit als Präsident zu wählen.

    Und im Nachhinein will es dann wieder keiner gewusst haben und die Verantwortung übernehmen.



    • Sandro Lightwood 27.10.2017 16:21
      Highlight Highlight Amadeus, grundsätzlch einverstanden. Punkt 1 trifft aber m.E. auf den Grossteil der Menschen zu. Ist kein Politiker-Phänomen an sich.
  • Emanzipator 27.10.2017 13:58
    Highlight Highlight Es ist immer gefährlich machtbesessene als dumm, verrückt oder zu unbeliebt zu verharmlosen....

    Das hat schon manchem Tyrannen in die Hände gespielt!
    • Snowy 27.10.2017 14:09
      Highlight Highlight Denke nicht, dass jetzt noch irgendjemand (der bei Sinnen ist) Trump verharmlost...
    • Genital Motors 27.10.2017 14:58
      Highlight Highlight mir ist Trump aber sowas von egal. lebe auch ohne ihn ein angenehmes leben.
    • SemperFi 29.10.2017 07:36
      Highlight Highlight @Genital Motors: Und die Klimaerwärmung stört Sie auch nicht, weil Sie eine eigene Klimaanlage haben, oder?
  • icarius 27.10.2017 13:23
    Highlight Highlight Soweit so deprimierend.
  • Zeit_Genosse 27.10.2017 13:18
    Highlight Highlight Die Reps sind nicht zu beneiden. Gefangen im eigenen Sumpf.
    • Asmodeus 27.10.2017 14:05
      Highlight Highlight Verdient haben sie's, aber der Rest des Planeten leidet mit.
  • Snowy 27.10.2017 13:08
    Highlight Highlight Tump ist intelligent?

    Dies am Tag an dem er die JFK-Files doch nicht vollständig veröffentlicht - dies aber selber gross angekündigt hatte...?
    Missgeschick/Versehen? Nein: Der ganze normale Alltag im weissen Haus.
    Beinahe täglich könne wir live beobachten, dass dieser Mann seine Handlungen und Aussagen überhaupt nicht reflektiert und immer nur bis zum nächsten Tweet denkt.

    Der Grund für seine Erfolge liegen nur sehr beschränkt an seiner klugen Taktik, sondern viel mehr darin, dass er der "richtige" Mann, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Gegnerin war/ist.
    • bokl 27.10.2017 13:55
      Highlight Highlight "dass er der "richtige" Mann, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Gegnerin war"

      4x Glück kann natürlich sein, ist aber sehr unwahrscheinlich. Auch wenn es manchereins schwerfällt. So dumm, ist der Trump wohl doch nicht.
    • Emanzipator 27.10.2017 14:02
      Highlight Highlight Und genau diese verharmlosende Haltung (die impliziert, dass der Sturz eine Frage der Zeit ist) gibt ihm ausreichend Spielraum um seine Macht totalitär auszubauen!
    • Snowy 27.10.2017 14:07
      Highlight Highlight "Dumm ist wer dummes tut."

      Forrest Gump

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  • meine senf 27.10.2017 13:04
    Highlight Highlight Wenn doch die Wähler nur etwas begreifen würden:

    "Weniger Steuern!": tönt immer super.

    Aber das heisst doch beim kleinen abgehängtem Geringverdiener, der ja offenbar besonders Trump-Anhänger ist:
    10 Dollar weniger Steuern pro Jahr. Dafür wird z.B. das Schullager der Kinder 100 Dollar teurer.

    Beim Milliardär heisst das: 1'000'000 Dollar weniger Steuern pro Jahr. Dafür wird z.B. das Schullager der Kinder 100 Dollar teurer.

    Wer profitiert davon und wer wird mehr belastet?

    (Beispiel und Zahlen sind vielleicht gesucht, aber es geht um das Prinzip. Auch in der Schweiz).
    • NWO Schwanzus Longus 27.10.2017 14:40
      Highlight Highlight Stell dir vor die SP will in der Schweiz Steuersenkungen für alle durchsetzen. Würdest du immernoch so argumentieren? Oder Argumentierst du nur so weil es Trump ist?
    • Snowy 27.10.2017 15:12
      Highlight Highlight Trickle down / Reagonomics funktionieren nicht - im Gegenteil.
      User Image
    • Snowy 27.10.2017 16:19
      Highlight Highlight @Bolt: Bitte erzähl keinen Stuss. Die Linke will die Reichen tendenziell höher besteuern (u.a. mit der überfälligen Erbscahftssteuer - die fairste Steuer überhaupt) .
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